Es tat sich was in der Finsteren Gasse

Sensible Gemüter unter den Lesern möchten vielleicht weiterblättern, denn sie könnten vermuten, in den folgenden Zeilen wird „Schröckliches im Sinne einer Moritat“ ausgebreitet, etwa der Überfall einer Postkutsche, ein Diamantenraub oder gar Mord! Aber nein, ich kann Sie versichern, es wird eher harmlos, es geht um Straßenbau, genauer gesagt, um die Reparatur eines Radebeuler Weges namens Finstere Gasse. Die meisten Radebeuler werden diesen Wander- und Verbindungsweg (er ist Teil des Radebeuler Weinwanderweges) in Niederlößnitz sicherlich kennen, u.a. auch deshalb, weil im August 2014 hier die pressewirksame Elch-Geschichte ihren Anfang nahm. Interessant ist der Weg sicher zu jeder Jahreszeit, am angenehmsten aber im Sommer, wenn man beim Aufstieg den Schatten der Bäume und die Feuchte der alten Mauern wie eine Erfrischung spürt.

»Finstere Gasse im Winter 2010«, Thilo Hänsel

»Finstere Gasse im Winter 2010«, Thilo Hänsel


Der Weg Finstere Gasse ist im steilsten, mittleren Abschnitt sehr alt, mindestens so alt wie das Minckwitz’sche Grundstück, dessen östliche Flanke der Weg bildet, also etwa 300 Jahre, wahrscheinlich aber noch älter. Ein unterer und ein oberer Abschnitt haben straßenähnlichen Charakter, doch in der Mitte der Finsteren Gasse war immer nur ein Weg. Ältere Radebeuler erinnern sich vielleicht, dass vor etlichen Jahren ein Trabbifahrer die Durchfahrt mal geschafft haben soll. Sicher mit Kratzern, denn der Weg ist eng und das Befahren nicht im Sinne des Erfinders. Über die Jahrzehnte und Jahrhunderte muss der Weg verschiedene Arten von Befestigungen gehabt haben: vielleicht eine leichte Wegedecke (ähnlich der sandgeschlämmten Schotterdecke), da war die Gefahr des Abspülens bei Starkregen natürlich groß, eine Pflasterung, die aber auch durch Ausspülung lückenhaft wurde und in jüngerer Zeit sogar mal eine Schwarzdecke, die auch nicht lange hielt. Bis zum Jahr 2015 waren von all dem nur noch Reste zu erkennen und es bestand eine erhebliche Unfallgefahr für Benutzer des Weges. In der Situation plante die Stadtverwaltung 2015 dann eine grundhafte Erneuerung – längere Haltbarkeit, eine gute Begehbarkeit (für einen Wanderweg konnte man die Begehung mit hochhackigen Schuhen ausschließen) und relativ kurze Bau- und Sperrzeiten waren unter einen Hut zu bringen.
Entfernung der Schwarzdecke Foto: D. Lohse

Entfernung der Schwarzdecke
Foto: D. Lohse


Das scheint der Stadt mit Wildpflaster, das aus einem ehemaligen Dresdner Kasernengelände stammte (Sekundärverwendung) und auch mit der Wahl der Baufirma Hausdorf aus Tauscha gut gelungen zu sein. Auch die Wahl der eingesetzten Technik, ich sah u.a. einen kleinen, schmalen Bagger, war optimal auf die Enge des Weges ausgerichtet. In der Wegmitte ist das Wilpflaster (wohl eine Syenit- oder Granitart) zu einer flachen Mulde ausgebildet. Ob das Oberflächenwasser darin seinen Weg findet, muss sich noch zeigen.
Wildpflaster, nach der Sanierung Foto: D. Lohse

Wildpflaster, nach der Sanierung
Foto: D. Lohse


Laut Radebeuler Amtsblatt vom April d.J. betrugen die Baukosten 30.000€.

Bisher konnte man, wenn man genau hinschaute, noch ein älteres Recht, das sogenannte alte sächsische Wegerecht, erkennen. Das beruhte darauf, dass Wege und kleinere Straßen in der Mitte flach eingesetzte Grenzsteine, hier Sandstein ursprünglich mit eingemeißeltem Kreuz, hatten und die Anlieger sich jeweils in der Länge ihres Grundstücks und bis zur Mitte des Weges um Bau, Erhalt und Reinigung des Weges kümmern mussten. Die Kommunen hatten also früher mit dieser Art Weg nichts zu tun. Die alten, z.T. noch vorhandenen Grenzsteine der Finsteren Gasse wurden stehen gelassen und so sollte eine Erinnerung an das historische sächsische Wegerecht gezeigt werden. Bei einer Begehung sah ich nur noch wenige davon, was vielleicht auch daran gelegen haben könnte, dass der neue Weg mit Material (Sand, bzw. Feinsplitt) bestreut war, was durch Regen noch eingeschwämmt werden sollte. An anderen Stellen in Radebeul, so z.B. am Strakenweg, konnte man bislang auch noch den Grenzverlauf in der Wegmitte erkennen, doch eine Rechtswirkung geht davon nicht mehr aus, da inzwischen die meisten Rechte abgelöst und die Wege in das städtische System übernommen wurden. Auch hier hatte die Stadt die geschilderte Maßnahme zur Verbesserung der Begehbarkeit eines Weges selbst beauftragt und auch finanziell beglichen.

Unser Dank gilt Frau Heike Funke von der Abteilung Stadtgrün der Stadtverwaltung, die die Koordinierung der Aufgabe übernommen hatte, und auch der o.g. Baufirma. Die Ausführung erfolgte fachgerecht und fügt sich gut in das Landschaftsschutzgebiet der Lößnitz ein – hoffen wir für uns und unsere Gäste auf eine lange Haltbarkeit.

Dietrich Lohse

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