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Aus meinen grafischen Tagebüchern

Schon als junger Mann haben mich Architektur und Skulpturen der klassischen Antike fasziniert. Vermutlich hat diese Kunst Spuren in meinem Innersten hinterlassen. Woher sonst taucht spontan beim Zeichnen mit Tusche und Feder das Bedürfnis auf, Architekturelemente dieser Zeit in meine abstrahierte grafische Arbeit einzuarbeiten? Denn Gelegenheit, diese Objekte im Original vor Ort zu erleben hatte ich bisher nicht.

Trotzdem entwickeln sich beispielsweise Zeichnungen wie eine Mischung aus Elementen dieser klassischen Architektur, textilem Faltenwurf und optischer Illusion. Mit Linien, Schraffuren und Kontrasten versuche ich eine starke grafische Wirkung zu erreichen die, wie sich im Rückblick herausstellt, entfernte Ähnlichkeiten mit Zentangle- oder Op-Art-Elementen enthält.

Was an ein ionisches Kapitell erinnert, könnte man auch als zwei Spiralen, die wie wachsame Augen den darunter fließenden Stoff, enge Schraffuren oder das flirrende Schachbrettmuster beobachten, interpretieren.

Vertikale Bahnen in der Mitte, wie Vorhänge oder fließende Stoffe, die kurz zu kippen oder einzuschnüren zu scheinen, öffnen hinter dem Ornament scheinbar eine zweite Ebene. Die zu entdecken überlasse ich dem Betrachter.

Alles ist in Bewegung, im Rhythmus – mein Spiel aus Ordnung und Verformung, aus Architektur und textilem Traum.

Mit Felix Meyer poetisch durch das Jahr

Radebeuler Miniaturen

Pazifitz

Evergreenes Denkblatt für alle Unverbesserlichen

Zeitenwende:

Es war ein hoffnungsvoller Auftakt:

Singend waren sie losgegangen mit Schwert und Schild – und sie habens abgelegt unten am Fluß. Kriege, sangen sie, sind nicht mehr unser Lied. Fortan, sangen sie weiter, werden wir nur noch Fröhliches studieren. Das Leben ist zu kurz für militärische Albernheiten.

Und alle sangen mit.

Als sie weg waren – von fern her war noch der Gesang zu hören – lagen die einst heiligen, nun aber verfemten Geräte immer noch unten am Fluß: Schwert und Schild – was sollte damit werden?
Das längst erwartete Hochwasser hätte, so die Hoffnung der Pazifisten, den ganzen Müll mit einer dicken Schlammschicht bedecken sollen. So geriete das Kriegswesen in Vergessenheit. Spätere Archäologen könnten dann, so hofften die Pazifisten weiter, mit Staunen und mit Grauen aus den Sedimenten klauben, was frühere Barbaren (also wir) so alles zum Verderben der Menschheit erfunden, gebaut und dann auch noch stolz durch die Gegend getragen hatten.

Infolge anhaltender Trockenheit aber blieben die Hochwasser aus und mit ihnen die Sedimente – und der ganze Krempel blieb liegen.

Und niemand hatte die Absicht, jemals wieder etwas damit anfangen zu wollen.

Unten am Fluß aber fanden spielende Kinder Schwert und Schild. Sofort erwachte ihre Neugier. Als richtige Fizipasten müssen Kinder natürlich alles wegtragen und ausprobieren und dann verstecken. Kinderverstecke sind jedoch keine Sedimente.

So blieb der Müll erhalten und geriet irgendwann wieder in die falschen Hände.

Während die Pazifisten immer noch vom Weglegen singen, ziehen die Fazipisten schon wieder schwer bewaffnet und grölend durch die Straßen. Dank infantiler Sensationslust können sie sich wieder als Sieger fühlen – und selbstverständlich hat auch von ihnen niemand die Absicht, in fremden Gärten Eis zu essen.

So beginnt immer wieder alles von vorn.

Und das hat mit keinem Regen die Seitenwende gemacht.

Thomas Gerlach

Glosse

Finstere Zeiten

Es war der 2. Sohn von Dschingis Khan, Gründer des Mongolenreiches, Ögedei Khan, der 1235 auf dem „Schwarzen Fels“ die Kuriltai (Fürstenversammlung) einberufen ließ, die dann den in die Geschichte eingehenden Feldzug gen Westen beschließen sollte, in dessen Folge das bis dahin größte Reich auf dem Planeten entstand. Es erstreckte sich vom Stillen Ozean bis nach Osteuropa, vom Balkansee bis Estland, dem Vorderen Orient und bis zur chinesischen Insel Hainan. Der „Schwarze Fels“ wurde unter diesem Herrscher maßgeblich zur Hauptstadt des Reiches ausgebaut.

Dort aber, wo zur Blütezeit des Mongolenreiches dessen gigantische Heerscharen mit ihren 150.000 „Reitern des Teufels“ auftauchten, verdunkelte sich der Himmel. Auf ihrem nahezu geraden Weg nach Westen hinterließen sie eine Spur der Verwüstung, auch ohne Kampfbomber und Raketen. Dieser „Mongolensturm“, geführt von Batun Khan aus der Sippe von Dschingis Khan, fegte über Kleinasien hinweg, eroberte die Wolgabulgaren, machte Wladimir, Moskau, Kiew und andere Orte dem Boden gleich – so manchen würde es heute freuen –, besiegte das polnisch-deutsche Ritterheer und den ungarischen König Béla IV. Und beinah, beinah wäre auch das sich gerade vom Herzogtum Bayern „gelöste“ Österreich in die Hände der Mongolen gefallen, die noch bei der Wiener Neustadt unschlüssig herumstanden.

Und wie so häufig in der Geschichte, wendete ein Glücksumstand – in unserem Fall der Tod des Großkhans Ögedei – die Zerstörung von Wien, der Hauptstadt des nunmehrigen Herzogtums Österreichs, ab. Die Mongolen trabten nach Hause, denn dort wurde Batun Khan dringend erwartet: Ein neuer Großkhan musste gewählt werden.

In unseren Zeiten braucht man seinen „Sitz“ nicht mehr verlassen, um ein fremdes Land zu „erobern“. Das geht bequem von der eigenen Wohnstube aus, beispielsweise in Ramstein, mit Hilfe von Maschinen – auch dank der Künstlichen Intelligenz. Ob aber das der richtige Namen für ein System ist, welches keine humanen Werte kennt, kann in diesem Fall dahingestellt bleiben. Wann ist bei aller Friedensrhetorik, ein Krieg human? Ist es überhaupt noch denkbar, dass zur nächsten Wahl das Blatt noch gewendet werden kann?

Freilich, auch die Mongolen waren damals nicht zimperlich. Deren Kriegsführung war beweglich, setzte nicht wie bisher auf stammeszugehörig, sondern auf eine straffe militärische Führung mit Belohnung nach Leistung. Auch wurde mitunter die gesamte Einwohnerschaft eines Ortes um die Ecke gebracht. So konnte es aber auch geschehen, dass sie einfach weiterzogen, wenn eine Stadt sich partout nicht erobern lassen wollte. Was soll’s!

Damals war eben die Welt noch ganz anders. Haben die Mongolen die lange „Reise“ doch nicht ausschließlich unternommen, um die Ländereien zu besitzen, wie etwa die Römer. Vielmehr waren sie meist auf Beute aus. Freilich gab es auch in der Zeit der Mongolenherrschaft so was wie einen „Mongolischen Frieden“ (Wortschöpfung westlicher Historiker), um im Inneren des Reiches stabile soziale, kulturelle und wirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen. Ihre Beweglichkeit war eben ihre eigentliche Stärke.

Um 1279 erreichte das Reich seine größte Ausdehnung und fiel nach 1307 in die Bedeutungslosigkeit. Nach 117 Jahren war der ganze „Mongolenspuk“ vorbei. Die wiedererstarkten Chinesen zerstörten schließlich 1388 den Sitz des Mongolenreiches Kakakorum und die Bewohner flohen in die nördliche Steppe. Heute kann man die nunmehrige Ruinenstätte dort besichtigen, weiß

Euer Motzi

Ein Teehaus mit acht Ecken

Spender gesucht für Pavillon im Mohrenhauspark

Foto: B. Zscheischler


Ein Hut mag drei Ecken haben. Ein Teepavillon im Garten sollte mindestens sechs haben. Der Pavillon im Mohrenhauspark hat acht. Aber, um auf den Hut zurück zu kommen, der möchte gefüllt sein, von hochherzigen Spendern, die Euro-Scheine erübrigen können, weil sie ein Herz haben für alte Dinge mit Charme, die es behutsam zu pflegen und zu erhalten gilt. Kurzum, dieser Text ist ein einziger Bettelbrief!

Nach dem erfolgreichen Großprojekt, der stufenweise verkauften Treppe im Bismarckturm, hat sich der Radebeuler Bau- und Erhaltungsverein mit dem ellenlangen klein geschriebenen Namen ein etwas kleineres, dafür um so klein-odrigeres gesucht. Wobei: Gefunden hat es längst Robert Bialek. Der im allerbesten Sinne Hand-Werker, Eigentümern denkmalwürdiger Bausubstanz in Radebeul bestens bekannt, hat schon seit Jahren mindestens ein Auge auf den Pavillon geworfen. Bereits vor einem halben Jahrzehnt hat er sich, unter Zuhilfenahme Sohn-seitiger Unterstützung, daran gemacht, das Siechtum des Teehauses im Mohrenhauspark zu stoppen. Da wurde das Gesims unterm Kuppeldach neu gemauert und das runde Dach regensicher gemacht. „Erste Sicherungsarbeiten“ nennt man so etwas. Bei zwei Denkmaltagen führte Bialek Vereinskollegen und Interessierte durch den Park und brachte seine Idee „unter die Leute“.

Mittlerweile sind wichtige Mitmacher, die Stadt Radebeul und der Denkmalschutz mit im – ja, welchen Vergleich ziehe ich nun: „Boot“ klingt so abgedroschen, also: mit am Teetisch im Pavillon. Besagte Mitmacher geben jedoch Steuergeld aus, und das ist bekanntlich rar. Daher, es stand eingangs bereits: Es wird um Spenden gebeten!

Pavillon und Wintergarten am nahen Anwesen sind beide im Tudor-Stil errichtet. Das wollte Fabrikbesitzer Alwin Bauer so haben. Geld spielte eine untergeordnete Rolle, bekanntlich hat Derselbe der damals klammen Königsfamilie Schloss Weesenstein abgenommen, für schlappe 1,9 Millionen Mark. Das müssen damals Gold- und keine Renten-Mark gewesen sein. Da war das 1910 erworbene Mohrenhaus sicher eins der kleineren Schnäppchen, weshalb Bauer dann auch fleißig daran herumbaute, weshalb er erst 1913 seinen Wohnsitz darin nahm und 1928 starb.

Wer den Kompass zuhilfe nimmt und nach der Nord-Süd-Ausrichtung des Pavillons sucht, wird allerdings enttäuscht. Der Bauherr wollte nur Eines: Den geraden unverwachsenen Blick ins Elbtal. Kann man sich heute, mit hohen Bäumen ringsum, kaum vorstellen. Man sieht gerade noch auf den Kinderspielplatz im Park.

Der achteckige Pavillon ist auf fünf Seiten gemauert und öffnet sich mit drei offenen Seiten nach Südosten, bestehend aus gusseisernen Tudorbögen. Die obenauf sitzende, ebenfalls achteckige Haube war verschiefert, was sie auch wieder sein soll. Den Boden zieren Zementfliesen, gefertigt von Villeroy & Boch in Dresden. Die kaputten durch neue zu ersetzen wird sicher spannend. „Und die gusseisernen Säulen müssen sandgestrahlt werden“, behaupte ich, voll mit denkmal-ungerechtem Wissen. „Strahlen schon, aber nicht mit Sand“, korrigiert mich Bialek. Ich höre heraus: So eine Sanierung ist herausfordernd. Und dann erst die „befundgerechte Rekonstruktion des Gipsstucks“. Klingt alles nicht nach billig. So um die 100.000 Euro könnten es werden. Also sei hiermit wiederholt: Es wird um Spenden gebeten.

Übrigens, zu finden im Stadt-WiKi: Einer der Vorkäufer des Mohrenhauses war 1819 Ludwig Pilgrim. Der Mitbegründer der Sektkellerei Bussard lagerte im Haus nebenan in der Hauptsache Wein. Dann lasst uns doch im sanierten Pavillon zu einem Glas, oder zwei, verabreden! Notfalls nehmen wir auch den Tee.

Burkhard Zscheischler
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Spendenkonto bei der Sparkasse Meißen DE45 8505 5000 3011 0054 68
Stichwort: Spende Pavillon im Mohrenhauspark
Empfänger: siehe der klein geschriebene Vereinsname oben

Nachstehenden Text bitte im Kasten unter dem oberen Text:
Denkmalsprechstunde mit der unteren Denkmalschutzbehörde:

Die neuen Termine für die Denkmalsprechstunde im Jahr 2026 sind am

06. Mai
24. Juni
26. August
23. September
28. Oktober

wie immer im Ladenbüro der Fami, Altkötzschenbroda 20 von 16 – 17 Uhr.

Frau Elliger von der unteren Denkmalschutzbehörde aus Großenhain und Mitglieder des Vereins erwarten Denkmalbesitzer und –Interessenten, um anstehende Vorhaben und Probleme zu besprechen.
Vom neuen Fenster über die Dachgaube und den Fassadenanstrich bis zur Solaranlage. Anliegen und Anforderung sollen unter einen Hut passen? Dann nutzen Sie bitte diese Termine!
Wir freuen uns auf Sie!

Korrespondenz aus einer Nachbargemeinde

Tharandt. Ich sitze bei Kaffee und Eierschecke, ein Glas Waldmeisterbowle wäre schön gewesen, denn hier hat es schließlich 6.000 ha Wald vor der Haustür. Die Wege sind gut markiert, Infotafeln erzählen Historie und Geheimnisse. Und ist man erstmal sanft emporgestiegen, sind die mäßigen Höhenamplituden selbst leicht zu erwandern oder zu erradeln. Reitern begegnet man auch. Selbst an gewissen Feiertagen habe ich den Tharandter Wald nie so überlaufen erlebt wie z.B. das Elbsandsteingebirge. Man nehme den Zug bis Tharandt oder Klingenberg-Colmnitz. Von beiden Bahnhöfen erschließen Buslinien das Gebiet. Nur Achtung, die DB hat zahlreiche SEV bis November auf der Strecke Richtung Freiberg angekündigt. Zentraler Punkt im Wald ist Grillenburg. Ich mag diesen lautmalerischen Namen und bin gespannt auf die Zukunft des Schlosses unter Nutzung der TU Dresden. Sowohl am Gondelteich (montags meist zu) wie am Badesee gibt es sehr respektable Imbissmöglichkeiten. Vielleicht könnten die in Zukunft Waldmeisterbowle…? Witzig, am Badesee befand sich immer ein Wegweiser in zwei Richtungen: „textil“ und „naggsch“. Der ist im letzten Jahr wohl als Souvenir verschwunden. Wir sind gern dort in einem sonnigen April, im Hinterkopf, dass offizielle Bäder erst im eisheiligkalt-verregneten Mai öffnen und später zum Altweibersommer wieder pünktlich schließen. „Waldmeister“ ist übrigens der Titel einer apokryphischen Operette von Johann Strauss jr. Am Ende kriegen sich die richtigen Paare nach einem Gelage mit eben solcher Bowle. Zumindest in der Urfassung von 1895 spielt die in einer Kleinstadt unter Nennung der Königlich-Sächsischen Forstakademie: Tharandt. Für mich bitte noch eine…, na was denn nun?

Tobias Märksch

22. Thematischer Filmclubabend

Das Wanderkino Filmclub mobil macht im Monat April Station im Bunker Oberlößnitz. Gezeigt wird der DEFA-Film „Das Beil von Wandsbek“ aus dem Jahre 1951. Die literarische Vorlage bot hierfür der gleichnamige Roman von Arnold Zweig (1887-1968). Dem im Exil lebenden Schriftsteller war im Jahr 1938 die Zeitungsnotiz „Selbstmord eines Henkers“ aufgefallen, was ihn zum Schreiben des Romans veranlasste. Darüber hinaus verknüpfte Zweig die Handlung mit den Geschehnissen um den „Altonaer Blutsonntag“, der am 17. Juli 1932 eskalierte. Es fielen tödliche Schüsse und die Nazischergen nutzten das für ihre Zwecke. Obwohl die vier, von einem Sondergericht verurteilten Kommunisten unschuldig waren, wurden sie hingerichtet.

Der Roman erschien 1943 auf Hebräisch und 1947 auf Deutsch. Die DEFA-Verfilmung kam 1951 in die Kinos und wurde nach wenigen Wochen vor allem auf Druck sowjetischer Funktionäre aus dem Verleih genommen. Somit war das „Beil von Wandsbek“ der erste, von über 30 verbotenen DEFA-Filmen. Aus Anlass des 75. Geburtstages von Arnold Zweig wurde der Film ab 1962, allerdings stark gekürzt, für die Aufführung in Kinos wieder zugelassen. Die vollständige Version (110 Minuten!) kam erstmals im Jahr 1981 zur Aufführung.

Obwohl das Regiedebüt von Falk Harnack (1913-1991) aus fachlicher Sicht als eine seiner besten Kinoarbeiten eingeschätzt wird, fiel diese Romanverfilmung der politischen Zensur, zum Opfer. Angeblich sei der Klassenstandpunkt nicht eindeutig herausgearbeitet. Dem Publikum wurde vorsorglich die eigene Urteilsfähigkeit abgesprochen, denn es hätte den Henker, der auch ein überzeugter Nazi war, womöglich bemitleiden können. Weitere Handlungsstränge gewährten differenzierte Einblicke in den Lebensalltag sehr unterschiedlicher sozialer Schichten und deren Verstrickungen in das NS-System.

Harnack wiederum, der selbst aktiven Widerstand gegen das Naziregime geleistet hatte, kehrte der DDR enttäuscht den Rücken. Ab Ende der 1950er Jahre drehte er in Westdeutschland vorwiegend Fernsehfilme und galt als einer der bedeutendsten Filmregisseure der Nachkriegszeit. Für den Schauspieler Erwin Geschonneck (1906-2008) war das Weggehen keine Option und so durchlebte er die widersprüchliche DDR-Kulturpolitik bis zum gesellschaftlichen Umbruch als ein wacher und kritischer Geist. Selbst Arnold Zweig, der 1948 aus dem Exil nach Ostberlin zurückgekehrt war, um beim Aufbau einer neuen fortschrittlichen Gesellschaftsordnung mitzuwirken, geriet als Kunstschaffender mehrfach in Konflikt mit den starren Vorgaben durch die Politik.

„Das Beil von Wandsbek“

1951, DDR, DEFA, 110 Minuten, s/w, FSK 12

Regie: Falk Harnack; Drehbuch: Hans-Robert Bortfeldt, Falk Harnack, Erich Conradi; Musik: Ernst Roters; Kamera: Robert Baberske; Besetzung: Erwin Geschonnneck (Albert Teetjen, Metzgermeister und Henker), Käthe Braun (Stine Teetjen, Ehefrau des Metzgers), Gefion Helmke (Dr. Käthe Neumeier, Amtsärztin), Arthur Schröder (Dr. Koldewey, Gefängnisdirektor), Hermann Stövesand (Timme, einer der vier Verurteilten), Willy A. Kleinau (Footh, Reeder und SS-Standartenführer) u. v. a.

Handlung: Hamburg/Wandsbek 1934. Das Eingangsbild zeigt Kinder, die auf der Straße Himmel und Hölle spielen. Unbekümmert lärmen sie vorm Laden des Metzgermeister Teetjen, der sie immer wieder verjagt. Die Stimmung ist angespannt. Die Geschäfte laufen schlecht. Die Konkurrenz ist groß. Ein Beil vom Großvater ist des Metzgers ganzer Stolz. Deutsche Wertarbeit! Mit seiner Frau Stine träumt er davon, den Laden zu modernisieren. Doch dafür fehlt das Geld.

Ein ehemaliger Kriegskamerad könnte helfen. Der Reeder Footh ist zum SS-Standartenführer aufgestiegen, hat Geld und Einfluss. Dieser wiederum wünscht sich, dass der Führer nach Hamburg kommt. Doch da gibt es ein Problem. Schnell sind noch vier Kommunisten hinzurichten. Dass sie unschuldig sein könnten, spielt hierbei keine Rolle. Was fehlt, ist ein Scharfrichter. Da kommt der Metzger gerade recht. Für 2.000 Mark lässt er sich nach kurzer Bedenkzeit darauf ein und übernimmt diese Aufgabe. Allerdings unter der Bedingung, niemand darf etwas davon erfahren. Selbst seine Frau ahnt nicht, woher plötzlich, so viel Geld kommt.

Das kleine Glück im trauten Heim, währt jedoch nur kurze Zeit. Als herauskommt, wer das Beil geschwungen hat, ist die Empörung der scheinheiligen Mitbürger groß und sie meiden die Teetjes und deren Metzgerei. Das Beil macht Stine Angst. Doch Teetjen wird es einfach nicht los. Nur die Nazis feiern den Henker und dessen „vaterländische Tat“. Das Blutbeil erhält in ihrem Vereinslokal einen Ehrenplatz. Aber Stine findet keine innere Ruhe mehr und hängt sich schließlich auf. Nun erst beginnt auch der Metzger zu begreifen, dass er alles verloren hat. Es fällt ein Schuss. Der Metzgerladen ist geschlossen. Die Straße ist dunkel und leer.

Karin Baum und Michael Heuser
Sprecher der Cineastengruppe „Film Club Mobil“ im Radebeuler Kultur e.V.

Anmerkung: unter Verwendung von verschiedenen Filmbegleitmaterialien und Wikipedia-Eintragungen.
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Am Donnerstag, dem 23.4.2026, um 19 Uhr,
im Bunker Oberlößnitz, Hoflößnitzstraße 82, 01445 Radebeul
Reservierungen ab sofort unter 0160-1038663

Lessing konzertant in Radebeul

Überraschungssalon bei Friedrich Aust für einen Mimen und wundersame Begleitung

Das Glück nach getaner Kunst: Pianist Martin Fischer, Schauspieler Tom Quaas, Steinbildhauermeister Marcus Faust und Gastgeber Karl-Friedrich Aust. Hinter der Kamera die versammelte Begeisterung aus Radebeul und Umgebung.
Foto: S. Graedtke


Fiete Junge hat es hoffentlich von oben gut sehen und hören können, was ihm da gewidmet war: Eine ungeplante Laudatio, eigentlich verboten trotzdem glänzend formuliert von Junges Freund Frank Richter, und ein Nathan, frisch gewaschen und nicht gebügelt von Tom Quaas. Es gibt sie noch, diese Abende, von denen man gern sagt: Ich war dabei! An denen klar ist, wie kostbar manche Stunden sein können. Die Zuhörerschaft kam aus dem Staunen nicht heraus, denn während Tom Quaas Lessings Meisterwerk aufleuchten ließ, pianoforte begleitet von Martin Fischer, jede Rolle mit eigener Stimme und Duktus ausstaffierend, war ein Dritter dabei, draußen vor der Tür unterm Bildhauerzelt auf seine Art das Erinnern an F.W. Junge in Stein zu meißeln. Allen nicht Dabeigewesenen zum Trost: Das Format der szenischen Lesungen wächst und gedeiht, dazu später mehr. Tage danach nahm sich Tom Quaas Zeit für Fragen von Christine Ruby.

Man sagt, Tom Quaas spielt immer an schönen Orten. Was ist für Dich ein schöner Ort?

Ich habe Themen im Kopf, hier zum Beispiel Lessings Gedanken zum Judentum, zur Menschlichkeit, zu Personen wie Fiete Junge. Dann findet sich ein Platz, der dazu passt. So ist er schön für mich. In diesem Falle ergab sich das alles beim Anwesen von Friedrich Aust. Da war Fiete sozusagen mit dabei. Andere Orte warten förmlich auf andere Themen. Der Kreisler-Abend „Die Tauben sind nicht totzukriegen“ gehört für mich unbedingt auf den Theaterkahn, wo ich gern gute Unterhaltung auf hohem Niveau präsentiere. Anderes kommt auf Batzdorf oder im Societaetstheater am besten zur Geltung. Zum Glück gibt es im Elbland genügend schöne Orte. Ein ganz Besonderer ist unter der Linde von Fietes ehemaligem Zuhause. Da wird es demnächst Lyrik geben.

Sie wohnen und arbeiten auf einem alten Schlösschen. Da gibt es sicher immer etwas zu bauen. Sind Sie zur Not Ihr eigener Zimmermann?

Ja, das kann ich ganz gut, weil ich mal eine entsprechende Lehre gemacht habe. Ursprünglich wollte ich Restaurator werden, habe mich an der Abendschule der HfBK ausgebildet dafür. Auf Batzdorf baute ich mir als erstes eine Probebühne, später auch schon mal ein Hochbett oder was man so braucht. Dazu ist zu sagen, es gab einmal einen Wechsel in meinem. Vorher war die Bühne mein Hobby, das Restaurieren mein Beruf. Das habe ich dann mal umgedreht. Es passt alles gut zusammen.

Was könnte schöner an Lessing, Fiete Junge und die Kunst der Bühne erinnern als der Ring von unschätzbarem Wert? Der Stein von Marcus Faust wird auf dem Weingut einen guten Platz finden.
Foto: S. Graedtke


Eine obligate Frage an den Bühnenkünstler muss sein: Wie gerne drehen Sie Filme?

Ach, das ist eben etwas ganz anderes. Ich bin, ehrlich gesagt, nicht so sehr filmaffin. Es gibt dort keine direkte Rückmeldung. Man spielt in die Kamera, in eine Menge von Leuten, die den Film machen, hinein. Da ist es mir sehr viel lieber, direkte Reaktionen aus dem Zuschauerraum zu bekommen. Das ist lebendiger, inspirierender.

Wonach entscheiden Sie, was Sie spielen? Was beschäftigt Sie gerade?

Da gibt es zwei Aspekte. Entweder der Inhalt ist wichtig, so dass er mich beflügelt, dann ist mir das Geld nicht so wichtig. Oder der Inhalt ist gut, und gleichzeitig eine Gelegenheit, auch gut zu verdienen. Die Wahl hat man immer.

Derzeit bereite ich mich vor, an den Jüdischen Tagen in Meißen dabei zu sein. Und wie immer beschäftigt mich wirklich gute Unterhaltung. So hat der Kreisler-Abend ja seine Fortsetzung gefunden und wer weiß, wie weit das noch gehen mag.

Ganz aktuell ist ein Herzensprojekt meine neue Reihe „ELB-LESUNGEN“. Die Lesungen, zum Teil szenisch, werden an verschiedenen Orten im Elbland stattfinden. Auftakt ist am 4. April auf Schloss Batzdorf! Zusammen mit meiner Tochter Paula können Sie den ganzen Faust, leicht gekürzt erleben. Vorher gern einen Kaffee, danach einen Wein, an einem der schönsten Orte im Elbland.

Vielen Dank – und eine kleine Erinnerung: Radebeul liegt ja recht zentral im Elbland. Also freuen wir uns auf ein Wiedersehen!

Christine Ruby
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Immer mal reinschauen lohnt sich: https://www.theaterzirkus-dresden.de/dates/

Radebeul las…und ließ lesen

Ein Interview mit Marie Dreßler, der jüngsten Mitwirkenden

Im reichhaltigen Veranstaltungsprogramm von „Radebeul liest“ entdeckte ich neben vielem anderen auch den Hinweis auf eine Veranstaltung am 14. März in der Kleingartensparte „Elblößnitz“, vis-à-vis vom Kaufland, die mein Interesse spontan weckte. Angekündigt wurde darin eine „preisgekrönte Dresdner Nachwuchsautorin“. Eine Recherche im Internet förderte tatsächlich zutage, dass Marie Dreßler nicht nur insgesamt dreimal den Lessing-Wettbewerb der Stadt Kamenz gewonnen hat, sondern sie sogar mehrfache Preisträgerin des Europäischen Literaturwettbewerbs ist, der alljährlich von der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz für Kinder und Jugendliche aus ganz Europa ausgerichtet wird. Kein Wunder, dass sie inzwischen auch beim Dresdner Emil-Verlag veröffentlicht, auf dessen Website Marie als „außergewöhnliches Schreibtalent“ bezeichnet wird. Freundlicherweise war Marie zu einem kurzen Gespräch im Umfeld der Lesung bereit, damit sie die Leser von „Vorschau & Rückblick“ kennenlernen können.

Foto: privat


Marie, wann hast du angefangen zu schreiben?

Als ich in der 2. Klasse war, ist meine erste Geschichte entstanden. Aber eigentlich war das noch gar nichts „Richtiges“, denn ich habe das Buch, das ich damals las, einfach umgeschrieben und mich zur Protagonistin gemacht. In der 5. Klasse auf dem Gymnasium hatte ich dann später eine Deutschlehrerin, die mich gefördert und mir immer auch mal Zusatzaufgaben beim kreativen Schreiben gegeben hat. Zum Beispiel konnte ich freiwillig Märchen schreiben. Auf diese Weise habe ich das eigene Schreiben immer mehr vertieft.

Hast du Vorbilder, an denen du dein Schreiben ausrichtest, deren Texte dir Orientierung geben?

Ich glaube, ich bin immer davon beeinflusst, was ich gerade selbst auch lese. Wenn ich zum Beispiel ein Buch lese, in dem viele Dialoge vorkommen, dann habe ich auch selbst Lust, Dialoge zu schreiben. Es gibt natürlich einige Autorinnen und Autoren, die ich bewundere, Iris Wolff etwa, die sehr poetisch schreibt. Vieles fließt sicherlich unbewusst mit ein, aber es ist nicht so, dass ich konkret jemandem nacheifere.

Erzähle doch bitte darüber, wie bei dir Texte entstehen. Welche Bedingungen brauchst du dafür?

Wenn ich eine Idee für eine Geschichte habe, dann trage ich sie eine Weile mit mir herum und denke in unterschiedlichsten Situationen darüber nach, etwa auf dem Weg von der Schule nach Hause oder vor dem Einschlafen. Dabei entsteht so langsam ein Schreibplan. Am produktivsten bin ich in den Dämmerstunden, morgens oder abends. Die erste Fassung schreibe ich immer mit der Hand. Ich weiß zwar, dass es Autoren gibt, die sagen, wenn man gut ist, kann man immer schreiben, aber ich warte doch lieber auf einen Inspirationsschub.

Marie Dreßler bei ihrer Lesung in der Kleingartensparte »Elblößnitz«
Foto: B. Kazmirowski


Du schreibst noch mit der Hand?

Ja, dabei kann ich besser auf den Inhalt achten. Wenn man gleich auf dem PC schreibt, dann sieht es immer schon so fertig aus, aber das ist es ja noch gar nicht. Die zweite Fassung schreibe ich natürlich am PC, wobei ich mich da besonders auf den Ausdruck konzentriere, mit Sprache arbeite, was mir immer viel Spaß macht.

Was bedeutet dir das Schreiben an sich, was passiert da mit und in dir?

Ich habe schon sehr früh angefangen Tagebuch zu schreiben. Meine Geschichten sind oft in gewisser Weise verwandelte Tagebucheinträge, in denen ich Erlebnisse verarbeite und im Schreiben Distanz dazu gewinnen, sie verarbeiten kann. Das ist noch mal eine ganz andere Qualität der Auseinandersetzung mit den Dingen, mit denen ich konfrontiert bin. Ich versuche Bilder für etwas zu finden und gehe damit gleichzeitig auf Abstand zu dem, wofür die Bilder stehen. Und das tut mir gut.

Wenn ich das richtig verstehe, bist du 18 Jahre alt und machst gerade Abitur. Welche Rolle soll denn das Schreiben nach der Schulzeit einnehmen?

Das werde ich oft gefragt. Ich möchte es erst einmal so weitermachen wie bisher, also nebenbei schreiben, weil ich nicht den Druck haben möchte, etwas abliefern zu müssen, nur weil irgendetwas gerade im Trend ist. Und dann werde ich mal schauen, was sich daraus ergibt. Zunächst fange ich an zu studieren, Germanistik im Hauptfach und im Nebenfach Klassische Philologie an der TU Dresden. Aber natürlich ist es mein Traum, einmal als freiberufliche Autorin arbeiten zu können, wobei da auch viele glückliche Zufälle mitspielen müssen, damit das klappt.

Aus welchen Büchern liest du heute?

Ich habe zwei sehr unterschiedliche Bücher mitgebracht. Das eine ist schon ein paar Jahre alt und ist ein kleines Kinderbuch, es heißt „Zuhause“. Es bedeutet mir sehr viel, denn es ist mein erstes Buch und hat mir bewusst gemacht, wie komplex die Herstellung eines Buches ist, was es braucht, damit es gut wird. Zum Beispiel bin ich ganz glücklich darüber, dass eine Hamburger Künstlerin den Text so liebevoll illustriert hat. Das andere Buch „Spuren“ ist noch gar nicht veröffentlicht. Es besteht aus sechs einzelnen Erzählungen, die miteinander verwoben sind, nach und nach werden die Beziehungen zwischen den Figuren klar. Einige zentrale Ereignisse verbinden die Geschichten, werden von den einzelnen Protagonisten aber unterschiedlich wahrgenommen. Dieses Einnehmen verschiedener Blickwinkel fasziniert mich beim Schreiben. Zwischen der ersten und der sechsten Geschichte liegen 30 Jahre, aber der Protagonist Johannes ist derselbe.

Nun bist du ja heute hier bei einer Lesung vor gemischtem Publikum. Hast du damit schon Erfahrung?

Nein, noch nicht. Ich habe schon vor Kindergartenkindern und in Grundschulen gelesen, auch bei Schreibwettbewerben vor Gleichaltrigen, aber vor Erwachsenen noch nie. Vorlesen ist für mich grundsätzlich wichtig. Wenn ich etwas fertig habe, lese ich es immer zuerst meinen Meerschweinchen vor, die sehr gute Zuhörer sind (lacht).

Vielen Dank, Marie, für das Gespräch und viel Erfolg beim Abitur!

Bertram Kazmirowski

Der Lößnitzchor begrüßt den Frühling musikalisch

Frühlingskonzert des Lößnitzchor e.V. Radebeul

„Da tönet Gesang“ – „Da“ meint in diesem Fall die Emmauskirche in Dresden-Kaditz, in die der Lößnitzchor am 11.04.2026 um 17 Uhr zum Konzert einlädt, um musikalisch den Frühling zu begrüßen.

Neben traditionellen Weisen, die die erwachende Natur und die damit verbundenen Gefühle besingen, werden auch geistliche sowie fremdsprachige Werke zu hören sein. Auch unser kleines Ensemble, die Gruppe „fEinklang“, wird das Konzert wie-der mit einigen Stücken bereichern. Die musikalische Leitung des Konzerts liegt bei Eric Weisheit. Wie in den vergangenen Jahren auch ist der Eintritt frei und es wird um eine Spende am Ausgang gebeten.

Wer nicht nur zuhören, sondern das Konzert als aktiver Sänger oder aktive Sänge-rin mitgestalten möchte, ist herzlich zur unverbindlichen Teilnahme an einer Probe des Chores eingeladen. Diese finden immer montags von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr in der Aula des Lößnitzgymnasiums auf der Steinbachstraße 21 in Radebeul statt. Um vorherige Anmeldung per E-Mail an die Vorstandsvorsitzende über gloeck-ner@loessnitzchor.de wird gebeten.

Laura Hackeschmidt
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Lößnitzchor e.V. Radebeul
www.loessnitzchor.de

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