Als die Läden noch den Namen von Leuten trugen

Kindheitserinnerungen in Radebeul

Angeregt durch den sehr berührenden Artikel von Tobias Märksch in der Septemberausgabe stellen sich bei mir gleiche Erinnerungen ein.

Ich bin Jahrgang 1951, groß geworden in der heutigen Villa Lindeberg, Hölderlinstr.11, heute Karl- May- Str. 1. Dieses Haus hat mein Großvater um 1898 gebaut bzw. bauen lassen. Das nur nebenbei.

Zur Schule bin ich von 1958 bis 1969 in die Schillerschule gegangen.

An die im Artikel erwähnten Geschäfte kann ich mich sehr gut erinnern, auch an einige, welche nicht erwähnt sind.

Beim Gemischtwarenhändler Heide, Bäckerei Pinkert, Fleischer Fischer und Milch- Burkandt kaufte meine Mutter oft ein und ich musste meistens mit. Burkadt´s hatten auch im Sommer Sonntags zwei Stunden auf, da noch nicht viele Menschen einen Kühlschrank hatten und die kleinen Kinder mit Milch versorgt werden mussten. Vor Milch- Burkardt war noch eine Fleischerei (Bayer?), dort kauften wir nicht.

Neben Heide befand sich der Schreibwarenladen Lätzer. Dort herrschte eine besonders interessante Atmosphäre. Es gab auch Spielzeug und später Schulbedarf.

Gegenüber, neben der Tankstelle war auch ein Geschäft, hier kann ich mich nicht mehr an die Branche erinnern.

Rechts daneben, der Kirchpark mit dem Kriegerdenkmal. Dort spielen wir oft Fußball, was von Pfarrer Schulze nicht gern gesehen wurde!

An der Haltestelle der Straßenbahn landwärts, befand sich im Eckhaus eine Drogerie, deren Name mir entfallen ist. (Biedermann?) Direkt an der Haltestelle war ein Zigaretten- und Lottoladen, den meine Mutter (leider- bezogen auf die Zigaretten) oft aufsuchte. Unmittelbar daneben befand sich eine Samenhandlung.

Nach Fleischer Fischer kam eine Schuhreparatur und daneben das Modelleisenbahngeschäft Dohmann (nicht Tomann). Den Namen habe ich so in Erinnerung. Von dort bezog ich meine Spielzeugeisenbahn Spur S und alle weiteren Teile im Laufe der Zeit. Das Schaufenster war wirklich immer sehr schön und für Kinder aufregend gestaltet.

Über das Spielzuggeschäft Stiller geht es weiter Richtung Hst. E.- Thälmann- Str., vorbei an Blumen Thomas und dem Lebensmittelgeschäft Prokopp. Hier kaufte meine Mutter nie ein. Warum, weiß ich nicht, aber meine Tante und mein Onkel, welche Hausmeisterehepaar in der Oberlößnitzer Schule waren, waren hier Stammkunden. Dann kam noch ein Lederwarengeschäft und an der Ecke ein Haushaltwarengeschäft, das weiß ich aber nicht mehr genau.

Gegenüber, im Saal der Vier Jahreszeiten wurde ein 1000 kleine Dinge Verkauf eingerichtet.

Auf der Thälmann- Str. sind mir auch viele Geschäfte in Erinnerung.

Allen voran die beiden Einkleidungshäuser, eines davon mit einem Oberrang und knarrender Holztreppe.

Messer und Scheren ließ man bei Hoppe schleifen, daneben war der Lampenladen Löffler.

Auf der Eduard- Bilz- Str. war ein Fischgeschäft.

Bei Fleischer Lehnert hat man oft angestanden, um etwas besonderes zu ergattern.

Dann gab es zwei Kunstgewerbeläden, einer davon wurde von einer etwas unnahbaren Dame geführt. Kühnitzer war ihr Name. Mit guten Beziehungen gab es dort hin und wieder einen Musikengel von Wendt & Kühn. Meine Mutter hatte allerdings nie das Glück einen zu bekommen, was nicht schlimm war. Sie hatte noch Vorkriegsengel, die ich heute noch habe und aufstelle. Sie vertragen sich gut mit den Nachwendeengeln.

Gegenüber unserer Schule befand sich ein kleiner, in meiner Erinnerung sehr dunkler, Süßwarenladen, geführt von eine alten Dame. Dort kaufte ich für 10 Pfg. öfters eine Karamellstange.

Dazwischen, glaube ich, noch ein Uhrengeschäft und dann kam Eis-Neumann und an der Ecke Eisen- Lindner. Da konnte man auch 2 Schrauben oder 5 Nägel kaufen. Anschließend Möbel- Andrich und daneben Schnaps- Andrich. Hier kaufte ich meine ersten Pullis, um die Wirkung das Alkohols zu testen. Getrunken meistens im Karl-May-Park, ganz unten am Herzteich.

Neben der Flohkiste befand sich noch ein Geschäft, leider weiß ich nicht mehr, was dort verkauft wurde, dann folgte ein Fleischer an der Ecke (Name?), gegenüber ein Bäcker, dann ein Blumenladen und dann eine Radebeuler Institution, das Fotoatelier Nagel im ersten Stock. Dort sind mehrere Generationen fotografiert worden.

In der Pestalozzistraße war noch ein Fahrradgeschäft, hier kaufte mein Mutter mir mein erstes Diamant-Fahrrad.

Am Bahnübergang der Kleinbahn war noch ein Lebensmittelladen mit extrem vielen Stufen nach oben.

Sicher fehlt hier das eine oder andere Geschäft. An ein Schuhgeschäft kann ich mich z.B. nicht erinnern.

Da meine Mutter mit mir gern essen ging, sind mir auch einige Gaststätten in guter Erinnerung.

Zuerst das Bahnhofshotel mit zwei großen Kachelöfen, die im Winter eine wohlige Wärme erzeugten und vom Bedienungspersonal nebenbei mit „betreut“ wurden.

Oft sind wir auch in die Vier Jahreszeiten gegangen, auch das Carolaschlößchen haben wir oft besucht, lag es doch in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Zuhause. Hier gab es eine Besonderheit. Der Zugang war über das Treppenhaus und im ersten Absatz gab es eine Durchreiche in die Küche. Dort wurde Essen und sicher auch Bier über die Straße verkauft. Man klopfte stark, und eine Luke wurde geöffnet, eine Köchin guckte raus und man sagte seine Wünsche.

In den Linden, im Römer und im Russen waren wir nie!

Dafür gingen wir gern in die Goldene Weintraube. An Geschäfte in Mitte kann ich mich nur an Café Schiller erinnern. Hier war die Besonderheit, dass eine Café-Stube angeschlossen war. Das war damals eine Ausnahme und nur noch in Radebeul-West in der Konditorei Dolze vorhanden. Dort gibt es übrigens heute noch die beste Mohnrolle weltweit. Ansonsten gab es noch eine Post an der Weintraube, die dritte in Radebeul, neben den schönen Postgebäuden in Ost und in West.

Da Radebeul ja bekanntlich zwei Zentren hat, gab es auch manche Läden doppelt. In Ost wie in West waren Eis- Neumann mit ihren Eisdielen vertreten, Blumen- Thomas, und Eisenwaren- Lindner mit ihren Geschäften und natürlich Apotheken, mit der am Weißen Roß gleich dreimal. Ich glaube, auf der Moritzburger Str. in West gab es auch noch eine!? Auch Reformhäuser gab es zwei, wobei ich hier nicht weiß, ob sie vom gleichen Betreiber geführt wurden. In West hieß der Besitzer Backhaus und im Geschäft befand sich eine Milchbar mit Barhockern. Dort bekam ich oft ein Milchmixgetränk.

Da meine Mutter in Radebeul-West arbeitete sind mir die Lößnitzperle, das Kuffenhaus, das Stadtcafé und die Bahnhofsgaststätte auch in Erinnerung. Auch im Dampfschiff waren wir, allerdings selten. Großes Weinstuben haben wir nie besucht.

An die Lößnitzperle war noch ein Schnellimbiss angeschlossen. Dort habe ich so manche Bockwurst bekommen und sie an Stehtischen auf halber Höhe verspeist.
Auch besuchten wir seltener Café Haupt, hier weiß ich nicht mehr wo es war.

Auch kann ich mich noch dunkel an den Gasthof Serkowitz erinnern.

Ausflugsgaststätten waren hauptsächlich die Meierei im Lößnitzgrund, das Spitzhaus und die Friedensburg, die Sängerhöhe mit dem Wirt Herrn Ryssel und das Paradies, dort aber selten, sowie die Gohliser Windmühle. Die Überfahrt mit der Fähre war immer ein Erlebnis, zumal wir einmal miterlebt hatten, wie das Seil gerissen war. „Leider“ nur vom Ufer aus, ich wäre zu gern auf der Fähre gewesen.

Auch die Geschäfte in Radebeul-West auf der Str. der Befreiung sind mir in guter Erinnerung.

Herausragend natürlich die beiden Kinos, das Palasttheater und die Freundschaft.

Neben der Freundschaft das große Papiergeschäft Pitius, die Fleischerei Ochsenkopf und gegenüber der Tempo- Konsum. Meines Wissens, der erste Selbstbedienungsladen.

Interessant auch, die Senffabrik Friedrich, gegenüber vom Palastkino. Außerdem gab es noch Stempel-Sattler. Daneben Zigaretten Stamm, hier brannte eine „Ewige Flamme“. An einer kleinen Gasflamme konnten die Raucher sofort eine Zigarette anzünden.

Daneben eine Drogerie und über der Harmoniestr. ein kleiner Gemüseladen. Sehr eng, aber es gab oft was Besonderes. Der Spielzeugladen, der sich anschloss, war für Kinder auch interessant und auch hier fuhr im Schaufenster oft eine Eisenbahn.

Mir sind noch einige Läden in Erinnerung, z.B. Pönitz und Kaminski, die Lebensmittelläden, Fleischerei Wirthgen, Mode- Marx und das Fischgeschäft kurz vor der Post.

Ein Fahrradgeschäft sowie ein Schallplattenladen. Gegenüber die legendäre Buchhandlung Sauermann. Da meine Mutter dort privat und dienstlich Kunde war, bezog ich von Sauermann´s auch immer die raren Olympia- und Fußballbücher.

Soweit meine Erinnerungen, hervorgerufen durch o.g. Artikel.

Harald Wennerlund

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Ein Kommentar

  1. Veröffentlicht am So, 4. Feb. 2024 um 08:56 | Permanenter Link

    Hallo Harald,
    phänomenal, was Du alles noch weißt. Ich kann mich leider oft an Namen nicht erinnern. Ich erinnere noch die legendäre Drogerie Schreckenbach in der Thälmannstraße, wo man anfangs Salpeter in 1 kg-Tüten kaufen konnte.
    (Für die Schwarzpulverherstellung…) Später gab es den Salpeter nur noch in ganz kleinen Tütchen.
    Gegenüber war doch noch ein Herrenausstatter ? mit vielen Stoffballen und auffallend viel Personal, alle gut gekleidet. War mir als Kind immer ein Rätsel. Übrigens der Laden neben der Flohkiste, wo man 3, 4 Stufen hoch mußte, war ein Sportartikelgeschäft. Da habe ich meine ersten Spikes-Schuhe gekauft und später auch ziemlich gute Pfeile für den Flizzebogen…
    Herzlich
    Frank

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