Handverlesen

Der Dichter Thomas Rosenlöcher zu Gast im Festsaal von Schloss Hoflößnitz


Gelegentlich tritt im Leben der glückliche Umstand ein, dass aus einer Idee ein Plan und aus diesem ein Ereignis wird. Als besonders glücklich kann ein solcher Umstand dann gelten, wenn das Ereignis die eigenen Erwartungen erfüllt, ja mehr noch, diese sogar übertrifft. Insofern war ich am späten Abend des 13. Septembers sehr glücklich, denn hinter mir lagen anregende, unterhaltsame und gesellige Stunden im und am Schloss Hoflößnitz, wohin unser Verein Radebeuler Monatsheft e.V. – namentlich die Redaktion von „Vorschau & Rückblick“ – geladen hatte. Den Anlass dafür bot die Tatsache, dass der weit über das Elbtal hinaus bekannte Dichter Thomas Rosenlöcher in diesem Jahr allmonatlich unserem Heft ein Gedicht zum Abdruck zur Verfügung stellt. Sascha Graedtkes bereits im letzten Winter geborene Idee, Thomas Rosenlöcher für eine Lesung zu gewinnen, mündete schließlich in eine Kooperation mit der Stiftung Hoflößnitz, wobei sich vor allem Frank Andert als Leiter des Weinbaumuseums gemeinsam mit Sascha Graedtke sehr um die organisatorische Vorbereitung verdient gemacht hatte. Und wer an jenem Freitagabend wie ich um 18.30 Uhr mit einem Glas Hoflößnitzer Weines auf einer Bank im Außenbereich des Schlosshofes Platz genommen hatte, der konnte anfangen zu genießen. Den Wein, die Wärme, die Atmosphäre. Denn ein laues Lüftchen wehte den Klang des Dresdner Dancla-Steichquartetts hinüber, das sich vor dem Eingang des Schlosses postiert hatte und die gemächlich eintreffenden Besucher der Lesung mit beschwingten Klängen erfreute. Im barock ausgemalten Festsaal im ersten Stock des Schlosses sammelte sich bald darauf eine erwartungsfrohe Menge, um Thomas Rosenlöcher zu erleben. Und wie er dann zu lesen begann! Stehend; in der linken Hand wechselweise Textblatt, Buch oder auch nur einen Zettel haltend, den rechten Arm bisweilen wie einen Dirigierstock schwingend und mit den Fingern dem einzelnen Wort oder der einzelnen Sentenz noch mehr Bedeutung gebend; mit verschmitztem Blick den Kontakt mit dem Publikum suchend; gelegentlich die Abfolge der vorbereiteten Texte wägend und diese kommentierend und reflektierend; sich selbst auch an dem stets durchscheinenden Humor erfreuend. Aus geplanten zwei Programmteilen wurde schließlich ein einziger langer Parforceritt durch das eigene Schaffen: frühe Texte und jüngere, Lyrik und Prosa, schließlich auch literarisch überformte Lebenserinnerungen, etwa an seinen Großvater. Das Publikum im gut gefüllten Saal lauschte andächtig und lachte oft mit Hingabe, bis der Dichter dann schließlich erschöpft das Jackett auszog und nach 90 Minuten in den bereitgestellten Sessel sank. Sehr zur Freude des begeisterten Publikums signierte Thomas Rosenlöcher anschließend noch die zahlreich mitgebrachten oder vor Ort erworbenen Bücher, bevor er für gut zwei Stunden mit einem engeren Kreis an Gästen den Abend bei Mondschein und einem guten Tropfen vom Orte ausklingen ließ. Manche Gäste ließen sich noch am Abend oder in den Tagen danach mit den Worten vernehmen: So etwas müsste es wieder geben! Das ist eine gute Idee, meine ich.

Bertram Kazmirowski

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