Vorn die Ostsee, hinten die Meißner Straße

„ … Etwas ist immer.
Tröste dich.
Jedes Glück hat einen kleinen Stich.

Kind Of Blue, 2020 Repro: M. Kunze

Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Dass einer alles hat:
das ist selten.“

Wir können uns da in Radebeul doch sehr glücklich schätzen, da das Städtchen, vor allem kulturell einiges zu bieten hat. Seit mittlerweile fünf Jahren sind die kleinen Ausstellungen in (Matthias) „Gräfes Wein & fein“ auf der Hauptstraße in Radebeul Ost eine feste Institution im kulturellen Jahreskalender. Von Beginn an versuchten die Initiatoren jungen und älteren Künstlern eine Plattform zu geben, um ihre Arbeiten im Dialog mit den Interessierten für die Bildende Kunst zu stellen. Ein Glas Wein kann ja durchaus dabei helfen, den Gesprächseinstieg zu erleichtern.

Inspiriert vom Gedicht „Das Ideal“ von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1927, dessen Schlussvers im obigen Zitat zu lesen ist, entlehnt sich der Titel der aktuellen Ausstellung „Vorn die Ostsee, hinten die Meißner Straße“.
Der Architekt Maximilian Kunze, der seit seiner Kindheit zeichnet – inspiriert und ermuntert durch Großvater Günter Schmitz und Vater Dietmar Kunze – zeigt Pastelle und Siebdrucke.

Die Arbeiten lassen sich, wie der Titel der Ausstellung sagt, zwischen seinen Sommeraufenthalten auf Rügen und seinem Lebensmittelpunkt Dresden und Radebeul geografisch einordnen.
Dass das Radebeuler Pendant zur Friedrichstraße im Titel die Meißner Straße und nicht etwa die Weinbergstraße ist, hat etwas mit dem besonderen Blick zu tun, mit dem Maximilian Kunze durch die Städte und Landschaften geht. Motive sind nicht die großen Sehenswürdigkeiten und bekannten Bauten, sondern das alltägliche, anonyme, seien es die Scheunentore an der Ostsee, gewachsene Häusergruppen in Radebeul oder die Anlegestellen der Dampfschiffe an der Elbe. Während sich bei den Siebdrucken (bedingt durch die Technik) die Motive in flächige Kompositionen aufzulösen beginnen, zeigt Maximilian Kunze in seinen Pastellen, trotz ebenfalls abstrahierender Vorgehensweise, eine weichere, romantische Seite seines Schaffens.

Zwei Loggien, 2017 Repro: M. Kunze

Die Eröffnung fand am 23. Januar, zwölf Tage nach Maximilian Kunzes 31. Geburtstag statt. Der Dresdner Gitarrist Eckart Poster und langjähriger Gitarrenlehrer von Maximilian Kunze, begleitete die Eröffnung soulig-musikalisch.
Matthias Gräfe ist zu danken, dass er uns Künstlern eine Möglichkeit der Ausstellung und Begegnung gibt.
Er ist stets ein für die Bildende Kunst aufgeschlossener Hausherr. Dies wurde zur Ausstellungseröffnung mit vielen Gästen und guten Gesprächen bei gutem Wein wieder einmal bestätigt.

Gabriele Reinemer
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Bis zum 15.03.2020 kann man die Arbeiten von Maximilian Kunze bei „Gräfes Wein & fein“ auf der Hauptstraße 19 in Radebeul Ost noch betrachten.

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