Man muss es gleich voranstellen: der diesjährige Grafikmarkt war wirklich gelungen, auch wenn man die schwierige personelle Ausgangslage bedenkt.
Natürlich könnte man allerlei Kritikpunkte finden, wenn man denn wöllte, und Öl ins Feuer gießen. Aber wem bringt das etwas? Aus Fehlern sollte man lernen und nicht immer so ein großes Geschrei provozieren. Unbedingt verbesserungsbedürftig sind allerdings zwei Dinge: Beleuchtung und Belüftung.
Sehr gefreut habe ich mich jedenfalls über den Zuspruch, welchen der diesjährige Grafikmarkt gefunden hat, und ich finde es bemerkenswert, dass die Stadtverwaltung als Veranstalter, nach wie vor zu „ihrem“ Grafikmarkt steht. Immerhin wird dieser „kunstlastige“ Markt trotz einiger Turbulenzen seit 1979 ohne Unterbrechung fortgeführt.
Ein Blick hinter die Kulissen offenbart, welcher Aufwand betrieben werden muss, um eine Ballspielhalle in eine Ausstellungshalle umzurüsten. Zirka 900qm schützenden Fußbodenbelag gilt es auszulegen und weit über 100 Stände aufzubauen, die dazu benötigten Ausrüstungsgegenstände dafür vorzuhalten bzw. anzumieten. Städtische Hausmeister, Mitarbeiter des Kulturamtes, Künstler und viele ehrenamtliche Helfer haben dabei mit angepackt.
Veranstaltungen wie der Radebeuler Grafikmarkt mit so einer langen Tradition sind rar. Wenngleich Improvisation gefragt ist und für jeden Künstler nur wenig Platz zur Verfügung steht, ist das Interesse, daran teilzunehmen, ungemindert groß. Besonders geschätzt wird sowohl von den Künstlern als auch vom Publikum die anregende Atmosphäre, welche sich nicht im Kommerziellen erschöpft. Vor allem die Kommunikation, das Knüpfen von neuen als auch das Auffrischen von alten Kontakten, der fachliche Austausch zwischen den Künstlerkollegen und die unmittelbare Resonanz des Publikums zeichnen den Grafikmarkt aus.
Bereits um 10 Uhr strömten am 2. November die ersten Besucher in die Halle. Die Fülle der Angebote war herausfordernd. Viele neue Künstlerinnen und Künstler konnte man entdecken. Der Flyer diente der Orientierung vor Ort und bot darüberhinaus die Möglichkeit zur vertiefenden Recherche im Internet. Die Schaudruck-Vorführungen von André Uhlig waren wieder dicht umlagert und die Serviceleistungen vom Passepartoutschnitt bis zur fachgerechten Verpackung wurden gern in Anspruch genommen. Die Sammlung von Familie Friedrich präsentierte aus ihrem Bestand 33 Radebeuler Grafikmarkt-Plakate, welche von 1979 bis 2001 entstanden sind. Auch das Künstlercafé, das vom Förderkreis der Stadtgalerie bewirtschaftet wurde, war sehr gut frequentiert. Und der selbstgebackene Kuchen hat nicht nur gut geschmeckt, er diente auch noch einem guten Zweck, denn der Spendenerlös kommt der Städtischen Kunstsammlung zugute.
Der unwirtliche Monat November scheint dafür prädestiniert zu sein, sich verstärkt der Kunst und den Künstlern zuzuwenden. So findet jeweils am ersten Sonntag im November der Radebeuler Grafikmarkt statt, am zweiten Wochenende folgt der Dresdener Grafikmarkt und am dritten Sonntag des Monats öffnen sich in Dresden und Umgebung zahlreiche Ateliers und Künstlerhäuser. Wer den „Kunstmarathon“ in diesem Jahr verpasst haben sollte, kann sich schon immer einen Vermerk im Terminkalender des Jahres 2026 eintragen.
Karin (Gerhardt) Baum

