Das Interesse an der Radebeuler Kunstsammlung wächst

Künstler beschenken ihre Stadt

Fred Walther: "Endspurt" Öl auf Leinwand, 1985

Fred Walther: „Endspurt“ Öl auf Leinwand, 1985

Mit dem zweiteiligen Ausstellungsprojekt „Sammlung statt Sammelsurium“ hatte die Stadtgalerie im vergangenen Jahr erstmals auf die Existenz der Städtischen Kunstsammlung aufmerksam gemacht. Aus dem über 2000 Exponate umfassenden Bestand wurde der erstaunten Öffentlichkeit ein kleiner aber spannender Querschnitt präsentiert. Weitere Ausstellungen mit Werken aus der stadteigenen Sammlung sind in loser Folge geplant.

Einige Vertreter der Radebeuler Künstlerschaft waren sehr daran interessiert zu erfahren, ob bzw. mit welchen Werken sie in der Städtischen Sammlung vertreten sind, denn die Wege, auf denen Exponate in eine Sammlung gelangen, muten mitunter recht verschlungen an.

Wohlwissend, dass das Budget für Kunstankäufe sehr knapp bemessen ist, kam es daraufhin zu einigen spontanen Schenkungen, von denen drei Beispiele nachfolgend besondere Erwähnung finden sollen. So lud der Maler und Grafiker Fred Walther dazu ein, unter mehreren speziell zu diesem Zweck bereitgestellten Gemälden eines für die Sammlung auszuwählen. Die Entscheidung fiel nicht leicht. Schließlich wechselte das Ölbild „Endspurt“, ein Hauptwerk des Künstlers, als Schenkung den Besitzer und zehn kraftvolle Kaltnadelradierungen gab es noch dazu. Zwei weitere Gemälde-Schenkungen erfolgten in Ergänzung des von der Malerin und Grafikerin Ute Wittig angekauften Ölbildes „Warmer Wind“ quasi als Zugabe für die Kunstsammlung ihrer Heimatstadt.
Als Abschiedsgeschenk hinterließ die Bildhauerin Ursula Sax, welche über ein Jahrzehnt in Radebeul-Ost ansässig war, der Lößnitzstadt sechs Plastiken, bevor sie zu Beginn dieses Jahres endgültig nach Berlin übersiedelte. An ihr Wirken in Radebeul erinnert auch eines der fünf großformatigen Kunstobjekte im Bürgerpark neben den Landesbühnen.

Was es für Künstler bedeutet, sich von Schlüsselwerken zu lösen und diese ihrer Stadt zu Sonderkonditionen oder als Geschenk zu übergeben, lässt sich nur erahnen. Den großen Vertrauensvorschuss in die Verantwortlichen der Stadt gilt es nun durch Fachlichkeit, Verlässlichkeit und Kontinuität zu rechtfertigen. Wer meint, eine Kunstsammlung sei ein Friedhof für die Kunst, weil nicht alles ständig ausgestellt wird, der irrt. Denn hinter den Kulissen geht es sehr lebendig zu. Der Bestand unterliegt der permanenten Bearbeitung und stellt für die Fachwelt eine ergiebige Fundgrube dar.

Seit Generationen fühlen sich Künstler von der Lößnitz angezogen, weil sie hier ihre Refugien finden für Muse und Inspiration, für Rückzug und Kommunikation. Damit sich auch in künftigen Zeiten eine vielgestaltige Radebeuler Kunstszene, die zur geistigen, visuellen und emotionalen Bereicherung des Gemeinwesens einen wichtigen Beitrag leistet, etablieren und entfalten kann, bedarf es eines Grundbestandes an Wohn- und Arbeitsräumen, die für Kreative erschwinglich sind. Dass dieser Tatsache die Stadtentwickler verstärkt Rechnung tragen sollten, sieht auch der Sächsische Künstlerbund so.

Als kommunikativer Anlaufpunkt für Künstler und Freunde der Kunst ist die Stadtgalerie seit nunmehr 30 Jahren in Radebeul präsent. Mit der Ausstellungsreihe „Radebeuler Künstler – Heute“ unternimmt sie im Fünf-Jahres-Rhythmus den Versuch, einen aktuellen Einblick in das Gegenwartsschaffen der in Radebeul wirkenden Künstler zu vermitteln. Die nächste Möglichkeit für einen produktiven Gedankenaustausch zu den genannten Themen bietet sich schon ab dem 1. Februar, wenn die neue Überblicksschau, an der sich über 50 Künstler beteiligen, eröffnet wird.

Karin Gerhardt

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