Mit Tom Tagtraum durch das Jahr 2016 – Teil 6

Du musst Träumen ihre Entstehung zulassen, denn nur so kann irgendwann ein Teil davon auch Wirklichkeit werden.

Bei den strahlenden Steinen

„Ja, vielleicht später…“, so verabschiedet sich Tom schnell von Tilla, Tim, Tina und Johanna, „vielleicht ganz zum Schluss“. Jetzt, am frühen Schneewintermorgen im Gebirge bei den strahlenden Steinen, ist Tom Tagtraum nicht zu allererst nach Erdbeersahnetorte vom Bäcker Rehenbusch zumute. Schließlich hat Tom eben den unsichtbaren Schlittenlift erfunden und es gilt, ihn auszuprobieren. Toms holz-beiger Hörnerschlitten wird also den Geisberg hinauf gezogen, damit er den Tellkoppberg hinab rodeln kann. Huiiii geht das flott durch den frischen Pulverschnee! Und schon wartet der unsichtbare Schlittenlift – dessen Vorteil sich jetzt auch darin erweist, dass er nicht so starr befestigt ist wie die Skilifte sonst überall – unten am Tellkoppberg. Auf einen Blick und einen Wink von Tom Tagtraum ist der unsichtbare Schlittenlift mal hier und mal da installiert und Tom kann nach Herzenslust rodeln in einer Gegend, die hier sogar sieben Rodelberge hat.
„He, unsichtbarer Schlittenlift hierher, unsichtbarer Schlittenlift nach da.“ Siebenundsiebzig Mal saust Tom mit seinem holz-beigen Hörnerschlitten die sieben Berge hinab, erst danach bekommt er mächtigen Hunger und kauft sich an einer Imbissbude ein Stück Tomatenmohnmozarellaeierkuchen mit Schokoerdbeersirup, ja das Geld reicht sogar noch für eine süße Heringswaffel in Form eines Dinosauriers, die mit ganz frischen Kichererbsen gefüllt ist. Tom beginnt laut vor sich her zu lachen. Ist das nun aus einer Art beigefarbener Hörnerschlittenlaunigkeit heraus oder gar die Erkenntnis, hier auf dem Bienenhummelberg der Lösung aller nie gelösten Matheaufgaben näher gekommen zu sein, weil die Schule da ganz unten im Tal zurück bleibt? Und um wie viel näher scheint jetzt die Lösung aller Chemiearbeiten, hat Tom doch in der Nähe des alten Bergstollens einen jener strahlenden Steine gefunden, von dem das Gebirge hier seinen Namen hat. Die silbrigen Erze blinkern Tom an. Der Stein trägt weder Armbanduhr, Handy noch E-Mail-Adresse, und hätte er einen Reisepass, welches Geburtsdatum stünde da wohl drin? Und haben nicht erst die Menschen den Steinen Namen gegeben? Noch eine Weile bestaunt Tom den Stein und fühlt dabei, dass der seine Hände recht angenehm wärmt. Aber da wird es längst Zeit für den Nachhauseweg und als Tom jetzt, es mag das neunundneunzigste Mal gewesen sein, etwas langsamer ins Tal hinab rodelt, verschwindet der unsichtbare Schlittenlift. Vielleicht für immer, vielleicht nur bis zum nächsten Mal…

„Beeil dich, Tom“, rufen Tilla, Tim, Tina und Johanna wie aus einem Mund, denn die Scheinwerfer des dunkelroten Zuges, mit dem alle heute früh gemeinsam aufgebrochen waren, sind vom Tunnel aus schon zu sehen. Am Bahnhof Geisberg steigen alle zu, und von der Müdigkeit nach dem Rodeltag in frischer Gebirgsluft und der wohligen Wärme im Zug schlafen unsere Freunde bald ein wenig. Tilla träumt von sauren Gurken, Tim von einem Computerspiel, Tina von der Ballettschule und Johanna von Bildern, die sie bald malen will. Tom fühlt im Schlummer noch die Wärme des strahlenden Gebirgsglitzersteines in seinen Händen und sieht, wie der sich in einen Spickzettel mit allen Mathe- und Chemielösungen verwandelt. Nicht nur der Globus, auch der ganze Sternenatlas beginnt sich in ihm zu drehen und außerdem…. Pst! Der Zug mit unseren Freunden kommt erst in 41 Minuten zu Hause an. Für heute ist das genau die richtige Zeit zum Träumen.

Tobias Märksch

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