LÁZN? heißt im Tschechischen übersetzt „Bad“, im Sinne von „Kurbad“. Man fährt nach Mariánské Lázn?/Marienbad oder z.B. Lázn? Teplice/Teplitz, um Knochen oder Sonstiges zu kurieren, eine Moorpackung verabreicht zu bekommen oder – zum Glück aus der Zeit gefallen – ein öffentliches Wannenbad aufzusuchen. Der alte Kaiser Franz Joseph I. wird in Wien nur mit den Augen gerollt haben, als er erfuhr, dass zu seinem 50-jährigen Thronjubiläum eine solche Einrichtung nach ihm benannt wurde. „Richten‘s aus, es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut…“ Und da sind wir aktuell an einer Stätte in seinem verflossenen Reich: Reichenberg, Liberec. Ob der Trilex von Dresden in zwei Stunden wieder durchfährt, wissen mitunter am frühen Morgen noch nicht einmal die Zugbegleiter. Und seit ich denken kann, hat es in der Lausitz SEV, mal angekündigt und dann doch nicht, mal unangekündigt und dann eben doch. Aber man kommt an. Ab dem Hauptbahnhof in die Tram 3 Richtung Lidové sady/Volksgärten/Zoo. Kartenzahlung am Automaten im Wagen. Nein, Baden gehen will ich mit Ihnen nicht: Im wunderbar restaurierten Reichenberger Lázn? befindet sich nämlich das fünftgrößte Kunstmuseum Tschechiens, das 21000 Kunstwerke aus CZ, D, A, F, NL und anderen Ländern birgt. Die Ausstellungen sind im Wechsel und voller Überraschungen. Es lohnt sich, Museum wie Stadt. Und wenn Sie einmal dort sind, bestellen Sie bitte für mich im Ratskeller ein – nun ja – Stilles Wasser. Zur Kur halt.
Tobias Märksch

