Wenn der Wind weht

Kunstspuren in der Galerie mit Weitblick

Wenn der Wind weht, kommt Bewegung ins Leben.
Jede und jeder von uns hätte dafür Beispiele parat, richtige Geschichten sogar manchmal. Die Geschichte von dem Hut vielleicht, den der Wind vom Kopf der Dame auf der Brücke direkt in die Elbe wehte oder unter eine Dampfwalze, was heute nicht mehr vorkommen kann, weil es keine Dampfwalzen mehr gibt. Oder die von dem General, der immer den Kopf so komisch schief halten musste auf seinem dürren oder auch fettfaltigen Hals, auf dass ihm der Wind die alberne Mütze nicht vom Kopfe schlug. Generäle gibt es ja noch, leider.
In der Galerie mit Weitblick ist gegenwärtig zu erleben, was passiert, wenn sich dreizehn Künstlerinnen und Künstler Gedanken um diese Wettererscheinung machen: Wenn der Wind weht, gibt’s Kunstspuren.

„Kunstspuren“ ist der Name einer Gruppe von gegenwärtig dreizehn Künstlerinnen und Künstlern, die sich zusammenfinden um gemeinsam der Kunst mehr Raum zu schaffen. Im Alltag sind Künstler unsichtbar – im Miteinander suchen sie Wege, sich öfter mal zu zeigen.
Nun ist es durchaus auch schon eine Kunst, dreizehn Künstler in den kleinen Räumen dieser mutigen kleinen Galerie unterzubringen.
Galeristin Doro Kuhbandner hat das nicht nur mit Weitblick, sondern auch politisch korrekt mit einer Obergrenze geregelt bekommen. Wenn also wiedermal irgendwo nach Obergrenzen gerufen wird: hier finden wir sie lautlos und harmonisch verwirklicht: Zwei Bilder oder Objekte pro Teilnehmer oder Teilnehmerin, das gibt sechsundzwanzig Antworten auf die Frage was passiert, wenn der Wind weht.
Die eine oder der andere von ihnen wird sich hinaus begeben haben in die sturmumbrauste Natur, um den Pinsel erleben zu lassen, wie es ist, wenn der Wind weht. Andere werden ihren Fundus konsultiert haben und Erinnerungen aufgefrischt, sie sind ja alle nicht mehr ganz neu im Metier. Und natürlich haben sie alle eine Vorstellung von dem Vorgang, haben sie es alle schon mal die Nase draußen gehabt, wenn der Wind weht: Es lichtet sich der Nebel, und es weitet sich der Blick.
Die Galerie mit Weitblick hat ihren Namen ja nicht von Ungefähr. Doro vollendet in diesen Tagen ihr viertes Jahr in diesen Räumen. Das ist durchaus ein Grund für sie, stolz zu sein, wie es für uns ein Grund zur Dankbarkeit ist, und natürlich einer – zu gratulieren.
An gut zweihundert Wochenenden konnte sie in diesen vier Jahren von ihrem bunten Stübchen aus den Weitblick genießen und die Kunst.

„Kunst“ kommt nicht vordergründig von „Können“, sondern von „Künden“. Künstler haben eine Botschaft, und Botschaften brauchen Adressaten. Dass die Botschaften individuell geboren und gestaltet werden, ist und bleibt dabei unbestrittene Voraussetzung. An der Bewegung aber, die unterschiedlichen Botschaften vernehmbar zu machen, arbeiten hier alle gemeinsam: Wenn der Wind weht, entsteht Aufmerksamkeit: Aufmerksamkeit für die Kunst, die als Nahrung der Seele mehr ist, als ein schmückender Rahmen.
Den nämlich, den Rahmen, bietet in unserem Falle die Galerie mit Weitblick. Bis weit ins Neue Jahr hinein gibt es hier die Kunstspuren zu erleben und manches Kleinod zu entdecken, ob nun der Wind weht, oder nicht.

Thomas Gerlach

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