Altenberg – Kobers Weinberg – von Minckwitzscher Weinberg

Drei  Namen für ein und denselben Berg! Begrenzt wird er im Osten und im Norden von der Finsteren Gasse, im Westen vom Kemnitzgäßchen, das die Kötzschenbrodaer den Gemssteig nannten und im Süden von der Hohen Gasse, die heute Obere Bergstraße heißt. Sechshundert Jahre Weinbau wurden hier im Jahre 2007 gefeiert. Und vor Dreihundert Jahren, also 1713  begann der Advokat Dr. Caspar Christian Kober den Berg zu einem herrschaftlichen Weingut auszubauen, ihm ein unverwechselbares Gesicht zu geben. Wer war dieser Advokat Kober, der uns an allen seinen Bauten auf dem Grundstück das Jahr der Entstehung und seine Initialen D C C K  hinterließ? Sicher ein nicht unbemittelter Mann, denn für seine Bauten benötigte er allerhand Geld. Im Jahre 1698 ehelichte er die Tochter Johanna Sophie des damaligen Weinbergsbesitzers Dr. Heinrich Erndel. Vier Jahre später erbte sie das Land von ihrem Vater.

Der  Kobersche Weinberg, Plan von 1714

Der Kobersche Weinberg, Plan von 1714

Doch sie verstarb bereits zwei Jahre darauf und so erbte der Advokat Kober den Weinberg. Er kam also durch Einheiraten recht billig zu dem schönen Stück Land. Aber er hat durch Um- An- und Neubauten dem Grundstück sein barockes Gepräge gegeben. Allein die Umfassungsmauern von gut eintausend Meter Länge und anderthalb bis drei Meter Höhe  erforderten einen enormen Aufwand, selbst wenn wir berücksichtigen, dass Teile der Mauer schon vorher bestanden. Wer selbst schon einmal mit seinen eigenen Händen eine Einbruchstelle in einer Trockenmauer wieder aufgebaut hat, weiß wovon ich rede. Nacheinander entstanden das herrschaftliche Gutshaus in Grundstücksmitte an der Hohen Gasse, der kleine achteckige Pavillon auf halber Höhe, das obere und das untere Winzerhaus und 1729 schließlich als Krönung des ganzen das obere Lusthaus, zu dem vom  Gutshaus eine Treppe mit 230 Sandsteinstufen mitten durch den Weinberg  führte. Mit Fug und Recht sprach man in der Folgezeit vom Koberschen Weinberg, zumal der Berg bis 1810 im Besitz der Nachkommen des 1738 verstorbenen Erbauers blieb.
Dann wechselten mehrmals die Besitzer. Auch wurde der westliche Teil des Weinberges ausgegliedert. Nicht unerwähnt bleiben sollte aber der Oberforstmeister von Bredow, der ab 1825 hier wohnte. Er experimentierte um 1827 mit der Herstellung von Schaumweinen. Sicher gab er mit seinen erfolgreichen Versuchen den Herren Pilgrim, Schwarz und Sickmann die Anregung zum Aufbau der ersten sächsischen ( und zweiten Deutschen ) Champagner-fabrik im Jahre 1836 am Nierenberg,  der nachmaligen Bussard – Sektkellerei. Somit stand die Wiege der Sächsischen Sektherstellung in unserem Weingut an der Hohen Gasse.
Im Jahre 1853 erwarb die Familie von Minckwitz das Weingut. Zugleich mit dem 300 jährigen Jubiläum zur Entstehung des barocken Weingutes kann die Familie von Minckwitz heute auf 160 Jahre  Hege und Pflege ihres Eigentums zurückblicken. Allerdings mussten die Besitzer  seither manchen Schicksalsschlag erdulden. Besonders einschneidend war die Reblauskatastrophe gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Auch die Rebstöcke des Minckwitzschen Weinberges wurden gerodet und fortan die Steillage mit Subkulturen bepflanzt. Während andere Rebflächen in der Lößnitz mit Hilfe reblausresistenter  Unterlagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder aufgerebt wurden, verwilderte hier die ehemalige Rebfläche immer  mehr. Die heutigen Besitzer Ingrid Wagner geb. von Minckwitz und Wolfram von Minckwitz hatten neben ihrer Berufstätigkeit einfach nicht die Kraft, die Zeit und das Geld zur Neuaufrebung. Eine von beiden angestrebte Teilung des Besitzes  in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts führte aber dazu, dass nach einer staatlichen Auflage die Rebfläche gegen ein geringes Entgelt verkauft werden musste. So blieben nur noch die Waldflächen an der Nordseite, das Gutshaus und die beiden Lusthäuser mit geringen angrenzenden Rebflächen im Besitz der Familie von Minckwitz.
Doch nun kommt die Kehrseite der Medaille: Die zwangsweise verkaufte Rebfläche ging in das Eigentum der Winzergenossenschaft Meißen über. Die Winzergenossenschaft verpachtete ihre Rebflächen an Kleinwinzer. Neuwinzer, die Rebflächen pachten wollten, gab es zu DDR-Zeiten immer. Öffnete doch eine Flasche Meißner Wein manche Tür oder zauberte als dritte Währung  diverse Bückware unterm Ladentisch hervor.  So kamen auch für den Minckwitzschen Weinberg schnell ein knappes Dutzend Hobbywinzer zusammen, die sich in dieses Stück Erde verliebten. Doch vorerst hieß es für sie, den Wildwuchs beseitigen, die Wurzelstöcke roden, die Fläche rigolen und eingestürzte Hangmauern wieder aufsetzen. Eine Knochenarbeit, an die die „Jungwinzer“ mit Enthusiasmus herangingen! Manch einer zog sich, der schweren körperlichen Arbeit ungewohnt, bleibende gesundheitliche Schäden zu. Für die Winzergenossenschaft als neuer Eigentümerin war das aber ein Schnäppchen, denn die Wiederurbarmachung  durch die Pächter erfolgte zum Nulltarif. Schließlich konnten unter der fachlichen Anleitung des Weinbauexperten Oswald Häntzsch die ersten Reben gesetzt werden.
Seither ist ein Viertel Jahrhundert vergangen. Der Minckwitzsche Weinberg entwickelte sich zu einem Musterweinberg der Winzergenossenschaft. Die Tage des offenen Weinberges am zweiten Juniwochenende jedes Jahres sind inzwischen mit Weinbergsführungen, Weinbergsgottesdiensten, und Ausschank zu einer guten Tradition geworden. Die Qualität der Trauben ist kontinuierlich gestiegen. Jedes Jahr wird in Meißen von einer der hier angebauten Rebsorten eine Sonderedition gekeltert. Diese Weine sind Spitzenweine, weil das Lesegut ausschließlich  aus der Lage dieses Weinberges mit seiner Südausrichtung und dem Terroir von verwittertem Syenitgestein stammt und der Lesetermin optimal auf die jeweilige Wetterlage abgestimmt ist.
Die Berggemeinschaft vom Minckwitzschen Weinberg veränderte sich freilich im Laufe der Jahre. Einige Winzer der ersten Stunde waren irgendwann körperlich nicht mehr in der Lage, ihre Fläche zu bearbeiten und gaben sie an Jüngere ab. So bewirtschaftet eine der beiden amtierenden Weinprinzessinnen jetzt auch eine Parzelle im Berg. Und nun entdeckten sogar die Kinder der Familie Wagner  ihre Liebe zum Wein und rebten die ihnen am kleinen Pavillon, dem unteren Lusthaus verbliebene Fläche wieder auf. Auch Wolfram von Minckwitz setzte im Halbrund um das obere Lusthaus an die zweihundert Rieslingreben. So wird heute das Areal des Altenberges in seiner ursprünglichen Ausdehnung von insgesamt anderthalb Dutzend Hobbywinzern bearbeitet. Mindestens ebensoviele Helfer werden wohl seinerzeit auch beim Advokaten Kober gearbeitet haben.

Jochen Zschaler

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2 Kommentare

  1. Erndl
    Veröffentlicht am Mi, 20. Aug. 2014 um 16:30 | Permanenter Link

    In welchem Archiv ist der Plan von 1714 zu finden? Freundliche Grüße RJE

    An Sascha Graedtke weitergeleitet.

  2. Andreas Großmann
    Veröffentlicht am Mo, 7. Dez. 2015 um 19:55 | Permanenter Link

    Als in Radebeul gebürtiger und öfterer Gast besuche ich sehr gern meine Heimat 1951 – 1973, hatte erstmalig in diesem Jahr den Weinberg und das Bergschlößchen zu gesichtigen. Fantastisch noch besser, wenn das Wetter mitspielt!

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