Wer erinnert sich noch?

Wie sich das Radebeuler Stadtbild verändert

Es ging recht schnell mit dem Abriss des imposanten Bürogebäudes des ehemaligen Glasinvest in Radebeul-Ost, Meißner Straße Ecke Hauptstraße. Zum Jahresende 2016 war es geschehen. Zügig sollte 2017 die Neubebauung des Geländes beginnen. Projekte dazu wurden in den zurückliegenden Jahren in regelmäßigen Abständen veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Ein prägender Abschluss des oberen Teils der Hauptstraße sollte und soll es werden mit Wohn- und Geschäftshäusern, zentralem Platz und Tiefgarage. Doch von all dem ist bisher nichts zu bemerken. Im Gegenteil, zunächst wird die Baufläche als Zwischenlager für den Erdaushub eines anderen Bauvorhabens genutzt. Eher oder später wird sicher ein neues Projekt seine allseitige Vollendung finden. Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch die Frage: Wie sah es wohl früher, vor dem Neubau von Glasinvest an dieser Stelle aus?

Blick vom Biergarten »Vier Jahreszeiten« auf das Hauptgebäude
Foto: R. Ziel

Sehen wir zunächst etwa 45 Jahre Jahre zurück. Damals befand sich auf einem Großteil dieser Fläche eine Bauernwirtschaft, älteren Radebeulern noch als Bauer Haase bekannt. Dieses Anwesen musste Mitte der 70iger Jahre dem Bauvorhaben des VEB Glasinvest Radebeul weichen, einem Betrieb, der seit etwa 1954 seinen Stammsitz in Radebeul-Mitte auf der Schuchstraße Nr. 4 hatte. Glasinvest war das zentrale Projektierungsbüro für die gesamte Glasindustrie der DDR. In dieser exponierten Stellung wuchsen schnell die Aufgaben und die Belegschaft, so dass schon bald Pläne für eine bauliche Erweiterung reiften. 1974 nahmen sie konkrete Gestalt an, in deren Folge auch bald der Abriss des Bauerngehöfts begann. 1978 war offizieller Baubeginn, und bereits 1980 konnte die Belegschaft in ein imposantes Bürogebäude einziehen. Nach 1989 und der folgenden Betriebsauflösung fand das Objekt das zeitweilige Interesse anderer Mieter, erlitt aber mit zunehmendem Leerstand seinen baulichen Verfall, und das Gelände verwahrloste. Daher begrüßten nicht wenige den Rückbau des Gebäudes, zumal dieses 7-stöckige Hochhaus schon von Anbeginn nicht so recht in das Radebeuler Stadtbild passen wollte.

Grundstücksansicht in Fahrtrichtung Radebeul-West
Foto: R. Ziel

Doch zurück in die Jahre vor 1974. Geschichtlich gesehen war das Gehöft Haase ein Rudiment aus der Zeit, wo die Oberlößnitz noch einen ländlichen Charakter hatte. Und in dieser Art betrieben die Eigentümer ihre Bauernwirtschaft bis zuletzt. Als Eckgrundstück zwischen der damaligen Ernst-Thälmann-Straße (jetzt Hauptstr.) und der Wilhelm-Pieck-Straße (jetzt Meißner Str.) lag dieses Objekt jedoch an einer exponierten Stelle. Eine bildliche Vorstellung zu der damaligen Situation und dem Standort geben die Fotoaufnahmen. Die große Torausfahrt aus dem Grundstück führte direkt auf die Meißner Straße und damit Hauptverkehrsstraße! Der vorbeiführende Fußweg hatte bis zur Wand des Hauptgebäudes eine Breite von 30 cm. Weitere ca. 80 cm von der Fußwegkante lagen bereits die Schienen der Straßenbahn. Diese Grenzlage war verkehrstechnisch gesehen ein nicht haltbarer Zustand. So gestaltete sich schon damals dieser Straßenabschnitt zu einem Nadelöhr für den Auto- und Straßenbahnverkehr. Und erst recht für die Fußgänger, sofern sie überhaupt die Passage an dieser Stelle wagten. Mit dem Baugeschehen der damaligen Zeit ergab sich nun die Möglichkeit, die Straße so zu begradigen und zu erweitern, wie sie heute vorhanden ist.

Das Hauptgebäude Haase aus Blickrichtung E.-Thälmann-Str.
Foto: R. Ziel

Jetzt liegt es in den Händen aller Verantwortlichen und Investoren, für diesen zentralen Punkt im Osten Radebeuls ein städtebauliches Projekt zu realisieren, das in der Zukunft sowohl in Funktion als auch im Bild bestmöglich dem Flair unserer Stadt entspricht. Diese Aufgabe ist eine Herausforderung, aber auch eine einmalige Chance!

Richard Ziel

Bilder: Richard Ziel

Bildbeschreibung: Bild 1: Benannte Straßenecke in Fahrtrichtung Dresden
Bild 2: Blick vom Biergarten „Vier Jahreszeiten“ auf das Hauptgebäude
Bild 3: Das Hauptgebäude Haase aus Blickrichtung E.-Thälmann-Str.
Bild 4: Grundstücksansicht in Fahrtrichtung Radebeul-West

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