Ein Schauspieler der leisen Töne

Horst Mendelsohn feierte seinen 80. Geburtstag

Fast zehn Jahre ist es nun schon wieder her, dass Horst Mendelsohn seine Abschiedsvorstellung an den Landesbühnen Sachsen gab, jenem Theater, wo er über vier Jahrzehnte in unzähligen Rollen auf der Bühne gestanden und für die langjährigen Radebeuler Theatergänger immer »irgendwie dazu gehört« hatte. Gegeben wurde Michael Frayns Komödie »Der nackte Wahnsinn«; Horst Mendelsohn war darin in der Rolle eines 70-jährigen Schauspielers zu erleben. Zufall oder nicht – jedenfalls feierte Mendelsohn zwei Tage nach der Premiere am 6. Februar 2000 seinen eigenen 70. Geburtstag. Und längst schon stand für ihn fest: Es wird ultimativ die letzte Spielzeit sein. Mit der ihm eigenen Konsequenz begründete er damals seine Entscheidung: »Ich möchte nicht irgendwann mal hilfsbedürftig auf der Bühne stehen wie manch anderer, der glaubt, nicht aufhören zu können.«

Denen, die ihn in zahlreichen Inszenierungen am Radebeuler Theater und auf der Felsenbühne Rathen erleben konnten, bleiben die Erinnerungen an einen Mimen, der stets mit Akribie an die Erarbeitung seiner Rollen ging. An einen, der noch jenem – mittlerweile längst ausgestorbenen – Schauspielertyp angehörte, der jede neue Rolle als die wichtigste Aufgabe betrachtete.

1960 – ganz am Anfang seines Radebeuler Engagements – war es vor allem die Rolle des Raimund in der »Jungfrau von Orleans« und 1963 die des Mephistopheles im »Urfaust«, in denen der gebürtige Berliner das Publikum von seiner Kunst überzeugen konnte. Der Peachum in der »Dreigroschenoper« kam dazu, der Oberon im »Sommernachtstraum«, Napoleon in »Krieg und Frieden« und zahllose weiter Rollen, nicht zu vergessen natürlich die Figur des Prof. Grey in der unverwüstlichen »Feuerzangenbowle«. Auf seine Laufbahn zurückblickend, sagte Mendelsohn einmal: »Ein Brüller war ich nie!« Ihm lagen die stilleren Charaktere mehr als die lauten.

Einer ganz anderen und viel Engagement fordernden Aufgabe widmete sich Horst Mendelsohn im Herbst 1989. Damals stellte er sich – gemeinsam mit dem heutigen Intendanten Christian Schmidt und dem damaligen Kapellmeister Matthias Liebich – zur Verfügung, als es darum ging, das Theater in einer schwierigen politischen Situation nicht kopflos zu lassen.

Sechs Intendanten erlebte Mendelsohn in seiner aktiven Zeit allein in Radebeul. Sie kamen und gingen wieder, Horst Mendelsohn aber blieb. Die Stadt Radebeul ehrte den Schauspieler am 9. September 2000 mit der Verleihung des städtischen Kunstpreises, unter anderem dafür, dass »er stets seine ganze Kraft und seine Persönlichkeit in den Dienst des Theaters gestellt hat«.

Am 8. Februar feierte Horst Mendelsohn seinen 80. Geburtstag. Dazu im Nachhinein unseren herzlichen Glückwunsch!

W. Zimmermann

[V&R 3/2010, S. 12]

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