„Herzlich willkommen zur Kleinbürger Hochzeit!“

Die Landesbühnen punkten in der neuen Spielzeit mit dem Thema Familie

Puppenspieler Jonathan Strotbeck lässt seine Geschöpfe agieren

Puppenspieler Jonathan Strotbeck lässt seine Geschöpfe agieren

Es ist die enorme Fülle innerhalb des Spielplans der Landesbühnen Sachsen 2014/2015, die den Beobachter verblüfft und zugleich etwas erschreckt. Und die ihn fragen lässt „Wie will man das alles denn überhaupt schaffen?“ Zudem gesellt sich zu den vier traditionellen Sparten des Hauses (Ballett, Musiktheater, Schauspiel und Konzert) als fünfte und jüngste nun noch das Puppentheater als Teil des von Steffen Pietsch geleiteten „Jungen Studios“. Dieser Puppenspielbereich wird vor allem durch Jonathan Strotbeck verkörpert, der am Vormittag des 4. Septembers auch gleich zwei seiner Geschöpfe bemühte, um die herbeigeeilte Journaille im Glaskasten des Radebeuler Theaters standesgemäß zu begrüßen. Die beiden lassen sich auch nicht lange lumpen und produzieren sofort einen echten Fauxpas, indem sie ein „Herzlich willkommen zur Kleinbürger Hochzeit!“ in den Raum schmettern. Es sei ihnen an dieser Stelle noch einmal verziehen, denn sie sind neu auf dem Radebeuler Theaterparkett. Und schließlich lässt sich ja sowieso nicht alles mit einem ersten Blick überschauen. Vor allem der prall gefüllte Spielplan der neuen Spielzeit nicht. Der wartet dieses Mal mit einem ganz besonderen Highlight auf. Mit der Neueröffnung der einstigen Traditionsgaststätte „Goldene Weintraube“ nämlich. Die wird derzeit zu einer zünftigen Theaterkneipe umgestaltet. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz werkelten dort noch die Handwerker, im Oktober wird es dann einen direkten Zugang vom Foyer zur Gaststätte geben. So ensteht ein Ort zur Vor- und Nachbereitung für das jeweilige Theatererlebnis, aber auch ein Ort für Kontakte bzw. der Begegnung zwischen Künstlern und Publikum. Auch für eine theatergemäße Nutzung dieser Räume hält Intendant Manuel Schöbel schon einige Ideen bereit. Die Tragendste darunter ist wohl die Kombination von Gaststätte, Kantine und Theaterpodium. Man darf darauf genauso gespannt sein wie auf die dort stattfindende Puppenspielpremiere von Jonathan Strotbeck, der sich immerhin an dem anspruchsvollen Brechtschen Theaterstück „Die Kleinbürgerhochzeit“ versucht. Premiere ist am 25. Oktober 2014.
Schauspieldirektor Peter Kube, Musiktheaterchef Jan Michael Horstmann, Ballettchef Carlos Matos, Steffen Pietsch als Chef der Sparte Kinder- und Jugendtheater sowie Chefdramaturgin Gisela Kahl verwoben innerhalb der Pressekonferenz die verschiedenen einzelnen Bänder der Kunstsparten zu einem überschaubaren Ganzen. Das aber endet natürlich nicht mit dem Jahreswechsel 2014/15 sondern gestattet schon heute einen weiten Blick voraus; in die Freiluftsaison 2015 nämlich und damit vor allem auf die Felsenbühne Rathen. Die wartet mit einem sehr besonderen Highlight auf. Mit der Premiere des „Glöckner von Notre Dame“ im romantischen Felskessel. Verlockend ist aber nicht nur der Stücktitel selbst, sondern vor allem die Tatsache, dass Tom Pauls in die Rolle des Quasimodo schlüpfen wird. Winnetou reitet ebenfalls wieder im Wehlgrund. Es ist eine neu bearbeitete Inszenierung, die Olaf Hörbe einst für die Felsenbühne inszenierte. Die Regie für 2015 wird Manuel Schöbel selbst übernehmen.
Und natürlich hält auch das Musiktheater im Stammhaus wie immer allerhand Neues bereit. Insgesamt acht Premieren bietet die Sparte an, darunter Giuseppe Verdis „Ein Maskenball“ (17.1.2015) und Paul Burkhards „Feuerwerk“ (4.4.2015).
Die Sparte Schauspiel hat insgesamt 12 neue Produktioen auf ihrer Agenda, darunter Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ (13.03.2015) und „Wie im Himmel“, die erfolgreich verfilmte Geschichte eines schwedischen Chores (am 1.5.2015). Carlos Matos bringt mit seiner Compagnie u.a. mit „Dido und Aeneas“, eine Tanztheaterversion der Oper Henry Purcells auf die Bühne (18.04.2015).
Garantiert aber ist für nahezu jeden Geschmack etwas dabei.

Wolfgang Zimmermann

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