Und als krönender Abschluss ein »Goldenes RadeBeilchen«

An Preisen herrscht in der Stadt Radebeul wahrlich kein Mangel. Zum Kunstpreis, Bauherrenpreis, Couragepreis und Moritz-Ziller-Preis gesellten sich anlässlich des 75. Stadtgeburtstages zwei weitere Preise. Was ursprünglich als kleiner Scherz innerhalb der Kulturszene gedacht war, wurde schließlich von allen Beteiligten recht ernst genommen. Den »Silbernen KötzschBär« verlieh die Kultur- und Werbegilde von Altkötzschenbroda am 10. April 2010 an den Sieger des ersten Radebeuler Kurzfilmwettbewerbes, welcher unter dem gewagten Motto »Radebeul – rasant, riskant, erotisch« stand. Das »Goldene RadeBeilchen« wurde nach Abschluss des Festjahres, quasi als Nachspiel, am 23. Januar 2011 im Beisein des Oberbürgermeisters durch den Amtsleiter für Kultur und Tourismus in der Stadtgalerie vergeben. Die Auszeichnung für hervorhebenswerte Initiativen zur Ausgestaltung des Festjahres besteht aus einer Urkunde und einer Medaille am rot-weiß-grünen Bande, den Farben des Radebeuler Stadtwappens. Als Gestaltungsvorlage für die Medaille diente ein altes Siegel der Gemeinde Radebeul, dessen Symbolgehalt den Initiatoren im Zusammenhang mit dem Jubiläumsjahr am treffendsten erschien. Das »Rad« steht für Bewegung und das »Beil« für die kulturelle Tat. Unter den zahlreich eingereichten Vorschlägen, die alle fundiert begründet waren, musste sich die Jury für drei Preisträger entscheiden. Die solcherart Geehrten waren zunächst sehr überrascht, dann hoch erfreut. Die Auszeichnung empfanden sie als eine Würdigung ihres kulturellen Engagements, das sich nicht nur auf den Zeitraum des Festjahres beschränkt. Exklusiv in »Vorschau & Rückblick« sollen nun die drei Preisträger etwas ausführlicher vorgestellt werden:


Monika Hornuf (*1955) ist seit 1978 als Pädagogin für Kunsterziehung und Geschichte tätig. Ab 1982 arbeitete sie an verschiedenen Schulen in Radebeul. Gegenwärtig unterrichtet sie an der Mittelschule Radebeul Mitte auf der Wasastraße. Mit ihren Schülern beteiligt sie sich seit einigen Jahren an den Kunstprojekten der Stadtgalerie, die so mehrdeutige Titel tragen wie »ArbeitsWelten«, »Heimat – die ich meine« oder »Paradiesvögel – so wie wir«. Zum Stadtgeburtstag gestalteten Schüler aus zwei 5. Klassen in Korrespondenz mit der Ausstellung »Selbst/Fremd/WunschBILD-www.radebeul.de« ihre Radebeuler Lieblingsplätze als Hut und veranstalteten damit zum Künstlerfest ein fröhliches Modespektakel. Die Frage, warum es für sie wichtig ist, mit der Stadtgalerie zusammenzuarbeiten, beantwortet sie sehr komplex: »Thematische Projekte sind für Kinder besonders interessant. Sie können fabulieren und ihre Phantasie spielen lassen. Dass die Künstler in der Galerie am gleichen Thema arbeiten wie sie, macht alles noch viel spannender, denn das fordert zum Vergleich heraus und es werden viele zusätzliche Anregungen von außen geboten.« Ein weiterer Grund, in die Stadtgalerie zu gehen, ist, dass fast vor der Haustür Kunstwerke im Original zu sehen sind. Bei deren Betrachtung kann man auf den Fußboden sitzen, liegen oder hocken, kann dabei zeichnen und schreiben. Die Galerie ist intim und Berührungsängste kommen so gar nicht erst auf. Das »Goldene RadeBeilchen« wurde an Monika Hornuf verliehen, weil sie die Kinder sensibilisiert für die Stadt Radebeul, für deren geschichtliche und künstlerisch-kulturelle Traditionen. Ihre besondere Leistung besteht darin, aktiv mitzuwirken, dass die Verbindung zwischen den Generationen in unserer Stadt nicht abreißen wird. Monika Hornufs Kredo, ausgesprochen zur Preisverleihung, war knapp und beeindruckend: »Ich mag Radebeul, ich mag meine Arbeit und ich mag meine Kinder und so möchte ich auch weitermachen.«

Klaus Hübner (*1933) war bis 1992 als Energetiker bei der Energieversorgung Dresden (heute ENSO) tätig. Bereits ab Mitte der 60er Jahre begann er, erste 8-Millimeter-Filme zu drehen. Er filmte die Familie, den häuslichen Tagesablauf, und auch während der Urlaubsreisen durfte die Kamera nicht fehlen. Schon 1987 entstand ein 2,5-Minuten-Film vom Festumzug zur 700-Jahr-Feier in Lindenau. Dieser, wie auch die anderen Filme aus jener Zeit, ist kurz. Für Klaus Hübner war das zu DDR-Zeiten eine Kostenfrage. Heute dreht man auf Vorrat und die eigentliche Kunst besteht im Weglassen. Wenn endlose Meter Rohmaterial durchgesehen werden müssen, schaut ihm seine Ehefrau Helga kritisch über die Schulter, was Klaus Hübner mit trockenem Humor kommentiert: »Sinnvolle Hinweise werden berücksichtigt«.

Intensiv konnte der Hobbyfilmer seine stille Leidenschaft erst als Rentner ausleben. Zunächst begann er, lokale Ereignisse zu dokumentieren wie das alljährlich stattfindende Herbst- und Weinfest mit den vielen internationalen Straßentheatertruppen. Diese bizarren Bilder mit der Kamera einfangen zu können, waren Glücksmomente. Zunehmend interessierte sich Klaus Hübner für Heimatgeschichte und Kultur. Im Eigenauftrag machte er Filmaufnahmen von allen Radebeuler Begegnungen. Anfangs waren es nur kurze Sequenzen, später umfangreiche Dokumentationen. Während des Festjahres traf man Klaus Hübner mit seiner Kamera bei den verschiedensten kulturellen Veranstaltungen an. In der Begründung zur Preisverleihung heißt es: »Er ist ein engagierter Dokumentarfilmer, der durch seine spezifische Sicht auf die Radebeuler Stadtteile einen eigenen Beitrag leistet und das Radebeuler Leben bereichert.« Doch bei Dokumentationen hat es Klaus Hübner nicht belassen. Entstanden ist speziell zum Stadtgeburtstag auch ein sehr humorvoller Kurzfilm, in dem Vertreter aller zehn Ursprungsgemeinen Gelegenheit erhalten, das Pro und Kontra des Stadtnamens »Radebeul« aus ihrem Blickwinkel zu erörtern.

Seinen besonderen Dank richtete der frisch gekürte Preisträger an den anwesenden Christoph Leonhardt, durch den er sehr viel fachliche Unterstützung erhalten hat. Dieser wiederum war Mitglied im legendären Filmklub von Lieselotte Schließer (1918-2004) und ist auch heute noch als Amateurfilmer und geschätzter Gutachter aktiv. Abschließend gab Klaus Hübner zu bedenken, dass er nun schon älter ist als die Stadt Radebeul und es an der Zeit wäre, dass auch mal junge Menschen bei der Filmerei mitmachen.

Stephan Große (*1960) arbeitete zunächst als Facharbeiter für Maschinenbau im Druckmaschinenwerk KBA Planeta. Später wechselte er ins Autohaus Gommlich, wo er bis heute als Verkäufer tätig ist. In der Freizeit pflegt er seine kulturellen Ambitionen, die mit fortschreitendem Alter immer deutlicher zu Tage treten. Zwei Frauen sind es, die an diesem Prozess großen Anteil haben: Isolde Klemmt (1927-2009), die einstige Vorsitzende des Dorf- und Schulvereins Naundorf, als Entdeckerin seiner Talente und Cornelia Große, seine Ehefrau, Kritikerin und Muse. Im Dorf- und Schulverein ist der gebürtige Naundorfer seit 1997 Mitglied und dort wiederum in der Kulturgruppe besonders aktiv. Gelegenheiten zum Schreiben von Festreden, Sketchen oder gar Theaterszenen bieten sich in diesem agilen Verein in Hülle und Fülle. Doch die bisher größte Herausforderung verband sich mit dem Radebeuler Stadtgeburtstag, sowohl für den Verein, der sein aller zwei Jahre stattfindendes Dorf- und Schulfest unter dieses Motto stellte, als auch für Stephan Große, der den staatlich verordneten Zusammenschluss von Radebeul und Kötzschenbroda als Theaterstück im Bunde mit seinen Naundorfern und einem Zitzschewiger auf die Bühne bringen sollte. Wenngleich Stephan Große kurz vorm Auftritt das Textbuch beinahe nicht gefunden hätte und das Lampenfieber bis zum Schluss nicht weichen wollte, war die Aufführung in Naundorf ein großer Erfolg und musste wenige Wochen später auf dem Rathaushof in Radebeul-Ost noch einmal wiederholt werden. In der Begründung zur Preisverleihung heißt es: »Stephan Große – Texter, Sprecher und Regisseur in Personalunion – veranschaulichte das Ereignis als Hochzeit, und nicht nur die Ehrengäste staunten, wie er diese politisch so schwierige Zeit ganz unkonventionell, aber mit Fingerspitzengefühl und Humor darstellte. Er hat sich intensiv mit den historischen Quellen befasst und eine Form der Darstellung gefunden, die nicht nur den Naundorfern lange in Erinnerung bleiben wird.«

Stephan Große meinte rückblickend, dass er bei seinen Forschungsarbeiten durch das Radebeuler Stadtarchiv sehr viel Unterstützung erhalten hat und dass er froh ist, in einer Stadt zu leben, die die Auseinandersetzung mit diesem heiklen Kapitel ihrer Entstehungsgeschichte nicht gescheut hat.

Karin Gerhardt

[V&R 3/2011, S. 9-12]

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