„Wer guckt so, als hätte er keine Freude am Hoffest?“

Eine neue Ausstellung im Coswiger Museum Karrasburg entführt in die filigrane Welt der Zinnfiguren

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„Die Geburt Jesu“                        Foto: W. Zimmermann

Der gesamte sächsische barocke Hofstaat gibt sich derzeit in Coswig die Ehre. Natürlich nicht leibhaftig, denn zwischen der Ära des Barock und der Gegenwart liegen bekanntlich einige Jahrhunderte. Doch es gab immer schon künstlerisch ambitionierte Menschen, die bestimmte Epochen der Menschheit künstlerisch nachbildeten. In Holz, Glas, Ton und auch in Zinn. Aus dem letztgenannten Material entstanden einst Zinnfiguren, die unserer Gegenwart ein umfassendes detailliertes Bild der verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte hinterließen. Im aktuellen Fall ist es eine Fülle von Zinnfiguren, die in einer Ausstellung seit dem 22. Januar 2016 im Coswiger Museum Karrasburg gezeigt wird. Zinnfiguren gehörten einstmals zu besonders begehrten Sammelobjekten. Doch der in Zwickau gebürtige Helmut Peipp – der Schöpfer der derzeit im Museum Karrasburg ausgestellten zahllosen Zinnfiguren – siedelte seine filigranen Kunstwerke in verschiedenen Kunstepochen an. In der konkreten Ausstellung aber überwiegt die Ära des Barock. Und den Besucher erwartet eine Fülle von wunderbaren Arbeiten aus dem Werkstoff Zinn. So wie z.B. in der Miniatur „Nymphenbad“, in der sich nackte Badenixen präsentieren. Oder wie in der Darstellung der „Weihnachtsgeschichte“, die eine Vielzahl der in das Geschehen verquickten Figuren zeigt. Von Eseln, Schafen und Kamelen bis hin zu den Hirten, den Mägden und den Bauern, die das Wunder der Geburt Jesu erleben durften.

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„Nymphenbad“                                              Foto: W. Zimmermann

Auch von anderen historisch wahrhaftigen oder auch erfundenen Ereignissen erzählen die Zinnfiguren von Helmut Peipp. Von zahllosen Kriegen, von Dämonen und Gespenstern aber auch von der Jagd auf wilde Tiere berichten die einzelnen Figurengruppen sehr detailliert. Und dazu gehört nicht zuletzt auch die Darstellung eines rauschenden Fest am Hof des sächsischen Königs. Dort feiert man ein Hoffest, bei dem von den geladenen Gästen die gute Laune geradezu eingefordert wird. Die Frage „Wer guckt so, als hätte er keine Freude am Hoffest?“ ist in dem Zusammenhang durchaus ernst gemeint.
Die Ausstellung zu besuchen lohnt auf jeden Fall. Man taucht unwillkürlich ein in eine Epoche, die längst schon Geschichte ist. Die uns aber auch heute noch berührt.

Wolfgang Zimmermann

Noch bis Mitte April 2016 ist die Ausstellung zu besichtigen.

 

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