Ein Leben für den Tanz

Ein persönlicher Abschied für die Tänzerin, Choreographin und Regisseurin Ute Raab

Es war eine schöne, wie beiläufige Begegnung die ich mit Ute zwischen den Gemüsezeilen eines Ladens vor langen Monaten hatte. Nach schwerer Erkrankung war sie wieder auf dem Weg der Besserung und hatte mit ihrer gefeierten Regiearbeit von „Der gestiefelte Kater“ an den Landesbühnen Sachsen wieder hoffnungsvoll ins Leben zurückgefunden. Sie fragte mich noch, ob ich nicht von einer kleinen schönen Wohnung wüsste, sie wolle umziehen. Mit diesen Worten gingen wir mit einem freundlichen Lächeln auseinander – ein letztes Mal.

Mit nur 56 Jahren hat sie Anfang März ihren langen Kampf gegen die tückische Krankheit schließlich doch verloren.

Es ist hier leider nicht der Raum um ihr umfängliches Wirken an den zahlreichen Bühnen deutschlandweit detailreich wiedergeben zu können, daher nur skizzenhafte Stationen ihres Lebensweges. 1964 in Halle geboren, studierte sie 1982-87 Choreographie an der Theaterhochschule “Hans Otto” in Leipzig. Ihr erstes Engagement führte sie als Ballettmeisterin an das Theater Plauen, wo sie einige Jahre später Chefchoreographin wurde und die Plauener Tanztage gründete. Schon während dieser Zeit und insbesondere seit ihrer freiberuflichen Tätigkeit ab 1998 hinterließ sie an vielen Theatern und Stücken ihre tänzerische Handschrift.

Über viele Jahre war ihr Lebensmittelpunkt in Radebeul am Fuße der Weinberge, kein Wunder also, dass sie u.a. viele Inszenierungen am Staatsschauspiel in Dresden, am Theater Junge Generation und schließlich an den Landesbühnen Sachsen mitprägte. Sie arbeitete sprichwörtlich spartenübergreifend, mit Oper und Chor, Schauspielern und ambitionierten Laien.

In letzterer Rolle habe ich sie als langjähriger Komparse und Kleindarsteller bei verschiedenen Theaterstücken als Mensch und Künstlerin schätzen gelernt. Die schweißtreibendste Zusammenarbeit war 2008: für das Musical “Sugar – Manche mögen’s heiß” wurden sechs „Tänzer“ für fünf durchaus anspruchsvolle Choreographien in wechselnden Rollen gesucht. Mit meiner Zusage war mir damals nicht im Mindesten klar, wie viele Stunden und Wochen ich im Ballettsaal zubringen würde. Denn naturgemäß waren die Fortschritte nicht immer so zügig wie von professioneller Hand, respektive Bein geplant. Mit Dankbarkeit blicke ich auf ihre Engelsgeduld zurück, die gleichzeitig vom nicht ablassenden Willen geprägt war. Und das Ergebnis hat sich durchaus gelohnt, wie ich kürzlich, fast ungläubig einem vorhandenen Videomitschnitt der Premiere entnehmen konnte. Ihre große Gabe war es, ihre Schützlinge bis zur Premiere „auf den Punkt“ zu bringen.

In Erinnerung bleibt eine aparte Frau mit einer liebenswerten, kumpelhaften Art. Eine Künstlerin, die ohne Attitüden mit zauberhaften tänzerischen Momenten das Theater beseelte und eine tiefe Lücke reißt.

Sascha Graedtke

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