Eine Weihnachtsgeschichte

Er zaubert mir immer noch ein Lächeln ins Gesicht

Nachdem wir einige Jahre in Radebeul Urlaub gemacht hatten, haben wir uns 2023 entschlossen, hierher zu ziehen. Hier fand ich, was ich mir wünschte: Natur, Kultur und Architektur! Ich bin viel spazieren gegangen und habe in Radebeul-Ost in der Hauptstraße auch die Fenster mit den schönen Sprüchen gelesen: „Jedes Lächeln, das du aussendest, kehrt doppelt zu dir zurück.“ Ich war begeistert, und es passte so gut zu der folgenden Geschichte, die ich wirklich erlebt habe:
Morgens trinke ich, Rentnerin (84), gerne meinen Kaffee vor dem Fernseher oder lese die Zeitung. Die Nachrichten machen mich traurig! Immer gehen die Menschen aufeinander los, schlagen, bestehlen sich, morden. Empfinden die Menschen nur Hass, Wut und Gewalt? Nein, es geht auch anders!
Ich schaue auf meinen Schrank – dort steht ein Glas mit einem kleinen Bergkristall. Ich lächle, fühle mich wieder gut und erinnere mich.
2017 habe ich meinen Urlaub wie schon oft in Italien verbracht, kleine Städtchen, Kirchen, Burgen und die Natur genossen und war auch ein paar Tage in Siena. Um zu meinem Hotel zu kommen, habe ich auch am letzten Tag den Bus genommen. Ich hatte einen wunderschönen Tag, ich war glücklich. Dann im Bus, etwa zwei Meter vor mir, sah ich ihn: einen jungen Mann, um die 30, in einem Leinenanzug, Strohhut, den Schal ganz locker über der Schulter, einen Rucksack, blonde Locken, wunderschöne blaue Augen – und ein strahlendes Lächeln. Er strahlte mich an, ich ihn.
Wir haben kein Wort gesprochen, nur uns angelächelt, nur ein „Dich finde ich nett, welch ein schöner Tag“ – ohne Worte! Dann kniete er sich hin, suchte etwas in seinem Rucksack. Wieder ein Lächeln.
Der Bus hielt am Bahnhof. Er musste aussteigen, machte zwei Schritte auf mich zu und reichte mir mit diesem so lieben Lächeln einen winzigen Bergkristall – und stieg aus. Außer meinem erstaunten „Oh“ kein Wort.
Ich weiß nicht, wer er war, woher er kam, ob er Engländer, Däne, Italiener, Deutscher oder, oder war. Er war ein Mensch, der einer Fremden eine Freude machen wollte, der einfach nur nett sein wollte.
Ich denke oft an ihn – mit einem glücklichen Lächeln und der Gewissheit: Es gibt nicht nur Hass. Auch nicht unter Fremden.

Ursula Bauert

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