Die Krapenburg

verein für denkmalpflege und neues bauen

„ ein außerordentlich malerisch bewegter Bau mit einer langen Geschichte“

So beschreibt Volker Helas das Eckgrundstück zwischen Krapenberg- und Kynastweg auf der Mittleren Bergstraße 44 in seiner Radebeuler Denkmaltopographie.

Außerordentlich ist neben der langen Baugeschichte auch die Größe und die Formung des Grundstückes. Es gibt ein großes Wohngebäude, ein altes Press- bzw. Winzerhaus, ein Backhaus, Stallungen und einen Wirtschaftshof. Umschlossen wird alles von einer alten Mauer und überschattet von einem Park mit seltenen Bäumen und Büschen.
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Zum Grundstück gehört aber auch ein fast 4 ha großer Weinberg mit einem denkmalgeschützten Talutmauernsystem von 1862. Nach Aussage von Experten soll diese Anlage jetzt europa- bzw. weltweit einmalig sein. Sie diente, wie einst frühere Anlagen auch, zur Frühaufzucht von Tafeltrauben und Edelobstsorten.
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Mit malerisch bewegt hat Helas bei seiner Beschreibung sicher nur das Hauptgebäude gemeint, das sich zur Mittleren Bergstraße zu mit seinen Türmen, Fenstern, Giebeln, Hauben, Ornamentfeldern, Putzstrukturen und dem Zierfachwerk deutlich von den Häusern der Umgebung abhebt und sich in seiner Bauform wirklich um einige Ecken bewegt. Vieles an diesem besonderen Haus wäre darstellens- oder malenswert. Auf alle Fälle sollte man bei der Betrachtung stehenbleiben, um alle Details auch gut erfassen zu können und um die schöne Inschrift „Krapenburg“ am Eckerker zu entdecken.
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Interessanter wird es aber, wenn man durch das große schmiedeeiserne Tor gehen und das Grundstück betreten darf. Wir durften das als Mitglieder des Vereins für Denkmalpflege und das an einem der schönsten Abende im Monat Juni. Der Besitzer, Herr Peter Ackermann, hatte seine Zustimmung zu unserer Veranstaltung „Häuser und ihre Besitzer“ gegeben und die Bewohner Frau Wollrad, Herr Häntsch und die Familie Bennewitz sagten uns ihre Unterstützung zu.
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Alle Sitzmöglichkeiten des Grundstückes waren durch Frau Wollrad am ehemaligen Teepavillon zusammengetragen worden und der große Tisch bot Platz für alle und für alles: für Bücher, Bilder, alte Fotos und verschiedene Dokumente, die Herr Schröder, Herr Ackermann und Frau Wollrad zur Erklärung der Familien- und Hausgeschichte gefunden hatten. Ein paar Flaschen Wein gab es im ehemaligen Weingut natürlich auch auf diesem Tisch.

Wir hätten sitzenbleiben können, aber uns lockte der Teil des Hauses, der von der Straße nicht einsehbar ist und der den Namen Burg rechtfertigte. Hier gab es:

einen achteckigen Turm mit einer steinernen Wendeltreppe, gebogte Eingänge und verzierte Türen, dunkle Wandtäfelungen und schöne Holzfußböden, dekorative Öfen und interessante Lampen und als Höhepunkt ein gestuftes farbiges Kunstglasfenster, das das gesamte Treppenhaus einnimmt und in ein wunderbares warmes Licht tauchte.

Es ist erstaunlich, dass der Kernbau dieses Hausteiles bis auf ein paar Kleinigkeiten noch so erhalten ist, wie er 1899 durch den damaligen Besitzer, dem Handelsgärtner Reinhold Ackermann, im Stil der Neorenaissance erbaut wurde. Seine Initialen RA sahen wir im oberen Teil des Kunstglasfensters. Sie waren eingebettet in ein figurativ – ornamentales System, das auf Leben und Vergänglichkeit, aber auch auf Fruchtbarkeit und Schönheit hinweist. Eine junge Frau mit einem Kind symbolisierten diese Idee ebenfalls. Ganz besonders auffällig waren als Motiv die große Anzahl von rosa und roten Rosen, die als Symbol auf eine Freimaurerzugehörigkeit hinweisen könnten und die Akanthusblätter, ein vor allem in der Renaissance vielfach verwendetes Ornament.

Der burgähnliche Charakter der Renaissancezeit setzte sich auch in den Wohnräumen mit den massiven und bemalten Holzdecken und den dekorativen Kachelöfen fort. Die Familie Bennewitz öffnete uns freundlicherweise alle ihre Türen zu den Haupträumen. Man spürte beim Betrachten noch immer den Hauch einer anderen Zeit und bewunderte den Einfallsreichtum und die ordnende Hand des Dresdner Architekten Oscar Wend, der mit seinem Partner Paul Eger das Haus entworfen hatte. Beide entsprachen mit ihrer Bauweise genau den Vorstellungen ihres Auftraggebers, seinem Bedürfnis nach Romantik und Geborgenheit, aber auch nach Originalität und Repräsentation.

Und repräsentieren wollte und musste Reinhold Ackermann. Er war wahrscheinlich durch den Weinhandel in Leipzig und Dresden reich geworden. Sein großes, auch im Adressbuch ausgewiesenes Weinlager im Dresdner Schloss, könnte diese Vermutung bestätigen.
Die „hohen Berge“ der Zitzschewiger Flur brachten schon lange gute Erträge. Sie waren bereits über 400 Jahre im Besitz von wohlhabenden Dresdner und Leipziger Bürgern, aber auch von Sächsischen Adligen, wie z.B. der Familie Christoph Vitzthum v. Eckstädt (1633-1711).

Noch heute weisen die Initialen CWE am Preß- und Winzerhaus, dessen große Gewölbekeller uns an diesem Abend auch durch den Verwalter, Herrn Häntsch, gezeigt wurden, auf diese Besitzer hin.

Nach dem Sohn, Friedrich Vitzthum v. Eckstädt (1675-1726), einem Kammerherrn von August dem Starken, wechseln die Besitzer vielfach. 1830 kaufte Georg Christian Fischer, der schon eine Reben-, Forst-und Obstbaumschule betrieb, das Grundstück.

1857 erstand Karl Albert Herrmann und wenige Jahre nach ihm,1865, der Leipziger Apotheker Ludwig August Neubert das Anwesen. Dieser Besitzer errichtete auch die Talutanlage zum Anbau von Tafeltrauben. Zur gleichen Zeit betrieb Reinhold Ackermann auf diesem Grundstück eine Gärtnerei. 1899 erwarb Reinhold das gesamte Anwesen und baute auf dem Fundament des um 1710 gebauten Wohnhauses die neue Krapenburg.

Über sein Leben ist wenig bekannt. Seine Tochter Frida Ackermann erbte das Grundstück. Sie erlebte hier auf der Krapenburg gute und schlechte Zeiten: Krieg und die Vernichtung der Weinberge durch die Reblaus, aber auch die Umstellung auf die Züchtung von seltenen Obst- und Beerensorten. Da Frida kinderlos blieb, übereignete sie nach ihrem Tod im Jahre 1956 einem Verwandten aus der Ackermannschen Linie das Grundstück.

1957 richtete das Sortenamt beim Landwirtschaftsrat der DDR die Rebenversuchsstation Radebeul auf diesem Grundstück ein, die nach der Wende vom Bundessortenamt und später von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft übernommen wurde. Heute wird der Weinberg vom Sächsischen Staatsweingut bewirtschaftet.

Der schon 1590 bei dem Besitzer Asmus Müller erwähnte „Krap“ hat also eine lange Geschichte. Vieles ist nachvollziehbar, einiges bleibt im Dunklen. So ist auch der Name „Krap“ nicht ganz geklärt. Zwei Vorschläge gibt es: „Hainbuche“ oder „Weinbeere“. Vielleicht kennen Sie, verehrte Leser, noch eine andere Möglichkeit.

Gudrun Täubert

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