Editorial Aprilheft

»Der Winter zog sich in raue Berge zurück…« – Im Anblick des grünenden Frühlings unter blau gewölbtem Himmel sind die kalten kargen Wintertage schon bald in Vergessenheit geraten. Kaum vorstellbar, dass die Nachwirkungen einer verdrängten Jahreszeit noch weit in die Gegenwart reichen können. In vielen Weinbergen ist das charakteristische Schnittgeräusch der Rebscheren noch zu vernehmen, das monoton, nicht aber ohne Rhythmus vom Fortschritt in der Weinbergsarbeit kündet.

Manche Winzer werden bangen Blickes auf den Austrieb warten. Einige werden in angeschnittenen Augen vielleicht schon den einen oder anderen Frostschaden festgestellt haben. Aber wieviel den Temperaturen von zum Teil unter minus 20 °C in den Januar- und Februartagen zum Opfer fiel, wird erst beim flächendeckenden Austrieb der Bogreben abschließend zu bewerten sein. Hier wird es in Abhängigkeit von Rebsorte und Lage auch wieder erhebliche Unterschiede geben. Der äußerst frostbeständige Riesling wird bspw. wohl kaum Schaden genommen haben. Sowieso dürften die steileren Weinhänge weitgehend verschont geblieben sein. Wer allerdings den in weiten Teilen sehr geschätzten Müller-Thurgau in tiefere Flachlagen setzte, könnte von den eisigen Auswirkungen noch bitter überrascht werden. Den letzten herben Dämpfer gab es hier durch den strengen Frost im Januar 2009. Nicht wenige Stöcke mussten in der Folge ganz gerodet werden.

Nun ja, wiederkehrende Unbilden in Form von Kälte, Nässe oder Trockenheit werden im landwirtschaftlichen Jahreskreis nun nie ganz auszuschließen sein. So gilt – es geht immer weiter! Und so wollen wir uns zunächst auf den noch reifenden Wein des letzten Sommers freuen, der spätestens mit Öffnung der Straußwirtschaften allerorten zu probieren sein dürfte.

schlechtbescheidenmittelmäßiggutexzellent (Noch nicht bewertet)
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