Joachim Richter ist tot!

Nachruf auf einen sehr vielseitigen Radebeuler

Er war eigentlich ein sehr zurückhaltender Mensch. Ein unbedingtes Vordrängeln und sich auf Teufel komm heraus in eine Diskussion mischen, das lag Joachim Richter fern. Dabei hatte er eigentlich immer was zu sagen; Fröhliches, Tragisches, Humorvolles und auch Trauriges.
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Joachim Richter gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Radebeuler Gruppe der „Schreibenden Senioren“ und war dort einer der produktivsten Schreiber. Seine poetische Stärke waren jene Vierzeiler, die oft mit wenigen Worten über ein ganzes Leben erzählten. Und dabei ließ er auch keinen Zweifel an seinen Vorbildern, wozu u.a. Erich Kästner und/oder Joachim Ringelnatz gehörten. In Anlehnung an den Letztgenannten dichtete er einmal folgenden Vers, den er „Der Reim“ nannte.

„Ich lese meinen Ringelnatz
ans Fenster klopft ein kleiner Spatz
Am nächsten Tag studier ich Brecht.
Wer klopft ans Fenster? Na?
Ein Specht!“

Joachim Richter hatte einst den Beruf eines Druckers gelernt und nahezu sein halbes Leben in und mit dieser Arbeit verbracht. Seine Freizeit aber war von vielen Interessen geprägt. So war er ein beispiellos eifriger Filmfan. Er gründete in Radebeul am damaligen kleinen Kino von Radebeul-Ost (der „Flohkiste“) einen Filmklub und leitet ihn über viele Jahre hinweg. Dass das Kino nach 1989/90 ganz aus Radebeul verschwand konnte er nie begreifen.

1993 entstand die Gruppe der „Schreibenden Senioren“Radebeuls und mitten unter ihnen saß auch Joachim Richter. Bis zu jenem Tag, als seine Frau starb. Sie war immer so etwas wie sein Anker gewesen. Alleinsein aber passte gar nicht zu ihm. Er brauchte Menschen um sich herum.

Am 2. November 2015 verstarb Joachim Richter in seinem 89. Lebensjahr.

Wolfgang Zimmermann

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