Vor zwanzig Jahren wurde die Jugendkunstschule im Landkreis gegründet

Ein Fazit und Ausblick

von Sebastian Hennig

Als in der Umbruchszeit vor zwanzig Jahren auch wertvolle Instrumente der Nachwuchsförderung unwiderbringlich preisgegeben wurden, initiierte die Kulturdezernentin von Meißen Monika Janke 1992 eine Jugendkunstschule auf Schloss Siebeneichen. Die Einrichtung war eine Frucht jener bewegenden Jahre, als für kurze Zeit die Hoffnung bestand, dass nun endlich einmal jene Leute die Verhältnisse gestalten werden, die sachlich gerüstet sind und auch menschlich das Format dafür haben. Wenn dem naturgemäß keine Dauer beschieden sein konnte, so wurde doch der eine oder andere Funken entzündet. Der brennt dann weiter und mit etwas Glück findet sich jemand, der den Ansatz versteht und weiterführt.  Für zahlreiche Schüler ebneten die Kurse in Malerei, Zeichnen, Design, Kostümbild, Keramik, Bildhauerei den Weg in den Beruf. Aber die Einrichtung dient nicht allein zur Anzucht neuer Künstlergenerationen, sondern hier werden allgemeine soziale und geistige Kompetenzen gefördert. Zudem wird jene Urteilsfähigkeit in Kunstdingen herangebildet, die den Genuss vertieft und die Schaffenden zu neuen Leistungen beflügelt.

Die Geschäftsführerin des Dresdner Künstlerbundes Kristine Schmidt-Köpf verweist auf die Bedeutung einer Jugendkunstschule: „In kaum einem anderen Metier wird Kreativität und eigene Ideenfindung so herausgefordert, wie in der bildenden Kunst. Eine gut ausgestattete und geführte Jugendkunstschule erreicht eine breite Masse von jungen Menschen, aus deren Mitte sich nicht nur die zukünftigen Besucher der Museen und Wertschätzer unserer Kunstsammlungen ergeben. Vielmehr wird hier Intelligenz für unsere zukünftige Gesellschaft herangezogen. Wer nicht von Kunst-, Musikschulen und anderen Jugendbildungseinrichtungen geprägt wurde, interessiert sich auch später eher nicht für Kultur. Kaum einer der Personen in unseren Führungsebenen wird in seiner Jugendzeit nicht von einer der genannten Einrichtungen profitiert haben.“

Ganz konkret befinden sich unter den erfolgreichen Hochschulabsolventen nicht nur künstlerische Studiengänge vieler ehemaliger Jugendkunstschüler. Einige von ihnen geben inzwischen selbst ihr Wissen als Kursleiter der Schule an die nächste Generation weiter.

Holzbildhauer

Als die Schule nach gut zehn Jahren erfolgreichen Wirkens finanziell gefährdet war, setzte sich die Landrätin Renate Koch resolut für den Fortbestand ein. Mit der Malerin und Grafikerin Petra Vohland konnte damals eine Geschäftsführerin gewonnen werden, die gleichermaßen als Künstlerin profiliert ist, als integere Persönlichkeit hohes Ansehen genießt und über die nötigen organisatorischen Kenntnisse verfügt. Behutsam konsolidierte sie die Finanzen, bildete Rücklagen, konnte neue Kurse eröffnen. Vor zwei Jahren dann schien es, als sollte die gut geführte Schule endgültig der Kreisreform zum Opfer fallen. Die Jugendkunstschule des Landkreises Meißen wurde zunächst in ihrer seit 1992 bestehenden Form aufgelöst. Diese Auflösung trug das Gewand einer freiwilligen Entscheidung. Das „Meißner Tageblatt“ sprach damals ganz zutreffend von einem Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Im Trägerverein dominierte eine Haltung, der die Jugendkunstschule bestenfalls gleichgültig war, wenn sie nicht gar als ein unangenehmer Mitbewerber um Fördermittel empfunden wurde. Eine Übernahme in die Volkshochschule wurde in Aussicht gestellt, ohne konkretisierende Sicherheiten. Einige der Dozenten der JKS hatten bereits ungute Erfahrungen mit der nie besonders profiliert künstlerischen Fachrichtung der VHS Radebeul gemacht und forderten ein offenes Gespräch mit den Verantwortlichen. Zum Zeitpunkt der Vereinsauflösung jedenfalls hatte keiner ein verbindliches Vertragsangebot der VHS vorliegen. Auf die Anfrage vom 22. Dezember 2011 lässt der Landrat am 13. Januar durch seine Pressestelle mitteilen: „Wie dieses Verfahren abgelaufen ist, kann ich Ihnen nicht mitteilen.“ Jene aktiven Befürworter der Aktion, die seinerzeit mit Gegendarstellungen schnell zur Hand waren, schweigen heute entweder ganz, wie der VHS-Vorsitzende Karsten Strobach oder halten sich, wie Ulrike Tranberg, für nicht auskunftsfähig.

Filzkurs

Die Kursleiter, darunter auch die Radebeuler Fritz Peter Schulze, Gabriele Reinemer, Bärbel Voigt und Rüdiger Perschnik, gründeten in den ersten Januartagen 2010 in Meißen den Verein „Jugendkunstschule e. V.“ neu. Diese Initiative bleibt ein seltenes Beispiel von substantieller Selbsthilfe und generationsübergreifender Berufssolidarität. Die meisten Kurse konnten so unter räumlichen und materiellen Einschränkungen nahtlos fortgeführt werden. Die Volkshochschule baute unterdessen mit der Marke „Jugendkunstschule“, deren Mitteln und den gut ausgestatteten Werkstätten potemkinsche Dörfer auf.  Nach zwei Jahren ist von den kühnen Behauptungen wenig mehr übrig geblieben als eine volkstümliche Kreativ-Bespaßung von höchst fragwürdigem pädagogischen Wert wie „Weihnachtskeramik für die ganze Familie“.

Feldschmiede

Die von den Dozenten geführte Jugendkunstschule mit Sitz in der Meißner Altstadt und vielen Kursen in Radebeul, Coswig und Nossen hat noch immer 120 regelmäßige Teilnehmer, die wöchentlich einen der 22 Kurse besuchen. Der Verein knüpft dort an, wo die offiziellen Verantwortlichen vor zwei Jahren für den künstlerischen Nachwuchs die Flinte ins Korn warfen. Ihm geht es darum, grundsätzlich einen Anlaufpunkt für die Talenteförderung zu erhalten, der deutlich von dem kreativer Dienstleistung und sozio-kultureller Animation abgegrenzt ist. Einmal zerschlagen, lässt sich so etwas nur schwer wieder neu etablieren.

Zum Abschluss noch einmal die Geschäftsführerin des Berufsverbandes: „…Als Interessenvertretung der bildenden Künstlerinnen und Künstler sieht der Künstlerbund Dresden e.V. mit Sorge, dass im Vergleich zu anderen Einrichtungen wie Musikschulen, soziokulturellen und Sporteinrichtungen, es die Jugendkunstschulen als erstes trifft. Die Schließung der Jungendkunstschule in Meißen und die Ansiedlung vergleichbarer Kurse an die Volkshochschule vor zwei Jahren ist ein trauriges Beispiel für solch eine Fehlentwicklung.“ Das sind tempi passati und es wäre unnötig die Querelen von damals aufzurühren, gäbe es da nicht eine lebensfähige Jugendkunstschule im Landkreis, die in diesem Jahr das zweite Dezennium ihres Bestehens feiern kann und jeder Unterstützung wert ist.

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