KaUri bekennt Farbe

Neueste Werke von Karen Graf und Christian URI Weber in der Stadtgalerie

Karen Graf und Christian URI Weber

Karen Graf und Christian URI Weber

Was zunächst wie ein Kompromiss wirken könnte, hat es durchaus in sich. Die temporäre Liaison von Karen Graf und Christian URI Weber (hier als KaUri vereint) bietet den Ausstellungsbesuchern durch ihre unterschiedliche Bildsprache einen besonderen Reiz.
Den Umständen des Lebens ist es geschuldet, dass beide Künstler als Autodidakten relativ spät zur Malerei gefunden haben. Christian URI Weber studierte zunächst Theologie und Klinische Psychologie, wirkte im kirchlichen Bereich in leitender Funktion. Mit der Familie zog er 1984 nach Radebeul. Im gleichen Jahr begann er seine künstlerischen Ambitionen auf dem Gebiet der Literatur auszuleben. Er schrieb Gedichte, Aphorismen und Kurzgeschichten. Die Möglichkeit des Reisens in den „Westen“ und die damit verbundene Begegnung mit moderner Kunst, weckten in ihm das Bedürfnis nach bildkünstlerischer Umsetzung seiner Gedankensplitter und Sinnsprüche. Die ersten Collagen und Lackbilder entstanden ab 1990. Kaltnadelradierungen folgten ab 2003. Seine Bilder signierte er mit dem Pseudonym URI, einem versteckten Hinweis auf den Ur-Menschen, der ihm sehr nahe steht. Ungeachtet des heutigen Trends in der Bildenden Kunst, reflektiert Christian URI Weber mit wachem Sinn gesellschaftliche Zustände und provoziert durch seine popartigen Denkbilder eine öffentliche Auseinandersetzung.

Christian URI Weber, "Neues aus der Anstalt", 2012

Christian URI Weber, „Neues aus der Anstalt“, 2012

URIs Kunst ist im besten Sinne politische Kunst, die an die Fotomontagen eines John Heartfield erinnert. Vor allem mit dem Lackbild „Neues aus der Anstalt“ ist URI ein Werk von besonderer Eindringlichkeit gelungen. Als Vorlage diente das bekannte Gemälde „Die Stützen der Gesellschaft“ von Georg Grosz aus dem Jahr 1926. Die Verbindung zur Gegenwart schuf Christian URI Weber durch die Kooption des Bankers Ackermann, dessen breites Grinsen, verbunden mit der Geste des Siegers, sich als Symbol für eine skrupellos agierende Kaste in das Bildgedächtnis vieler Menschen eingegraben hat. Den „Parteitagsredner“ zeigt URI als aufgeplusterten Papageien, welcher als Kopfschmuck eine bunt gefiederte Krone trägt. Wie Hund und Katze, die sich in Hassliebe verbunden sind, stellt er die „Koalition“ dar, wobei es dann schon keine Rolle mehr spielt ob die Ampel gerade auf schwarz/gelb oder rot/grün geschaltet ist.
Die Kulturjournalistin Dr. Ingrid Koch meinte in ihrer Eröffnungsansprache am 15. März „Die Ausstellung ist gelungen, und an verschiedenen Stellen ergeben sich sogar schöne Verbindungen, scheinen die Werke miteinander zu sprechen.“
Der sezierende Sarkasmus eines Christian URI Weber erfährt durch Karen Grafs sinnliche Emotionalität eine inhaltliche Erweiterung. Denn es gibt sie noch, die Welt, wo alles seinen Ursprung hat, wo immer wieder ein neuer Anfang möglich ist.
Besonders deutlich werden diese unterschiedlichen Haltungen an Bildern wie URIs Untergangsszenario „Vineta“ – einer Anspielung auf die Gefährdung dicht besiedelter Metropolen – im Vergleich zu Karen Grafs optimistischem Gemälde „Frühling in der Stadt“.

Karen Graf, »Frühling in der Stadt«, 2010

Karen Graf, »Frühling in der Stadt«, 2010

Karen Grafs Bedürfnis nach Ausgleich und Harmonie mag vielleicht wie Naivität erscheinen. Doch gerade darin besteht ihre große Stärke. Im Bewusstsein um die Existenz der zerstörerischen Energie des Menschen, setzt sie auf die regenerierende Kraft der Natur, auf die Fähigkeit sich auf Wesentliches, Lebensbejahendes zu konzentrieren. Unbeeindruckt von Zeitgeist und Kunstmarkt verfolgte sie ihren eigenen Weg. Entscheidende Impulse empfing sie während des Abendstudiums an der Kunsthochschule durch Agathe Böttcher und Fritz Panndorf. Aber auch die Malerei eines Henri Rousseau oder einer Hertha Günther blieben nicht ohne Einfluss. Als sie dann im Jahr 1988 ihren späteren Mann, den Maler Peter Graf und den mit ihm befreundeten Künstlerkreis, kennenlernte, war es für sie, als hätte sich ein Fenster weit geöffnet.

So lange, die Kinder noch klein waren, speicherte sie ihre Bilder allerdings im Kopf. Selbst heute ist die Zeit zum Malen viel zu knapp. Die Anstellung bei den Staatlichen Kunstsammlungen war ihr immer sehr wichtig, verschafft sie ihr doch die nötige finanzielle Unabhängigkeit und künstlerische Freiheit.
Im Jahr 2002 zog sie mit der Familie nach Radebeul-Ost auf die Gellertstraße. Im gleichen Jahr entstand „Mein erstes Radebeul Bild“, was anlässlich des 75. Stadtgeburtstages im Jahr 2010 in der Stadtgalerie zu sehen war. Aus der großstädtischen Enge des Dresdner Hechtviertels kommend, faszinierten sie nun in der Lößnitzstadt das üppige Grün, die Weinberge, die Elbe, die vielen Mauern und die kleinen Geschäfte. Ihre Motive findet Karen Graf im häuslichen Umfeld, in Radebeul, in Dresden, in der sanften Moritzburger Hügellandschaft. Sie saugt ihre Umgebung auf und speichert sie als farbige Grundstimmung. Die Bilder malt sie dann im Atelier nach der Erinnerung. Gern hört sie dabei Musik. Zum Lesen kommt sie nur selten. Meist in der Straßenbahn. Sie liebt eine schöne poetische Sprache, so wie sie auch wohltuende Farbklänge liebt.

Karen Graf, »Stillleben mit Wasserkocher«, 2013

Karen Graf, »Stillleben mit Wasserkocher«, 2013

Diese Affinität zur Farbe hat Karen Graf im Laufe der Jahre immer mehr verfeinert und kultiviert. Scheinbar unspektakulären Sujets wie „Bügelzimmer“, Stillleben mit Wasserkocher oder verschiedenen Früchten, der „Durchblick“ von ihrer Wohnung aus auf die benachbarte Geschäftsstraße verleiht sie durch ihre ehrliche formreduzierte Bildsprache Bedeutung und Gewicht. Ihre Reisebilder von Portugal, Italien und Frankreich zeigen stille Plätze, alte Parkanlagen, verwinkelte Gassen aber auch die urgewaltige Brandung des Atlantik.
Was Karen Graf liebt, ist Stille. Was sie sich wünscht, ist Zeit. Und so sind ihre Menschenbilder immer auch Sehnsuchtsbilder mit einem Stück von ihr selbst. Das Lebenstempo in Radebeul empfindet sie als angenehm. Zu Künstlern wie Christian URI Weber, Sophie Cau, Dieter Beirich, Michael Hofmann, Klaus Liebscher und Matthias Kistmacher gibt es lose Kontakte. Als angenehm empfindet sie die vielen kleinen Höhepunkte übers Jahr, wo man sich immer wieder trifft. Dass „KaUri“ im Zusammenhang mit zwei bevorstehenden Jubiläen steht, soll kein Geheimnis bleiben. Im Juli begeht Christian URI Weber seinen 70. und Karen Graf im Oktober ihren 50. Geburtstag. Künstlerisch befinden sich beide auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Man darf also gespannt sein auf das, was noch folgt.
Wer gern etwas von beiden Künstlern nach Hause tragen möchte, dem seien Karen Grafs Katalog und URI Aphorismenbücher empfohlen. Ein persönliches Kennenlernen ist zum Galeriegespräch am 19. April um 19.30 Uhr möglich.

Karin Gerhardt

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Ein Kommentar

  1. Veröffentlicht am Mo, 22. Apr. 2013 um 15:34 | Permanenter Link

    Im Beitrag „KaUri bekennt Farbe“ (aktuelles Heft) bitte in der Bildunterschrift den Namen der Künstlerin korrigieren: Karen statt Karin
    Danke

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