Ein Meister der kompromisslosen malerischen Satire

Der Radebeuler Maler und Grafiker Claus Weidensdorfer wird 80

Natürlich gibt es – dem Anlass entsprechend – eine Ausstellung. Die sehen zu wollen, muss man sich aber ins Auto setzen und rund 80 Kilometer bis nach Cottbus fahren. Im dortigen Kunstmuseum Dieselkraftwerk kann man derzeit und noch bis zum 14. September 2011 einer Fülle dieser so unverwechselbaren Bilder von Claus Weidensdorfer begegnen. Wobei »erleben« dafür der treffendere Begriff wäre, wollte man versuchen, die Kunst Weidensdorfers irgendwie einzuordnen. Tatsache ist jedenfalls; in seinen Bildern begnügt er sich nie mit dem bloßen Zeigen von Zuständen innerhalb der menschlichen Gemeinschaft. Er malt oder zeichnet vielmehr den Menschen stets im Konflikt mit seinem Umfeld.

"Die Drinnen - Die Draußen", Mischtechnik, 1989

In diese aktuelle Ausstellung hinein bettete sich nun Claus Weidensdorfers 80. Geburtstag. Den der 1931 in Coswig gebürtige und seit 1976 in Radebeul lebende und arbeitende Künstler am 19. August beging. Solch ein Geburtstag ist ja eine unumstößliche Tatsache, denn das Leben schreitet unaufhörlich fort. Doch wüsste man nicht um diese Zahl und hätte ganz unvoreingenommen eine von Claus Weidensdorfers Radierungen vor dem Auge, dann würde man auf einen eher jugendlichen Blick eines Malers auf das Leben schließen. Sehr oft hat der Künstler junge bzw. jüngere Menschen im Fokus seiner Malerei. Das macht vor allem Sinn, weiß man um die Affinität Weidensdorfers zum Jazz. Freilich nicht zu irgendeiner Ausdrucksform dieses Musikstils, sondern ganz konkret zur freien improvisierten Musik – landläufig auch »Free Jazz« genannt. Eine Musik, die in ihrer Unberechenbarkeit und in ihrer Spontaneität der Arbeitsweise eines Bildenden Künstlers sehr verwandt scheint. Claus Weidensdorfers aktives Mittun in dieser Szene ist legendär. Multimediale Aktionen, bei der die freie improvisierte Musik der Malerei ebenso viele Impulse lieferte wie es die Malerei auch für die Musik tat, fanden in der Kunstszene DDR der 1980-iger Jahre mehr und mehr Zulauf. Und standen daher permanent im Fokus der Staatsmacht. Und Claus Weidensdorfer war mittendrin und ganz direkt dabei. Eines der vierzig Faltrollobilder, die während der Coswiger INTERMEDIA I 1985 die Brüstung im Saal der dortigen »Börse« verzierten, stammte von ihm. Malerei wie diese begleitete damals einen untergehenden Staat und machte dessen Fehler öffentlich.

1992 wurde Claus Weidensdorfer zum Professor für Malerei und Grafik an der HfBK Dresden berufen und gab dort bis 1997 sein Wissen und seine Erfahrungen an die Kunststudenten weiter. Für seine künstlerischen Wortmeldungen ist Claus Weidensdorfer in der Vergangenheit vielfach mit Preisen bedacht und auch anderweitig umfangreich geehrt worden. Unter anderem ist er auch Kunstpreisträger der Stadt Radebeul und in größeren Abständen kann man auch seinen Arbeiten in Gemeinschaftsausstellungen innerhalb Radebeuls begegnen. Claus Weidensdorfers Alterswerk unterscheidet sich glücklicherweise kaum von dem, was er an künstlerischen Wortmeldungen zuvor abgeliefert hat. Ein Kritiker mit dem feinen und hintersinnigen Humor ist er bis heute geblieben.

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