Editorial Oktoberheft

Theater im Theater! Die jüngsten Ereignisse an den Landesbühnen Sachsen dienen wiederholt zur Dokumentation und Reflexion an dieser Stelle. Wurde der neue Intendant vor geraumer Zeit noch vorfristig für das nächste Jahr angekündigt, so hat Manuel Schöbel bereits in diesen Tagen seinen Platz am Hause eingenommen. Etwas bizarr mutet der übereilt wirkende Wechsel nach außen schon an. Zu verworren und beschämend sind wohl einige Geschehnisse der letzten Monate, um den Übergang der Befugnisse sachgerecht wiederzugeben. Altintendant Christian Schmidt hinterlässt gewiss ein gut aufgestelltes Haus, dessen Strukturen in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich gewachsen waren. Politische Machtspiele und durchaus fragwürdige Kompetenzen auf Landesebene brachten das Kulturschiff in heftiges Wanken.

Nun steht es da, das neue Haus, peinlichst saniert bis in alle Winkel, nur an Personal fehlts zunehmend im Revier. Die Misstöne des Orchesters werden bald verhallen, da es aufgrund der Fusion mit dem Klangkörper in Riesa bald in Gänze das Haus verlassen wird. Selbst der millionenschwere Erweiterungsbau für die Werkstätten bildet noch nach Jahren einen weitgehend ungenutzten Wurmfortsatz.

Sollte das geschaffene Flair im Innenhof zur Spielzeiteröffnung ein Indiz für das Kommende sein, so verheißt es nicht unbedingt nur Gutes. Gelang es den Organisatoren der letzten Jahre einem der Institution gemäß kreativen Rahmen zu verleihen, so hatte er diesmal mit Würstchen- und Bierbude allenfalls den Charme eines kulturfernen Wochenmarktes. Es bleibt daher zu wünschen, dass das Schiff – um im Bild zu bleiben – in ruhigeres Fahrwasser gerät, sich nicht in weiteren Untiefen verliert oder gar zu stranden droht.

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