Stephan Krawczyk zu Gast bei uns

2024 setzen wir unsere Reihe mit Liedermachern fort, die bereits zu DDR-Zeiten die Musikszene auf ihre ganz besondere Weise prägten.
Im Frühjahr letzten Jahres las ich beiläufig, dass Stephan Krawczyk in der Kirche Riesa-Gröba ein Konzert gibt. Da er meines Wissens in den letzten Jahren im Dresdner Kulturkalender nicht vertreten war, ergriff ich die Gelegenheit dem Konzert dort beizuwohnen.
Vor dem Konzert war der Künstler im ungewohnt vertrauten Austausch mit zumeist älteren Gästen. Aus gutem Grund, wie ich erfahren durfte. So fand sage und schreibe vor über 35 Jahren, also ein Stück weit vor dem Mauerfall, hier sein letztes Konzert statt, wo er unter Berufsverbot und im Schutze der Kirche auftrat. Viele der Anwesenden waren schon damals dabei und es hatte mit dieser Vorgeschichte selbst heute noch irgendwie den Nimbus des Konspirativen. Es schien, als schlösse sich nun endlich ein bisher unvollendeter Kreis.
Ermutigt durch die offene Atmosphäre habe ich ihn angesprochen und erzählte von der „Vorschau“ und unserer Lyrikseite. Ich rannte offene Türen ein, denn schon wenige Tage später fand ich 12 Texte für das komplette Jahr in meinem Postfach. Ebenso begrüßte er meinen Vorschlag, im kommenden Jahr ein Konzert in Radebeul geben zu wollen. (Die Planungen hierfür laufen bereits.)
Stephan Krawczyk ist insbesondere im Zusammenhang mit seinem unverdrossenen Engagement in der DDR-Bürgerbewegung bekannt geworden.
1981 gewann er den Nationalen Chansonwettbewerb der DDR, die Begegnung mit der Regisseurin und späteren Frau Freya Klier im Jahr 1984 gab seinem künstlerischen Weg ganz neue, kritische Impulse. Seine Lieder wurden schnell zu Hymnen der Protestbewegung. Es folgten Berufsverbot und Haft, bis er schließlich 1988 in den Westen abgeschoben wurde.
Nach der Wende 1989 setzte Krawczyk seine künstlerische Karriere fort. Er veröffentlichte zahlreiche Alben und Bücher, in denen er seine Erfahrungen in der DDR reflektierte. Politisch blieb er stets wachsam und entwickelte ein feines Gespür für die Erfahrungen in den Zeiten des Wandels.
Freuen Sie sich mit uns auf ein lyrisches Jahr mit Texten von Stephan Krawczyk!

Sascha Graedtke

Biographische Notizen

• Silvester 1955 in Weida/ Thüringen geboren.
• Nach Abitur und Studium der Konzertgitarre an der Franz-Liszt-Hochschule in Weimar seit 1980 freiberuflicher Sänger.
• 1981 Gewinner des Nationalen Chansonwettbewerb der DDR.
• 1984 Umzug nach Berlin, Hauptstadt. Im selben Jahr beginnt er zu schreiben, im Jahr darauf wird ein Berufsverbot über ihn verhängt.
• Tritt gemeinsam mit Freya Klier in Kirchen auf, wird zur Symbolfigur der DDR-Bürgerbewegung. 1988 verhaftet die Stasi den oppositionellen Künstler und schiebt ihn 16 Tage später in den Westen ab.
• Im selben Jahr, in Westberlin, gründet Krawczyk die Bürgerinitiative „FCKW Stop! Jeder Tag zählt“.
• Konzerttourneen führen ihn durch den deutschsprachigen westeuropäischen Raum, nach Nordamerika, Frankreich, Spanien, Italien. Er schreibt das Buch „SCHÖNE WUNDE WELT“, das im Jahr der Wiedervereinigung veröffentlicht wird.
• Es erschienen bisher 15 LPs und CDs als Solokünstler und neben einem Opernlibretto und einem Schauspiel ebensoviele Veröffentlichungen in Lyrik und Prosa.
• Krawczyk lebt in Berlin und auf Mallorca.

Auszeichnungen

– 1981: Hauptpreis beim DDR-Chansonwettbewerb
– 1992: Bettina-von-Arnim-Preis
– 2001: Verdienstorden des Landes Berlin
– 2005: „Das unerschrockene Wort“, Auszeichnung des Bundes der Lutherstädte
– 2009: Bundesverdienstkreuz am Bande
– 2023: Mehrfache Auszeichnung beim Deutsch-französischen Chanson- und Liedermacherpreis 2023

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