»Alles kehrt wieder…!«

Das Atelier des Moritzburger Grafikers und Holzbildhauers Hans-Georg Anniès öffnet wieder für Besucher

Das für ihn Wesentliche konnte Hans-Georg Anniès durchaus in nur einem halben Satz unterbringen. Und zu den wesentlichen Dingen gehörte für den Moritzburger Grafiker und Holzbildhauer immer die besondere Beziehung des Menschen zur Natur. „Mit den Bäumen leben!“ – das wollte er zeitlebens. Sie gaben ihm nicht nur Kraft für die künstlerische Arbeit, sie waren ihm sehr viel mehr. Dem menschlichen Sein zum Beispiel ein stummes, aber beispielhaftes Vorbild. Im Juni 2006 verstarb Hans-Georg Anniès in seinem Refugium in Moritzburg; kurz nach seinem 76. Geburtstag. Von ihm geblieben sind all seine vollendeten Skulpturen plus einer Vielzahl grafischer Blätter neben manchem Unvollendeten. Allesamt aber sind es sichtbare Zeichen intensiver schöpferischer Arbeit, die in jenem Frühjahr ein abruptes Ende fand. Geblieben ist auch seine Werkstatt – das Atelier – als wohl sichtbarstes Zeichen für die Intensität, in der der Künstler das Material Holz so formte, dass es zu seinen Betrachtern zu sprechen vermochte. Es redete natürlich nicht mit jedem, man musste schon sehr bereit für ein Gespräch sein.

Fast auf den Tag genau sechs Jahre nach dem Tod des Künstlers wurde sein Atelier nun für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Getreu eines Wahlspruchs von Hans-Georg Anniès, von dessen Wahrhaftigkeit er immer überzeugt war. „Alles kehrt wieder…in veränderter Form!“ Daran glaubte er und danach lebte er auch.

Blick ins Atelier

Seit dem 9. Juni 2012 sind nun sein künstlerisches Werk und Atelier wiedergekehrt. In seinem (stummen) Auftrag umgebaut und gestaltet von seiner Witwe Christine Anniès sowie von seiner Tochter Uta und seinem Schwiegersohn Michael Welcker lädt das Atelier des Künstlers von nun an zum Besuch auf die Volkersdorfer Straße Nr. 23 a ein. Auf Konsolen präsentieren sich dort zahlreiche abgeschlossene hölzerne Skulpturen in unterschiedlichen Formaten, an den Wänden fasziniert eine üppige Auswahl der grafischen Arbeiten des Künstlers. Letztere wiederum erzählen vor allem vom inneren Leben des Holzes. Über die Seele des Baumes, über dessen Erinnerungen an ein weit längeres und intensiveres Dasein, als es der Mensch trotz all seiner Fähigkeiten je erreichen könnte.

Holzskulpturen und Fundsachen

Einstige Wegbegleiter des Künstlers, zahlreiche Freunde wie auch viele Verehrer des Werkes von Hans-Georg Anniès waren zur Ateliereröffnung gekommen. Harfenmusik erklang zum Auftakt, gespielt von einer angehenden kleinen Künstlerin. Ihr Spiel und die Musik wären dem Bildhauer ganz gewiss recht gewesen. Ein guter Freund – und Schriftsteller – las einige Passagen aus einem seiner Bücher. Und zahlreiche Gespräche über den Künstler zeichneten ebenso zahlreiche Erinnerungen an ihn und an seine Persönlichkeit.

Bilderhaueridylle im Außenbereich

Es wird in der Zukunft kein festes Programm geben, doch kleine öffentliche Lesungen, Ateliergespräche oder Konzerte sind vorstellbar. Die Grenzen für ein solches Programm aber werden fließend sein. Auch diese Feststellung ist wiederum ganz im Sinne des Künstlers Hans-Georg Anniès so formuliert, denn in seiner Vision über die Wirkung von Kunst „…ermöglicht das Elementare das Universelle!“

Wolfgang Zimmermann

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