Spaziergang durch das Landschaftsschutzgebiet Lößnitz

Im August des vorigen Jahres führte ich Sie durch den Fiedlergrund nach Wahnsdorf hinauf. Man kann diesen Stadtteil aber auf mehreren Wegen erreichen, z. B. von der Haltestelle Weintraube über die Schuchstraße-Lößnitzgrundstraße-Rieselgrund, und zurück auf dem Bodenweg – Hohle Gasse – Eduard-Bilz-Straße. Von der zur Zeit geschlossenen „Goldenen Weintraube“, dem Stammhaus der Landesbühnen Sachsen, geht es auf der Schuchstraße bergwärts. Sie ist nach Ernst von Schuch benannt, der 1882 ein Grundstück mit Villa (heute Nr. 13) als Sommersitz erwarb. Später bewohnte es die Familie ständig, bis die Erben es 1933 verkauften. Wir überqueren die Kreuzung und gehen die Paradiesstraße, einst sogenannter Kommunikationsweg von Serkowitz nach Lindenau. An ihr entstanden im vorigen Jahrhundert mehrere Villen, von denen einige unter Denkmalschutz stehen. Haus Nr. 36 (um 1850 erbaut) erlebte unter wechselnden Besitzern mehrfache Erweiterungen. Bemerkenswert ist der alte Baumbestand im Garten. Haus Nr. 46 zeichnet sich durch die Gestaltung der Fassaden aus, Haus Nr. 48 ist vermutlich weit älter, aber nicht seines derzeitigen Bauzustandes wegen, vielmehr bezeugt das teils als Bruchsteinmauer, teils als Fachwerk errichtete Untergeschoß alte Bauweisen. Die Anbauten stammen dagegen etwa von 1912. Bald danach stehen wir wieder an einer Wegkreuzung, an der einst ein Brunnen die umliegenden Winzerhäuser mit Wasser versorgte. Hier errichtete der Architekt Rometzsch auf ehemals zum Grundhof gehörendem Gelände zwei gut in die Lößnitz passende Villen.




Das hintere, mit Turm, ist jedoch nicht das Turmhaus des Grundhofes, in dem um 1825 Dr. Serrius eine Knabenerziehungsanstalt betrieb. Dessen Turm wurde nach einem Brand nicht wieder aufgebaut. Uns führt die Straße rechts in den Lößnitzgrund; sie überquert auf einer Brücke die Schmalspurbahn-Strecke nach Moritzburg, an der etwas tiefer die ehemalige Grundmühle liegt. Auf der Straße weitergehend haben wir links die Gebäude des ehemaligen Elektrizitätswerkes Niederlößnitz, 1896 an Stelle der Böhnischmühle erbaut. Gegenüber geht es nun in den Rieselgrund hinein, der in alten Flurbezeichnungen Wahnsdorfs „Rießengrund“ heißt. Doch wie dem auch sei im Aufwärtssteigen eröffnet er uns hinter jeder Wegbiegung ein neues, malerisches Bild: alte hohe Bäume mit knorrigen Wurzeln, felsiges Gestein, in dem Steinbrucharbeiter ihre Spuren hinterließen; aus unsichtbaren Quellen kommen kleine Rinnsale. Vielleicht ist durch sie der Name „Rieselgrund“ entstanden. Tatsächlich gab es hier im 17./18. Jahrhundert zahlreiche um mauerte Quellen, deren Wasser durch Röhren nach entfernten Grundstücken geleitet wurde. 1784 ließ der Kaufmann Gerber eine solche Rohrleitung zum Grundhof legen, und schon 1725 hatte der Advokat Kober (auf dem heute Minckwitz’schen Berge) zusammen mit zwei anderen Bergbesitzern mehrere dieser Quellen von Wahnsdorfer Bauern gekauft und die Rohrleitung bis zur Finsteren Gasse legen lassen – eine beachtliche technische Leistung.- Je höher wir kommen, umso lichter und weiter wird der Grund, bis wir schließlich die ersten Häuser des Ortes erreichen. In der 1870 gegründeten Gaststätte „Friedenslinde“ können wir eine Rast einlegen. Der alte Gasthof, einst mit mehreren Rechten ausgestattet, ist schon länger geschlossen. Wahnsdorf wird erstmals urkundlich 1350 erwähnt, seine auf deutsche Siedler zurückgehende Gründung liegt mit Sicherheit früher. Der Dorfkern läßt die alte Anlage noch gut erkennen. Über Jahrhunderte gehörten die Einwohner zu den Lehnsleuten des Rittergutes Hermsdorf, bis um 1840 die Dienste abgelöst wurden. Wir setzen nun unseren Spaziergang auf der Spitzhausstraße fort, von der schon bald der Bodenweg links abzweigt. Zunächst führt dieser über die Höhe, senkt sich dann aber und läuft in den „Strakengrund“ (heute zur Eduard-Bilz-Straße gehörend) aus. Hier befand sich e?n zweites Quellgebiet, dessen Wasser ebenfalls durch Holzröhren, entlang der Weinbergstraße zur 1650 erbauten „Hoflößnitz“ und anderen Grundstücken geleitet wurde. Ein Schild zeigt uns die rechts abgehende „Hohle Gasse“ an, die uns auf schmalem Pfad zwischen alten Weinbergsmauern weiterführt. Links blicken wir in den „Strakengrund”, bald sehen wir in der Ferne Dresden, und wenig weiter breiten sich vor uns Weinberge aus. Hinter Bäumen verstecken sich einige Häuser, unter anderen das „Haus der Sonne“, und schließlich rücken die Mauern dicht zusammen, bis wir zwischen den Häusern „Friedeborn“ und „Hermannsberg“ auf die Weinbergstraße kommen. Wenn wir hier noch einmal durch die Gasse zurückschauen nach der Höhe, fällt ganz oben ein turmähnliches Bauwerk auf. Es wird die „Schnecke“ genannt, denn schneckenförmig sind die Steine aufgetürmt. Vermutlich bot es einst den Winzern als sogenanntes Hütehäuschen Unterkunft, wenn sie während der Traubenreife Tag und Nacht Wache halten mußten. Wir gehen nun die Weinbergstraße ostwärts, erreichen da, wo Eduard Bilz sein Sanatorium errichten ließ, die Eduard-Bilz-Straße, und kommen auf ihr wieder zur Straßenbahn.
Liselotte Schließer

 

 

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