Die Glosse!

Ein Antagonismus

Mal abgesehen davon, dass mich eine Frau zur Welt gebracht hat, habe ich auch sonst nichts gegen das weibliche Geschlecht. Es ist die Entsprechung des Mannes. Erst durch die Frau ist der Mann komplett, wie natürlich auch andersherum. Der „Mann“ allein wäre ja nicht nur die halbe Menschheit, auch sonst würden viele wichtige Komponenten des Menschseins fehlen. Denn, nur „auf-die-Fresse-hauen“ – mal grob vereinfacht – hat ja über die Jahrtausende auch nicht funktioniert, das Ding mit der Besamung mal beiseitegelassen. Da hat Gott – wenn es ihn denn gibt – ganze Arbeit geleistet. Denn, auf Dauer hätte das mit der Rippe auch nicht funktioniert. Der Frau aber hinterher die ganze Schuld an der missratenen Menschheit in die noch nicht erfundenen Schuhe zu schieben war unfair, aber typisch: Schuld sind immer die anderen!
Nun will ich jetzt nicht ins gleiche Horn tuten, aber ein paar Töne zur sogenannten „Antiglosse“ von Susi Sorglos muss ich denn doch loswerden.
Frau Sorglos – in welcher Zeit lebt denn diese Person eigentlich? Als Frau mag ich sie gar nicht ansprechen, da weiß man ja niet, ob man nicht schon wieder in irgendein Fettnäpfchen tritt, die heutzutage überall herumstehen. So dumm kann man ja überhaupt nicht denken! Nun habe ich die wissenschaftlichen Arbeiten und Lexika des deutschen Sprachraums bis ins Jahr 1770 hoch und runter durchforscht, aber der Nachname „Sorglos“ ist mir nicht untergekommen. Wie auch, erzählen doch die Ereignisse der Vergangenheit eine ganz andere Geschichte, da kann man überhaupt nicht auf so einen Namen kommen. Bei „Sorge“ sieht es da freilich ganz anders aus. Wenn sich mal nicht hinter dieser „Autorin“ eine Person verbirgt, die keinesfalls erkannt werden will?
Nun scheint diese aber nicht ganz unbelesen, vielleicht auch schriftstellerisch unterwegs zu sein: Ja, Glossen waren einst eine Randbemerkung, die zur Erklärung von Fremdwörtern diente. Heute sind sie ein eigenes literarisches Genre, füllen mitunter ganze Seiten und kommen meist kritisch, spöttisch wie polemisch daher. Der Begriff „Antiglosse“ ist mir in den Feuilletons der Medien bisher noch nicht begegnet. Aber man kann auch mal was erfinden, nur Sinn sollte es schon machen. Oder?
Die Susi kommt so unschuldig und sorglos daher und mahnt auch gleich zu Beginn, dass man sich doch an Gewordenem erfreuen und nicht ständig meckern und motzen sollte, denn da könne man so „allerhand Erstaunliches“ erfahren. Und sie unterlässt es auch nicht, gleich einige, nach ihrer Meinung passable Beispiele aufzuzählen, die ich mir hier tunlichst verkneife.
Mal abgesehen davon, dass die Kommentierung von Ereignissen mit den Mitteln der Glosse per se keine Wohlfühlbeiträge hervorbringen, werde ich mir auch künftig keine rosarote Brille aufsetzen. Denn Kritik, und sei sie auch als subjektive Meinungsäußerung in einer Glosse vorgebracht, ist bei dem Zustand dieser Gesellschaft dringlicher denn je, wo es doch zusehends auf nahezu allen Ebenen Mode geworden ist, gegen jedwede kritische Anmerkung rigoros vorzugehen.
Aber eine Antiglosse schreiben, ist halt auch nicht so einfach. An Ende landet man wieder dort wo man eigentlich nicht hin wollte, nämlich bei der Glosse oder wie soll denn die Anspielungen auf die zunehmende Anzahl der Hunde und Autos verstanden werden? Auch die negative Kritik ist letztlich eine Kritik. Aber eine positive Glosse ist der Antagonismus an sich, meint

Euer Motzi

 

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