Editorial Märzheft 2011

Der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus waren im Januar in Radebeul drei Veranstaltungen gewidmet, die eine erfreulich große Resonanz fanden. Zwei davon hatten unmittelbaren lokalen Bezug. »Zwangsarbeit in Radebeul« lautete das Thema der »Reden in Kötzschenbroda«, ein Thema, das durch die letztjährige Sonderausstellung der Hoflößnitz auf die Agenda gesetzt worden war. Dass es dazu mehr zu sagen gibt, als die Ausstellung zeigen konnte, kam sowohl in den Redebeiträgen, von denen wir einen im aktuellen Heft dokumentieren, wie auch in der Diskussion klar zum Ausdruck. Ein Großteil der Quellen zu diesem öffentlichen Verbrechen (nicht nur im Weinbau) harrt auch in Radebeul noch der Aufarbeitung, und dass sich Zeitzeugen generell scheuen würden, persönliche Erinnerungen zum Thema weiterzugeben, wurde schon durch die entsprechenden Diskussionsbeiträge eindrucksvoll widerlegt.

Einen ganz anderen Charakter trug die offizielle Gedenkstunde für die NS-Opfer in der bis auf den letzten Platz besetzten Krankenhauskapelle. Hier kamen nicht Zeitzeugen zu Wort, sondern Schüler einer 9. Klasse. Sie waren in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein dem Schicksal von Radebeuler Euthanasieopfern nachgegangen, hatten Plakate dazu gestaltet und präsentierten die Ergebnisse ihres Geschichtsprojekts nun auf beeindruckende Art. Nachher hörte ich einen hoch betagten Zuhörer zu einem anderen sagen, das sei diesmal aber keine proletarische Veranstaltung gewesen, sondern eine bürgerliche. Auch wenn das nicht als Lob gemeint war, dürften es die Organisatoren um Couragepreisträger Thomas Berndt als ein solches auffassen. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gehört in die Mitte der Gesellschaft.

Frank Andert

[V&R 3/2011, S. 1]

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