Lutherkirche und neues Gemeindehaus

Einladung des Vereins zur öffentlichen Veranstaltung in der Lutherkirche

Schon einmal in diesem Jahr berührte eine Veranstaltung des Vereins die Radebeuler Lutherkirche (Julius Wilhelm Graebner – Vortrag anlässlich des 100. Todestages s. V&R März 2017). Nun bietet sich eine wunderbare Gelegenheit im Sinne des Vereinsanliegens „Denkmalpflege und neues Bauen“ gemeinsam mit der Lutherkirchgemeinde zu einer Veranstaltung einzuladen, die den modernen Bau des neuen Gemeindehauses vorstellt.

Das neue Kirchgemeindehaus für die Lutherkirche in Radebeul strebt seiner Fertigstellung entgegen, schon heute sind der Baukörper und seine äußere Gestaltung ablesbar und auch der Innenausbau schreitet voran. Das Gebäude soll im Frühjahr 2018 vollendet werden.

Siegerentwurf: Aussenansicht
Bild: Knoche Architekten BDA


Die jüngere Geschichte des Vorhabens reicht bereits einige Jahre zurück. Nach langer Gemeinde- interner Vorbereitung wurde im Jahre 2012 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 12 Sächsische Architekturbüros beteiligten. Die Jury unter dem Vorsitz der Dresdener Architektin Delia Bassin kürte den Beitrag des Leipziger Büros KNOCHE ARCHITEKTEN BDA als eindeutigen Sieger des Verfahrens und empfahl, den Siegerentwurf auch umzusetzen.

Das Raumprogramm enthielt keine Überraschungen: einen grossen, teilbaren Gemeindesaal, einen kleinen Gemeinderaum und ein Raum für die Jugendarbeit sowie Küche, Büro und Nebenräume. Die eigentliche Schwierigkeit lag in einem – auf den ersten Blick nicht aufzulösenden -Widerspruch: während nämlich die Kirchgemeinde einen direkten Anbau mit barrierefreier Anbindung an die Kirche als unverzichtbar bezeichnete, war die Zielstellung des Denkmalschutzes ein freistehendes Gebäude mit möglichst großem Abstand zur Kirche.

Siegerentwurf: Innenansicht
Bild: Knoche Architekten BDA


Die Auflösung dieses Zielkonfliktes lieferte nur der Siegerentwurf, weil er das baukörperlich ablesbare Volumen durch eine erdüberdeckte Anbindung mit der Kirche verbunden hat. Der Neubau bindet in die bestehende Topographie ein, tritt als Volumen zurück und lässt durch seine horizontale Erscheinung der Lutherkirche ihre Wirkung als vertikaler Solitär. Trotz baulicher Anbindung des Neubaus an die Kirche bleibt der äußere Umgang um die Kirche erhalten.

Die innenräumliche Anbindung des Kirchengebäudes erfolgt über einen Durchgang im Sockelgeschoss der Kirche, diese Anbindung fügt sich schlüssig in die Erschließungs- und Funktionsstruktur des Gesamtensembles ein und erfüllt zudem die Forderung des Denkmalschutzes zur Erhaltung des äußeren Rundweges um die Kirche. Die vertikale Verbindung des Neubaus mit dem Niveau des Kirchenschiffes findet innerhalb des Kirchenraumes statt. Eine Treppe sowie ein behindertengerechter Aufzug werden seitlich unterhalb der Emporen eingebaut und daher als nur geringfügiger Eingriff in den Bestand betrachtet.

Der teilbare Gemeindesaal wird über das zweiseitig zugängliche Foyer erschlossen und orientiert sich mit der Längsseite in den ruhigen Norden auf den Ehrenhain. Durch die räumlich – topographische Fassung des Umgangs um die Kirche und die bestehende Bepflanzung wird die Vorzone des Gemeindesaals zu einem ruhigen, dreiseitig begrenzten Außenraum ausgebildet.

Der Kleine Gemeinderaum, der Jugendraum, das Büro und die Küche liegen in der südlichen Gebäudespange. Büro und Küche orientieren sich in den umgebenden Außenraum nach Süden, während der Jugendraum und der Gemeinderaum 2 in einen umschlossenen Innenhof blicken. Dieser Innenhof orientiert sich ins Gebäudeinnere und bildet somit eine besondere Charakteristik als Raum für ruhige Momente.

Die äußere und innere Gestaltung des Gebäudes wird bestimmt von wenigen, wertigen und natürlichen Materialien wie beispielsweise das Verblendmauerwerk aus Recyclingziegeln. Es übernimmt die Materialität des Kirchengebäudes, aber auch die Farbigkeit der Sockelzone. Dadurch wird eine ausgewogene Balance von Unterordnung und Eigenständigkeit in der Erscheinung gefunden. Das Kirchgemeindehaus formuliert sich als Nebengebäude und lässt der Kirche ihre Dominanz.

Auch Holz spielt im Materialkonzept eine entscheidende Rolle: ob als Holz für die Tragkonstruktion des Daches, für Fenster, Einbaumöbel oder Böden, überall wo die Oberfläche in direkten Kontakt mit den Benutzer/innen tritt, prägen die klaren Raum- und Baukörperkonturen einerseits, aber auch die natürlichen, handwerklich erzeugten Materialien die haptische Erlebbarkeit des Bauwerks und erzeugen eine dauerhaft wertige, natürliche und warme Atmosphäre der Außen- und Innenräume.

Durch das Zusammenspiel seiner sowohl konzeptionellen als auch konstruktiven Merkmale wird der eingeschossige Baukörper als neuer Baustein zwischen Gartendenkmal, Kirche und der südlichen Bebauung des Grundstücks wahrgenommen und fügt sich als Knotenpunkt und Neue Mitte zwischen der Kirche als Andachtsraum, dem Landschaftsdenkmal als Raum zum Gedenken sowie den bestehenden Pfarrhäusern an der Karl – May – Straße harmonisch ein.

Die beiden Zeichnungen zeigen den Eingangsbereich und den Gemeindesaal im Wettbewerbsstand.

Am 20.10.2017 ab 19 Uhr ist es möglich die Baustelle individuell zu besichtigen.

19.30 Uhr wird dann in der Lutherkirche Professor Knoche zur Findung und Umsetzung des Entwurfs berichten und klärt die Frage, ob der Wettbewerbsentwurf ohne wesentliche Änderungen umgesetzt werden kann.

Herzliche Einladung an alle Interessierten.

Prof. Christian Knoche
Michael Mitzschke

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