Wie kam eigentlich das Lügenmuseum nach Radebeul?

Vor neun Jahren landete dieses brandenburgische Kleinod im maroden Gasthof Serkowitz.

Der Auslöser war ein einfacher Zeitungsartikel. Ein Journalist stellte vor zehn Jahren den Künstler Richard von Gigantikow vor den leer stehenden Gasthof Serkowitz. Im Dach des 700-jährigen Gasthofes klaffte ein Loch, als wäre ein unbekanntes Flugobjekt eingeschlagen. Es regnete rein, und das historische Gemäuer ergab sich dem Ruin. Mit der kühnen Behauptung, der Gasthof wird zum Lügenmuseum, kam der Stein ins Rollen. Oberbürgermeister Bert Wendsche fand die Idee gut. Die Stadträte im Kulturausschuss entschieden, das Lügenmuseum, wie die Katze im Sack, in das historische Gemäuer einziehen zu lassen. Immerhin war der Künstler mit seinen labyrinthischen Skulpturengärten in Radebeul eingeführt. (www.luegenmuseum.de/wird-der-gasthof-zum-luegenmuseum/)
Nun ist es ein lebendiges Kulturzentrum, ein beliebtes Ausflugsziel, strahlt weit über Sachsen hinaus. Richard von Gigantikow erhielt den Radebeuler Kunstpreis für seinen Ideenreichtum und sein Engagement für den historischen Gasthof. Er fand Feinde und auch viele Fans. Der Verein »Kunst der Lüge e.V.« konnte zahlreiche Förderungen einwerben und bewies, dass er professionell arbeitet. Doch nun müssen Förderungen gestrichen werden, da die Akzeptanz noch nicht in der Kommune oder im Kulturraum angekommen ist und/ oder entsprechende Förderungen für Freie Träger fehlen. Die institutionellen Förderungen des Kulturraumes wurden abgelehnt, höchst bedauerlich. Da gibt es Zweifel am Vergabeverfahren, wenn der Verein bundesweit Mittel einwirbt und im Kulturraum wiederholt ablehnt. Dies wirft ein Schlaglicht auf Intransparenz und mangelnde Regeln bei der Vergabe. Wie kann es sein, dass eine Institution die sachsenweit, ja sogar bundesweit BesucherInnen anzieht nicht förderungswürdig ist? Seit März 2020 kreieren wir pandemietaugliche Kulturereignisse, die umsonst und draußen verfügbar sind. Solche Aktionen und Projekte sind mit viel Aufwand verbunden und werden teils ehrenamtlich begleitet. Wir wünschen uns, dass auch in Zukunft viele Aktionen kostenfrei bleiben, dass Freie Kulturträger, wie wir, mit 5.000€ jährlich ausgestattet werden (das ist laut einer Studie des LBK der Durchschnitt des Jahresetats freier Träger).
Museum »to go« verkauft sich inzwischen deutschlandweit (www.luegenmuseum.de/shop/). Damit kann man weder einen Kulturbetrieb finanzieren, noch den wohl ältesten Gasthof der Lößnitz sanieren. Aber es kommt ein Museumsbesuch direkt nach Hause, aufs Sofa. Handlich verpackt führt die Museumsbox in die faszinierende Welt von Dingen, die es überhaupt nicht gibt. Darin finden sich unter anderem ein Orientierungsstein, ein Lügenmantra, ein Klangobjekt, ein Fragebogen und ein originales Kunstwerk.
Reinhard Zabka

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