Werke von Detlef und Gabriele Reinemer in der Hoflößnitz

Noch bis zum 27. Oktober sind in der aktuellen Sonderausstellung des Sächsischen Weinbaumuseums Hoflößnitz (Knohllweg 37 in Radebeul, geöffnet Di-So 10-18 Uhr) Arbeiten der Radebeuler Künstler Gabriele und Detlef Reinemer zu sehen. Im Folgenden einige kurze Auszüge aus der Laudatio von Dr. Ingrid Koch zur Vernissage am 8. September:

»Detlef Reinemer hat seine Ausstellung ganz lapidar ›Keramische Objekte‹ genannt, Gabriele Reinemer holt poetisch-universell ›Sonne, Mond, Sterne‹ vom Himmel. Wir begegnen wieder einmal diesen zwei ganz unterschiedlichen Handschriften in unmittelbarer Nähe, sich gegenüber. Und schnell wird anhand verschiedener Akzentsetzungen klar, dass sie in der Weltsicht verbunden sind. Vielleicht mehr als in anderen Präsentationen scheint mir diesmal bei beiden das ›Grundrauschen‹ unserer Zeit hörbar. Gleichwohl sind die einzelnen Arbeiten beider Künstler zeitlos, nicht an konkrete Ereignisse gebunden. […]

»Jo-Hannes«, Detlef Reinemer
Bild: Stiftung Hoflößnitz, M. Schroeder


Schaue ich in Detlef Reinemers Raum, auf seine ›Keramischen Objekte‹, so scheint mir von ihnen in dieser Zusammenstellung eine Botschaft – nicht zufällig sind wie auf einem Altar ›Geheime Botschaften‹ ausgelegt – auszugehen, die ich als eine Art Fazit deuten würde, das eher zweifelnd und pessimistisch ausfällt. Da ist der aus weiß glasiertem Porzellan geschaffene, auf Eisen gebettete ›Januskopf‹, dem Fisch aus dem Mund quillt und auf dem Kopf hängt – ein wenig glitschig vielleicht, wie die ständig wechselnden Standpunkte. Diese doppelgesichtige Gestalt ist einer der uralten Mythen, die Reinemer in seinen Arbeiten in die Gegenwart holt, zieht sich doch das Janusköpfige seit ewigen Zeiten durch das Handeln der Menschheit bis in die Gegenwart. […] ›Einer trage des anderen…‹ heißt die große Arbeit, in der zwei männliche Halbfiguren – eine weiß, eine schwarz – sich den Rücken zuwendend, eine Last geschultert haben. Allerdings werden sie auf diese Weise wohl nicht vorankommen, wenn die Verständigung fehlt. […] Die in Detlef Reinemers Plastiken verkörperten personellen Archetypen basieren auf den antiken und christlichen Überlieferungen, in denen im Grunde alles vereint ist, was die Existenz des Menschen immer noch prägt: Liebe und Freundschaft ebenso wie Verrat, Lüge, Hass und Gewalt.

In Gabriele Reinemers Raum scheinen wir eine andere Welt zu betreten. […] Zuvorderst fallen zeichenhafte, in die Höhe ragende, turmartige Objekte ins Auge, vorrangig schwarz-weiß gefasst, sowie klotzartige, ebenfalls – rot und schwarz – bemalte Gebilde, die eine seltsame Fremdartigkeit ausstrahlen. Hintergrund dieser exotisch wirkenden plastischen Arbeiten, die seit mittlerweile fast anderthalb Jahrzehnten das Schaffen der Künstlerin prägen, waren längere Reisen nach Nord- und Schwarzafrika, die tiefe Eindrücke hinterließen.

»Pagode«, Gabriele Reinemer
Bild: Stiftung Hoflößnitz, M. Schroeder


Die ›Stachel‹ an den turmartigen Gebilden sowie die Abgeschlossenheit der häuserartigen Blöcke, die sie hier ›Wehrdörfer‹ nennt, weisen wohl einerseits auf die vielen kriegerischen Konflikte der jüngeren Zeit. Sie weisen wohl aber auch auf die Empfindungen der Künstlerin, die die vorgefundenen Gesellschaften durchaus als schwer durchschaubar und verstehbar erlebte – nicht zuletzt in ihrer Mischung aus deformiert Archaischem bzw. Mittelalterlichem und Moderne.

Es war wohl die Mischung aus Reizvollem, Fremdartigem und Erstaunlichem, aus Verheerung und Stillstand, die Gabriele Reinemer bis heute nicht losgelassen hat. Die Objekte wirken spielerisch, aber ihr Hintergrund ist ein ernster. Nicht zuletzt wird der auch mit der kraftvollen Tuschezeichnung ›Das Boot‹ – einer vom Ozean ziemlich gebeutelten Nussschale – berührt, die daran erinnert, wie nah uns diese Konflikte kommen. So stößt man bei der Auseinandersetzung mit Reinemers Arbeiten diesmal verstärkt auf die ›großen‹ Fragen unserer Tage.

Kunst kann auf diese Fragen keine Antwort geben. Aber sie kann mit ihren Mitteln Dinge auf ungewöhnliche Art ins Bewusstsein rücken.«

Ingrid Koch

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