Gab es beim ehemaligen „Haus der Kunst“ einen Vorgängerbau?

Als ich neulich ein Bild geschenkt bekam, was die Geschichte der Lößnitz illustriert, war da zuerst Freude über den Besitz und auch Dankbarkeit gegenüber der Frau, die es mir zugedacht hatte. Dann kam bald der Wunsch auf, mehr darüber zu erfahren: wo ist es und was ist auf dem Bild eigentlich dargestellt und existiert das heute noch so, wann und von wem wurde es gezeichnet / gemalt, bzw. welche Technik wurde angewandt, ist der Rahmen original, gibt es eventuell Rückseitenvermerke, die Rückschlüsse auf Vorbesitzer zulassen? Da fängt die Arbeit für einen Sammler an! Nachdem die ersten Antworten gefunden waren, kam die Frage, wäre das Stoff für einen Artikel in V&R? Und schließlich, wo in meiner Wohnung wäre der richtige Platz für das neue, alte Bild?

Foto: D. Lohse

Ich möchte mal mit der Antwort auf die letzte Frage anfangen. Das Bild, auf dem man einen Ausschnitt von Niederlößnitz links der Jägerhofstraße erkennt, hat im ehemaligen Büro des Vor- Vor- Vorbesitzers, des Baumeisters Franz Jörissen, in unserem jetzigen Gästezimmer seinen Platz gefunden. Das Bild kehrte so durch einige Zufälle zurück zu seinen Wurzeln.

Foto: D. Lohse

Jetzt wollen wir uns besagtes Bild (eine Farblithografie) etwas genauer anschauen. Wir sehen einen Höhenzug von rechts nach links abfallend mit lockerem Baumbestand, z.T. auch Obstbäume, im Vordergrund erkennen wir einen angeschnittenen Weinberg, da wo heute wieder Wein wächst und rechts der Mitte steht ein Landhaus um 1870 mit Nebengebäuden und einem massiven Pavillon am Hang, den es so nicht mehr gibt. Das Landhaus mit Krüppelwalmdach ähnelt dem etwa zeitgleich entstandenen aber verschwundenen „Karlshof“ in Zitzschewig. Ganz rechts erkennen wir nahezu unverändert ein zum damaligen Grundstück gehörendes kleineres, noch existierendes Fachwerkhaus um 1800 und ganz links im Hintergrund ist noch die alte Kötzschenbrodaer Kirche zu erkennen. Auf der Rückseite des zeitgemäß gerahmten Bildes fand ich zwei Notizen von unterschiedlicher Hand: ein Unbekannter notierte, auf dem Bild sei eine Mühle aus dem Lößnitzgrund abgebildet. Das wird sowohl von mir, als auch früher schon von Baumeister Jörissen angezweifelt, der die genaue Lage des Gebäudes mit Adresse und Brandkatasternummern auf einem Klebezettel notiert hatte. Mühle scheidet vor allem deshalb aus, weil der Lößnitzgrund deutlich tiefer liegt und weil es im Seitental (Auf den Bergen) des Lößnitzgrundes keinen Bach oder ein anderes Gewässer gibt.
Das abgebildete Landhaus dürfte durch den Dresdner Ratszimmermeister Daniel Ruppert errichtet worden sein, der das Grundstück Niederlößnitz BC (Brandkatasternummer) 66-68 von 1748 bis 1787 besaß. Eine Familie Schelcher verkaufte es dann 1850 an Charles Martini, der jedoch das Haus abreißen und von 1852-54 durch Baumeister Eberhardt an gleicher Stelle eine moderne Villa im Stil des Klassizismus errichten ließ. Möglicherweise wurde das signierte Bild 1852 bei Borkman (Herr oder Frau?) in Auftrag gegeben, als der Abriss beschlossen war und eine Erinnerung an das Landhaus bewahrt werden sollte. Wenn man das Haus auf dem Bild ansieht, ist nicht zu verstehen, dass es abgerissen werden musste, es scheint ja baulich in Ordnung gewesen zu sein. Der Grund für den Abriss dürfte eher gewesen sein, dass Martini ein Haus nach der aktuellen Mode und/ oder ein größeres Haus haben wollte. Er nannte sein neues Domizil „Mon Repos“ (mein Ruheplatz). Mitte des 19. Jh. kamen in der Lößnitz noch einige klangvolle Eigennamen für Häuser wie „Paradies“, „Haus in der Sonne“ oder „Haus Sorgenfrei“ auf, die der Volksmund heute noch gebraucht.

Foto: D. Lohse

Eine besondere Eigenart, eine gedoppelte Haustür, d.h. zwei Türen nebeneinander, von denen nur eine funktioniert, finden wir an dieser Villa. So was kommt noch an zwei anderen Stellen in Radebeul bei Gebäuden aus der 2. Hälfte des 19. Jh. vor, wohl der Symmetrie geschuldet. Ich erinnere mich noch an ein bemerkenswertes Treppenhaus, dreiläufig mit vier Stützen und offenem viereckigen Auge, in der Villa. Kurz nach Fertigstellung der Villa wurden die Remise mit Kutscherwohnung, ein Eiskeller und eine Schießanlage gebaut – von beiden letzteren gibt es heute keine Spuren mehr.
Ein nächster Besitzer, Major a.D. Adolf von Mayen, veranlasste 1892/ 93 dann den Bau des Gärtnerhauses (Baumeister Adolf Neumann), heute Dr.-Rudolf- Friedrich.-Str. 25, und verkaufte 1897 den Besitz an Josef Goldschmidt, einen jüdischen Kaufmann aus Berlin. Im Südteil des Grundstücks entstand ein prächtiges, gläsernes Palmenhaus, das aber zwischen den beiden Weltkriegen verfiel. Für Josef Goldschmidt und später auch für seinen Sohn, Dr. jur. Curt Goldschmidt (Bankier in Berlin), und dessen Familie war die Villa immer nur der Sommersitz gewesen. Vor allem Dr. Goldschmidt nahm am Geschehen in Radebeul regen Anteil. Es ist bekannt, dass er für die Grundschule Niederlößnitz ein farbiges, noch existierendes Treppenhausfenster gestiftet hatte. Der Stiftervermerk im Fenster wurde bereits 1936 von den Nationalsozialisten entfernt, als die Goldschmidts Deutschland in Richtung Frankreich verlassen hatten. Ihr Leben als Juden war zwar gerettet, doch der Besitz verloren.
Grundstück und Villa wurden enteignet, „arisiert“ und ein Studentenheim der nationalsozialistischen Langemarck-Stiftung eingerichtet. 1939 entstand neben der Villa ein neues Bettenhaus, das ebenfalls nach klassizistischem Vorbild gebaut wurde. Kriegszerstörungen waren im Grundstück nicht zu beklagen. Das nationalsozialistische Intermezzo endete im Frühjahr 1945 hier wie in ganz Deutschland.

Foto: D. Lohse

Da Vieles in Dresden zerstört war und man in der Aufbauphase auch schon nach Ausstellungsmöglichkeiten suchte, konnte in Radebeul geholfen werden – die Goldschmidtvilla wurde vom Land Sachsen als „Haus der Kunst“ eingerichtet. Meines Wissens wurden bis in die 50er Jahre verschiedene Bilderausstellungen gezeigt, zu denen viele Besucher aus Dresden und Radebeul kamen. Einen Schwerpunkt bildeten junge bildende Künstler und solche, die zwischen 1933 und 1945 ausgegrenzt waren. Anschließend fasste der FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) hier Fuß und betrieb in den Räumen eine Gewerkschaftsschulungsstätte. Dafür musste die Villa nach Norden hin erweitert werden. Das erfolgte unter Einhaltung der Gestaltung der Villa, bald sah man keinen Unterschied zum Altbau mehr. Nach 1990 wechselte man das „Firmenschild“, von jetzt an arbeitete der DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) an gleicher Stelle weiter. Etwa 2002 stellte dann der DGB in Radebeul seine Tätigkeit ein und es folgte längerer Leerstand in den Gebäuden. Einmal erschien hier eine Organisation aus Berlin, die zu altem jüdischem Besitz recherchierte. Eine Rückkehr der Goldschmidt-Erben erfolgte aber nicht, so dass es schließlich zum Verkauf an Herrn Kliemann (Heizung und Sanitär) aus Radebeul kam. Man teilte das große Grundstück auf: die Villa als Auf den Bergen 9, das Fachwerkhaus als Auf den Bergen 11 das ehem. Gärtnerhaus als Dr.-Rudolf- Friedrichs-Str. 25 und die ehem. Remise als 25a. Die Gebäude wurden in den folgenden Jahren durch verschiedene Eigentümer unter Mitwirkung des Denkmalschutzes saniert, aus der Villa wurde jetzt ein Mehrfamilien-Wohnhaus mit zusätzlichen Balkonen und im Gelände wurde etwas Neues gebaut. Dadurch ist vom ehemaligen Villenpark leider nicht mehr viel übrig geblieben.
Was dürfen wir als Fazit feststellen? Wir lernten ein Niederlößnitzer Grundstück mit wechselvoller Geschichte kennen, sozusagen ein Spiegelbild deutscher Geschichte. Und ja, einen Vorgängerbau gab es, wie zu sehen ist, auch.

Dietrich Lohse

Literatur. „Radebeul in alten Ansichten“, Band 2, Liselotte Schließer, Europ. Bibliothek, Zaltbommel /
Niederlande, 2002
„Juden in Radebeul“, 1933-1945, Ingrid Lewek, Wolfgang Tarnowski, Große Kreisstadt
Radebeul, 2008

Unikate aus Porzellan in Coswig

Zur Ausstellungseröffnung „Weißer Elefant“

Foto: PR Museum Karrasburg

Am vergangenen Freitag wurde die neue Sonderausstellung im Coswiger Museum Karrasburg eröffnet. Unter dem Titel „Die Künstlergruppe WEISSER ELEFANT“ zeigen Tina Hopperdietzel, Silvia Klöde, Sabine Wachs, Andreas Ehret und Olaf Fieber Unikate ihres Schaffens.
Die ehemaligen Meißner Manufakturisten haben sich vor sieben Jahren zu dieser Künstlergruppe zusammengeschlossen – nicht ohne ein Augenzwinkern im Hinblick auf die Fragilität des Porzellans wurde der Name gewählt.
Zu sehen sind Plastiken, Gefäße, Spiegel- und Wandgestaltungen, welche die fünf verschiedenen Handschriften der Künstler präsentieren.
Die Unikate zeigen die unterschiedlichen Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Porzellan, der durch die opulente oder auch sparsame farbliche Gestaltung an Wirksamkeit gewinnt. Der interessierte Betrachter findet viele Details, die vom hohen handwerklichen Können der Künstler zeugen. Seien es bis ins Kleinste gestaltete Figuren, das Nebeneinandersetzen von glasierten und nicht glasierten Scherben, das „Bauen“ von Figuren aus kleinen Porzellanplatten oder das Freidrehen großer Gefäße – alles entfaltet einen eigenen Reiz, eine eigene Stimmung.
Wen wundert es, dass sich zur Eröffnung viele ehemalige und heutige Manufakturisten einfanden, um den Künstlern Respekt zu zollen, in Erinnerungen zu schwelgen und Gedanken auszutauschen.
Evelies Baumann

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Die Ausstellung ist bis zum 12. Mai zu sehen.
Öffnungszeiten Di, Do 12-18 Uhr / Sa, So 14-18 Uhr
Informationen: www.karrasburg.de

25 Jahre Krankenhausneubau Radebeul (Teil 2)

Neues Planen und Bauen für neue Arbeit am Radebeuler Krankenhaus

Die Schilderungen sollen verdeutlichen, wie der Enthusiasmus des Neuanfangs noch Berge versetzen half, deren Überwindung der später in die Ämter eingekehrte biedere Verwaltungsgang unmöglich gemacht hätte.
Heiner Janik, aus dem Landkreis München kommend und zum Jahreswechsel 1991/92 zum neuen Landrat im Landkreis Dresden bestellt, konnte jedenfalls sein ungläubiges Staunen kaum verbergen, als wir ihm den bisherigen Werdegang unseres Neubauvorhabens schilderten. An seiner bisherigen Wirkungsstätte im Umland von München wäre Derartiges undenkbar gewesen.
Im Februar 1991 waren wir zur Förderbehörde vorgedrungen, wo Segen und Geld für den weiteren Fortgang unserer Träume eingeworben werden mussten. Es war ein grauer Abend, als gegen 21 Uhr Dr. Bosse als Sozialdezernent des Landkreises, Günter Böhm und ich dem vom langen Tag angestrengten Staatsminister für Gesundheit und Soziales Dr. Hans Geisler mit Plänen und einem Holzmodell das Radebeuler Bauvorhaben vorstellten und erläuterten. Nachdem er seine Überraschung überwunden hatte, entließ er uns mit der Zusicherung, dass es in Radebeul immer ein Krankenhaus geben werde und dass wir uns um Geld kümmern sollten. Es gäbe Banken, die solche Vorhaben finanzieren würden, um sie dann an den Landkreis zu vermieten, gab uns der Minister noch mit auf den Weg. Ein von uns daraufhin bei der WestLb eingeholtes Angebot fand aber beim inzwischen amtierenden Finanzminister Dr. Milbradt keine Zustimmung. Er hatte wohl schon Kenntnis vom milliardenschweren Investitionsprogramm, das für die Krankenhäuser in den fünf neuen Bundesländern aufgelegt werden sollte. Da von den Ministerien aber kein Stoppzeichen kam, liefen unsere Planungen weiter. Schon Mitte des Jahres 1991 waren sie so weit fortgeschritten, dass an den berühmten „Ersten Spatenstich“ gedacht werden konnte. Am Ende der Bettenkonferenz Ende Juni im Dresdener Rathaus von mir angesprochen, stellte Staatsminister Dr. Geisler in Aussicht, drei sächsische Krankenhäuser würden bald den Bewilligungsbescheid für Neubauten erhalten. Unsere Hoffnung, eines dieser drei Häuser zu sein, ging in Erfüllung. Unser Verwaltungsdirektor Günter Böhm nahm Anfang August 1991 das wichtige Dokument aus den Händen von Dr. Hans Geisler entgegen, das uns dem Ziel unserer Wünsche ein großes Stück näher brachte. Bei dieser Gelegenheit besichtigte der Minister erstmals die zukünftige Baustelle und wünschte gutes Gelingen.
Die Bauvorbereitungen wurden nun rasch vorangetrieben. Zunächst musste die Pflegestation Haus 5 im November durch Abriss dem neuen Gebäude weichen. Dann wurde an der Südflanke des nicht unterkellerten Hauses 2 für dessen Standsicherheit eine Bohrpfahlwand niedergebracht, die aus Betonsäulen von ca. 50 cm Durchmesser besteht und bis unter das Niveau des neuen Kellergeschosses hinabreicht. Die Voraussetzungen für den Aushub der Baugrube waren geschaffen. Maschinen von hoher Effektivität, früher hier unbekannt, erledigten das in wenigen Wochen. So konnte bereits am 8.3.1992 die feierliche Grundsteinlegung erfolgen. Aus diesem Anlass trafen Staatsminister Dr. Hans Geisler und Landrat Heiner Janik erstmals zusammen und beglückwünschten gemeinsam die Einwohner Radebeuls und des Landkreises sowie Ärzte und Mitarbeiter des Krankenhauses zu diesem ersten sichtbaren Zeichen des Aufbruchs nach der Wende. Auch in der Presse fand das Ereignis lebhaftes Echo.
Das Bautempo unterschied sich wesentlich von dem der Jahre 1974 bis 1981, in denen das Haus 2 entstanden war. Moderne Technik und eine Fertigteilmontagetechnologie ließen das Gebäude so schnell wachsen, dass schon am 8. November 1992 Richtfest gefeiert werden konnte. Für den Ausbau, den Dr. Jüchser geduldig und humorvoll in enger Abstimmung mit den zukünftigen Nutzern gestaltete, wurden 18 Monate gebraucht. Damit war der erste Krankenhausteilneubau im ebenfalls neu entstandenen Bundesland Sachsen bezugsfertig.
Die Erinnerung an die festlichen Stunden am 25. Mai 1994 ist sicher so manchem noch in Erinnerung, der damals mitgefeiert hat. Seither konnten viele tausend Patienten die neuen Bedingungen kennenlernen, die sich so wohltuend von denen der Vorwendejahrzehnte unterscheiden.
Bürger unserer Stadt und des Landkreises fanden Hilfe bei den verschiedensten Gesundheitsproblemen, und so mancher von ihnen ist bis heute stolz auf sein Radebeuler Krankenhaus.

Bernd Uhlemann

Bewahren von Fachwerk, Holzkonstruktionen u. Kunstwerken aus Holz

Der Fachwerkbau unterlag in seiner Geschichte einer wandelnden Wertschätzung. Gerade die letzten Jahrzehnte belegen, dass seine prägende Wirkung für Sachsen nicht unterschätzt werden darf. Eine Konsolidierung dieser Bauten setzt allerdings ein Spezialwissen voraus, das heute nicht mehr Allgemeingut ist und darum dringend in der handwerklichen Fortbildung vermittelt werden muss. Holzkonstruktionen sind durch Umweltfaktoren aber auch durch falsche Behandlungen gefährdet. Es zeigt sich, dass erfolgreiche Instandsetzungen für sich sprechen und beispielgebend wirken, was anhand des linkselbischen Naustadt (Gemeinde Klipphausen) – zugehörig zu „Sachsens Schönsten Dörfern“ ausgeführt wurde. Diese Initiative zur Bewahrung der Identität und dem Schutz der Baukultur zeigt erste Erfolge.
Die Holzkonservierung hat in Sachsen eine lange Geschichte. Bereits im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts begannen die nicht immer erfolgreichen Anstrengungen um das Kunstgut zu erhalten. Es waren jedoch gerade diese Bemühungen, denen wir heute in Sachsen ein reiches kulturelles Erbe zu verdanken haben. In alten Akten finden sich dazu interessante Hinweise. So gab es bereits um 1830 ernsthafte Bestrebungen, die Kunst authentisch zu bewahren und nicht durch Kopien zu ersetzen. Beispielsweise sollte der Augustusburger Cranach-Altar damals aufgrund eines starken Anobienbefalls anfänglich als Kopie neu geschaffen werden. Diverse restauratorische Maßnahmen zeigten in Folge nicht den gewünschten Erfolg oder führten zu schädigenden Nebenwirkungen. 1902 wurde darum in Dresden eine Versuchsanstalt für wurmkranke Hölzer gegründet. In sehr unterschiedlicher Weise schritt die Entwicklung von Konservierungsmitteln fort. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte der Holzbau einen gewaltigen Aufschwung. Industrieller Holzbau war ohne Holzschutz undenkbar. Nach dem ersten Weltkrieg wurde der sparsame und nachhaltige Umgang mit Bauholz sowie der vorbeugende Schutz der Bausubstanz propagiert. Der Faktor Zeit wurde im Bauwesen immer entscheidender. Gleichzeitig waren die Gefahren bekannt, die aus nassem Holz resultierten. Bereits im Ersten Weltkrieg wurden die Auswirkungen des Luftkriegs auf die Zivilbevölkerung deutlich. So kamen verstärkte Anstrengungen zum Flammschutz hinzu. Die Folge davon waren z.T. hochbelastete Denkmäler. Bekanntlich ist darum der chemische Holzschutz bereits vor gut 35 Jahren in Verruf geraten. Aufgerüttelt durch die Holzschutzmittelprozesse in der Bundesrepublik begann ein Umdenken. Auch hier waren es erst die Spätfolgen, die aufhorchen ließen. Als Konsequenz daraus versuchten wir andere Wege zu gehen. Es wurde beobachtet, dass verkieselte Hölzer beständiger gegen Pilze und Insekten sind. Zudem erfolgten Modifizierungen mit weiteren fungizid und insektizid wirkenden Zusätzen, wie u.a. Borsäure, Kupfer und Silber. Trotz der Erfolge gab es bislang keine Zulassung der von uns mitentwickelten Siliziumdioxid-Nano-Sole und eine großtechnische Realisierung.
Holzschutz kann nie eine fehlende Baupflege ersetzen. Gerade in Notzeiten führten nicht behobene Bauschäden in Verbindung mit fehlendem Holzschutz zu weiteren Verlusten. Doch auch Kunstwerke galt es zu schützen. Leider wurden da anfänglich kaum Unterschiede gemacht, bis die Schäden allzu deutlich wurden. Grundsätzliche Dinge sind zu beachten. Dazu zählt, die für ein Denkmal angemessenen Materialien zu wählen. Wir sind sehr froh darüber, dass es inzwischen eine Renaissance des Leinöls gibt. Der große Vorteil dieser Anstriche ist, dass sie natürlich altern und ohne größere Vorbehandlungen des Grundes überarbeitet werden können. Dennoch verfault das Holz nicht, es sei denn es herrscht stauende Nässe. Derzeit laufen Tests zu verschiedenen Anbietern. Zudem kann Bauholz thermisch modifiziert werden, um es dadurch haltbarer zu gestalten. Wir verwenden derartige Hölzer ebenfalls an Kunstobjekten, um diese gegen feuchte Bereiche abzuschirmen.
Eher am Rande sei auf die Stabilisierung geschwächter Holzkonstruktionen mit Kohlefaserlamellen hingewiesen. In Görlitz am Schönhof wurde auf diese Weise eine Deckenkonstruktion ertüchtigt. Auch die Rahmen des Wolgemutaltars in Zwickau wurden durch CFK-Lamellen freitragend. Zu den richtigen Materialien nicht nur im Denkmal zählt zudem der oft unterschätzte Lehm. Er gibt ein gutes Wohnklima und durch seine Feuchte ausgleichende Wirkung werden Holzkonstruktionen geschützt.
Ohne ein gutes Klima im Baudenkmal geht es nicht. Die Wechselwirkungen sind nicht trivial und werden oft unterschätzt. Wird eine Komponente verändert hat das oft Auswirkungen aufs ganze System. Ein gut durchlüftetes Kaltdach hat seine unbestrittenen Vorteile. In Rochlitz am Fürstenhaus wurden extra diese Schornsteinatrappen aufgesetzt, damit die Durchlüftung gewährleistet wird. Diese war nötig, um die Schadstoffkonzentration in ein tolerables Maß zu bringen, hilft aber auch zur Feuchteabfuhr. Das ist besonders bei sehr dichten Dachkonstruktionen erforderlich. Doch nicht nur Querlüftungen, sondern auch Vertikalentlüftungen sind nötig. Die wieder in Mode kommenden Kaminöfen tragen dazu bei. In diesem Zusammenhang wird auf die notwendige Fugenlüftung aufmerksam gemacht. Mit Hilfe von Verbundfenstern konnten angemessenere Lösungen musterhaft für das Kloster St. Marienthal entwickelt werden.
Der Klimawandel bereitet uns Sorgen. Wir sind natürlich auch in der Denkmalpflege bemüht das Nötige zu tun. Neben dem Wärmeschutz rein zugunsten der Heizkostenabrechnung, gilt es auch sich mit der Problematik des sommerlichen Wärmeschutzes auseinanderzusetzen. Hierbei wollen und müssen wir die Gebäude kühl halten, um den Einsatz von Klimaanlage zu vermeiden. Eine besondere Rolle spielt dabei der Lichtschutz, damit restaurierte Objekte nicht vorschnell altern.
Anhand von langjährigen wissenschaftlichen Voruntersuchungen konnte ein gutes Fundament für den Erhalt von Holzschindeln gelegt werden – in Sachsen inzwischen fast ein exotisches Bauteil. Vorteilhaft ist die Handlichkeit der Schindel. Was bei ihr grundsätzlich funktioniert geht auch am Fachwerk, an der Verbretterung und anderen Bauteilen. Wir hoffen sehr, dass ein entsprechendes, vielleicht sogar grenzüberschreitendes Projekt, zur Verbesserung der Nachhaltigkeit gelingt.
Seit gut zehn Jahren finden vor diesem Hintergrund am LfD-Sachsen die Holzfachgespräche statt. Aus einem Rundtischgespräch entwickelten sich Kolloquien und in Folge davon manches Forschungsprojekt. Mein letztes Fachgespräch wird am 10. Oktober 2019 stattfinden, bevor ich in den Ruhestand gehe. Es wird noch ein langer Weg sein bis wir einen effektiven und humantoxisch unbedenklichen Holzschutz haben. Dieser wird wohl erst gelingen, wenn die Wirkkomponenten direkt an die Holzfaser anbinden. Erste Gedanken gibt es dazu bereits. So gilt mein Dank allen, die sich auf vielfältige Weise um den Erhalt des Kulturgutes und der Denkmallandschaft mühen.
Manfried Eisbein
Sehr geneigte Leser, dies war ein Kurzabriss des hochinteressanten Vortrages von Manfried Eisbein am 22. März 2019 auf Einladung des Vereins. Es ist uns wichtig, dass wir weiterhin informative und anwendbare Vorträge zu bautechnischen Fragen anbieten.
Abschließend möchte ich noch auf die Eröffnung des Bismarckturmes am 19. Mai gegen 15.00 Uhr aufmerksam machen. Wir haben es – dank allen Unterstützern – geschafft; die unglaubliche Summe von 300.000 € ist zusammengekommen. Sie werden es sehen: die Aussicht ist ein Erlebnis. Weitere Informationen erfolgen in der Presse.
Jens Baumann

Die Quadratur des Kreises

oder das innerstädtische Zentrum Radebeul-West und die Bahnhofstraße

Jüngst war ich im Netto-Markt und wollte eigentlich nur einkaufen. Doch dann kam es unvermittelt zu einer Diskussion über die Situation in Radebeul-West. Drei Personen, drei Meinungen. Jeder verkündete seine Sicht auf die Dinge. Die Gemüter waren erhitzt und eigentlich hörte keiner mehr dem anderen so richtig zu. Irgendwann ging man erschöpft auseinander.

Der Oberbürgermeister Bert Wendsche mit Matthias Hennl, dem Vertreter der Händlergemeinschaft, beim offiziellen Start des Sanierungsgebietes »Zentrum Radebeul-West« zum Frühlingsfest am 13. Mai 2017 auf der Bahnhofstraße Foto: Karin (Gerhardt) Baum

Wie schade, dachte ich, dass sich zur Zeit im Bürgertreff keine Bürger mehr treffen können, um sowohl miteinander als auch mit Fachleuten über die Entwicklung ihres Stadtzentrums zu diskutieren. Denn für Beratungen, Gesprächsrunden, Vorträge, Ausstellungen, Workshops sowie vielfältige kulturelle Veranstaltungen wurde der Bürgertreff ursprünglich von der Stadtverwaltung angemietet und dementsprechend ausgestattet. Stattdessen stellen sich in diesen Räumen Testläden vor und man fragt sich, warum testen die Testläden nicht die vielen leer stehenden Läden und arrangierten sich mit deren Vermietern?

Wenn also nicht im Bürgertreff, wo findet dann der Diskussionsprozess mit den Radebeuler Bürgern statt? Und wer wäre dafür zuständig? Und wo sind eigentlich all die kompetenten Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die viele eigene Ideen zur Entwicklung des Sanierungsgebietes beisteuern könnten? Ich denke dabei an die Fachbereiche Stadtentwicklung, Verkehrsplanung, Wirtschaftsförderung, Jugend und Soziales, Kultur und Tourismus, Ordnung und Sicherheit, Feste und Märkte. Gemeinsam mit einem Stadtmanager könnten sie doch den öffentlichen Diskurs mit Händlern, Bürgern und Eigentümern über das Sanierungsgebiet zielführend begleiten. Erregte Diskussionen auf der Straße oder wie eingangs geschildert im Netto-Markt tragen wohl kaum zur nachhaltigen Akzeptanz der geplanten Sanierungsmaßnahmen in Radebeul-West bei.

Dass in Radebeul-West ein massiver Umbruch stattfindet, ist unübersehbar. Während meiner dreijährigen Zusammenarbeit als Mitarbeiterin des Kulturamtes mit Kollegen aus verschiedenen Fachbereichen der Stadtverwaltung, der Oberschule Kötzschenbroda und den Händlern von Radebeul-West wurde ich mit den akuten Problemen vor Ort auf sehr direkte Weise konfrontiert. Gemeinsam haben wir im Zeitraum von 2015 bis 2017 u. a. vier Händlerspektakel und eine große Wunschbriefkastenaktion organisiert. Der Rücklauf war erfreulich. Und ich frage mich, was aus all den Ideen und Hinweisen werden soll. Kleine Erfolge konnten wir schon damals verbuchen. Endlich stand wieder ein Weihnachtsbaum auf dem Bahnhofsvorplatz, auf der Bahnhofstraße wurden bequeme Sitzbänke aufgestellt und in einem ehemaligen Ladengeschäft erfolgte die Eröffnung des Bürgertreffs. Während dieser Zeit habe ich viele Händler kennen und schätzen gelernt. Trotz aller Bemühungen wurden immer wieder Läden aus ganz unterschiedlichen Gründen geschlossen. Die Käse-Theke Hoffmann, das Haushalt- und Eisenwarengeschäft Lindner, Markos Lampenladen oder der Lebensmittelmarkt Müller seien hier beispielgebend genannt. Für viele Ladengeschäfte hat sich bis heute kein Nachmieter gefunden. Und wenn, dann sind es Branchen, die nur wenig zur Belebung der Einkaufsstraße beitragen. Besonders einschneidend war im vergangenen Jahr die Schließung des Drogeriemarktes Rossmann, da er als Frequenzbringer für die umliegenden Geschäfte sehr wichtig gewesen ist. Was nützt die originellste Sitzbank, wenn man auf tote oder blickdichte Fensterfronten schaut. Liegestühle, Stiefmütterchen und Luftballons – das alles ist rührend, macht die Einkaufsstraßen etwas bunter und die einheimischen Händler sympathisch. Straßen-Pflanzaktionen, Stadtteilfeste, Themenmärkte, Anzeigenschaltungen, Marketingstrategien, Rabattaktionen, Modenschauen, Schaufensterwettbewerbe oder Saison-Schlussverkäufe halten das Sterben der kleinen inhabergeführten Läden aber nicht auf. Ich kaufe ja auch nur das, was ich brauche und halte mich nur dort auf, wo es für mich einen Sinn ergibt. Eine Bürgerbefragung zum Einkaufs- und Freizeitverhalten der Radebeuler Bürger wäre da wohl ganz aufschlussreich. Trotzdem sollten sich die Händler nicht entmutigen lassen, weiterhin zusammenhalten und immer wieder ohne Schere im Kopf neue belebende Aktionen starten.

Der Erste Bürgermeister Dr. Jörg Müller (3.v.r.) und die Mitarbeiterin Anja Schöniger (Mitte) vom SG Stadtentwicklung beantworten im Bürgertreff die Fragen interessierter Bürger zum Sanierungsgebiet Foto: Karin (Gerhardt) Baum

Die Erwartungen der Kunden an die Händler sind hoch und nicht alle Wünsche lassen sich realisieren. Es genügt schon ein Taschenrechner, um herauszufinden, was dem Händler nach Abzug von Miete, Betriebskosten, Verbindlichkeiten für den Warenbestand, Steuern sowie sonstigen Beiträgen und Unkosten zum Leben bleibt. Die Gründe wer warum im Handel arbeitet sind unterschiedlich. Nicht selten bekam ich zu hören, dass man unter den heutigen Bedingungen wohl kein Ladengeschäft mehr eröffnen würde. Umso erstaunlicher ist es, dass sich dann doch immer wieder Enthusiasten finden, die leidenschaftliche Händler sind und das auch noch lange bleiben wollen in der Hoffnung, dass bessere Zeiten und viele kauffreudige Kunden kommen.

Aber welche Geschäftsideen hätten denn überhaupt eine realistische Chance? Die Ladenflächen sind klein und die Mieten sind hoch. Die meisten Vermieter denken in erster Linie monetär. Die Sicherung eines ausgewogenen Branchenmixes ist nicht ihre Aufgabe und kann von ihnen auch nicht geleistet werden. Das Risiko liegt allein beim Gewerbetreibenden. Und was gab es da nicht schon alles für tolle Ansätze mit Cafeteria in der Sparkasse, Boutiquen, Jugendmode, Geschenkartikeln, Spezialitäten, Blumen, Antiquitäten, Modeschmuck, Gebraucht-, Schreib- und Spielwaren, die über kurz oder lang gescheitert sind. Ein entscheidender Punkt ist, wie lässt sich das Risiko für Neustarter minimieren? Vier Wochen Pop Up Store reichen da vermutlich nicht aus. Also welche Art von Unterstützung brauchen die jungen Kreativen mit wenig Startkapital?

Das Einzelhandelssterben ist ein deutschlandweites Phänomen. Bestehen wird künftig, wofür es einen Bedarf gibt. Angebot und Nachfrage bedingen einander. Die Kunden sind nicht weg – sie sind nur woanders. Man begegnet sich heutzutage in den Gängen der großflächigen Discounter, Supermärkte, Fachmärkte und Vollversorger. Die Einkaufswagen sind gut gefüllt, was der Theorie, allein der Online-Handel sei an der ganzen Misere schuld, widerspricht.
Die großflächigen Märkte auf der grünen Wiese mit kostenlosen Parkplätzen und breit aufgestellten Sortimenten von billig bis Bio haben den Innenstadtbereichen erhebliche Kaufkraft entzogen. Wie gehen andere Städte damit um? Dank Google stößt man da auf sehr viele gute Beispiele.

Alles ist relativ. Im Vergleich z.B. mit Wahnsdorf oder Lindenau sieht es im Zentrum von Radebeul-West doch ganz gut aus. Hier vermisst man fast nichts. Waren des täglichen Bedarfs, Eisdiele, Sparkasse, Apotheke, Buchhandlung – alles noch da! Und was es hier nicht gibt, besorgt man sich in Dresden oder im Netz. Das Zentrum von Radebeul-West ist zwischen Weinhängen und Elbaue sehr schön gelegen und hat allerhand zu bieten: eine repräsentative Gründerzeitbebauung, breite Fußwege, Schatten spendende Bäume, eine gute Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsnetz und den Elberadweg. Nur ein paar Schritte weiter in Altkötzschenbroda befinden sich sonnige Biergärten, kleine Kneipen, Kunst, Kultur und exklusive Läden. Also wo liegt das Problem?

Woran es eindeutig mangelt im Bereich der Bahnhofstraße, sind größeflächige Frequenzbringer, von denen die kleine Läden partizipieren können. Und nun wird es kompliziert. Obwohl die Zeitfenster für den Verkauf von Bahnhof und Post viele Jahre offen standen, fehlte wohl den Entscheidungsträgern der strategische Durchblick. Wer, wann, was versäumt hat, das herauszufinden ist müßig. Wie heißt es doch: Gemeinwohl geht vor Eigennutz. Spätestens hier scheiden sich die Geister. Der Pessimist wird zynisch, der Optimist wird ironisch. Gegenseitige Schuldzuweisungen sind unproduktiv. Zu spät ist zu spät! Und privat ist privat! Alles andere ist Wunschdenken und setzt die Mitwirkungsbereitschaft der Eigentümer voraus. Im Besitz der Stadt befinden sich zur Zeit lediglich der Bahnhofsvorplatz, der Apothekerpark sowie öffentliche Fußwege und Straßen bzw. verschiedene Flächen, welche einmal für den „Schulcampus“ genutzt werden sollen.

Dass sich vier Schulen, zwei Horte und ein Schulclub in diesem ohnehin dicht besiedelten Gebiet befinden werden, ist nicht unwesentlich und wirft einige Fragen auf. Wo werden die vielen Kinder und Jugendlichen ihre Freizeit verbringen? Was bedeutet das für die immer größer werdende Bevölkerungsgruppe von Senioren, die im nahen Wohnumfeld fußläufig einkaufen, soziale Kontakte und den geistigen Austausch pflegen, sich bilden und informieren wollen?

Das Sanierungsprogramm steht unter dem Motto „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“. Hierfür wurden die Fördermittel bewilligt. Das Spannende hieran ist, welcher praktische Nutzeffekt sich daraus für die Radebeuler Bürgerschaft ergeben wird. Der Horizont sollte nicht zu eng abgesteckt werden, denn immerhin ist Radebeul-West eines von zwei Stadtzentren, die alters- und sozialübergreifend gedacht werden müssen. Es ist völlig kontraproduktiv, die Bahnhofstraße isoliert zu betrachten.

Im Sinne von Händlern und Kunden könnte z.B. durch die Wirtschaftsförderung ein gesamtstädtisches Informationsportal mit kurzen sachlichen Texteinträgen von allen Radebeuler Handels- und Dienstleistungseinrichtungen eingerichtet werden. Vielleicht ließe sich damit das bewusste Einkaufen vor Ort befördern. Denn oftmals mangelt es an Information. Häufig hört man: „Das es das hier gibt, habe ich gar nicht gewusst.“ Vor allem für die Neuradebeuler wäre dieser Service ein sehr nützliches Stück Willkommenskultur. Der Besonderheit unserer Stadt Rechnung tragend, sollte man auch viel mehr die Stärken von Radebeul-Ost und Radebeul-West herausstellen und damit das Interesse für beide Zentren wecken. Ein durchgängiger Radweg könnte hierzu verbindend beitragen.

In Kooperation von Händlerschaft und Stadtverwaltung wurde zur Entwicklung der Bahnhofstraße eine AG Leitbild gegründet. Die ersten Arbeitsergebnisse kann man in einer Leitbildbroschüre nachlesen. So will man z.B. unter dem Motto „Bahnhofstraße – das hat was“ ein neues „Wir-Gefühl“ vermitteln. Da ist u.a. die Rede von Co-Working-Spaces, Tiny Houses, Moonlight-Shopping, Pop Up Stores … Moment mal, bin ich mit 65 Jahren schon zu alt, um zu verstehen worum es hier eigentlich geht?
Ach übrigens, vorm Bürgertreff steht wieder ein Briefkasten für Wünsche, Ideen, Vorschläge und Kritik. Die Leitbildbroschüre habe ich allerdings im Bürgertreff vergebens gesucht. Gefunden habe ich sie dann im Internet.

Bevor mit der praktischen Sanierung begonnen wird, wäre es wohl wichtig, dass sich Händler, Bürger, Eigentümer, Vertreter der ortsansässigen Bildungseinrichtungen, Fachämter und Kommunalpolitiker noch einmal mit der komplexen Problematik kritisch auseinandersetzen, um eventuelle Interessenkonflikte bereits im Vorfeld zu minimieren. Der Optimist würde hier anmerken: Besser spät als nie. Die Entwicklung eines modernen, lebendigen und gut funktionierenden Stadtzentrums ist schließlich unser aller Ziel.

Karin (Gerhardt) Baum

Editorial 05-19

Unsere Kulturzeitschrift mit dem programmatischen Titel „Vorschau & Rückblick“ kommt nicht umhin, auf die Zeit von vor genau 30 Jahren vertieft zurückzublicken. Immerhin ist auch die Wiedergründung der „Vorschau“ dann im Mai 1990 ein Kind jener spannenden Zeit des Umbruchs, der, fast unmerklich, schon im Monat Mai ’89 mit den Unregelmäßigkeiten bei den Kommunalwahlen seinen Anfang nahm. Es folgte ein beispielloser Exodus von DDR-Bürgern in den Sommermonaten nach Ungarn oder in die Tschechoslowakei, um über Umwege in die alte Bundesrepublik zu gelangen. Unvergessen bleiben die Worte von Hans-Dietrich Genscher an die Ausreisewilligen in der Prager Botschaft, die in der Erinnerung noch heute eine Gänsehaut beschert.
So hat sicher ein jeder, der die Vierzig ein Stück weit überschritten hat, seine ganz eigenen klaren Bilder und Geschichten vor Augen.
Für mich war überaus prägend, dass ich wohl die interessanteste Abi-Zeit an der einstigen „Erweiterten Oberschule Juri-Gagarin“ (heute Gymnasium Luisenstift) erleben durfte. Im Herbst 1989 startete die 11. Klasse noch mit FDJ-Montagen, an denen das Tragen des Blauhemds Pflicht war. In den Gängen hingen die üblichen Wandzeitungen und zwischen der Schulleitung und „aufmüpfigen“ Schülern gab es über Wochen einen erbitterten Streit, ob Artikel aus West-Zeitungen ausgehängt werden durften. Die Geschehnisse überschlugen sich. Es folgten die berühmten Montagsdemos, der Bildungsplan wurde rigoros über den Haufen geworfen, DDR-Schulbücher wurden durch Importe ersetzt und keine zwei Jahre später sah ich mich mit einem bundesdeutschen Abitur in einem neuen Land in den Händen.

Verehrte Leserinnen und Leser,
hiermit möchte wir Sie nun ausdrücklich ermuntern, uns Ihre Geschichten zu erzählen, damit wir bestenfalls noch jedes Heft dieses Jahres mit persönlichen Zeitdokumenten bereichern können.
Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Sascha Graedtke

Mit Thomas Rosenlöcher poetisch durch das Jahr

25 Jahre Krankenhausneubau Radebeul (Teil 1)

Aufbruch aus 40 Jahren Stagnation

Vor 25 Jahren, am 25. Mai 1994, wurde der Teilneubau für die operativen Fachabteilungen des Radebeuler Krankenhauses feierlich eröffnet. Für Ärzte, Pflegepersonal, die Mitarbeiter im Funktionsdienst, vor allem aber für die Patienten aus Radebeul und aus dem Landkreis Dresden standen nun die gleichen Möglichkeiten zur stationären Krankenhausbehandlung bereit, wie sie in Westdeutschland schon seit Jahrzehnten Standard waren.

Neben der technischen Ausstattung, die mehr intern stattfand, imponierte aber vor allem das neue Gebäude, dessen Planung von Dr. Jürgen Jüchser geleitet wurde. Seines Zeichens Architekt hatte er Kindheit und Jugend in Dresden verbracht. Seine letzten Lebensjahre wohnte er in Schleswig- Holstein, wo er am 06.03.2019 im neunzigsten Lebensjahr verstarb. Er war ein Sohn des Malers Hans Jüchser, dessen Wirkungsstätte u. a. im Künstlerhaus in Dresden Wachwitz gewesen war. In Radebeul gibt es mit dem Glasbild des auferstandenen Christus im Luthersaal der Friedenskirche ein Zeugnis seines künstlerischen Wirkens.

Dr. Jürgen Jüchser war in den 1950er Jahren nach Westdeutschland gegangen und hatte sein Berufsleben dem Krankenhausbau gewidmet. Im riesigen Nachholbedarf, den Krankenhäuser in 40 Jahren DDR angestaut hatten, sahen Ingenieure und Bauplaner aus von Abwicklung bedrohten DDR-Großbetrieben ein neues Tätigkeitsfeld. Auch das Ehepaar Rüpprich, beides Bauingenieure und mit Dr. Jüchser verschwägert, gehörten in der neugegründeten Planungsfirma IPRO, entstanden aus dem VVB Kohle und Energie, bald der neu entstandenen Krankenausplanungsabteilung an. Zufällig waren sie mit einem Mitarbeiter der Bauabteilung im Radebeuler Krankenhaus bekannt. Dadurch rückte unser Haus als ein erstes Planungsobjekt in den Fokus der auftragshungrigen jungen Firma IPRO.
Unvergessen bleibt die Reise einer Krankenhausdelegation im Frühjahr 1990 nach Berlin Tempelhof, an der noch der zunächst weiter amtierende Obermedizinalrat Dr. Altus als Ärztlicher Direktor teilnahm. Hier war Dr. Jüchser mit der Leitung von ihm geplanter Modernisierungen im St.- Josephs- Krankenhaus beschäftigt. Eine Führung durch dieses neugestaltete Haus war mit Blick auf die verschlissene Bausubstanz zu Hause einfach atemberaubend und weckte die schönsten Hoffnungen. Beim Abschied versprach Dr. Jüchser, demnächst einen Entwurfsvorschlag für Radebeul zu erarbeiten und vorzustellen.

Am 15. August 1990 war dann schon der große Tag, an dem die im damaligen Sozialgebäude versammelten ärztlichen Kollegen und Mitarbeiter fasziniert einen Blick in die Zukunft werfen durften, vorausgesetzt, die Ausführung würde auch so gelingen, wie es die Planung im Maßstab 1:100 in Aussicht stellte. Diese Präsentation war eine meiner ersten „Amtshandlungen“ als Leitender Chefarzt. Die Kreistagsmehrheit hatte mich mit Wirkung vom 01.08.1990 nach Rückfrage bei meinen Chefarztkollegen in diese Funktion bestellt und mir damit Verantwortung auch für das Bauvorhaben übertragen. Reichlich unbeholfen mag mein Auftritt als Moderator empfunden worden sein, musste ich doch bei dem an diesem Abend verspätet eintreffenden Landrat Geistlinger möglichst den gleichen Enthusiasmus wecken, der uns zuvor ergriffen hatte. Kurz nach unserer Berlinfahrt hatte die neue Kreisspitze, unser Träger also, Herrn Dr. Altus noch die kalte Schulter gezeigt, als er mit seinem Reisebericht aus Berlin die Kreistagsversammlung von unseren Bauplänen überzeugen wollte. Es bedurfte glücklicherweise keiner großen Überredungskünste. Nach dem Rundgang vor den ausgehängten Planzeichnungen war auch der Landrat begeistert und gab kurzerhand grünes Licht für weitere Planungen. Während wir Krankenhausmitarbeiter erleichtert und froh waren, wenn ich mich recht erinnere, knallten sogar Sektkorken, fielen besonders dicke Steine von den Herzen der Bauplaner. Waren doch für sie die nächsten Jahre beruflich abgesichert, während die Wende für so manchen einen Umbruch im Lebenslauf, oder gar das Ende der Berufstätigkeit mit sich gebracht hatte.

Wohl schon am nächsten Tag machte man sich bei IPRO daran, die nächsten Planungsphasen nach den Vorgaben von Dr. Jüchser auf die Zeichenbretter zu bringen. So lagen Ende 1990 Ergebnisse vor, die natürlich auch ihren Preis hatten. Nun stellte sich aber heraus, dass die Kreisrätinnen und Kreisräte, von deren Zustimmung alles abhing, bisher noch keine Kenntnis von den hochfliegenden Plänen um das Radebeuler Krankenhaus hatten. Landrat Geistlinger hatte den Kreistag Dresden Land bisher nicht darüber informiert. Im Januar 1991 fand dann in der Kaffeestube des inzwischen abgerissenen Sozialgebäudes die denkwürdige Zusammenkunft des Sozialausschusses statt, die man schon in die Kategorie Krisensitzung einordnen konnte. Vertreter von IPRO, Günter Böhm und ich konnten die über die Selbstherrlichkeit ihres Landrates empörten Abgeordneten durch Demonstration der inzwischen weiter ausgereiften Planungen mühsam besänftigen. Die Abgeordneten, für die ja wie für uns alle auch erst vor einem Jahr eine völlig neue Zeit begonnen hatte, waren bald genau so begeistert wie wir über das, was da entstehen sollte. Am Ende gab es grünes Licht und wir fanden von da an stets ein offenes Ohr. Das Krankenhaus war unser gemeinsames Vorhaben geworden.

Dr. Bernd Uhlemann

Dresdner Geschichtsmarkt

Radebeul zweimal vertreten!

Vom Dresdner Geschichtsmarkt hat dieses Heft schon mehrfach berichtet, zuletzt im März-Heft 2017.

In der Zwischenzeit hat sich viel verändert. Diese interessante wie lobenswerte Veranstaltung drohte wegzubrechen, da der ausrichtende Verein kurz vor seiner Auflösung stand. Glücklicherweise konnte die Krise überwunden und für die Probleme eine Lösung gefunden werden, welche u. a. auch den Wechsel des Ausstellungsortes sowie die Minimierung des Aufwandes zur Folge hatte.

Die Ausstellung des 15. Marktes für Dresdner Geschichte und Geschichten im »Klemperer-Saal« der SLUB
Foto: K.-U. Baum


Der 15. Markt für Geschichte und Geschichten fand nun in der SLUB, der Sächsischen Landes- und Universitäts-Bibliothek, auf dem Zellschen Weg 18 in Dresden statt. Bereits der vorangegangene Markt konnte an selber Stellen durchgeführt werden. Der neue Standort, wenn auch kleiner als der bisherige, erwies sich als vorteilhaft, hatten doch die Zentralbibliothek und einige andere Bereiche der SLUB zum Zeitpunkt des Marktes geöffnet. Da diese Einrichtung nicht nur von Studenten genutzt wird, ergaben sich dabei durchaus Synergie-Effekte.

Auch diesmal stand die Veranstaltung unter einem Thema. Der Veranstalter forderte die Freizeitforscher und Vereine auf, mit ihren Beiträgen auf „Die Geschichte von Sport und Tourismus in Dresden und Umgebung“ einzugehen. Unabhängig davon waren wie immer auch andere Themen zugelassen. Insgesamt nahmen am 15. Dresdner Geschichtsmarkt 45 Aussteller teil. Darüber hinaus wurden noch eine Reihe interessanter Vorträge geboten. Der überaus gute Zuspruch von Besuchern erfreute die Aussteller wie auch den Veranstalter.

Erstmals war der Verein „Radebeuler Monatshefte“ auf dem Markt mit einem Stand vertreten. Auf einer gestalteten Tafel konnte das Monatsheft „Vorschau und Rückblick“ in Wort und Bild vorgestellt werden. Hefte verschiedener Jahrgänge lagen auf einem selbst gefertigten Ausstellungsmöbel bereit, welche die Besucher zahlreich an sich nahmen. In vielen Gesprächen konnte über die Hefte und den Verein informiert und so das Interesse an der Publikation geweckt werden. Der Vorsitzende des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ Klaus Brendler sprach sich lobend über die Teilnahme des kulturellen Monatsheftes aus, die er als Bereicherung empfand, umfasst doch der Markt auch die Präsentation geschichtlicher Erkenntnisse aus dem Dresdner Umland. Die zweitägige Betreuung des Standes der Radebeuler Monatshefte hatte das Redaktionsmitglied Karin Baum übernommen, welche viele Gespräche führen konnte, unter ihnen auch Besucher, welche „Vorschau und Rückblick“ bereits kannten. So galt u. a. das Interesse sowohl den Beiträgen zur Denkmalpflege, zu geschichtlichen Ereignissen und kulturellen Veranstaltungen als auch dem Verein selbst, seiner Verfasstheit, der thematischen Vielfalt sowie der organisatorischen und finanziellen Absicherung des kulturellen Monatsheftes. Erstaunlich groß war das Interesse an der Internetpräsenz des Heftes. Immer wieder äußerten sich Besucher erfreut, dass ein derartiges Druckerzeugnis existiert, welches sie als solide recherchiert und gut gestaltet empfanden. Wohl auch deshalb erkundigten sich viele Besucher danach, wie man das Heft beziehen kann.

Die Ausstellungstafeln zu »Vorschau und Rückblick« und zum Laientheater im 19. und 20. Jahrhundert in Dresden
Foto: K. Baum


Wieder mit dabei war auch Karl Uwe Baum – bereits das dritte Mal. Sein Thema befasse sich erneut mit dem nichtprofessionellen Theater in Dresden. Auf zwei Tafeln informierte er über die Laientheater der Stadt zwischen 1861 und 1933 sowie die zweitgrößte Vereinigung auf diesem Gebiet im Deutschen Reich jener Zeit, der „Volksspielkunst. Reichsverband für Volkskunst, Bildung und Jugendpflege e. V.“, die ihren Einfluss auf das gesamte Reichsgebiet ausdehnen konnte und Mitglieder von Bayern bis zur Nordseeküste, von Württemberg bis Böhmen in ihren Reihen hatte. Nach 1933 wurde die Volksspielkunst vom einzig verbliebenen derartigen Verband mit Sitz in Berlin geschluckt, welcher freiwillig die Gleichschaltung der Theatervereine im Dritten Reich übernommen hatte und davon profitierte. Heute ist er der größte Amateurtheaterverband in Europa.

Erstaunlich war, dass sich diesmal für das „Orchideen-Fach“ zahlreiche Besucher interessierten. Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass das Thema geschickt mit den regionalen Besonderheiten der Stadt verknüpft wurde. Das nichtprofessionelle Theater ist erst seit 2015 auf dem Markt vertreten.

Die Tradition der Vereine in jener Blütezeit des Vereinswesens, in der jeder Sport-, Turn-, Tanz- und Gesangsverein, wie auch die Freiwillige Feuerwehr eine Theaterabteilung in ihren Reihen hatten, konnte für Dresden nicht nachgewiesen werden. Mit Sicherheit gab es auch dies. Belegt werden konnte hingegen die Existenz einiger Theatervereinigungen der Arbeiterschaft sowie Agitprop-Truppen, die in den 1930er Jahren so manche spektakuläre Aktion durchführten. Beliebte Auftrittsorte in Dresden waren neben dem Volkshaus am Schützenplatz das Albert-Theater, der Drei-Kaiser-Hof, das Eldorado, Hammers Hotel, die Kaufmannschaft und die Volkswohl.

Besonders anregend war der Austausch unter den Teilnehmern des Marktes. So konnten Karin und Karl Uwe Baum zahlreiche Kontakte in die Region knüpfen, wie z. B. nach Pesterwitz, zum Fernmeldemuseum oder dem Stadtteilarchiv Dresden-Neustadt.

Beide Aussteller wollen auf jeden Fall beim nächsten Geschichtsmarkt in einem Jahr wieder mit einem Stand vertreten sein.

Karl Uwe Baum

»Pariser Leben« – Zum 5. Bühnenball an den Landesbühnen Sachsen

Im Februar luden die Landesbühnen Sachsen zum nunmehr 5. Bühnenball ein. Intendant Manuel Schöbel gab gewohnt den jovialen Hausherrn. Der Abend war thematisch von der rauschenden Offenbachiade PARISER LEBEN inspiriert, einer Operette von 1866.

Bühnenball der Landesbühnen Sachsen 2019
Foto: © 2019 Michael Schmidt – www.schmidt.fm


Wieder ging es um Verkleiden und Verwandeln und so war jeder Besucher angehalten sich zeitgemäß zu präsentieren. So tauchten auch ich mit meiner zauberhaften Begleitung in edler Robe erwartungsvoll in den verführerischen Abend ein.

Wenn man das Haus auch gut aus der Sicht hinter den Kulissen kennt, erahnt man den organisatorischen Kraftakt für diese Festivität. Im großen Saal wich das Gestühl einer großen Tanzfläche, die den kulturellen Mittelpunkt des Abends bildete. Das Glashaus, die Studiobühne, Proberäume und gar das Treppenhaus wurden wirkungsvoll mit frankophilen Accessoires bestückt.

Für die kulinarischen Genüsse zeichnete diesmal das beliebte Radebeuler Ladenlokal Gräfes Wein&fein verantwortlich.

Im Galaprogramm erklangen beliebte Oper-und Operettenmelodien, gesungen von Kirsten Labonte, Antje Kahn, Julia Harneit, Johannes Leuschner, Paul Song und Edward Lee. Schauspielerinnen und Schauspieler u.a. Matthias Henkel, Julia Vincze und Luca Lehnert nehmen die Ballbesucher kurz mit auf eine Reise nach Paris. Die Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles begeisterten mit ihren Choreografien zur Musik von Brel.

Den Tanz eröffnete wie schon in den letzten Jahren die Tanzschule Linhart mit einem Wiener Walzer. Die Protagonisten der Tanzschule zeigten allerdings bis in die Nachtstunden unverdrossen ihre Künste, sodass sich wenig geübte Tänzer ungewollt gehemmt fühlen mussten.

Der Vorzug des Radebeuler Bühnenballs ist aber die Vielgestalt der Angebote. In zahlreichen Räumen wie im Ballettsaal, in der Goldnen Weintraube und in der Werkstatt des jungen.studios gab es kurzweilige Programme zu erleben. Im Glashaus luden Kirsten Labonte, Hans-Peter Preu, Ruslan Kratschkowski, Tino Scholz und Roland Vetters zum Programm „Pour l’amour, pour la vie“ ein. Später sagten Gundula Ehret, Uwe Zimmermann und Arne König „Bonsoir Paris“.

Auf der Studiobühne gab es „Neues aus Moulin Rouge“ mit Christin Rettich, Johannes Leuschner und Matthias Mücksch zu hören und zu tanzen.

Wer kurz mal Innehalten möchte, ging zu vorgerückter Stunde Uhr zu Michael Heusers kurzer Lesung aus Guy de Maupassants „Boitelle“.

Im Ballettsaal tanzten die Tänzerinnen und Tänzer Auszüge aus „Fly sein_Reloaded“ und auch „Coppelia-Android Q1“ war zu sehen.

In der Goldnen Weintraube sang Michael Berndt-Canana Chansons von Joe Dassin im Programm „Ein zweiter Amerikaner in Paris“ mit derartiger Inbrunst, dass wohl das Original verblassen musste. Im Anschluss folgte das heitere Programm Troubadour de‘amour „Vive la Floyd“ mit Holger Uwe Thews, Benjamin Rietz und Michael Wünsch.

Im KochStudio des jungen.studios neben der Goldnen Weintraube präsentierten Peter Kube und Cornelia Kaupert „Häppchen aus Paris“ und plauderten dabei mit einem Überraschungsgast.

Um Mitternacht tauchte im Ballsaal mit „The dark tenor“ der angekündigte Überraschungsgast auf. Von ihm erklang popularisierte Klassik für kurze Zeit bis er schließlich wieder im Pariser Nachtleben verschwand.

Zum Ausklang rundeten in der Goldnen Weintraube Friederike Wachtel, Sascha Mock und Hans-Richard Ludewig als Trio Edelsüß mit bunten Liedern den sinnenreichen Abend ab.

Weit nach Mitternacht empfing uns nach all den Eindrücken draußen das beschauliche nächtliche Radebeul.

Sascha Graedtke

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