Die Entwicklung der Energieversorgung

Im Jahre 1867 befasste sich Werner von Siemens mit den Grundlagen der Elektrotechnik und entdeckte dabei das elektrodynamische Prinzip. Miit dieser Erkenntnis baute er die erste Dynamomaschine, den Generator. Damit konnte nun mechanische in elektrische Energie umgewandelt werden. Das war die genialste Erfindung in der Geschichte der Technik und die Grundlage unserer heutigen modernen Energieversorgung.

Allerdings dauerte es noch geraume Zeit bis diese Erfindung praxisreif war, da alle Bauelemente erst entwickelt werden mussten. Um 1890 war es dann soweit, dass die ersten Anlagen in Betrieb gehen konnten. Den Anfang machten größere Fabriken und Stadtwerke (Inselbetrieb).

Als Antriebe für die Generatoren dienten Dampfmaschinen, später Dampfturbinen und im geringen Umfang die Wasserkraft.

Betrieben wurden die ersten Ortsnetze mit 110- bzw. 220-V-Gleichstrom, wodurch deren Reichweite stark eingeschränkt war. Letzte örtliche Gleichstromnetze waren bis 1937 und teils noch länger in Betrieb. Die Wende brachte die Umstellung auf Drehstrom (1898) und der Einsatz von Transformatoren. Nun konnten höhere Spannungen zum Einsatz kommen und damit größere Netze bei geringen Verlusten betrieben werden.

Der Aufbau der Stadtwerk-Netze war für die Investoren ein lukratives Geschäft: dichte Bebauung, viele Abnehmer(heute Kunden!), minimaler Aufwand und damit geringe Kosten.

Beim ländlichen Raum fehlten diese Prämissen und damit war dieser für Investoren wirtschaftlich uninteressant.

Deshalb wurde im Dezember 1909 der Elektrizitätsverband Gröba (heute Stadtteil von Riesa) als kommunales Unternehmen gegründet. Dazu gehörten die Amtshauptmannschaften Großenhain, Meißen, Oschatz und Döbeln. Ziel war der Aufbau eines eigenen Energienetzes zur Versorgung dieses Gebietes.

Baubeginn war das Frühjahr 1911, wobei gleichzeitig 7 Firmen mit dem Bau begannen. Im März 1912 wurde als erste Gemeinde Pulsen mit Elektroenergie aus dem Netz versorgt. Das gesamte Netz war im Juli 1913 fertiggestellt, nach reichlich zwei Jahren Bauzeit,
ohne die heute üblichen Baumaschinen (!).

Gebaut wurden:
120 km 60-kV-Ringleitung
1500 km 15-kV- Leitungen
5 Umspannwerke 60/15 kV
700 Ortsnetzstationen

Für den Firmensitz wurde das Rittergut Gröba erworben und für die Belange des EVG umgebaut. Dazu gehörten das 60/15-kV- Umspannwerk mit Schaltbefehlsstelle, Werkstätten, Sozialräumen und Werkswohnungen. Zur sicheren Nachrichtenübertragung (die Deutsche Post war unzuverlässig) hatte die EVG ein eigenes Telefonnetz aufgebaut. Dafür wurde an den Masten der 15-kV – Leitungen ein gesonderter Leitungsdraht mitgeführt.

Der Energiebezug erfolgte von der AG Lauchhammerwerk (Stahlwerke Riesa und Gröditz) aus dem KW -Lauchhammer. Im Jahr 1912 wurde die erste 110-kV- Freileitung in Europa von Lauchhammer über Gröditz nach Riesa gebaut (55 km).

Nach Ende des 1. Weltkrieges hatte sich der EVG drei U-Boot-Dieselmotoren beschafft und diese in Gröba (Dieselzentrale) zur Stromerzeugung aufgestellt (Spitzen-Kraftwerk 5100 PS – 3,8 MW).

Weiterer Energiebezug war von der ASW (AG Sächsische Werke) möglich, aus dem KW Hirschfelde (Zittau) und böhlen (Leipzig). Die ASW war im Besitz des sächsischen Staates und hatte das alleinige Recht in Sachsen Kraftwerke zu errichten und zu betreiben.

Um unabhängig vom Fremdenergiebezug zu werden, plante der EVG ein eigenes Kraftwerk.

Da dies in Sachsen nicht möglich war, wählte man als Standort Plessa im Senftenberger Braunkohlenrevier (Preußen). Baubeginn war Mai 1926, im April 1927 wurde der erste Block mit 18 MW in Betrieb genommen (Endausbau 1942 mit 34 MW). Über eine 12 km lange 60- kV- Leitung zum UW Gröditz erfolgte die Einspeisung in das EVG – Netz.

Nach der ASW betrieb der EVG das zweitgrößte Energienetz in Sachsen. Insgesamt bestanden 1914 bereits 124 Energieunternehmen (z.B. 1895 Lichtwerk Dresden und EW Radebeul – letzteres wurde 1920 vom EVG übernommen).

Im Jahr 1925 wurde der Verwaltungssitz der EVG von Gröba nach Radebeul, Körnerweg 5, verlegt, die technischen Anlagen verblieben in Gröba. Für die versetzten Beamten wurde in Radebeul eine Wohnsiedlung errichtet (Gröbastraße).

Das heute aktuelle Thema Elektromobilität wurde von dem EVG bereits im Jahre 1927 umgesetzt. In diesem Jahr kam in Riesa ein batteriebetriebener Autobus zum Einsatz ( Fahrstrecke 22600 km/
Fahrgäste 67970).

Nach dem 2. Weltkrieg bestand der EVG als kommunales Unternehmen noch bis 1949, wurde dann in den EBO (Energiebezirk Ost) und später in die EVD ( Energieversorgung Dresden) eingegliedert. In den 1960er Jahren wurde die 60-kV-Ringleitung stillgelegt und durch das 110-kv-Netz ersetzt. Im Mittelspannungsbereich erfolgte danach eine Umstellung von 15 auf 20 kV.

Das Verwaltungsgebäude in Radebeul war ab 1955 der Betriebssitz des VEB Energiebau, heute Seniorenheim.

In den Betriebsjahren des EVG kam es auf Grund der noch nicht ausgereiften Technik häufig zu Störungen im Netz mit Versorgungsunterbrechungen. Aus dieser Zeit stammen die Sprüche:

„Schön ist das elektrisch Licht,
doch wenn man’s braucht,
dann brennt es nicht.“

„ Kommt Zeit, kommt Rat,
stehen erst die Masten,
kommt bald der Draht.“

Karlfried Müller
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