Steinerne Wegweisersäulen in Radebeul

In Radebeul gibt es eine Gruppe von 8 derartigen Denkmalen, die über das Territorium unserer Stadt etwas ungleich verteilt sind – in den höher gelegenen Stadtteilen finden wir 6 Stück, in den Talgemeinden nur 2 Objekte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es früher mal mehr als acht waren, wenn man voraussetzt, dass in jeder Altgemeinde eine oder auch mehrere Wegweisersäulen gestanden haben. Verluste wurden m.E. aber nicht dokumentiert.

Nach der Einteilung der Kulturdenkmale handelt es sich hierbei um Kleindenkmale, genauer gesagt, um Denkmale der Verkehrsgeschichte. Entwicklungsgeschichtlich stellen diese Steine etwa das Bindeglied zwischen den Postmeilensäulen (18. Jh.) und den heute gültigen, gelben Ortsausgangsschildern dar und gaben und geben an den die Dörfer verlassenden Straßen und Wegen Auskunft, wie weit es von einer der Altgemeinden bis zu einer anderen Altgemeinde, bzw. bis zu einem Ort außerhalb Radebeuls ist. Wer also eine gute Verkehrskarte besitzt oder mit einem Navi umgehen kann, wird diese Infos aus einer historischen Zeit nicht mehr unbedingt brauchen. Trotzdem sind es Denkmale, die nach wie vor gültige, in Kilometern (seltener auch in Stunden) angegebene Informationen ausdrücken und den Anspruch haben, erhalten zu werden.

Sie gehen auf eine Verordnung der sächsischen Regierung unter König Friedrich August III. von 1820 zurück. Bis die o.g. Verordnung im Land Sachsen vollzogen war, dauerte es eine Weile – eine der Radebeuler Säulen ist 1837 datiert. Diese Steine haben eine zweckmäßige Gestaltung, die örtlich leicht variieren kann, zeigen aber keine Kunstformen. Es sind Zeugnisse der sächsischen Verkehrsgeschichte aus dem Anfang des 19. Jh. für die einmal die Städte und Kommunen zuständig waren, sich aber heute selten noch zuständig fühlen. So kam es oftmals zu einer bauseitigen Vernachlässigung seitens der Kommunen, was auch in Radebeul leider den meisten Steinen anzusehen ist. Und wenn ein Verkehrsteilnehmer mit so einem Stein kollidierte und der Stein zerstört wurde, konnte es sein, dass die Polizei den Schaden am Stein gar nicht registrierte (Fall Altlindenau) oder die Verantwortlichen der Stadt den Schuldigen für einen umgekippten Wegweiserstein (Fall Rietzschkegrund) nicht finden können. Zu oft fallen diese Kleindenkmale durch das „Rost der Beachtung“, bei Eigentümern (z.B. Stadtverwaltung) wie bei Behörden (Denkmalschutzbehörde). Dann ist es gut, wenn interessierte Bürger oder auch ehrenamtliche Denkmalpfleger sich um diese Steine kümmern können, wie im Falle Stein am Rietzschkegrund 2018 geschehen. Man kann aber auch über die Jahre eine artfremde Nutzung der Steine beobachten. So wurde in Wahnsdorf bis vor kurzem eine Wegweisersäule als private Zaunsäule verwendet, was inzwischen korrigiert werden konnte. Andernorts finden wir an diesen Steinen kleine Tafeln mit Hinweisen auf die Lage der Gas- oder Wasserversorgung.

Apropos „Säulen“, der Begriff Säule wird im Allgemeinen mit einem runden Bauelement gleichgesetzt. Die betrachteten Steine haben aber einen eckigen Querschnitt. Im Volksmund und auch in der Fachliteratur hält sich der unrichtige Begriff Wegweisersäulen. Nachfolgend werde ich den Begriff Wegweiserstein gebrauchen. Ich möchte im Folgenden die Wegweisersteine stichwortartig mit ca.-Maßen in cm vorstellen, will damit im Westen beginnen und die Betrachtung weiter nach Osten fortsetzen.


1. Wegweiserstein Ecke Mittlere Bergstr. / Krapenbergweg (Zitzschewig)
L /B /H ca. 30×30 (25×25)x160, Sandstein, Kopfteilseiten zu unbekannter Zeit wohl wegen Verwitterung abgespitzt und mit aufgemalter, moderner, inzwischen wieder verwitterter Schrift (ua. Weinböhla) versehen.


2. Wegweiserstein Ecke Rietzschkegrund / Kreyernweg (Naundorf!)
L /B /H ca. 26x26x105, Sandstein mit orig. Kopf, Kanten gefast, 2017 von Unbekannt umgefahren (einf. Bruchstelle), 2018 durch Privatpersonen (Hrn. Seidel, Lempe u. Lohse) wieder an gleicher Stelle aufgerichtet, orig. vertiefte Schrift wohl Naundorf (N gespiegelt?) verwittert, fremde Dübellöcher, Kantenabplatzungen.


3. Wegweiserstein Ecke Jägerhofstr. / Auerweg (Lindenau)
L /B / H ca. 26x26x105, Sandstein, orig. Kopf, Kanten gefast, alte Bruchstelle mit 3 Eisen wohl in 2. Hälfte 20. Jh. geklammert, Schrift u. Pfeile vertieft u. verwittert, ua. Kötzschenbroda erkennbar.


4. Wegweiserstein Ecke Jägerhofstr. / Moritzburger Str. (Lindenau)
L /B /H ca. 25x25x165, Sandstein in Grundstücksmauer eingebunden, Kopf original, Schrift u. Pfeile vertieft, noch erkennbar Naund., Zitzschew., Kötzschenbr. u. Oberlößn., Messbolzen sekundär angebracht, ältere Schleifspur bei ca. 40cm über Gelände.


5. Wegweiserstein Gabelung Altlindenau / Ginsterweg (Lindenau)
L /B /H ca. 25x25x160, Sandstein 1837, am 17.09.1995 wurde der Originalstein bei einem Verkehrsunfall zu Trümmerbruch zerstört, Kopie von 1997 durch Steinmetz Reich angefertigt und aufgestellt, Kanten gefast, altertümliche Schrift u. Pfeile erneuert Farbe Umbra, Eisenberg, Reichenberg, Wahnsdorf angegeben, dazu auf 4. Seite Hinweis auf Erneuerung in modernerer Schrift, beginnende Patina auf Stein.


6. Wegweiserstein verlängerte Bahnhofstr. / Elbdamm (Altkötzschenbroda)
L /B /H ca. 30x30x165, Sandstein stark verwittert und wilde Farbspuren, Kopfoberfläche zerstört, Kanten gefast, fremde Schilder und Dübellöcher angebracht, etwa 2010 deutliche Schiefstellung korrigiert, Schrift und Pfeile auf O- u. N-Seite jedoch unleserlich, möglicherweise Hinweis nach Serkowitz und auf ehem. Elbfurt.


7. Wegweiserstein Gabelung Langenwiesenweg / Dorfgrund (Wahnsdorf)
L /B /H ca. 27x27x162, Sandstein, Kanten unterhalb der Schrift stark gefast, bis etwa 2000 als Zaunsäule fremd genutzt, dann Stein durch Heimatverein Wahnsdorf / Hr. Kiesling freigestellt, Löcher für Zauneinhang geschlossen, Oberflächenreinigung, vertiefte Schrift und Pfeile auf S- u. N-Seite mit dunkelgrauer Farbe angelegt, Hinweise nach Dippelsdorf, Buchholz und Niederlößnitz, Lindenau.


8. Wegweiserstein Ecke Altwahnsdorf / Reichenberger Str. (Wahnsdorf)
L /B /H ca. 27x27x135, Sandstein, Kopf und Kanten gefast wie Nr. 7, restauratorische Bearbeitung wie Nr. 7, Schrift und Pfeile auf S- u. W-Seite, Hinweise nach Reichenberg, Eisenberg und Boxdorf, Wilschdorf.

 

Dietrich Lohse

Weiterführende Literatur:

1. „Steinerne Wegweisersäulen im Landkr. Sächs. Schweiz“, René Prokoph, Stadtmuseum Pirna, 1997
2. Monatsschrift „Vorschau+Rückblick“, Jan. 1998, S. 14/ 15, D. Lohse

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