Erhalten ist Stillstand

Vom verantwortungsvollen Umgang mit Radebeuls Ressourcen

H. Knoch

Radebeul – die Garten- und Weinbaustadt – eine Stadt zum Genießen für alle Anwohner, Besucher und willkommene Gäste. Geprägt wird dieses unverwechselbare Image vor allem von der großzügig angelegten, meist parkähnlichen Grundstücksgestaltung und -bebauung. Während vor der politischen Wende in der damaligen DDR die meisten denkmalarchitektonischen Kostbarkeiten einen Dornröschenschlaf halten mussten, wurden viele dieser in den letzten 22Jahren vom alten Staub befreit und begannen in neuem Glanz zu erstrahlen. Dabei ist den Bewohnern, die zumeist familiär traditionell und mit dem Herzen mit ihrer Heimatstadt verbunden sind, der behutsame Umgang besonders wichtig. Viele der nun liebevoll und aufwendig restaurierten Häuser und Gebäude entstanden so in privater Eigenregie der Besitzer. Diese sind mitnichten allesamt „Millionärs-Städter“ – wie es die Medien zuweilen propagieren – und sie benötigten dazu Zeit, Ausdauer, Eigenleistung und nicht zuletzt einen langen finanziellen Atem, denn mit einem von Westgeld prall gefülltem Portemonnaie konnten nur die Wenigsten aufwarten.

Neubauten, die vor allem auf Profitmaximierung zielten und zielen, fügen sich meist weniger glücklich in die städtebauliche Harmonie Radebeuls ein. Beispiele dafür gibt es leider zu viele. Selbstverständlich sollen Fortschritt und Modernes auch um unsere Stadt keinen Bogen machen und so gibt es auch dafür glücklicherweise etliche gelungene Beispiele.

Wenn jedoch zu Ungunsten denkmalgeschützter Objekte, deren Restauration aufwendig aber nicht hoffnungslos gewesen wäre, flächen- und gewinnoptimierte Neubauten ohne Charakter entstehen, so liegt die Frage nach dem städtebaulichen Geschick oder Wohlwollen gegenüber den Bauherren aller Verantwortlichen nahe. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben die von uns gewählten Vertreter der Stadt die unbedingte Pflicht, Einfluss auf das Geschick der die Stadt prägenden Baudenkmale zu nehmen, und das ganz besonders, wenn diese sogar aus dem Fundus der städtischen Besitzgesellschaft veräußert werden.

Weinbergstraße 48a, Herrenhaus

Weinbergstraße 48a, Herrenhaus

Es ist deshalb nur zu verständlich, wenn sich derzeit die Öffentlichkeit extrem große Sorgen und Gedanken zum Verkauf eines der Filetstücke Radebeuls, der Weinbergstraße 48, macht. Dieses historische Weingut mit Herren- und Winzerhaus ist prägend für den Charakter der „Historischen Weinberglandschaft Radebeuls“ an der sächsischen Weinstraße und gehört mit seinem umgebenden Park und den angrenzenden Weinberghängen unabdingbar zu einem Denkmalschutzobjekt oberster Priorität. Aussagen unserer obersten Stadtvertreter, diesbezügliche Entscheidungen anderen Verwaltungsebenen zu überlassen, können und dürfen von einem Vorstand einer solchen Stadt wie der unseren, nicht wirklich geäußert werden! Es gehört zum Wählerauftrag, das lebenswerte Umfeld von Radebeul, der Weinbaustadt, zu erhalten und damit vor allem eben solche Objekte – wie die Weinbergstraße 48 – mit allen Mitteln und vor allem vor pekuniären Entscheidungsprinzipien zu schützen und dieses Juwel zu erhalten!

Die Anwohner wünschen sich daher Transparenz und ein gewissen Grad an Mitspracherecht, wenn Entscheidungen zu Nutzungskonzepten lt. des Vorsitzenden der Besitzgesellschaft, unseres Oberbürgermeisters Herrn Wendsche, ausschlaggebende Vergabekriterien sind und die rechtliche Bindung an den von einer großen Reihe der anwohnenden Bürger aufwendig mitgestalteten B-Plan, aus welchen unverständlichen Gründen auch immer, nicht abgewartet werden kann. Dass dies nicht nur der Wunsch und die Forderung einer kleinen Gruppe potentieller Wähler ist, zeigt die derartig große Medienpräsenz in vielen Zeitungen, etlichen Leserbriefen und Interviews sowie Vorsprachen während der Stadtratssitzungen etc. Unsere Stadt sollte sich eines solchen positiven Engagements ihrer Bürger bewusst sein und diesem wohlwollend und offen gegenüberstehen, um nicht an der Basis vorbei, soziale und kommunale Alleingänge zu veranstalten. Eine ausgewogene Harmonie von Historie und Modernem ist das wohl stimmigste Konzept für eine gesunde, zukunftsorientierte, städtische Radebeuler Perspektive. Dazu muss historisches Gut aber natürlich unbedingt erhalten bleiben, gerade wenn sich diese Möglichkeit bei der Weinbergstraße 48 derart anbietet, das Gesamtobjekt seiner ursprünglichen Nutzung wieder zuzuführen.

Kein Radebeuler mit Herz und Seele möchte in seiner Stadt in zukünftigen Jahren eine Kopie zahlreicher Orte der Altbundesländer wiedererkennen, in der städtebaulicher Profit und pekuniäre Orientierung jegliche Seele und historische Charakteristik genommen haben.

Die Damen und Herren der Stadt, die unsere Mandate innehaben, haben mit ihren Entscheidungen die Pflicht, „Radebeuler Tafelsilber“ sorgsamst zu erhalten und sind dringend durch die Wählerschaft aufgerufen, davon in deren Namen korrekten Gebrauch zu machen und sich somit für das historische Weingut „Weinbergstraße 48“, für Radebeul als historische Weinberglandschaft und für eine lebenswerte Zukunft der Bürger in unserer Heimatstadt einzusetzen!

Mit dem selben Objekt befasst sich der Artikel von Dietrich Lohse, der ebenfalls im Dezemberheft erschienen ist.

Sollten Sie, liebe Leser, eigene Erfahrungen oder Erinnerungen mit dem Ensemble Weinbergstraße 48 / 48a haben, würden wir uns über eine Zuschrift an post@vorschau-rueckblick.de freuen.

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  1. […] Der Verkauf und das damit einhergehende Sanierungsvorhaben des markanten Gebäudeensembles „Weinbergstraße 48 / 48a sensibilisiert derzeit einige Bürger unserer Stadt. Lesen Sie hierzu zwei Beiträge aus denkmalpfegerischer Sicht, bzw. aus dem Blickwinkel eines Anwohners. […]

  2. […] Vorschau und Rückblick: “Erhalten ist Stillstand” Von H. Knoch | Veröffentlicht am: 01.12.2011 […]

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