Theater leben mit und hinter den Masken

Über ein Gespräch mit dem Intendanten der Landesbühnen Sachsen


Intendant Manuel Schöbel empfängt mich spätnachmittags in seinem großen Büro, er hat eine Stunde Zeit, anschließend möchte er zu einer Ballettprobe. Ein wenig muss ich warten, er beendet gerade noch ein Gespräch. Später wird er einen Anruf erhalten und mal eben schnell etwas zur gastronomischen Versorgung für die Schauspieler in der Zeltspielstätte Rathen klären. Auf dem Weg zu seinem Büro war mir Stefan Wiel, Ausstattungsleiter an den Landesbühnen, begegnet; ein Mitarbeiter der Beleuchtung hatte gerade seine Pause beendet und mir einen Gruß zugeworfen, bevor er wieder hinter einer Tür verschwand; von irgendwoher höre ich auch Musik, jemand singt. Das Haus verströmt also Geschäftigkeit und Lebendigkeit durch die Masken hindurch, die natürlich auch hier jeder trägt. So ganz ungewöhnlich ist es ja – Pandemie hin oder her – nicht, dass man in einem Theater Masken trägt. „Ein Maskenball“ lautet eine Verdi-Oper. Romeo sieht Julia erstmals anlässlich eines Maskenballs. Und nicht zuletzt nennt sich ja eine ganze Abteilung im Theater „Maske“. Man könnte also sagen: Theaterleute wissen mit Masken, mit Maskerade, auch mit Demaskierungen umzugehen – und wissen sie zu nutzen, aber eben auch auszuhalten. Wer schon einmal „in der Maske“ war, weiß, dass das nicht immer angenehm ist. Vielleicht, so wird mir nach dem Gespräch mit Manuel Schöbel bewusst, ist die Maske tatsächlich eine passende Metapher für das Leben, das sich in der letzten Zeit im Inneren der Landesbühnen Sachsen stetig geregt hat. Denn ebenso wie unser aller Minenspiel trotz Maske auf ganz natürliche Weise weiterfunktioniert hat – auch wenn das Lächeln hinter der Maske verborgen bleibt – so ist auch der Theaterbetrieb weitergegangen und hat sich unablässig entfaltet – wartend auf den Moment, da man wieder Gesicht zeigen kann.

„Wir sind Spieler“, sagt Manuel Schöbel auf meine Frage, wie es ihm und seinem Ensemble in dieser für alle mehr oder weniger belastenden Zeit geht. Was er damit sagen will: Alle Akteure können ihrer Arbeit nachgehen, ihre Stimmen geschmeidig halten, ihre Körper trainieren, Inszenierungen einstudieren, Abläufe proben. „Wir sind uns dessen bewusst, dass es ein ungeheures Glück ist, trotz allem hier sein zu können. Das wirkliche Drama unserer Zeit spielt sich woanders ab, nicht in unserem Haus. Die Pandemie ist eine globale Gefährdung.“ Aber fehlen nicht die Zuschauer, die Arbeit auf der Bühne im Rampenlicht, der unmittelbare Austausch mit dem Publikum? Natürlich fehle all das, bestätigt der Intendant, aber an die Stelle des regulären Spielbetriebes ist nicht nur die Entwicklung alternativer Formate getreten wie bspw. setup.school (ein interaktives Klassenzimmerstück), Streaming-Angebote oder auch die Hörbühne, eine Mischung aus Hörspiel und Theater. Sondern auch die Pflege der Partnerschaft zu Spielstätten in der Provinz: „Wir haben in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, wie herzlich wir mancherorts aufgenommen wurden. In Kirchen, Schlössern, Parks. Manches Mal wurden wir mit Blumen begrüßt oder in einer Probenpause mit frisch gebackenem Kuchen überrascht. Das schuf eine Beziehung zwischen uns und den Menschen dort. Deshalb haben in den letzten Wochen 12 Schauspielerinnen und Schauspieler unter dem Titel FANPOST RETOUR Briefe an diese Orte geschrieben und einmal darüber nachgedacht, warum diese Orte wichtig für sie geworden sind, welche Erlebnisse sie damit verbinden. Dazu wären wir im Normalbetrieb sicherlich nicht gekommen.“ Interessant ist für mich in diesem Zusammenhang, wie Schöbel die unterschiedlichen Zuschauergruppen beschreibt. In Radebeul gäbe es ein dem Haus sehr verbundenes, kritisches Stammpublikum, das mitunter eine jahrzehntelange Beziehung zum Haus pflegt und ganz bewusst zu bestimmten Inszenierungen kommt. So sei es nach der Premiere von Mahagonny (November 2019) vorgekommen, dass einige Besucher mit dem Intendanten über bestimmte Szenen gefachsimpelt und ihre Erinnerung an frühere Aufführungen am Haus als Vergleich herangezogen hätten. Zu unterscheiden sei dieses, man möchte fast sagen: Fachpublikum von den Theaterfreunden, die sich in idyllisch gelegenen Spielstätten auf dem Land einfänden. Denen gehe es zwar auch um das Stück, nicht minder aber auch um das Erleben von Kunst an einem ganz bestimmten, als persönlich berührend empfunden Ort. Radebeul sei dabei beides: Sitz des Stammhauses als Musentempel, aber eben auch Stadt in besonders schöner, teilweise sogar dramatisch aufgeladener Kulturlandschaft. So erklärt sich auch die Entscheidung, den Lößnitzgrund als Spielstätte für die Neuinszenierung von Winnetou I vorzusehen, solange die Felsenbühne wegen Umbauarbeiten gesperrt ist. Wenn alles geklappt hat und die Genehmigungen rechtzeitig genug erteilt worden sind, so findet jetzt, am letzten Maiwochenende, die Premiere statt: „Aus den Büchern, die einst Karl May hier in Radebeul geschrieben hat, steigen die Figuren auf die Bühne im Lößnitzgrund und wir freuen uns auf den Moment, wenn unser Winnetou sozusagen nach Hause kommt.“ Wissenswert ist, dass Winnetou nur ein Baustein des Großprojektes Der Lößnitzgrund ruft (mit Gojko Miti? als Schirmherr) ist, das neben einer Eröffnungsveranstaltung am 28. Mai u.a. auch noch eine Sternwanderung am 5. Juni und weitere Veranstaltungen enthält. Es ist dem Ensemble aufrichtig zu wünschen, dass die geplanten 10 Aufführungen und das vielfältige Beiprogramm auch tatsächlich stattfinden können (Hinweis s.u.).

Schöbel spricht langsam, fast bedächtig. Er wägt die Worte, lässt sich Zeit für eine Antwort. Etwa auch auf die Frage, wie seine Bilanz nach 10 Jahren Intendanz ausfällt, denn er kam mit Beginn der Spielzeit 2011/12 und hat gerade für weitere fünf Jahre bis 2027 verlängert. Sind denn alle Ziele erreicht worden, konnte er seine Visionen von einem leistungsfähigen Mehrspartentheater verwirklichen? „Wissen Sie, es geht im Letzten nicht darum, zwanghaft auf ein Ziel fixiert zu sein. Wichtiger ist, dass man sich Offenheit und Neugier für die Welt um sich herum bewahrt. Überall liegen Geschichten verborgen, die erzählt werden wollen. Ob das nun Stoffe aus der unmittelbaren Umgebung sind wie der Friedensschluss von 1645 in Kötzschenbroda, den wir 2013 für die Bühne aufbereiteten oder Ideen, die auf Umwegen sich zu ganz erstaunlichen Produktionen entwickelten, wie etwa In Gottes eigenem Land 2017“. Dieses großartige Stück über einen aus Mitteldeutschland in die USA ausgewanderten Pastor, dessen Premiere ich selbst erlebt und in V&R 6/2017 rezensiert hatte, ist tatsächlich ein gutes Beispiel dafür, wie Schöbel Theater als künstlerisch gestaltende, innovative und gesellschaftlich verbindende Instanz versteht: Die Kräfte im Haus bündeln, externe Expertise einbinden und damit über den eigentlichen regionalen Wirkungskreis hinaus ausstrahlen. Mit großem Erfolg gastierte dieses Stück denn auch in den USA und wurde die bereits bestehende Kooperation nach York (England) befestigt. „Kreativität speist sich aus konkreten Quellen“, ergänzt Schöbel und fügt hinzu: „Wir werden inzwischen durchaus überregional wahrgenommen. Dafür spricht auch, dass uns die Bundeskulturstiftung für zwei aktuelle Produktionen Fördergelder bereitstellt, mit denen wir vor allem jugendliche Zielgruppen erreichen wollen.“

Es ist schon 18 Uhr vorbei, eigentlich müsste Manuel Schöbel jetzt im Zuschauerraum bei einer Probe des Tanzensembles für den Abend „HeimatBILDER“ sitzen. „Keine Sorge, ich komme noch zurecht“, meint er und gibt mir zum Schluss eine Erklärung dafür mit auf den Weg, wie er es schafft, sich immer wieder neu zu motivieren und nach vorn zu schauen: „Der Mensch verliert seine Kraft nicht durch die Arbeit, sondern findet sie darin – wenn’s gut geht.“ Schöbel richtet seine Maske, ich glaube, er lächelt, und wir verabschieden uns.

Bertram Kazmirowski

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Bitte entnehmen Sie dem aktuellen Veranstaltungskalender bzw. der Website der Landesbühnen, ob die für den 29.5. – 13.6. (jeweils 19.30 Uhr) geplanten Aufführungen von „Winnetou 1“ im Lößnitzgrund stattfinden.

Mit Bernhard Theilmann poetisch durch das Jahr

Zum Titelbild

Bauernhäuser in Radebeul Juni 2021

Altlindenau 28

Wir stehen vor einem Dreiseithof, der von der Straße etwas abgerückt ist. Das alte Wohnhaus des Herrmannhofs war am 19. Dezember 1880 abgebrannt. Der Bauer Karl Ernst Herrmann ließ es „etwas moderner“ mit verändertem Standort (90° gedreht), massiv, also ohne Fachwerk, und mit mehr Geschoßhöhe bis 1885 wieder aufbauen. Der Dachgeschoßausbau mit vier stehenden Dachgaupen im Satteldach kam aber erst 1934 dazu. Dieser Bauernhof erschien mir wegen einer fast original erhaltenen Scheune interessant – bei vielen Gehöften fehlt heute die Scheune oder wurde im Zuge von Wohnraumschaffung stark verändert. Das dritte Haus, ursprünglich ein Wirtschaftsgebäude, wurde bereits 1914 zu einem kleinen Wohnhaus umgebaut. Man führte auf diesem Hof 1972 die LPG Typ I ein und die Landwirtschaft endete 1979 mit dem Tod des Bauern Heinz Herrmann. In den 80er und 90er Jahren des 20. Jh. hatte der Baubetrieb Janke hier seinen Sitz und endete mit einem wirtschaftlichen Bankrott.

Seit etwa 2000 besitzt nun Familie Heinrich das Grundstück, aber Landwirtschaft wird nicht mehr betrieben. Am großen Wohnhaus finden wir ältere Sandsteingewände an Türen und Fenstern, hölzerne Spaliere für Wein und Rosen an den Fassaden und die typischen Zwillings-Rundbogenfenster im Giebel. Denkmalpflegerische Maßnahmen und Wünsche an zeitgemäßes Wohnen halten sich hier auf angenehme Weise die Waage.

Dietrich Lohse

Radebeuler Miniaturen

Der Tsunami-Komplex

„Es kommt alles ans Licht, was unterm Schnee begraben wird“.

Sagen wir mal so: Es hat doch endlich wieder mal richtig geschneit im Februar. Der Schnee war vom Saharastaub gelb gefärbt, aber die LKW haben trotzdem reihenweise quer gestanden auf den Autobahnen: Feinstaub bildet zwar Kristallisationskerne für Schneesterne, ist aber deswegen noch lange kein Streugut. Es sind ja dann auch tagelang keine Züge mehr gefahren. Selbst Flugzeuge konnten kaum noch starten und landen. Und trotzdem waren alle traurig, als es aufhörte zu schneien und der ganze Zauber nach einer Woche schon wieder vorbei war: Es hätte noch ewig weiterschneien können. Auf die Dauer sorgt jede Katastrophe für ein regelmäßiges Leben.

Ich habe, doziere ich stolz, mich schon öfter gefragt, ob es nicht so eine unbewußte Furcht gibt vor dem Ende der Katastrophe? Als Hobbypsychologe nenne ich das für mich den „Tsunami-Komplex“, die endzeitliche Hoffnung auf den Supergau, bei gleichzeitigen mühsamen Gegenmaßnahmen.

Du spinnst, sagt Ulrike. Sie darf das sagen, und sie weiß, daß sie das sagen darf: sie kennt meine leicht masochistische Neigung. Außerdem weiß sie auch, wie sie mich wieder einfängt.

Nee, mal im Ernst, sag ich, hast du nicht auch Angst vorm Aufräumen, wenn der Sturm vorüber ist? Tuts dir nicht auch heimlich wohl, wenns einfach weiterstürmt? Und setzt du nicht mit leiser Genugtuung jeden Tag aufs Neue die Maske auf?

Du redest vielleicht einen gelben Schnee zusammen, wenn der Tag lang ist, entrüstet sich Ulrike. Denkst du, es macht mir Spaß, mit diesem Lappen vorm Gesicht durch die Kante zu rennen, bloß weil der ganze Mist ewig nicht aufhört?!
Das war deutlich, Madam! sag ich, aber genau das isses: Warum werden denn immer wieder neue Mutanten gefunden, und wenns keine Tanten mehr sind, sinds Onkels: Die Industrie hat sich umgestellt: die Computerbranche boomt, die Destillerien destillieren Desinfektion … selbst in Mini-Autos werden separate Kabinen eingebaut – willst du Erfindungsreichtum und Kreativität bremsen? Willst du denen allen den Gewinn schmälern?

Nun laß mal die Kirche im Dorf, ruft Ulrike. Einzelne Großverdiener rechtfertigen deinen „Komplex“ noch lange nicht!
Das ist nicht MEIN Komplex! Ich bin dabei, eine Beobachtung zu beschreiben, ganz neutral und an Hand von gelbem Schnee – ohne davon zu reden, daß der verstrahlt war, weil die Franzosen vor zig Jahren Sprengversuche mit Kernwaffen gemacht haben in der Wüste, wos angeblich keinen stört als friedensstiftende Maßnahme – und ich habe der – ich sags noch mal: unbewußten – „Angst vor dem Ende der Katastrophe“ versucht einen Namen zu geben. Ich bin übrigens überzeugt, daß „die Wissenschaft“ dafür längst einen hat. vielleicht erfahre ich den ja auf die Weise.

Ach, „die Wissenschaft“, lacht Ulrike, die bekommet alles raus, wenns sein muß. „Die Wissenschaft“ hat sogar herausgearbeitet, daß die vielen Stoffmasken, die gutwillige Hausfrauen von dem Wunsch beseelt, zu helfen, millionenfach begeistert genäht haben, alle nichts taugen. Und weißt du warum?! Weil niemand dran verdient, aber der Industrie ein Verlust entsteht, wenn jemand was umsonst macht …

Jetzt verschwörst du aber die Theorien, lache ich. Und damit wir uns nicht noch weiter reinsteigern, rede ich gleich weiter, sollten wir, Schnee hin, Schnee her, lieber steigen (ohne hinten mit „r“), und zwar in den Keller, dort müßte es noch das eine oder andere Kötzsch geben …

Thomas Gerlach

Virtueller Ausflug

Eine Glosse?

In Pandemiezeiten ist man schon ganz schön angeschmiert. Man kommt nur schwer vor die Tür, auch weil einem die Lust dazu gehörig vergangen ist. Denn, wohin soll man seine Schritte lenken, ist ja eh alles zu! Früher, ja früher, war alles besser. Selbst die Fantasielosesten konnten wenigstens Einkaufen oder wie der Neudeutsche jetzt sagt, Shoppen gehen. „Na gut, ganz ist die Sache nicht verloren“, dachte ich bei mir. Wenn ich schon in meinen vier Wänden bleiben muss, weil meine Hausärztin immer noch keinen Termin für mich hat, setze ich mich eben vor den Schirm…, also vor den Bildschirm. Wozu hat man denn das Ding? Doch nicht nur fürs Finanzamt oder die „Vorschau“! Und beim Kurven im Internet bin ich auf eine grandiose Idee gekommen. Schauen wir doch mal, was so die Partnerstädte machen. Wir haben ja genug davon, da kann das ein abendfüllendes Programm werden. Und so war es dann auch. Ich habe einen virtuellen Ausflug unternommen.

Partnerstädte sind was Feines. Mit denen kann sich eine Stadt schmücken und ist meist auf der Seite der Guten…, wenn man die richtige Stadt erwischt hat. Das muss aber nicht immer klappen. Hat man die Richtige, so kann man Anteilnahme zeigen. Sogar das abgenützte Wort Solidarität kann wieder ins Spiel kommen, welches man sonst im Alltag eher vermisst. Und das Beste aber daran, alles ist absolut freiwillig.

Mit zwei, drei Mausklicks war ich ratz-patz über den Atlantischen Ozean gelangt, geschickt das Bermuda-Dreieck umschiffend, durch den Golf von Mexiko gesegelt und sicher auf dem Airport der Militärbasis Fort Huachuca in Sierra Vista gelandet. Falls der eine oder andere Leser jetzt nicht gleich draufkommt: Sierra Vista liegt im Süd-Westen der USA, im Bundesstaat Arizona, ca. 300 Kilometer vom Golf von Kalifornien entfernt, in der Nähe der mexikanischen Grenze. Los Angeles kann als grobe Orientierung für die Gegend dienen. Aber ich sag‘s mal so, mit der „City of Angels“ kann sich natürlich Sierra Vista nicht vergleichen. Wurde aber auch erst 1956, gewissermaßen am Reißbrett, nach der Devise „ein Haus, kein Haus“ erbaut und hat heute immerhin über 44.000 Einwohner. Allerdings kann man den Eindruck gewinnen, dass Sierra Vista eher eine Kaserne mit Wohnquartieren und einer Außenstelle der Universität von Arizona dran ist. Angehörige der riesigen Militärbasis, die ca. 75 Prozent der 397 km² umfassenden Stadt ausmacht, waren schon in der halben Welt unterwegs, ob nun erwünscht oder nicht. Die Grenze zu Mexiko 20 Kilometer südlich, scheint durch den hübschen rostbraunen Zaun mit einer Höhe von 4 bis 5 Metern, aufgestellt vermutlich vom letzten oder vorvorvorletzten Präsidenten, jedenfalls sicher zu sein.

Aber ich frag mich schon, was wir in der Wüstenstadt wollen, wo doch laut Wikipedia „Sinn und Zweck“ einer Städtepartnerschaft „das freiwillige Zusammenfinden von Menschen über Grenzen hinweg“ sein soll? Mit einem Wochenendausflug ist da nichts zu machen. Ja ich weiß, da gab es mal den Apachen-Krieg der USA gegen die Ureinwohner, der 40 Jahre dauerte, und den Apachen-Häuptling Cochise, der dann die Waffen niederlegte und mit den weißen Eroberern seinen Frieden machte. Heute schickt Radebeul Schüler zum Erfahrungsaustausch dorthin – es sind ja auch nur ca. 14.000 (!) Kilometer.

Allerdings liegen Heroica Ciudad de Cananea (Mexiko) und Obuchiw (Ukraine) ebenfalls nicht gerade um die Ecke. Die beiden Städte sind zumindest von der Einwohnerzahl annähernd so groß wie Radebeul. Aber sonst? Cananea ist nur im Zusammenhang mit Sierra Vista und dem Schüleraustausch interessant. Mit dem sich in den 1970er Jahren vom Dorf zur Stadt entwickelten Obuchiw gibt es einen regen Austausch. Auch wenn der Supergau in der Ukraine schon 36 Jahre her ist, zieht mich dennoch nichts nach Obuchiw, denn Tschernobyl liegt nur knapp 180 Kilometer entfernt.

Bleibt noch St. Ingbert. Der gemütliche Ort an der nahen französischen Grenze im Saarland, wo man schnell mal rüberzwitchen kann, sagt mir da schon eher zu. Die Grenze spürt man nicht, wenn da am Straßenrand nicht ein Schild wäre, welches auf die nun geltende französische Verkehrsordnung hinweisen würde. Die Menschen sind hüben und drüben nicht anders, die Gesetze schon. St. Ingbert ist die älteste Partnerstadt Radebeuls und war besonders Anfang der 1990er Jahre hilfreich, als hier noch keiner wusste wie das geht „Westen spielen“. Schade, dass ich nicht mit Google Maps durch die Straßen fahren und in die Schaufenster sehen konnte. Die Stadt setzt jetzt mehr auf die schöne Landschaft, da der Bergbau schon 1957 eingegangen ist. Vielleicht wär das mal was für einen Urlaub? Dort gibt es allein 37 Ferienwohnungen unter 100 Euro. Da wird sich doch was finden lassen?!

Aber vielleicht sollten wir doch mal was Neues probieren. Die meisten Gemeinden suchen sich ja eine Partnerstadt, mit der sie etwas Gemeinsames haben, meint Wikipedia. Wie wäre es mit einer Ost-Ost-Städtepartnerschaft?! Bei annähernd gleichem Leidensweg ist doch schon mal eine gute Grundlage geschaffen. Saßen wir 1989 nicht alle gleichermaßen in der Patsche und wussten nicht wie es weitergehen soll? Die Teterower haben damals gesagt: „Na da stell‘mer uns erscht mal ganz dumm.“. Wie ich darauf komme? Nun ja, das denke ich mir halt so, weil Teterow die Heimat der Schildbürger ist, und die wussten sich immer zu helfen. Also, da könnt ich Geschichten erzählen… Aber die kann heutzutage jeder Depp im Internet nachlesen. Freilich muss man dann aufpassen, dass man nicht den richtigen Zeitpunkt verpasst, sonst bleibt der Zustand immer so. Einen gewaltigen Vorteil hätte die neue Verbindung auf alle Fälle. Bis Teterow sind es nur 386 Kilometer! In vier Stunden kann man schon beim Bürgermeister auf dem Schoß sitzen und ihn fragen, ob er auch so gewählt wurde, wie der einstige Bürgermeister von Schilda, meint

Euer Motzi

Pleinair und Workshop im Künstlerhof Kunath in Röhrsdorf

Allzu große Gewohnheit läßt das Notwendige rasch banal erscheinen: der Wert des Paradieses zeigt sich mit seinem Verlust. Die Kunst ist (besser: die Künste sind) im Laufe der Anthropogenese zu einer menschheitsformenden Notwendigkeit geworden. Die gegenwärtigen Einschränkungen: keine Konzerte, keine Theater, keine Ausstellungen, … haben die Dimension einer (hoffentlich temporären) Vertreibung aus dem Paradies. Künstler aber lassen sich so einfach nicht vertreiben: Kreativität findet Lösungen, zum Glück nicht nur in „virtuellen“ Räumen sondern in unserer immer noch und immer wieder schönen Lebenswirklichkeit.

Die Malerin Franziska Kunath hat im April zum inzwischen siebenten Mal zum Pleinair auf ihren Künstlerhof in Röhrsdorf eingeladen. Dort, im linkselbischen Hochland, sorgt ein immerwährender, mitunter recht frischer Wind nicht nur für stete Belüftung, sondern vor allem für eine meist gute Sicht. Bis hinüber zum Keulenberg bei Königsbrück kann der Blick schweifen.

Die achtzehn teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler haben dies wieder auf je eigene Weise genutzt. Sie haben damit zugleich ein menschheitliches Grundbedürfnis bedient: Die Menschwerdung ist ohne die Herausbildung der Fähigkeit und des Willens zur Kunst nicht zu denken.

In zwei Ausstellungen (die erste wird bei Erscheinen des Heftes schon Geschichte sein) sind die Ergebnisse noch bis 13. Juni im Künstlerhof Kunath ausgestellt. Besucher sind auf Anmeldung herzlich willkommen.

Parallel wird am 5./6. Juni zu einem Workshop „Experimentelle Druckgrafik/ Siebdruck – Spiel mit Form und Farbe“ eingeladen. Unter sachkundiger Anleitung von Sylvia Fenk und Karin Heyne können sich bis zu acht Interessierte in die grafischen Techniken einweisen lassen. De Workshop kann zur beruflichen Fortbildung genutzt werden, was auch bescheinigt werden kann.

Im Paketpreis von 250,–€uro sind neben Materialien und kulinarischen Höhepunkten auch Möglichkeiten zur Teilnahme an den Veranstaltungen enthalten:
4. 6. 17 Uhr Auftakt mit Film
5. 6. 18 Uhr Lesung und Konzert mit Heinz Weißflog und Peter Koch (Cello)
13. 6. 15 Uhr Finissage der Pleinairausstellung und Präsentation der Workshopergebnisse.

Wenn in der Kürze der Zeit genügend Teilnehmer zusammenkommen verspricht dieses Wochenende Entspannung und kreatives Arbeiten zugleich.

selbstverständlich alles unter Beachtung der jeweils geltenden Bestimmungen –

Anmeldungen werden erbeten an Franziska Kunath, Pinkowitzer Straße 10, 01665 Klipphausen, OT Röhrsdorf. 01577 2966008, mail: fkunath@web.de

Thomas Gerlach

Ein Stück deutsche Politik im Spiegel einer älteren Buchreihe

In meinem Bücherregal ganz oben rechts (das meint keine politische Orientierung) steht die Reihe „Unsere schöne Heimat“, diese Überschrift klingt vielleicht etwas angestaubt und würde heute die Leser kaum in Scharen in die Buchläden locken. In den 50er Jahren aber hatte es einen Klang und die Bücher wurden gern gekauft. Ich kann mir vorstellen, daß sich Hefte dieser Buchreihe durchaus auch noch in anderen Radebeuler Bücherschränken finden ließen. Jetzt schaute ich mir die 37 Hefte von 1955 bis 1965 (ein Band, eine 2. Auflage, ist von 1971) erschienen Broschüren wieder mal an, um zu entscheiden, ob ich mich davon trennen möchte.

Von der im Sachsenverlag Dresden herausgegebenen Bücherreihe erschienen jedes Jahr bis zu 6 Hefte zu einzelnen Themen, die jeweils Teile der deutschen Heimat bildlich vermitteln konnten. Diese Idee ist die sinngemäße Fortsetzung einer ähnlichen Bücherreihe, „Die blauen Bücher“ aus den 20er und 30er Jahren. Einzelthemen der Hefte sind z.B. „Romanische Kirchen“, „Rathäuser“ oder „Turm- und Sonnenuhren“. Aber es gibt auch Hefte, die je eine Landschaft wie „Deutsche Alpen“ oder „Insel Usedom“ den Lesern erschließen möchten. Die im Text genannten Titel sind eine willkürliche Auswahl von den 37 Heften – im Anhang will ich alle Titel nennen. Ich glaube, dass mir kaum ein Heft fehlen dürfte. Die im Sachsenverlag erschienene Mehrzahl der Hefte hatte einen helloliven Einband mit einem Schwarz-Weiß-Foto zum Thema und wirken ansprechend aber auch etwas traditioneller als die ab 1961 vom Brockhausverlag Leipzig herausgegebenen Hefte mit größerem Titelfoto und einer pro Heft wechselnden Farbkante, was schon einem moderneren Eindruck des Covers entsprach. Alle Hefte brachten neben einem sachkundigem Einführungstext im Hauptteil die meist chronologische Bildfolge von Gesamtaufnahmen und Details je Objekt. Somit wurde das Grundkonzept von beiden Verlagen konsequent verfolgt, Farbaufnahmen spielten dabei noch keine Rolle. Ob dem Wechsel zum Brockhausverlag eine politische Entscheidung zugrunde lag, kann heute nur vermutet werden. Die Brockhaushefte hatten als Neuerung z.T. glänzende Buchhüllen, also einen Folienüberzug über dem Pappeinband, woraus über die Jahre ein Nachteil gegenüber den Sachsenverlagheften eintrat, die Folie löste sich in Teilen und der Glanz verschwand.

Ich erinnere mich an die Zeit Anfang der 50er Jahre in Radebeul, wer sich als Schüler für Denkmalschutz und Heimatpflege interessierte, fand sonst kaum etwas in den Buchläden. In dieser Situation war die Buchreihe schon etwas Besonderes. Hinzu kam, daß die Preise mit 2,40 Mark für ein normales Heft und 4,80 Mark für das Doppelheft moderat waren und ich mir von meinem Taschengeld hin und wieder eins kaufen konnte. Meine Eltern unterstützten das Interesse, das später in meinen Beruf überleitete, und schließlich fand ich ein paar der Hefte auch auf dem Geburtstags-Gabentisch. In den fünfziger Jahren waren die Themen und Bildbeispiele auch noch gesamtdeutsch und nicht einseitig auf die DDR bezogen. So war es auch noch möglich, wenn man z.B. das Heft „Burgen“ gerade gelesen hatte, sich die Marxburg am Rhein (hat nichts mit Karl M. zu tun) anzuschauen – man konnte noch reisen, wenn man das Geld hatte. Die Heftinhalte und Bilder beziehen sich zwar in keinem Heft auf Radebeul, aber ich kann insofern eine „Brücke“ zu Radebeul bauen, da Ulrich Pohle (Dichter, Karikaturist und Kulturschaffender) bei den Heften des Sachsenverlages als Herausgeber angegeben wurde. Und eben dieser Herr Pohle taucht in den alten Vorschauheften (von 1954-1963) regelmäßig mit Karikaturen und Gedichten unter der Rubrik „Der Pfeil“ auf.

Werfen wir nun mit dem Abstand von 60 bis 70 Jahren einen kurzen Blick auf die wirtschaftliche und politische Entwicklung in den beiden deutschen Staaten, wo man anfangs noch von der Möglichkeit einer Wiedervereinigung sprach. Aber die beiden Staaten BRD und DDR begannen sich nicht zuletzt durch ihre unterschiedlichen Bündnispartner zu entfernen. In der BRD ging es mit amerikanischer Hilfe wirtschaftlich rasch aufwärts und bald schon sprach man vom „Wirtschaftswunder“. Während die DDR noch eine Weile an der Wiedergutmachung nach dem verlorenen Krieg gegenüber der UdSSR zu knabbern hatte. Die Unzufriedenheit mit den Lebensverhältnissen hier führte am 17. Juni 1953 zu Protesten, die niedergeschlagen wurden. Hier ging es nur langsam vorwärts. Viele Bürger aus dem Osten beschlossen deshalb vor allem um 1960 dahin zu gehen, wo man glaubte, besser arbeiten und leben zu können – nach dem Westen. Um noch stärkerer Republikflucht zuvorzukommen, wurde schließlich am 13. August 1961, einem Sonntag, begonnen, die Mauer zu bauen. Und damit war die Möglichkeit generell ausgeschlossen, zu allen Orten zu reisen, die bisher in den Heften vorgestellt wurden.

Das wirkte sich auf die betrachtete Heftreihe insofern aus, dass von da ab nur noch Landschaften, Orte und Häuser publiziert wurden, die im Osten lagen. Vielleicht hätte man jetzt die Heftreihe besser beenden sollen. So zeichnete sich als schleichender Prozeß über die Jahre eine deutliche Veränderung von Themen und Inhalte der Hefte ab. Bei den frühen Heften, in denen noch Gesamtdeutschland betrachtet wurde, konnte man eine gewisse Parität zwischen den Länderflächen BRD und DDR bzw. der Einwohnerzahl (grob: BRD = 65 Mill. und DDR = 15 Mill. Einwohner) und den behandelten Orten oder Gebäuden erkennen. Im Heft „Romanische Kirchen“ (1956) z.B. wurden 23 Beispiele aus Westdeutschland, darunter der Dom zu Speyer, und nur 5 Beispiele, wie die Magdeburger Liebfrauenkirche, aus der DDR gezeigt. Bei diesem speziellen Thema spielt aber auch eine Rolle, dass diese Stilentwicklung aus Westeuropa kam und sich nach Osten nur langsam ausbreitete, also in Ostdeutschland grundsätzlich weniger romanische Objekte zu finden waren. Schauen wir deshalb noch ein anderes Heft aus dem gleichen Jahr, die „Rathäuser“, an. Da finden wir 25 Rathäuser aus der BRD, u.a. das Bremer Rathaus, und demgegenüber 15 Rathäuser aus Städten der DDR, ua. das alte Rathaus in Leipzig – hier ausgewogene Ost-West-Anteile. Das Verhältnis ändert sich weiter, wenn wir das Heft „Museen und Bibliotheken“ aus dem Jahr 1959 durchblättern – da ist die BRD nur mit 5 Orten, darunter das „Deutsche Museum“ in München, vertreten, aber 12 Ortsbeispiele (darunter Orte mit mehreren Einzelobjekten) kommen aus der DDR, ua. mit der „Deutschen Bücherei“ Leipzig. Nehmen wir mit „Marktplätze“ (1965) noch ein Heft nach dem Mauerbau in die Hand, stellen wir fest, Beispiele aus dem Westen = 0 Objekte, Beispiele aus dem Osten = 45 Objekte, darunter die Marktplätze in Gotha, Hoyerswerda oder Wolgast! Ich denke, mit diesen von mir ausgewählten Zahlenbeispielen, wird klar, wie sich eine scheinbar harmlose Heftreihe in Anlehnung an die politische Entwicklung in den beiden deutschen Staaten gestaltet hat. Man kann aber auch sagen, eine Heftreihe, die über 10 Jahre angelegt ist, hat es schwer, das inhaltliche Konzept immer beizubehalten, wenn sich politische Verhältnisse in diesem Zeitraum verändern. Ein bisschen spiegelt sich dieser Trend auch in den Fachtexten wider, wo in den frühen Heften noch von der deutscher Heimat in beiden Staaten die Rede ist, spricht man nach 1961 dagegen nur von unserer sozialistischen Heimat.

Warum hatte ich eigentlich die Hefte aus dem Regal genommen? Ach ja, ich wollte entscheiden, ob ich mich davon trennen kann. Nein, ich werde die Hefte behalten, vielleicht gerade wegen der politischen Brisanz.

Dietrich Lohse

Mitten am Waldrand

Schönste Kleingartenanlage Dresdens in Radebeul?

In der Überschau wirkt die Anlage „Am Waldrand“ wie eine weiträumige Lichtung, die an drei Seiten von hochgewachsenen Parkbäumen und Waldsäumen umgeben ist. Besonders abends kommt diese Lage zur Geltung, wenn das Aufflammen der Kiefernstämme des Heiderands im Abendrot eine ergreifende Stimmung erzeugt, während in naher Ferne die Elbtalhänge der Oberlößnitz mit Spitzhaus und Bismarckturm am Horizont in der Dämmerung versinken. Doch das Gefühl der landschaftlichen Geborgenheit wird perforiert vom Rauschen der Autobahn, die hinter dem dünnen Waldstreifen nur wenige Gehminuten entfernt verläuft. Sie schlägt eine akustische Wunde in die Landschaft, die sich nie schließen will. Eine Schallschutzwand auf der Dresdener Seite steigert nur die Pein. Gegen das unablässige Brausen der Lastwagen vermögen die Vögel nicht anzusingen.

Arbeitseinsatz Wasserleitung Adlerweg, 1993

Was einem früher vom nahen Industriegebiet in die Nase gefahren ist, das dröhnt einem heute im Ohr: akustische Umweltverschmutzung.

Mit dem Bau des Vereinsheimes „Am Waldrand“ war die Anlage 1958 stabilisiert. In jenen Jahren entstanden auch die meisten privaten Bauten in den Parzellen. Nach einem Bauplan, der auf den 1. September 1958 datiert ist, errichtete der Gartenfreund Kurt Stöhr seine feste Laube. Die Trümmerziegel wurden mit Karbidschlamm aufgesetzt, der im Dresdner Industriegebiet nördlich des Bahnhof Neustadt beschafft wurde. Die Parzelle auf dem Adlerweg wird heute noch von Herrn Stöhrs Tochter und ihrem Mann genutzt. Dieser, selbst im Baugewerbe tätig, erweiterte die Laube 1982 zum Gartenhaus. Zu dieser Zeit hatte sich die offizielle Einstellung zu den Kleingärtnern gewandelt. War ihnen in der frühen DDR mit Argwohn begegnet worden, so hatte sich das Verhältnis um 180 Grad gedreht. Isolde Dietrich kommt in ihrer Studie über die Kleingärtner in der DDR „Hammer Zirkel Gartenzaun“ zu folgender Feststellung: „Am Ende war die DDR ein Kleingärtnerparadies. Das Kleingartenwesen genoss umfassende staatliche Förderung und das Wohlwollen der Öffentlichkeit. Von 13,5 Millionen erwachsenen DDR-Bürgern waren 1989 mehr als 1,2 Millionen organisierte Kleingärtner – nicht eingerechnet ihre Angehörigen und Freunde, auch nicht die Nutzer von Erholungsgrundstücken, deren Anzahl noch wesentlich höher lag. 855 000 Parzellen mit rund 37 000 Hektar Land befanden sich in Kleingärtnerhand. … In der DDR hatte – mit Ausnahme des Fernsehens – keine andere Freizeitbeschäftigung derart hohe Zuwachsraten wie die Gartenarbeit.“ Unter Erich Honecker wurde das Kleingartenwesen ab 1977 per Parteitagsbeschluss gefördert. Das schlägt sich auch in den spärlichen Dokumenten nieder, die aus jenen Jahren in der Gartensparte „Am Waldrand“ erhalten geblieben sind. Ein Arbeitsplan für das Jahr 1979 verzeichnet eine Abnahmevereinbarung mit dem Gemüsehandel auf der Karl-Marx-Straße, die selbst für kleinste Mengen galt. Was der Gartenfreund nicht selbst verzehrte, verarbeitete oder in Familie und Freundeskreis weiterreichte, wurde ihm zu Ankaufspreisen bedingungslos abgenommen, die oftmals weit über den Endverkaufspreisen im Laden lagen. Im Dezember 1981 wird die Radebeuler Kleingartenanlage als „Anerkanntes Naherholungsgebiet“ eingestuft. Vereinsfeste fanden bis zum Ende der DDR jährlich auf dem Gemeinschaftsplatz „Am Waldrand“ statt. Sie waren vor allem für die zahlreichen Kinder in der Sparte ein Erlebnis. Mancher erinnert sich vielleicht an die hektografierten Zettel mit den abschneidbaren Coupons am Rand, die eines Tages an der Laubentür hingen und jedem Kind unentgeltlich Imbiss und Getränke, die Teilnahme an Spielen und Gewinne in Aussicht stellten. Aber in der persönlichen Erinnerung werden nicht die Bockwürste, Limonaden und Eiscremes aufbewahrt, sondern eher die Ausgelassenheit beim Sackhüpfen oder das Emporklettern an einer Stange, an deren oberem Ende ein Reifen befestigt war, von dem Süßig- und Kleinigkeiten abgerissen werden konnten. Der damalige Arbeitseinsatzleiter Georg Sülz zog zu diesen Festen Akkordeon spielend, wie ein zweiter Rattenfänger von Hameln, mit den Kindern durch die Anlage.

Als sich der VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) mit Wirkung zum Jahresende 1990 auflöste, hatte sich der Kleingartenverein „Am Waldrand“ bereits vorsorglich am 18. September 1990 nach den nun gängigen Spielregeln neugegründet. Doch die Aufmerksamkeit für die liebevoll ausgebauten Kleingärten mit ihren Lauben, die zum Teil schon Dimensionen von Wochenendhäusern hatten, ging nun zurück zugunsten der Reiselust. Es wurde nun nachgeholt, was sich in der BRD bereits in den siebziger Jahren vollzogen hatte. Hartwig Stein überschreibt das letzte Kapitel seines Buchs „Inseln im Häusermeer“: „Von Robinson zum „Robinson Club” oder Wie die „Eingeborenen von Trizonesien” die „Inseln im Häusermeer” verließen und auswanderten.“ Nun wurden auch in Radebeul aus Strategen der Bodenverbesserung und Ernteverfrühung, Ziervogel- und Rassekaninchenzüchtern erlebnishungrige Weltenbummler. In den Bestimmungen des Bundeskleingartengesetzes war die Kleintierhaltung ohnehin nicht vorgesehen, wenn sie auch per Einigungsvertrag Bestandsschutz genoss. Inzwischen gibt es keinen Kleintierzüchter mehr am Waldrand. Bis zur Kreisgebietsreform war der Verein Mitglied im Kreisverband der Kleingärtner Dresden-Land. Vor dessen Auflösung am 31. Dezember 2001 war der KGV „Am Waldrand“ bereits am 24. Oktober 2001 dem Stadtverband „Dresdner Gartenfreunde“ beigetreten.

Ein Foto aus der Anlage vom Jahr 1990 wirkt heute wie ein bissiger Kommentar: Am Drahtgitter einer Stallanlage mit Dutzenden von Boxen ist das Wahlplakat der damals siegreichen „Allianz für Deutschland“ aus CDU, DSU und DA angebracht. Neben den Stallhasen mit den Alu-Schöpfkelle als Tränke steht dort zu lesen: „Deutschland braucht Freiheit statt Sozialismus“.

Arno Köckritz auf dem Vereinsplatz, 1970er Jahre

Mehr denn je wurden nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Ordnung Lauben aufgebrochen und ausgeraubt, Pflanzen ausgegraben und Verwüstungen in den Gärten angerichtet. Eine Zeitlang sollte diesem Treiben eine nächtliche Patrouille der Gartenfreunde entgegentreten. Es konnte allerdings nie ein Täter inflagranti gestellt werden. Das Vereinsheim musste wegen Baufälligkeit 1994 geschlossen werden. Die Trinkwasserleitungen wurden bis 2000 vollständig erneuert und dabei eine winterfeste Leitung für den ganzjährigen Betrieb in das Vereinsheim gelegt. Seit dessen Wiedereröffnung im Jahr 2000 erfreut sich das Lokal großen Zuspruchs, nicht zuletzt wegen des günstigen Mittagstischs, der wochentags hier angeboten wird.

In vielen Gärten wechselten in den letzten Jahren die Pächter. So gibt es nur noch wenige Zeugen der Anfangsjahre. Viel zu wenige Fragen wurden ihnen gestellt. Wie in fast allen Anlagen wurden auch hier nach der Wende massenhaft Dokumente vernichtet.

Nachdem im Jahr 2002 die Projektionswand sowie die Bänke des Freilichtkinos abgebaut wurden, begann im Herbst 2019, unterstützt mit Fördermitteln der Sparkasse, eine grundlegende Umgestaltung des Vereinsplatzes. Einige Schilder auf den Hauptwegen erzählen inzwischen von der Vorgeschichte des Areals. Mit einem großen Vereinsfest sollte im letzten Jahr das Dreifachjubiläum der Entstehung des Waldparks (1905), der Dauerkleingartenanlage (1950) und der Gründung des Vereins (1990) begangen werden. Daraus ist aus weltweit bekannten Gründen vorerst nichts geworden. Und dennoch sind diese Tage des Abstandes und der verordneten Ruhe wiederum zu Tagen des Kleingartens geworden. Denn als im März 2020 die erste Allgemeinverfügung erlassen wurde, zählte das Aufsuchen des nahegelegenen Kleingartens ausdrücklich zu den triftigen Gründen, die zum Verlassen des Hauses berechtigten.

Wenn auch in kleinerem Rahmen als erhofft, gab es im Sommer doch noch Grund zum feiern. In der „Höhenluft I“ in Döltzschen, der schönsten Dresdner Kleingartenanlage 2019, wurde mit musikalischer Umrahmung durch das Augustin-Quartett der Dresdner Philharmonie und in Beisein des Oberbürgermeisters Dirk Hilbert der Preis für die schönste Kleingartenanlage unter dem Jahresmotto „Kreative Gärten, bunte Vielfalt“ dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Ronny Richter stellvertretend für alle Kleingärtner „Am Waldrand“ überreicht. Am landesweiten „Tag des Gartens“ am 13. Juni diesen Jahres wird das Vereinsgelände „Am Waldrand“ nun zum Schauplatz der noch zu ermittelnden schönsten Kleingartenanlage Dresdens 2021 werden.

Einladungsplakat zum Gartenfest, gestaltet von Sebastian Hennig

Aus Anlass des Wettbewerbs bescheinigte Kristian Kaiser von Dresden-Fernsehen in seinem Beitrag dem KGV „Am Waldrand“: „Eine junge und moderne Anlage möchte man hier sein, da pfeift man auch schon mal auf Konventionen, natürlich immer im recht eng gesteckten Rahmen des Bundeskleingartengesetzes.“ Das konventionelle Echo auf dieses Pfeifen war dann noch im Herbst zu vernehmen, als das Virus der Zwietracht im Verein eine kritische Inzidenzdichte erreicht hatte. Mit den Folgen ringt seit Mitte April ein neugewählter Vorstand. Soviel jedenfalls ist jetzt schon sicher: Es ist nicht die erste Krise aus der die Gemeinschaft der Waldrandgärtner gestärkt hervorgehen wird.

Sebastian Hennig

Freie Kunsthalle Radebeul


Gleich zu Beginn meiner Arbeit im Lügenmuseum wurde ich Teil eines Kunstprojektes „Labylysium“ auf den gerade fertig gestellten Burgplatz, mitten in der Innenstadt, von Leipzig. Der Radebeuler Kunstverein Kunst der Lüge e.V. hatte 33 KünstlerInnen zum Thema 30 Jahre Deutsche Einheit eingeladen, 10 Tage auf dem Platz zu wirken. Sie sollten nicht einfach Kunstwerke ausstellen oder sonst etwas aufführen. Sie waren eingeladen auf dem Burgplatz zu erscheinen und wie selbstverständlich in ihrem Atelier zu wirken. Das konnte ich nachvollziehen als Martin Hoffmann seine Bildtafeln an Zabkas Ausstellungsarchitektur befestigte und dort vier Tage lang klebte und seine Collagen entstehen ließ. Es ging also nicht darum Objekte auszustellen, sondern um den Prozess des kreativen Schaffens zu zeigen. Die PassantInnen eilten zum nächsten Termin, schauten verwundert herüber, blieben stehen, wollten weiter oder blieben doch noch länger stehen.

Dabei lernte ich, dass Kunst nicht nur künstlerisches Schaffen ist, sondern auch Lebensqualität und Bildungsarbeit bedeutet. Mein persönliches Highlight war Pastor Leumund mit seinem dadaistischen Gottesdienst und Klobürsten Weihwasser sowie seinem Rap-Hit „Aliens Welcome“. Das weckte vor allem die Aufmerksamkeit der Bauarbeiter.

Kunstaktion zum Herbst- Weinfest auf den Elbwiesen in Altkötzschenbroda

Man erreicht an öffentlichen Plätzen die verschiedensten Menschen: Senioren, Kinder, Jugendliche, sozial benachteiligte Familien und diverse ethnische Gruppen. Mit einer aktiven Teilhabe und der Möglichkeit zur Partizipation gestaltet man einen unvergesslichen, kostenfreien Kulturgenuss und stärkt zeitgleich den sozialen Zusammenhalt. Unverzichtbar in einer Zeit, wo Krisen und Unsicherheiten unsere Aufmerksamkeit aufsaugen. Die Kunst und Kultur trägt dabei eine große soziale Verantwortung und hat eine unverzichtbare sozioökonomische Bedeutung.
Nach meiner prägenden Erfahrung in Leipzig war ich dann im Lügenmuseum beschäftigt, welches mit Beschränkungen konfrontiert war. Geplante Veranstaltungen konnten nicht stattfinden, Projekte und Einnahmen fielen aus. Nun sammelte ich neue Erfahrungen im Umgang mit Krisen und wie Probleme gemanagt werden. Wir eröffneten eine Fassadengalerie, welche man sich von der Straße aus 24 Stunden anschauen kann. Ein haptisches Kulturangebot ist unsere „Museum To Go Box“, welche einfach zu bestellen ist. Zuhause kann man dann ein individuelles Museumserlebnis entpacken und sich mit einer Freikarte auf die Zukunft freuen. Unser nächstes geplantes Kulturereignis ist die Freie Kunsthalle mitten im Dorf Serkowitz – Umsonst und Draußen. Das Dorf ist 700 Jahre alt mit einem historischen Dorfkern und wurde vor über 80 Jahren in Radebeul eingemeindet. Dafür lädt der Radebeuler Kunstverein Kunst der Lüge e.V, KünstlerInnen ein auf den Höfen ihr Atelier einzurichten und an den Zäunen und in den Gärten auszustellen.

Was bedeutet nun aber eine Kunsthalle? Eine Kunsthalle leisten sich größere Städte, die etwas auf die Kultur setzen. Plant die Stadt Radebeul als Stadt der Bildenden Künste einen Neubau? Nein!

Der Radebeuler Kunstverein geht ganz andere Wege. Er erklärt einfach das Dorf als Kunsthalle. Klimaneutral wird auf den Neubau einer Radebeuler Kunsthalle verzichtet. Das Dorf wird zum Ausstellungsort, die BesucherInnen wandeln über den Dorfanger und erleben die Kunst im wirklichen Leben eines Dorfes.

Nach den langen Wintermonaten werden die KünstlerInnen mit ihrem kreativen Schaffen ihre Ateliers verlassen. Sie ziehen in das Dorf, machen ihr Wirken sichtbar und praktizieren öffentliches Leben. Die EinwohnerInnen und PassantInnen können den Akteuren über die Schulter schauen oder auch fragen, ob sie mitmachen können. Die Kunsthalle wird von Juni bis September stetig wachsen und sich von der Friedensstraße bis nach Dresden ziehen.

Da war ich dabei, als Jule und Reinhard die 20 Höfe des alten Dorfkerns befragten. Alle Höfe sagten zu, das war eine großer Erfolg. So zogen wir weiter und fragten die AnwohnerInnen der Friedensstrasse und fanden auch dort Mitwirkende und dann zogen wir in die andere Richtung bis nach Dresden mit positiver Resonanz. Viele erinnerten sich an die erfolgreiche 700 Jahr Feier 2014 welche Wolf Gööck und Reinhard Zabka initiiert und geschmissen haben.

Zur Freien Kunsthalle kommen viele Radebeuler KünstlerInnen , wie Andre Uhlig, Klaus Liebscher oder Sopie Cau.
Gefördert wird die Freie Kunsthalle von Fonds Soziokultur, der Stadt Radebeul und dem Landkreis Meißen. Die Eigenmittel für dieses Projekt werden mit einer Crowdfunding Aktion eingeworben.

Zur Unterstützung entwickelten wir die „Klima – Museum To Go Box“.

Was ist an der Klimabox so besonders? Die Klimabox ist eine limitierte Edition und ein künstlerisches Sammlerstück. Damit kann man erfahren, wie das Museum Ressourcen freundlich und ökologisch arbeitet. Zudem fordert die Klimabox heraus, sich mit der Thematik auseinander zu setzen, über das Konsumverhalten nachzudenken und das eigene Handeln anzupassen. Eine klimaneutrale Gesellschaft ist kein abstraktes Ziel. Das Thema Sparsamkeit, Eindämmung des Konsumverhaltens geht einher mit der Freien Kunsthalle und dem Lügenmuseum.

Stützpunkt für die Freie Kunsthalle bietet das Lügenmuseum im historischen Gasthof Serkowitz, ein lebendiges Kulturzentrum, ein beliebtes Ausflugsziel welches weit über Sachsen hinaus strahlt, aber dann auch wieder zurück.
Theresa Dietrich

Die „Klima – Museum To Go Box“ erhält man für eine Spende unter: www.startnext.com/freiekunsthalle.

200 Jahre Freischütz. Deutsche Nationaloper oder romantische Gruselstory?

Als ich 1978 als Lehrerin für Physik und Mathematik an einer Polytechnischen Oberschule in Coswig gefragt wurde, ob ich nicht noch für Musikunterricht einspringen könnte, dachte ich mir: Warum nicht? Ich sang gern und drei Jahre Klavierstunde konnte ich auch aufweisen. Richtige Musiklehrerinnen und Musiklehrer mögen den Kopf schütteln, aber mir meine Naivität verzeihen. Die Direktion freute sich über meine Zusage sehr. Also hinein ins Abenteuer! Die Klassen 8 und 10 durfte ich „beglücken“. Der Lehrplan sah vor, dass in der 8. Klasse in einer Unterrichtseinheit von 4 Stunden anhand der Deutschen Nationaloper „Der Freischütz“ die Kinder in die Welt der Oper eingeführt werden.

Jane Taubert, Vertreterin des Intendanten der Landesbühnen Sachsen GmbH, Dr. Romy Donath, Leiterin des Carl-Maria-vonWeber-Museums, Christina Ludwig, Leiterin des Stadtmuseums Dresden und Ulrike Hantsche, Vereinsvorsitzende des Fördervereins Seifersdorfer Schloss e.V.

In der Unterrichtshilfe fand ich unter der Überschrift „ C.M.v.Weber als Vorkämpfer einer nationalen Opernkunst“, fand ich gleich unter „Hinweisen zur Ziel- und Aufgabenstellung:

…Wichtigstes Ziel der Opernbehandlung ist das Bewusstmachen der Wechselbeziehungen von Komponist und Gesellschaft und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Funktion der Oper.

In dieser Hinsicht ist das emotionale Erlebnis vor allem durch historisch-biographische und musikdramaturgische Kenntnisse zu fundieren. Aus der dramaturgischen Konzeption sollen die Schüler erkennen, dass die historisch-konkrete Zielsetzung der Oper „Der Freischütz“ im Kampf gegen Aberglauben und erstarrte Lebensformen besteht. Carl Maria von Weber ist als entscheidender Bahnbrecher einer nationalen deutschen Opernkunst zu würdigen.“

Für die 1. Stunde galt: „Die Einführung in die Opernhandlung und das Bewusstmachen der dramaturgischen Konzeption hat schwerpunktmäßig die Volksverbundenheit und die in der Oper enthaltene Gesellschaftskritik herauszuarbeiten.“
Ob mir das so gelungen ist? Auf alle Fälle fanden die Musikbeispiele bei den Kindern großen Anklang.

Heute könnte man spaßeshalber fragen, ob die Landesbühnen Sachsen damals diese . Hinweise auch in ihren Inszenierungen des „Freischütz“ beachtet haben. Das Stück hat in den Landesbühnen eine lange Tradition. Nach dem Umzug von Dresden Gittersee nach Radebeul feierte die damalige Landesoper Dresden mit diesem Werk am 20. September 1950 ihre erste Premiere. Nachdem Anfang 1956 aus der Landesoper die Landesbühnen Sachsen geworden waren, ringen seit Sommer 1956 Max und Kaspar alljährlich auf der Felsenbühne Rathen um die Hand Agathes.

Und was ist nun zum 200jährigen Jubiläum des „Freischütz’ “ geplant?

Petra Grubitzsch, langjährige Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit der Landesbühnen Sachsen GmbH, leitete der Redaktion von „Vorschau und Rückblick“ eine Einladung der Museen der Stadt Dresden weiter. Geladen war zum Pressegespräch in das Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden Hosterwitz. Im Garten des Museums informierten Richard Stratenschulte, Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Städtischen Museen Dresden, Jane Taubert, Vertreterin des Intendanten der Landesbühnen Sachsen GmbH, Dr. Romy Donath, Leiterin des Carl-Maria-von-Weber-Museums, Christina Ludwig, Leiterin des Stadtmuseums Dresden und Ulrike Hantsche, Vereinsvorsitzende des Fördervereins Seifersdorfer Schloss e.V., über die geplanten Aktivitäten der drei Einrichtungen für 2021.

Das Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden nimmt das Jubiläum zum Anlass, um gemeinsam mit den Landesbühnen Sachsen Radebeul und dem Schloss Seifersdorf dieses Ereignis mit Veranstaltungen und einer Ausstellung zu würdigen. Dabei sollen die Entstehung des Werkes, aber auch dessen Rezeption während der Zeit des Nationalsozialismus und in der DDR beleuchtet werden.

In der Ausstellung wird auch auf die Uraufführung am 18. Juni 1821 im Berliner Schauspielhaus eingegangen. Zu verdanken war diese dem Enkel des sächsischen Premierministers Heinrich Graf von Brühl, Carl von Brühl, der in Seifersdorf bei Radeberg die Konzeption zur Oper mit Carl Maria von Weber besprach und die Oper im Auftrag gab. In Hosterwitz, im heutigen Carl-Maria-von-Weber-Museum, traf sich der Komponist wiederum mit dem Librettisten Friedrich Kind. Hier ersannen sie auch einen positiven Ausgang für den ursprünglich tragisch endenden Sagenstoff.

Anfang des 19. Jahrhunderts löste die „Jägeroper“ mit gegossenen Freikugeln, einer tiefenpsychologisch interessanten Liebesgeschichte, religiös mythologischen Anklängen und volkstümlichen Melodien Begeisterungsstürme aus und inspirierte beispielsweise Richard Wagner zu seiner Komponistenlaufbahn. Für die Stadt Dresden hat das Bühnenwerk noch eine besondere Bedeutung. Diese Oper war die letzte, die in der Semperoper vor ihrer Zerstörung erklang, und 1985 wurde die wieder aufgebaute Semperoper auch mit diesem Werk eröffnet.

Für die Landesbühnen Sachsen bedeutet die Kooperation konzertante Aufführungen der Oper „Der Freischütz“

im Garten des Carl-Maria-von-Weber-Museums am
20.6.21, 17 Uhr, 26.6.21, 20 Uhr und 11.9.21, 17 Uhr,
im Schloss Seifersdorf am
6. Juni und 12. September 17.Uhr und
zu den Meißner Burgfestpielen am
18.Juni 21, 20.30 Uhr.

(Alle Termine sind natürlich unter Vorbehalt der Covid-19 Entwicklung)

Die Ausstellung im Carl-Maria-von-Weber Museum in Kooperation mit den Landesbühnen Sachsen ist geplant vom 28.8. – 19.12.2021.

An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich bei Petra Grubitzsch für die langjährige gute Zusammenarbeit. Sie wird am Ende der Spielzeit in den Ruhestand gehen, was auch immer dies für sie bedeuten mag. Wir hoffen weiterhin auf vielseitige Kontakte mit „Vorschau & Rückblick“.

Ilona Rau

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