Zum Ableben von Klaus Kaufmann – Formgestalter und Innenarchitekt

 

Im April 2004 konnte die Redaktion „Vorschau und Rückblick“ Klaus Kaufmann mit einem Artikel von Dietrich Lohse zum 80. Geburtstag recht herzlich gratulieren. (s. auch Vorschau und Rückblick, Heft 4, 2004)
Nun ist Klaus Kaufmann am 03.02.2018 im Alter von 93 Jahren verstorben.

Ich war ihm seit der Zeit meines Studiums der Architektur (1968 bis 1972 an der TU Dresden) sowohl persönlich als auch fachlich sehr verbunden.
Ich erlebte den Kaufmann’schen Haushalt, seine Frau und er, beides Architekten, als eine für mich ganz neue Welt.
Es war ein offenes Haus, es wurden Gäste empfangen, es gab einen großen Freundeskreis, es wurde musiziert, viel gelesen und vor allem mit Lust und Engagement viel gearbeitet. Es herrschte, wie man sagt, eine allumfassende Kreativität.
Bereits mit Beginn des Studiums verdingte ich mich bei dem Ehepaar Kaufmann im damaligen Atelier, im Gartensaal des Hauses Sorgenfrei in der Radebeuler Oberlößnitz als angehender Architekt als „Zeichenknecht“. Neben dem Studium bedeutete das auch, im Nebenjob Geld zu verdienen.
Immerhin stolze 5 Mark der DDR pro Stunde. Dabei lernte ich unglaublich viel vom Handwerk des Architekten. Neben Zeichenarbeit für vielerlei Projekte die bearbeitet wurden, bin ich dann oft mit der Frau des Hauses, eine geborene Jörissen, über die, wie man so sagt, Dörfer gezogen und habe gemeinsam mit ihr Gasthöfe, Ladengeschäfte und andere Baulichkeiten aufgemessen und die Ergebnisse dann aufgetragen.
Klaus‘ Arbeitsweise war äußerst komplex. Die Herangehensweise an seine Aufträge war geprägt von dem Ringen nach Perfektion im besten Sinne des Wortes.
Er war besessen vom Detail. Er nannte es immer: Du musst um die Ecke denken, das hieß, was man im Grundriss entwickelte, musste auch quasi 3-dimensional durchdrungen werden.
Heute, mit der breiten Anwendung der CAD-Zeichentechnik ist das oftmals nicht das Problem (wenn man es beherrscht). Damals wurden die Projekte so ausgelegt, dass neben Grundriss auch sofort Schnitt und Ansicht angelegt wurden, um dieses Um-die-Ecke-Denken frühzeitig prüfen zu können.
Sein Arbeitspensum war atemberaubend: früh waren Baustellen oder Werkstätten zu besuchen, Beratungen zu führen, nachmittags oft bis in den späten Abend hinein wurden die Ergebnisse des Tages gezeichnet und Neues für den kommenden Tag entwickelt.
Neben ganz viel Kaffee, kein Alkohol, kam der Spaß nicht zu kurz. Schallplattenaufnahmen von Emil Steinberger, Karl Valentin oder Spejbl und Hurvínek haben wir rauf und runter gehört, bis wir sie endlich auswendig konnten bzw. haben uns diese so zu eigen gemacht, dass wir uns mühelos in dem jeweiligen Idiom zurechtfanden und aufpassen mussten, um Besucher oder Kunden nicht zu befremden.
In den vielen Stunden der Tätigkeit im Kaufmann’schen Büro lernte ich eine Vielzahl von Kollegen kennen, denen ich noch heute mit großem Respekt und auch Dankbarkeit begegne.
Darüber hinaus half mir meine Tätigkeit letztendlich, einen „richtigen“ Job zu finden. Die Arbeit am „Heiteren Blick“, dem Kulturhaus des damaligen VEB Planeta, brachte mich mit meinem späteren Chef, Herrn Günter Fischer, zusammen, der mir dann letztendlich auch das notwendige Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit entgegen brachte, wofür ich ihm bis heute ebenfalls sehr dankbar bin.
Nach seinem – erzwungenen – beruflichen Rückzug war seine Kreativität jedoch ungebremst.
Unter anderem war es sein Hobby, die Tages- und Jahresereignisse in Versform zu kommentieren und zu interpretieren. Dabei entstanden herrliche, ungeheuer witzige Wortspiele und Reimereien.
Einer der großen Höhepunkte in den letzten Jahren war das von ihm anlässlich seines 88½
Geburtstages inszenierte und von seiner Tochter auch liebevoll und geduldig unterstützte Wochenendfest auf seinem „Landsitz“ in Linstow – Kenner können in Heiterkeit Assoziationen zum berühmten Pettersson (allerdings ohne Kater Findus) nicht leugnen.

Die letzte große Feier im Hotel Stadt Radebeul war kein runder Geburtstag, sondern ein Treffen mit seinen Weggefährten, Kollegen und Freunden aller Altersgruppen – auch mit Rede, Gesang und Gesprächen – wohl verstanden als Abschied von den von ihm geliebten, doch anstrengenden, großen Veranstaltungen.
So wollen wir ihn in Erinnerung behalten.

Dr. Dietmar Kunze

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