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Mit Felix Meyer poetisch durch das Jahr
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:14
Zur Titelbildserie
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:13
Aus meinen grafischen Tagebüchern
Jeder kennt das vielleicht, dass man in Wolkenformationen, in Felsengebilden der Sächsischen Schweiz Figuren, Tiere oder Ähnliches sieht.
Hier war es so, dass die anfänglich mit Spachtel aufgetragene schwarze Druckfarbe, mir durch Helligkeitsunterschiede eine Figur angedeutet hat. Mit weißen, expressiven Pinselstrichen habe ich sie allmählich auf dem Blatt sichtbar gemacht – eine grotesk anmutende, tierähnliche Figur, die auch die Darstellung eines mythischen Monsters sein könnte!
Sie scheint sich aus einem scheinbar chaotischen Geflecht aus schwarzen Flächen, weißen Linien, Kratzspuren und Überlagerungen herauszulösen. Die weißen, geschwungenen Linien betonen Körperkonturen, Gliedmaßen und eine skelettartige Anatomie. Der Kopf erinnert an eine Mischung aus Raubtier und fossilem Skelett. Dadurch entsteht der Eindruck eines Wesens, das zwischen Tier, Maschine und menschlicher Figur angesiedelt sein könnte.
Der starke Schwarz-Weiß-Kontrast, die rauen Texturen und die gestische Malweise verleihen der Darstellung eine düstere und bedrohliche Atmosphäre.
Ob es sich dabei unbewusst um die Reflexion über aktuelle gesellschaftliche Prozesse, über Menschenbilder oder eigene Befindlichkeiten handelt, kann ich nur vermuten!
Matthias Kratschmer
Denken an Reiner Roßberg
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:12
Unser Freund und Artikelschreiber zu Wein und anderen Themen, Reiner Roßberg, ist am 31. August 2026 im Alter von 84 Jahren gestorben – ein Winzerleben ging zu Ende. Er gehörte viele Jahre zum Kreis der engagierten Schreiber für „Vorschau & Rückblick“. Noch im Juniheft dieses Jahres konnte ich feststellen, dass es ihm trotz einiger Probleme so weit gut geht und er noch einiges vor hatte, aber dann kam das Ende früher als zu erwarten.
Wir danken Reiner Roßberg für seine vielen weinspezifischen oder auch lustigen Beiträge in unserem Heft und auch für die Bücher, die er über den Notschriftenverlag herausbrachte. Wir wollen ihn in ehrender Erinnerung behalten.
Dietrich Lohse im Namen von „Vorschau & Rückblick
Radebeuler Miniaturen
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:11
Erinnerungen*
Meist lebt der Lößnitzbach nur noch als feine Erinnerung: Es gibt nur wenige Tage im Jahr, an denen das Wasser den einst selbst geschaffenen Lauf im Lößnitzgrund noch in Anspruch nimmt. Da wirkt der Gedanke, daß es vor Jahrtausenden in der Lage war, ein solch eindrucksvolles Kerbtal in den Felsen zu schneiden, geradezu absurd. Schon die anerkannte Tatsache, daß es später immerhin noch sieben Mühlen zu treiben verstand, ist kaum noch vermittelbar. Deren älteste, die Talmühle in Serkowitz, hat schon 1337 Eingang in die Annalen gefunden. Ein reichliches Jahrhundert später, 1461, tritt dann die Grundmühle ins Licht schriftlicher Überlieferung.
Hier wird in den Urkunden ein gutes Dutzend Personen genannt, die teils als Besitzer, teils als Pächter oder Betreiber in von und mit der Mühle lebten. 1872 übernahm Friedrich August Schneider die Mühle, zunächst als Pächter, ab 1886 als Besitzer. Mit seinem Sohn Max Schneider, an den das Anwesen mit Mühle, Bäckerei und Gastwirtschaft 1895 durch Geschäftsübergabe überging, begann eine letzte „Blütezeit“.
Nach Max Schneiders frühem Tod 1926 hat seine Witwe die Geschäfte weitergeführt. 1927 verpachtete sie das Geschäft an Richard Krenkel. Der betrieb die Mühle noch bis in die 1950er Jahre weiter.
Martha Schneider starb 1939, der Besitz fällt an eine Erbengemeinschaft, die allerdings dem in den 1970er Jahren einsetzenden Verfall nichts entgegenzusetzen hat.
Nach 1980 geht der Besitz durch Kauf zu gleichen Teilen an Ronald Galle und Schenkel über. Seit 1. Dezember 1992 betreiben Schenkels in der ehemaligen Bäckerei eine Gastwirtschaft.
Diese wenige Worte mögen genügen, die 555 Jahre der Grundmühle zu umreißen.
Aus aktuellem Anlaß sei es mir erlaubt, auf einen der Akteure noch etwas näher einzugehen.
Max Schneider wurde am 8. November 1869 in Constappel geboren. Am 3. Oktober 1895 heiratete er in der neu erbauten Radebeuler Kirche, der heutigen Lutherkirche, die am 18. Dezember 1869 geborene Marie Martha Schumann aus Serkowitz. Die Grundmühle wurde beider Lebensmittelpunkt.
Sie sanierten die Gebäude, erweiterten die Bäckerei und ersetzten 1908 das alte Mühlrad durch eine moderne Wasserturbine.
Ihr vom unternehmerischen Erfolg getragenes Leben ruhte auf dem stabilen Fundament des Lutherischen Glaubens.
Auf diesem Grund basiert auch der Entschluß, zur Lutherfeier 1917 der Reichenberger Kirche ein Reformationsfenster zu stiften. Es zeigt die stehenden Figuren Luthers und Melanchthons, wie sie mit festem Blick in die Zukunft schauen.
Das Bild trägt die Inschrift:
ZUR ERINNERUNG AN DIE 400 JÄHRIGE FEIER DER REFORMATION
GESTIFTET VON M. UND M. SCH. IM JAHR 1917
Eine Woche vor Vollendung seines 57. Lebensjahres starb Max Schneider am 31. Oktober 1926 an einem Herzleiden. Das war vor einhundert Jahren – Anlaß genug, wieder einmal an ihn zu erinnern.
Thomas Gerlach
________________
*Ich danke Herrn Ronald Galle für die Anregung und wertvolle Hinweise
Glosse
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:10
„Ein Quentchen Gunst …“*
Traditionen, Gewohnheiten und Lebensweisen sind meist langlebiger als man mithin glaubt – auch in unserer Zeit, trotz ständig wechselnder Moden im weitesten Sinne. Am ehesten kann man das an den Sprichwörtern erkennen, deren Wurzeln häufig im Beginn der Neuzeit liegen, also sechs Jahrhunderte zurück! So zum Beispiel ist „Der Mensch denkt und Gott lenkt“ heutzutage immer noch vielen geläufig, obwohl sich hier im Osten bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung keiner Religion mehr zugehörig fühlt.
Auch mit dem Begriff „Gutsherrenart“ kann jeder noch etwas anfangen. Selbst mir ist schon so mancher in selbstherrlicher, arroganter und autoritärer Weise über den Mund gefahren, als wäre ich sein Mündel oder Untergebener. Früher habe ich mich darüber maßlos erregt. Heute denke ich bei mir, dass diese Person einfach nur keine gute „Kinderstube“ hatte. Man muss ja nicht mit jedem verkehren.
So rein privat bekommt man mit den Mitmenschen schon einigermaßen zurecht. Da trennt sich die „Spreu von Weizen“ schnell. Wer mir „dumm kommt“, den lass ich einfach „links“ liegen. In der Regel kann man sich das ja aussuchen.
Aber ganz so einfach läuft das im Leben eben nicht. Viele Problematiken ergeben sich, weil man als Privatperson, Bürger, Arbeitnehmer oder Arbeitgeber gezwungen ist, in „Beziehungen“ zu anderen Personen, zu Behörden und Einrichtungen zu treten, die man in Normalfall lieber gemieden hätte.
Dieses Problem treibt die Menschheit seit Jahrtausenden um: Wie verhalten wir uns zueinander?
Für die Lösung brenzliger Situationen hatte das Volk immer auch einen Spruch parat: „Wem Gott ein Weib gibt, dem gibt er auch Geduld.“ Leider gibt er eben nicht allen eine Frau oder einen Partner, denn mit der Geduld ist es heutzutage nicht mehr weit her. Immer noch benehmen sich viele Menschen wie die „Axt im Walde“. Und schon der Volksmund des 16. Jahrhunderts wusste: „Wer den Spieß kauft, bekommt den Krieg als Zugabe.“ Und folglich hatten die Truppen des ernestinischen Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen im Schmalkaldischen Krieg das kleine Örtchen Kötzschenbroda 1547 geplündert. Dazu hatte auch der Dichter des Barocks Friedrich von Logau (1601–1655) eine eindeutige Meinung: „Ein Fried ist schändlich arg, der neues Kriegen bringt.“ (sic!). Den Spruch mit dem Spieß aber kennt heute keiner mehr und besonders die oberste Heeresführung nicht.
Seit alters her hat man Regelwerke ersonnen, um das Zusammenleben zu erleichtern oder auch die Macht der Herrschenden zu festigen. Im „Lex Saxonum“ von Karl dem Großen beispielsweise, wurde im Frühmittelalter das germanische Stammesrecht geregelt. Es stellte gewissermaßen einen Kompromiss zwischen dem fränkischen Reichsrecht und dem sächsischen Stammesrecht dar, weil Karl etwas gutzumachen hatte. Er hatte die Sachsen allzu sehr gepresst.
Die Bedeutung und Notwendigkeit eines solchen Kompromisses für die Regelung des Zusammenlebens hatten die Herrscher also schon frühzeitig erkannt. Soweit aber muss man in der Geschichte nicht zurückgehen. Man denke nur an den Friedensprozess von Helsinki, in dessen Ergebnis die KSZE-Schlussakte 1975 von 35 Staaten unterzeichnet wurde.
Was damals in der großen Weltpolitik funktioniert hatte, sollte auch im Alltag und der Kommunalpolitk seine Berechtigung haben. Da aber sieht es gegenwärtig keinesfalls besser aus wie in der aktuellen Weltlage. Denn, denen da Oben und denen da Untern, den kleinen und großen „Königen“ und „Gutsbesitzern“, müssen die Kompromisse regelrecht abgerungen werden, legen sie doch häufig die Gesetze zu ihren eigenen Gunsten oder die des Staates und der Gemeinden aus und denken dabei weniger an die Allgemeinheit. Denn, „Ein Quentchen Gunst gilt [auch heute noch] mehr als ein Scheffel Recht.“ (*sic!), meint
Euer Motzi
Korrespondenz aus einer Nachbargemeinde
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:09
Wir steigen aus der S1 bei Canaletto aus und meinen natürlich den „Falschen“, also Bernardo Bellotto, (*1721/22 Venedig, +1780 Warschau). Die Stadtansichten von Pirna hängen im Original in Dresden, Alte Meister, 2. Stock. In der Pirnaer Bahnhofshalle kann man sie reproduziert an den Wänden betrachten und die Motive gleich in der Stadt – kleiner Fußmarsch von 15 Minuten, oder Buslinien G und L – in natura bewundern. Es sieht aus wie vor 300 Jahren, als der Maler hier seinen Pinsel schwang. Genial. Stadtführungen kann man buchen, ich mag einige Punkte benennen. Es lohnt sich, am Marktschiffbrunnen von Jan Witte-Kropius, aufgestellt 2016, zu verweilen und das Figurenensemble zu studieren. Mich amüsiert immer der in Pirna geborene Ablasshändler Johann Tetzel (1460 – 1519). „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ Eben sind mal 500 Jahre Fegefeuer erlassen und der Petersdom in Rom wieder um ein paar Steine gewachsen. Heute nennt man das wohl Crowdfunding.
Für das Tom-Pauls-Theater muss ich keine Reklame machen, es ist schwierig, überhaupt Karten zu kriegen. Aber allein die Wiederherstellung des vermutlich ältesten Baumeisterhauses Deutschlands, sehr zeitiges 16. Jh., nötigt Respekt ab. Sollten Sie in Ilses Kaffeestube nach einigen Schelchen Heeßen mal müssen müssen – Achtung, es geht treppab. Und bevor sie die eigentlichen Örtlichkeiten erreicht haben, fallen Sie aus der Renaissance zurück ins Mittelalter. Der ausgegrabene Brunnen stammt offensichtlich von einem Vorgängerbau. Die Klos sind dann wieder Hightech. Tafeln wie „Hier weilte Goethe, Napoleon, Schiller…“ – wer kennt die nicht. An der Südseite des Marktplatzes wird aber eines Mannes gedacht, mit dem ich noch zusammengearbeitet habe: Karl-Heinz Hanicke, Kapellmeister (1921 – 2013), geehrt von seiner Stadt. Hunger und vor allem Durst melden sich. Oh Schreck, beim Blick ins Portemonnaie wird schnell klar, dass es nur noch für die urige Kneipe „Zur armen Sau“ reicht, Barbiergasse 9.
Tobias Märksch
P.S.: Planen Sie schon einmal einen Besuch auf dem Canaletto-Weihnachtsmarkt nach Einbruch der Dunkelheit ein. Die Häuser sind dann farbig illuminiert, die Atmosphäre bilderbuchhaft.
Um die Weinbergstraße 46
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:08
Wenn ich mich heute einem Wohnhaus aus den 30er Jahren des 20. Jh. zuwende, hat das vor allem mit der guten Lage, mit dem landschaftlichen Einfügen des Hauses an einem Südhang der Lößnitz zu tun. Ein Makler würde sagen, den Wert eines Hauses macht die Lage aus, dann kommt die Lage und die Lage. Zweifellos gibt es auch vom Haus, einem großen Einfamilienhaus von 1934, ein paar Worte zu sagen, aber da kann ich mich hier kürzer fassen. Keinesfalls möchte ich mich in Naziarchitektur vertiefen, denn dieses Haus, obwohl 1934 gebaut, entspricht kaum diesem Begriff, es hätte in der Form auch in den späten 20er Jahren so gebaut worden sein können. Zu dem Thema müsste man Beispiele in Nürnberg oder Berlin suchen, nicht in Radebeul. Der Haustyp – rechteckiger Grundriss, zweigeschossig mit Walmdach – leitet sich eher von den Winzerhäusern (z.B. „Haus Lorenz“, Weinbergstr. 28) ab und könnte dem Heimatstil zugerechnet werden und passt, wie auch Retzschgasse 7, Weinbergstr. 16a, 46 u. 51 (alle aus den 30er Jahren) somit sehr gut in das Gesamtbild der Weinbergstraße. In die Hausgeschichte spielen viele Namen rein, man muss beim Lesen schon etwas aufpassen.
1934 wurde vom sehr großen Grundstück des „Haus in der Sonne“ (Weinbergstr. 44) der untere Teil abgetrennt und von den Lehrerinnen Herta und Helene von Loeben als späterer Altersruhesitz erworben. Sie waren Schwestern und die Schwägerinnen des Dresdner Fabrikanten Ottomar Heinsius von Mayenburg, dessen Firma, die Leowerke auf der Königsbrücker Straße, früher die Chlorodont-Zahnpasta hergestellt hatte. Die beiden Damen wohnten da noch bis in die 50er oder 60er Jahre. Der Verkauf des Grundstücks kam dem Besitzer des Hauses in der Sonne, Architekt Martin Hammitzsch, damals gerade recht, weil in der Zeit sein Büro nicht so gut lief, da die Nazis ihm immer noch übel nahmen, dass er 1912 das orientalisch anmutende Gebäude des Tabakkontors „Yenidze“ in Dresden entworfen hatte – diese warfen ihm, obwohl selbst in der NSDAP, damit undeutsche Architektur vor. Mit dem Entwerfer der Weinbergstr. 46 war ich mir lange Zeit fast sicher, es kann nur der bekannte Architekt Prof. Georg Heinsius von Mayenburg (er plante ua. den barocken Rückumbau von Schloss „Wackerbarths Ruhe“ in Radebeul), der Bruder des o.g. Dresdner Fabrikanten gewesen sein, weil das ja in der Familie nahe lag. Stilistisch aber gab es doch leise Zweifel, denn mit Neobarock hat das betrachtete Haus nichts zu tun. Inzwischen weiß ich, dass der Professor von 1870 bis 1930 gelebt hat und somit kaum als Entwerfer dieses Wohnhauses für seine Verwandtschaft in Frage kommt. Auch die Bauakte ist nicht hilfreich, mehrfach unterschreibt 1934 ein Bauleiter die Briefe mit Originalbriefkopf G. H. von Mayenburg. Die Zuschreibung bleibt also offen. Am Ende des Textes füge ich eine Theorie zur Frage des möglichen Architekten des Wohnhauses an.
Wenden wir uns nun dem Wohnhaus, man könnte auch von Villa sprechen, der beiden ehemaligen Lehrerinnen zu. Das Haus ist von der Straße weit abgerückt – eine einheitliche Bebauungslinie existiert in dieser Straße nicht. Es ist solide mit bewährten Baumaterialien gebaut, die Zeit der zwanziger Jahre als man neue, billigere Materialien suchte, war überwunden. Über einem Natursteinsockel (Meißner Granit) wurde ein zweigeschossiger Rechteckkubus mit Ziegeln aufgemauert und verputzt, darüber ein hohes, mit roten Biberschwanzziegeln gedecktes Walmdach. Dazu kamen verschiedene Anbauten: auf der Südseite eine große Terrasse mit Veranda und noch einer Terrasse im OG über der Veranda, ein Balkon auf der Ostseite sowie einem Eingangsvorbau im Norden und dem nordwestlichen Anbau, der Gärtnerwohnung. Das Dach hatte kleinere Satteldachgaupen und auf den Giebelseiten Gaupen in der Art von Ochsenaugen. Ich bedaure, dass die hölzernen Fensterklappläden, durchaus ein Bestandteil des Entwurfs, nach mehreren Sanierungsphasen nun fehlen. Die Südansicht in der Bauakte zeigt im OG eine Sonnenuhr (aufgemalt oder als Sgrafitto geplant), schade, dass sie nicht zur Ausführung kam. Wir sehen bis etwa 2000 ein Gebäude vor unseren Augen, solide gebaut, ausgewogen in den Proportionen und Putzflächen in rötlichem Ocker. Über viele Jahre war an der Südseite der Villa im Frühjahr die Glyzinie (Blauregen) ein besonderer Hingucker. Sie war vor der großen Terrasse gepflanzt worden und wuchs bis in die 1. Etage hinauf. Diese kräftige Pflanze, die bei der letzten Sanierung abgenommen werden musste, hatte über die Jahre sogar die Stahlgeländer verbogen und zerstört. Das Haus ist in Privatbesitz und ist als Kulturdenkmal eingestuft worden, aber kann heute wohl nicht mehr als Einfamilienhaus gelten. Es sind über die Jahre mehrere Garagen aber auch ein Schwimmbad gebaut worden – das Grundstück empfindet man aber immer noch als recht groß und kann die hinzugekommenen baulichen Wünsche verkraften. Beim Versuch, ein aktuelles Foto zu „schießen“, hatte ich Schwierigkeiten weil das Grundstück über der Stützmauer an der Straße durch dichte Anpflanzungen nicht mehr einsehbar ist. Das hängt sicherlich mit dem Schwimmbad dahinter zusammen und dass die Badenden von der Straße nicht gesehen werden möchten. Als Denkmalpfleger möchte man aber wenigsten in Teilen sehen, was das Denkmal ausmacht. Da gibt es aber noch ein paar andere, ähnliche Beispiele in Radebeul, wo diesbezüglich Wünsche der Erkennbarkeit des Denkmals leider offen bleiben.
Es wurmt einen Häusererklärer wie mich schon, wenn er so eine zentrale Frage, wer hat`s geplant, wer hat`s gemacht, nicht schlüssig mit einem Namen beantworten kann. Natürlich habe ich auch in der Denkmaltopografie von Radebeul nachgeschlagen, aber Dr. Volker Helas ist sich auch nicht ganz sicher. Er tippt auf Dr. Alfred Tischer – er war ein Radebeuler Architekt und hat auf der Weinbergstraße 16a 1936 für den Lehrer Rudolf Wirth ein kleineres Haus geplant. Helas sieht aber beim Vergleich der Häuser Eduard-Bilz-Str. 54, da ist Tischers Entwurf belegt, und Weinbergstr. 46 so viel Ähnlichkeit, dass er auch die Weinbergstr. 46 Tischer zuschreibt. Aber auch Helas, den ich ansonsten als Kunsthistoriker sehr geschätzt habe, könnte sich mal geirrt haben … . Deshalb möchte ich der Aussage von Helas eine andere Theorie entgegen stellen.
Im Dresdner Elbhangkurier von 2022 fand ich den Aufsatz von Eberhard Münzner über Arch. Maximilian Heinsius von Mayenburg (1910-1945), den Sohn vom og. Georg H. v. Mayenburg. Er studierte an der TH Dresden von 1929 bis 1935 Architektur und könnte zwar 1934 den Entwurf für das Haus in Radebeul gemacht haben, hätte ihn aber als Noch-Student nicht bei der Bauverwaltung einreichen dürfen, weshalb in der Bauakte nur der Name des Bauleiters auftaucht. Stilistisch liegen das von ihm entworfene Wohnhaus Weinleite 6 (um 1940) in Dresden und die Weinbergstraße 46 in Radebeul auf einer Linie. Das Dresdner Entwurfsbüro von Maximilian H. von Mayenburg bestand nur von 1936 bis 1940, weil er 1940 eingezogen wurde und am Ende des Krieges gefallen ist. Ob sich eine der beiden Theorien durch Dritte noch bestätigen lässt, steht in den Sternen.
Ich bedanke mich bei der Radebeulerin Theresia Blaschke, die eine Zeit lang als Mieterin mit ihrem Mann in dem Hause gewohnt hat und mir eine Anregung zu dem Aufsatz gab, dem Loschwitzer Denkmalschützer Eberhard Münzner für Auskünfte zur Familie Heinsius von Mayenburg sowie bei Dr. Maximilian Claudius Noack, Meißen, zu anderen Arbeiten des G. H. v. Mayenburg. Leider gelang es mir nicht durch Klingeln am Tor den Kontakt zur Eigentümerfamilie Sammeck herzustellen – kann auch damit zusammen gehangen haben, dass meine Recherche in die Urlaubszeit fiel. Vielleicht hätte ich da noch ein weiteres Mosaiksteinchen zur Baugeschichte des Hauses erfahren können.
Jeder Betrachter „unseres“ Hauses Weinbergstraße 46 würde es ohne Weiteres akzeptieren, wenn der Name „Haus in der Sonne“ sich auf diese Adresse beziehen würde und nicht auf die Weinbergstraße 44, die diesen Namen wirklich trägt!
Dietrich Lohse
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Quellen: Denkmaltopografie Radebeul, Dr. Helas ua., Sax-Verlag, 2007, S. 302
Elbhangkurier, Dresden, Okt. 2022, S. 16-18
Kunst unter freiem Himmel – Frei Licht Kunst an der Elbe
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:07
Kunst muss nicht immer im Museum oder in einer Galerie stattfinden. Manchmal braucht sie nur einen Baum, eine Wiese, einen alten Zaun – und Menschen, die stehen bleiben und schauen. Idealerweise kommt noch ein bisschen Sonne dazu; Gegen Regen helfen beim Plein Air allerdings weder Staffelei noch gute Laune dauerhaft.
Aus dieser Idee entstand unser „Frei Licht Kunst Sommer. Im Mai dieses Jahres trafen sich Künstlerinnen und Künstler zum Plein Air an der Elbe. Es wurde gezeichnet, gemalt, beobachtet, gesprochen und gemeinsam gearbeitet. Die Landschaft rund um die Elbe war dabei nicht nur Kulisse, sondern Ausgangspunkt für ganz unterschiedliche künstlerische Sichtweisen.
Mit dabei waren Franziska Kunath, Hans Wutzler, Susen Witwer, Sebastian Hennig, Julius Clausnitzer, Elisabeth Richter und Anita Rempe. Auch Musik und Literatur gehörten zum gemeinsamen Kunsterlebnis – mit Carola Gilbert, Michael Gilbert, Amir Nikou und Jens Mittelstenscheid.
Gerade diese Mischung und die unterschiedlichen künstlerischen Handschriften machen das Projekt aus. Beim Frei Licht Kunst Sommer geht es nicht nur darum, fertige Kunst zu zeigen. Uns ist vor allem die Begegnung wichtig: Künstlerinnen und Künstler lernen sich kennen, arbeiten nebeneinander und kommen miteinander sowie mit den Menschen vor Ort ins Gespräch. Kunst entsteht nicht abgeschottet, sondern mitten im Leben – manchmal sogar mit Elbblick und Fahrradverkehr.
Aus dem Plein Air entwickelt sich nun die Ausstellung „Kunst im Fluss der Elbe“, die am 13. September im Saal des Pfarrhofes in Constappel eröffnet wurde. Dort kommen Arbeiten der beteiligten Künstlerinnen und Künstler zusammen und zeigen unterschiedliche Blicke auf Landschaft und Natur, auf Veränderung und auf das Leben an und mit der Elbe.
Anita Rempe
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Auch das Atelier zum Plein Air am Elberadweg in Gauernitz, Fischerdorf 4, ist für Besucherinnen und Besucher bis 1. November geöffnet. In der Regel ist das Atelier von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Besuch kann außerdem nach Absprache unter 0162 2995233 vereinbart werden.
Exzellente Programmänderung auf Hoflößnitz
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:06
Das Konzert vier im 5. Musikfestival Radebeul brachte Überraschungen – aber gute.
Sicher waren einige Konzertgäste wegen der angekündigten Goldberg-Variationen gekommen, der Komposition von Johann Sebastian Bach, die mit jeder neuen Interpretation noch neugieriger macht auf die nächste. Also war das Radebeuler Konzertpublikum entsprechend gespannt auf das Spiel von Knut Johannessen. Aus gesundheitlich schwerwiegenden Gründen musste der Pianist aus Norwegen diesen Programmpunkt absagen. Dennoch und trotz Schmerzen war er dabei, auch, um am Cembalo die Begleitung der Violinen- bzw. Celloparts zu sichern. Große Disziplin, souveränes Spiel, wie sich zeigen sollte.
Ganze zwei Minuten charmanter Vorrede brauchte Albrecht Menzel, um das Malheur in ein phantastisches neues Programm zu verwandeln, und die Enttäuschung war verflogen. Auch die Cellospielerin war außerplanmäßig auf die Hoflößnitz gekommen. Wundervoll, denn das konnte man ebenso nicht spüren.
So zogen Annabel Hauk, Albrecht Menzel und Knut Johannessen vom ersten Takt einer Vivaldi-Sonate in a-Moll die Gäste in ihren Bann. Die Stimmung im oberen Saal des Besucherzentrums ist ohnehin sehr angenehm. Doch an diesem Abend schien die Anzahl der Zuhörenden mit dem Freiraum, der die Musik fliegen lässt, in bestem Verhältnis. Jedes Instrument kam einzeln zur Wirkung, das Zusammenspiel war sehr harmonisch und ließ die Freude des Schaffens der drei Musizierenden mitklingen.
Der Vielgeliebte Vivaldi, ein vielleicht nicht so sehr bekannte Francesco Geminiani, und natürlich Johann Sebastian Bach bildeten die „sichere Bank“ des Programms und wurden nach genussvoller Stille mit sehr herzlichem Beifall beantwortet. Natürlich warteten dennoch alle auf das Diabolische aus dem Konzerttitel. Wenn es erwartbare Überraschungen gäbe – mit seinem schon oft erlebt virtuosen Spiel von Albrecht Menzel hätte er dem Publikum eine solche beschert. Die Teufelstriller-Sonate ist vielleicht nicht so oft zu hören. Dass man sie hier in Radebeul unspektakulär, aber künstlerisch begeisternd erleben kann, ganz einfach, indem man nicht einmal weit zu reisen hat, sondern das nahegelegene Sofa mit dem Konzertstuhl tauscht, ist die blanke Verwöhnung eines dankbaren Zuhörerkreises.
Dann heißt ein langer, langer Schlussapplaus auch nicht nur: Die Musik ist wunderschön, Sie haben sie ausgezeichnet dargebracht, sondern auch Dank dafür, dass das nicht nur auf den Bühnen der Welt, sondern hier in Radebeul möglich ist.
Christine Ruby
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Tröstlicher Ausblick für nicht Dabeigewesene: Die Winteredition 26 ist aufgelegt! Nächste Konzerte in der Aula des Lößnitzgymnasiums am 28.11.26 mit Joseph Moog und den berühmten Beethoven-Sonaten, am 12.12.26 auf dem Historischen Güterboden. Mehr dazu auf www.musikfestivalradebeul.de
Schützt unseren kostbaren DENKMALSCHUTZ !
Do., 1. Okt.. 2026 – 00:05
Wer erinnert sich noch des desaströsen Umgangs mit Denkmalen im Unrechtsstaat DDR? Die Kirchen galten als die verbliebenen Denkmalpfleger. Für viele Denkmale kam die Friedliche Revolution zu spät.
In der Verfassung unseres dann wiedergeborenen Freistaates beschreiben die Artikel 11/3 und 112 die Verantwortung des Landes für unsere Denkmale. Und diese Landesverfassung wurde e i n-stimmig vom Sächsischen Landtag beschlossen. Wo gibt es solche Einmütigkeit heute?
Umso irritierender ist, dass unsere CDU-geführte Staatsregierung die Novellierung des hochbewährten Denkmalschutzgesetzes anstrebt. Dabei geht es insbesondere um die Zusammenlegung der nachweislich verdienstvoll tätigen Landesämter für Denkmalpflege und für Archäologie und deren Einordnung in die Landesdirektion Sachsen. Das ist gleichbedeutend mit Demontage der dem Kulturdenkmal dienenden Kompetenzen. Als Beweggründe dafür sind neoliberale Haltungen und vorgeblicher Bürokratieabbau erkennbar.
Dagegen sind in fassungsloser Sorge folgende Gravamina zu nennen:
1. Würdigung der Entwicklung des Denkmalschutzes in Sachsen
Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts engagierten sich Bürgerinitiativen für den Erhalt der „vaterländischen Altertümer“. 1872 untersagte das Sächsische Landeskonsistorium die Veräußerung von kirchgemeindlichem Kunst- und Kulturgut. Und Ende des 19. Jahrhunderts gingen vom Denkmalpflege-„Geburtsort“ Dresden durch Steche und Gurlitt entscheidende Impulse zum heute weltumspannenden Denkmal-Bewusstseins aus.
Ebenfalls in Dresden fand im Jahr 1900 der erste Deutsche Denkmaltag statt. Seitdem genießt die Sächsische Denkmalpflege national wie international größtes Ansehen und wache Aufmerksamkeit.
Damit hat das 1917 gegründete Landesamt für Denkmalpflege Sachsens eine mehr als einhundertjährige Erfolgsgeschichte. Es hat zwei totalitäre Regime überdauert. Besonders in den kulturfeindlichen DDR-Jahrzehnten hat sich das Landesamt große Verdienste erworben, ohne die Dresden nicht mehr das Dresden und Sachsen nicht mehr das Sachsen wären. In diesem Zusammenhang sei des in Radebeul beheimatet gewesenen Landeskonservators Professor Magirius dankbar gedacht. Und – die von den DDR-Machthabern kaputt regierte Denkmal- und Kulturlandschaft war eine Mitursache dafür, dass jener Frühling im Herbst `89 die Welt veränderte.
Spätestens seit dem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichtes im Jahr 1999 ist „Denkmalpflege eine Gemeinwohlaufgabe von hohem Rang“. Darin schwingen Achtung gegenüber den kulturellen Leistungen der vor uns Lebenden ebenso mit wie die Bekräftigung des zeitlos gültigen Wissens, wonach die Vergangenheit wichtigster Baustoff für die Zukunft ist.
In diesem Bewusstsein wurde seit 1990 an unseren Kulturdenkmalen mit fast 4 Milliarden Euro beispielhaft Beispielhaftes geleistet, wiewohl Denkmalerhalt immer ein Finanzierungsproblem war und bleiben wird.
2. Bedeutung unserer sächsischen Denkmallandschaft
Kulturdenkmale sind zeichenhafte Orte. Sie repräsentieren kulturelles Gedächtnis und ideellen Reichtum. Sie sind keine Luxusartikel, sondern Lebens-mittel des Gemeinwesens, damit Vermächtnis und treuhänderische Verpflichtung gleichermaßen. Und sie kurbeln Handwerk und Tourismus an und nicht zuletzt das nationale und internationale Ansehen unseres Freistaates. Deshalb wird die Fülle der uns von den Müttern und Vätern überkommenen und von unseren Enkeln „geliehenen“ Kostbarkeiten ganz überwiegend verantwortungsbewusst, hoch motiviert und hoch engagiert „gehütet“.
Diesen Schatz auch künftig ungeschmälert zu bewahren setzt voraus, dass sich Staat und Bürgergesellschaft als Erbe- und Verantwortungsgemeinschaft erkennen und anerkennen und bürgerschaftliches Engagement noch intensiver propagiert wird als bisher. Im kirchlichen Bereich wurden diesbezüglich ermutigende Erfahrungen mit der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) gesammelt.
3. Vorhaben der Staatsregierung
Am Schatz unserer Denkmale gemessen sind die aktuell vom Freistaat angestrebten Lobby-orientierten Veränderungen der denkmalrechtlichen Kompetenzen besorgniserregend. Veränderungen der Zuständigkeit und Unabhängigkeit beider Landesämter und damit die Zerschlagung jahrzehntelang hoch bewährter Strukturen werden nicht korrigierbaren Schaden für alle nachfolgenden Generationen bewirken.
Die dafür unakzeptablen Rechtfertigungs-Versuche des dürftigen politischen Zeitgeistes sind auf Wirtschaft und Ökonomie ausgerichtet. Ausgerechnet der reichsten aller bisherigen Gesellschaften scheint es vorbehalten zu sein, dass die vier Buchstaben, die sich zu der Formel Geld ordnen lassen, auch im Denkmalbereich einen geradezu pervertierten Stellenwert erlangen. Toll!
Außerdem werden die bürokratischen Hindernisse bei Infrastrukturmaßnahmen, kürzere Entscheidungswege oder gar Konflikte mit Bauherren beim Umgang mit einem Denkmal als Begründung für das erkennbar nachhaltig negative Vorhaben der Staatsregierung ins Feld geführt.
Wer so gravierend zu ändern gedenkt ist nicht erklärungs-, sondern beweispflichtig, gemessen am geschichtsträchtigen und schutzbedürftigen Monument unserer Denkmallandschaft.
Obendrein: Was ist ökologischer, ressourcenschonender und klimaneutraler als im Bestand zu bauen? Aus existentiellen Gründen muss das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Reparaturen werden. Und unser kostbares Grundgesetz intendiert: Eigentum verpflichtet (GG 14/2)…
Deshalb sieht sich die breit gefächerte, urteilsfähige Fachwelt und die interessierte Öffentlichkeit als unbestechlicher Pflichtverteidiger. Hoffentlich ohne Kulturkampf. Dieser wäre verheerend; denn wir sind umringt von noch deutlich gewichtigeren Herausforderungen. Ungeachtet dessen ist längst Unmut und Widerstand bewirkt.
Wenn die Gesetzesnovelle mit Argumenten wie „Sachzwang“ oder „Alternativlosigkeit“ verteidigt werden sollte wird das als subtile Erpressung empfunden. Deshalb kämpfen so viele aus zutiefst konservativer Überzeugung gegen den Geist dieses irrlichternden Umstrukturierungs- und Novellierungs-Vorhabens; denn Kulturdenkmale sind nicht zuerst Immobilien, sondern eine geistige Kategorie.
4. Schlussfolgernde Empfehlungen an die Staatsregierung
Der fruchtbare strukturelle Istzustand, also die fachliche Unabhängigkeit des Landesamtes für Denkmalpflege und des Landesamtes für Archäologie mit direkter Zuordnung zur Staatsregierung möge tradiert werden. Damit auch Verbleib der direkten Zuordnung von Landesamt für Archäologie und Staatlichem Museum für Archäologie Chemnitz. Welche fachlichen, inhaltlichen, wissenschaftlichen Direktbeziehungen bestehen zu den Kunstsammlungen??
So sehr wirtschaftspolitische Orientierungen traditionell zu parteitaktischen Positionierungen gehören, so sehr müssen diese für das Denkmalschutzrecht verhindert werden; denn Kulturdenkmale sind, anders als ein Fichtenbestand oder die Solarenergiegewinnung, keine „nachwachsende“ Ressource.
Nach dem in Artikel 1 der Verfassung des Freistaates Sachsen benannten Anspruch ist Sachsen ein dem Schutz der Kultur verpflichteter sozialer Rechtsstaat. Wegen dieser hoheitlich-kulturpolitischen Dimension sind Repressionen der Staatsregierung gegenüber Denkmalschutz und Archäologie unangemessen.
Ein 2 ½ tausend Jahre altes Bibelwort aus dem Buch der Sprüche vermittle mehr als nur vages Hoffen: Mit Weisheit wird ein Haus erbaut und mit Vernunft erhalten. Möge Vernunft auch das bewährte Denkmalschutzgesetz bewahren! Es ist viel mehr als lediglich ein politisches Instrument.
Ulrich Böhme







