Eine „Messerinstallation“ und andere Aufgeregtheiten

Die Radebeuler Stadtgalerie zeigt Arbeiten der Bühnenbildnerin Ulrike Kunze

Oh ja, er ist sich seiner Macht wohl bewusst; der junge König aus dem Märchen „Musila der Musiker“. Etwas gelangweilt – um nicht zu sagen blasiert – mustert er als lebensgroße Theaterplastik aus erhabener Position seine Untertanen. Darunter ordnet dieser König sicher auch die zahlreichen Besucher ein, die Anfang Februar zur Vernissage der Ausstellung der Bühnenbildnerin Ulrike Kunze gekommen waren. Ebenfalls jene, die in den Wochen danach den Weg in die Radebeuler Stadtgalerie fanden und noch finden werden.

Axel Richter, Ulrike Kunze und Dietrich Kunze

Denn an einem solchen Ort – der in der Regel den Bildenden Künsten Malerei, Grafik und Bildhauerei vorbehalten ist – fristet das Genre Bühnenbild doch eher ein Schattendasein. Obwohl gerade der Bühnenbildner imstande ist, auf vielen Pfaden der Kunst unterwegs zu sein. Er vereint in seinem Berufsbild nämlich Literatur- und Musikkenner wie auch einige der traditionellen Handwerksberufe (Schneider, Tischler, Maler etc.).

Für die Ausstellung mit Arbeiten von Ulrike Kunze gab es allerdings auch einen sehr triftigen Grund. Die Radebeulerin feierte vor wenigen Monaten einen sehr runden, nämlich ihren 60. Geburtstag. Ein würdiger Anlass also für eine Rückschau auf berufliche Erfolge. Und genau das macht die Ausstellung auch sichtbar.

Figurine zu »Der Teufel mit den drei goldenen Haaren«

Dabei führte ihre berufliche Entwicklung keineswegs geradewegs zum Theater und dort zum Beruf der Bühnenbildnerin. Der Vater – Günter Schmitz (er verstarb 2002) – zählte zu den bekanntesten Aquarellisten in der Region Dresden. Das zeichnerische Talent vererbte er an seine Tochter. Doch die wollte partout in eine andere Richtung gehen und schrieb sich für ein Mathematikstudium an der TU-Dresden ein. Es dauerte aber nicht sehr lange, bis sie merkte, dass die Wissenschaft der Zahlen eigentlich nicht ihr Ding war. Zeitgleich begeisterte sie sich für das Amateurtheater und wurde Mitglied des Jugendtheaters „Heiterer Blick“ in Radebeul. Und dort sprang ganz folgerichtig auch der berühmte Funke über. Sie begann sich nämlich für die notwendigen Begleitumstände jeder Theaterinszenierung – nämlich die zum jeweiligen Stück passende und es zugleich untermalende wie erklärende Kulisse – brennend zu interessieren. Die Mathematik verschwand nun tief unten in der Schublade, die Theaterliebe nahm überhand und führte folgerichtig zum Studium an die HfBK Dresden, wo sie dann u.a. bei solch bekannten Persönlichkeiten studierte, wie es bspw. der Maler Professor Günter Hornig war und ist. Ein Skizzenblatt aus dem 1. Studienjahr – das im Unterricht von Hornig entstand – gehört zur Ausstellung und zeigt eine wunderbar triste und von elementarer Einsamkeit geprägte Landschaft.

Das alles aber sind wohl Erinnerungen an Gestern; das heutige Berufsleben ist dagegen sowohl von ihrer Theaterarbeit am Dresdner „Theater junge Generation“ geprägt – wo sie seit 2003 als Ausstattungsleiterin unter Vertrag ist – als auch von zahlreichen freiberuflichen Aufträgen, die sie an viele andere Theater und Bühnen führt.

Theaterplastik, König aus »Musila, der Musiker«

So schuf sie 1982 das Bühnenbild zu Goethes „Clavigo“ am Theater Bautzen; hatte mit Volker Brauns Inszenierung der „Frauenprotokolle“ im Jahre 1982 am Nationaltheater Weimar eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, schuf Bühnenbilder an den Theatern Freiberg zu „Wilhelm Tell“, inBautzen zu „Clavigo“ oder in Meiningen zu „Die Shakespeare-Sonette“.

Pro Jahr würde sie im Durchschnitt fünf Theaterinszenierungen ausstatten – sagt Ulrike Kunze. Rechnet man diese Zahl in die Jahre ihrer praktischen Arbeit um, dann kommt am Ende immerhin die stolze Zahl von etwa einhundert Ausstattungen zusammen. Auch diese beeindruckende Statistik berührt den jungen König im Treppenhaus der Stadtgalerie scheinbar überhaupt nicht. Er hat nur zu repräsentieren. Und das macht er ganz ordentlich.

KURZVITA

1951 geboren in Radebeul
1970-73 Studium Mathematik TU Dresden
1973-79 Studium Bühnenbild HfBK Dresden
1979-84 Bühnenbildnerin Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen
1984-2003 freischaffend
1992-95 Freie Mitarbeiterin MDR-Mitteldeutscher Rundfunk Kultur
seit 2003 Ausstattungsleiterin Theater Junge Generation Dresden
1979-2012 Mitwirkung an 112 Inszenierungen

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