Gedanken zu einem Radebeuler Kleinod, welches mir seit mehr als 40 Jahren sehr am Herzen liegt.

Liebe Frau (Gerhardt) Baum,

ich möchte anknüpfen an Ihren Artikel in Vorschau & Rückblick vom Mai 2015. Im gleichen Heft gibt es eine Einladung für den 4.6.2015 anlässlich des 100 -jährigen Jubiläums zum Erwerb der Hoflößnitz durch die Gemeinde Oberlößnitz. Der Verein für Denkmalpflege und neues Bauen e.V. lädt gemeinsam mit dem Verein Kulturlandschaft Hoflößnitz ein, zur Vorstellung der geplanten Umbauten durch den Stiftungsvorstand und das ausführende Architekturbüro, inkl. einer Baustellenbesichtigung und einem zweiten Teil der Veranstaltung mit hoffentlich guten Gesprächen unter den Kastanien. Im Grunde ist das ein Ereignis, auf das man sich freuen kann, wäre das Geschehen in der Hoflößnitz nicht seit einigen Jahren Grund für Sorge, Ärger, Missverständnisse und Ratlosigkeit.

Ihr Aufruf, liebe Frau Baum, doch bewusster mit der Meinungsfreiheit zu verfahren, fordert mich im Zusammenhang mit der beschriebenen Einladung geradezu auf, meine Gedanken zur Hoflößnitz doch endlich einmal aufzuschreiben.

Zum besseren Verständnis wird es hilfreich sein, zurückzugehen, in eine Zeit, als es nicht nur die örtliche Nähe zwischen unserem Haus und der Hoflößnitz gab, sondern auch ein selbstverständliches Miteinander zwischen den Verantwortlichen der Hoflößnitz und unserer Familie. In den Jahren zwischen 1977 und 1985 wurde das Erdgeschoss des Lusthauses gründlich saniert und restauriert. Mein Mann war Berater bei allen baulichen Belangen, Gunther Herrmann leitete die restauratorischen Arbeiten und Prof. Heinrich Magirius vom Landesamt für Denkmalpflege betreute die denkmalpflegerischen Belange. Nach und nach wurde dazu parallel mit der Gestaltung der Weinbauausstellung in den restaurierten Erdgeschossräumen begonnen. Es wuchs langsam eine Ausstellung heran, an die man sich gern erinnert. (s. Artikel von I. Rau in Vorschau & Rückblick 10/2014, in dem sie von einer Weinbauausstellung erzählt, die modernen und didaktischen Anforderungen voll gerecht wurde, oder auch der Artikel von Frau Neumann im Heft 12 /14 zur „Jugend im Weinberg“).

Die 2001 erschienene prächtige Festschrift – 600 Jahre Hoflößnitz- würdigt ein Kleinod der Radebeuler Geschichte, das es heute gar nicht mehr zu geben scheint, glaubt man den immer wieder erneut vorgetragenen Klagen des Stiftungsvorstandes, dass sich das Ensemble Hoflößnitz 2008 in einem völlig desolaten Zustand befunden habe, und das alle Bereiche betreffend. Dies sei auch der Grund für die noch immer nicht bewältigten finanziellen Schwierigkeiten.

Ein Blick nur in die Öffentlichkeitsarbeit der Hoflößnitz spricht eine andere Sprache.

2001 Sonderausstellung „Reben im Elbtal“
2002 Sonderausstellungen „Kutte und Kelter“ sowie Lebensraum Weinberg“, Beginn der Erarbeitung einer neuen Dauerausstellung (bis 2010)
2003 Sonderausstellung „Der Wettiner und der Wein“
2004 Wanderausstellung “Das Weinland Burgund“
2005 Wanderausstellung „400 Jahre Terrassenweinbau im Elbtal“
2006 Sonderausstellung „Die Fürstenbildnisse aus dem Festsaal der Hoflößnitz“
Bis 2010 Arbeit an der neuen Dauerausstellung über den Weinbau in Sachsen in den Räumen des Lustschlosses (u.a. die „Gläserne Rebe“) und Vorkonzeption eines begehbaren Weinbergs.

Die Wanderausstellungen wurden an die verschiedensten Institute und Museen in den alten und neuen Bundesländern ausgeliehen.

Alle Ausstellungen wurden von der Landesstelle für Museumswesen und dem Kulturraum Elbtal gefördert.

Inhaltlich und gestalterisch wurde für die Ausstellungen mit verschiedenen
Hochschulen und Fachschulen zusammen gearbeitet, unter anderem der HTW Dresden und der Fachhochschule für Weinbau in Geisenheim.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen zur Geschichte der Hoflößnitz sowie des sächsischen Weinbaus, auch die Drehbücher und das Material der Ausstellungen wurden im Depot in einem speziell dafür eingerichteten Computer abgespeichert und waren der interessierten Öffentlichkeit zugänglich.

Was ist aus der neuen Dauerausstellung und den Wanderausstellungen geworden, die ja durch Ihre Förderung auch eine Bindungsfrist haben? Die Arbeit von vielen Menschen über einen Zeitraum von 30 Jahren wird ignoriert und zunichte gemacht. Hat man heute eine Frage an die Hoflößnitz, muss diese schriftlich gestellt werden und die Beantwortung kann viele Monate dauern.

Neben dem großen Engagement der früheren Mitarbeiter der Hoflößnitz, denen allen gekündigt wurde, gab es auch eine ganze Reihe namenswerter Unterstützung durch Institutionen und Personen, die das Konzept des Hauses begleiteten und förderten. Ich denke dabei an den sächsischen Weinkonvent, den Verein Kulturlandschaft Hoflößnitz oder die Personen, die ehrenamtlich engagiert und doch auch kritisch für die Hoflößnitz tätig waren. Die meisten von ihnen sind frustriert, enttäuscht und das frühere Engagement ist eingefroren.

Warum ich das alles schreibe? Mich bewegt dieses Thema seit langem. Ich habe so viele offene Fragen, auch zu den großen Bauvorhaben, die uns demnächst vorgestellt werden.

Im aktuellen Prüfbericht des Rechnungshofes heißt es, dass im Falle der Höflößnitz die Wahrnehmung kommunaler Aufgaben und damit die Wahrung des öffentlichen Zwecks überwiegend nicht nachvollziehbar sei, wodurch der eigentliche Zweck einer kommunalen Stiftung nicht erfüllt ist. Dabei war und ist die Hoflößnitz in der glücklichen Lage immer wieder mit Fördermitteln großzügig unterstützt zu werden.

Im Januar 2012 las ich in der Zeitung, dass mit Hilfe moderner Scannverfahren und Skalpell die Wände der Tafelstube auf alte Wandmalereien untersucht werden, damit anschließend die Räume in Anlehnung an den kurfürstlichen Pomp wieder eingerichtet werden. Der durch die Ostdeutsche Sparkasse finanzierten Aktion fiel mein in den 80er Jahren gefertigtes Wandbord, für dessen Bau ich nach entsprechenden Befunden beauftragt worden war, zum Opfer. Ansonsten hat sich aber bis auf frisch übertünchte Wände nichts verändert. Es gab nämlich keine neuen Befunde für eine neue Wandfassung! Wie ist ein solch großzügiger Umgang mit Fördermitteln zu begründen? In der oben erwähnten Festschrift gibt es einen ganzen Artikel zu den Freilegungsarbeiten von Gunther Herrmann, er ist Radebeuler und man hätte ihn auch direkt vor Beginn der nutzlosen Freilegungsarbeiten befragen können. Die Fördergelder hätten den noch immer auf ihre Restaurierung wartenden barocken Stühlen so gut getan. Zwei Stühle der insgesamt 14 Stühle hatte ich restauriert, für die restlichen 12 Stühle gab es auf der Internetseite der Hoflößnitz einen Spendenaufruf, den es schon lange nicht mehr gibt. Die Stühle waren für die Tafelstube vorgesehen. Mehr Pomp, als vergoldete Stühle, ist doch gar nicht möglich. Was aber ist aus diesen Stühlen geworden?

Ich habe mir vorgenommen, offen und ehrlich zu sein! Also, die derzeitige Ausstellung “850 Jahre Weinbau“ macht mich sprachlos! Das Museumskonzept scheint vom Pech verfolgt. Die wunderschöne Weinbauausstellung der Vorwendezeit sollte durch ein neues Museumskonzept mit neuen Vitrinen abgelöst werden. Das kurz vor seinem Abschluss stehende Werk konnte nicht vollendet werden, da die Nachfolgerin der abrupt gekündigten Frau Zeidler, Frau Dr. Giersberg ihrerseits ein eigenes neues Konzept planen wollte, mit wieder neuen Vitrinen, was jedoch durch ihre ebenso abrupte, wenn in diesem Fall auch selbst gewählte Kündigung nicht realisiert wurde. Bedeutet das, dass mit jedem Wechsel des Leiters auch eine Neugestaltung der Ausstellungsräume einher geht? Dem Museum selbst bekommt diese Verfahrensweise absolut nicht.

In der Zeit von 1984 bis 2006 habe ich mehr als 60 Ausstellungsstücke restauriert oder neu gefertigt. Kein einziges der ausschließlich handgefertigten Ausstellungsmöbel aus dieser Zeit, auch keine Vitrine aus der Nachwendzeit findet man in der Ausstellung. Auch kein einziges der vielen restaurierten Exponate konnte ich entdecken. Wo sind die Schränke, Stühle, Figuren, Leuchter? Wo ist das alles hin?

Lediglich von der spätbarocken hölzernen Winzerfigur habe ich in der Zeitung gelesen, dass sie gestohlen wurde. Dem Winzer hatte ich eine kleine Vitrine gebaut, zu seinem besseren Schutz, aus der er aber nach 2008 befreit wurde, aber das schreibt er ja selbst in seiner Flaschenpost, veröffentlicht in Vorschau &Rückblick vom September 2013. Für seinen Verlust hat bis heute keiner aus dem Hause der Hoflößnitz die Verantwortung übernommen.

Zum Diorama „Herbst“ las ich in der Bildzeitung vom 19.8.2014 mit Verwunderung, dass die Figuren des Dioramas seit Menschengedenken verschollen waren und nun erstmals wieder gezeigt werden, Anlass für Jubel bei den Historikern, war weiter zu lesen. Eben dieses Diorama hatte ich in den 80er Jahren restauriert, es war danach ausgestellt und ist auch in der Festschrift abgebildet und beschrieben. Später habe ich auch den „Winter restauriert, der aber wohl noch auf seine Wiederentdeckung warten muss.

Prof. Magirius schreibt in einem Beitrag zur „Denkmalpflege im Weingut Hoflößnitz seit 1945“, dass es ein Glück ist, dass die notwendige Sanierung und Neueinrichtung der Schoppenstube nach Plänen von Thilo Hänsel den richtigen bescheidenen Ton anschlägt, da in dieser Zurückhaltung und Zweckmäßigkeit ihr Reiz liegt. Was ist aus diesem besonderen Reiz der gastronomoischen Betreuung in der Hoflößnitz geworden? Das wird jeder selbst entscheiden, der in den letzten Jahren dort gewesen ist.

Welcher der sächsischen Winzer wurde im Vorfeld zu den gigantischen und äußerst kostenaufwändigen Plänen der Hoflößnitz, nämlich deren Entwicklung zum touristischen Zentrum des sächsischen Weines befragt? Genügte nicht der dortige Weinladen, in dem die Weine der Hoflößnitz und anderer sächsischer Winzer angeboten wurden?

Welchen Einfluss hat der Prüfbericht des Rechnungshofes, wenn er den überdimensionierten Plan nicht stoppen kann?

Es gibt doch schon das große Weingut Schloss Wackerbarth mit allen Voraussetzungen große Besuchermengen problemlos zu empfangen, angefangen vom Parkplatz bis hin zu großen repräsentativen Kellerräumen für Verkostung und Tagungen. Kann das nicht für eine Stadt wie Radebeul genügen, deren Reiz gerade im bisherigen Erhalt der gewachsenen Kleinteiligkeit liegt?

Was ist der Grund für das starre Festhalten an einem Konzept, welches von Anfang an und zunehmend mehr Schwierigkeiten macht und unter der Bevölkerung so wenig Beifall findet. (Ich denke in dem Zusammenhang an die unerwartet heftige Diskussion bei der Veranstaltung „Quo vadis Hoflößnitz“.) Wird die Realisierung des ehrgeizigen Projektes nicht genau diesen seltenen Reiz vollständig zunichte machen?

Woran liegt es, dass gutgemeinte und wohlwollend vorgetragene Meinungen zur Entwicklung in der Hoflößnitz seit 2008 kein Gehör finden?

Ich will schließen mit den Erinnerungen von Ilona Rau aus ihrem Beitrag “und immer waren die Eröffnungen unter den Kastanien etwas Besonderes“.

Das wünsche ich mir sehr, diese guten Gefühle von vertrauensvollem Umgang miteinander, ungestrafter Offenheit und Wohlfühlen unter den Kastanien der Hoflößnitz.

Vielen Dank für ihre Aufforderung zu mehr Offenheit!

Mit vielen Grüßen
Elisabeth Aust

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Ein Kommentar

  1. Sebastian Hennig
    Veröffentlicht am Mo, 1. Jun. 2015 um 16:49 | Permanenter Link

    Danke für die erhellende Beschreibung der Hintergründe. Das Einzige, was mich daran seltsam berührt ist die Tatsache, dass dergleichen Unregelmäßigkeiten (gelinde gesagt) nur schmerzen, wenn das Messer durch die eigene Haut dringt. Es ist wie mit den Museumsdirektoren und den Vitrinen: Solange die Welle mich trägt, schwinge ich mit, die ersten Brecher treffen mich dann ärgerlich an.
    Das darf sagen, wer nicht mitschwingen möchte, solange die Wellen nur Chaos zeugen. (Physikalisch ist das natürlich Unfug aber metaphorisch unwiderlegbar.)

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