Die Geschichte von einem Traum, einer Rockoper und den Sorgen eines Vereins

Immer mal wieder kommt es auch noch heutzutage vor, daß ein süßer Traum nicht nur eine Illusion bleibt, sondern tatsächlich zu einem Stück greifbaren Lebens wird. Freilich: Um diesen Traum von „Hair”, dieser legendären Erfolgsrockoper aus der Schlaghosenzeit amerikanischer Blumenkinder, in der Lößnitz der 1990er Jahre lebendig werden zu lassen, bedurfte es in den letzten zwei Jahren einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein und Unverzagtheit aller Beteiligten, die schließlich mit viel Idealismus und ein bisschen Glück ihre bis zu diesem Zeitpunkt einstudierte Version des „haarigen“ Hippie-Kultspektakels am 23. März 1997 vor über 600 Zuschauern in Coswig präsentieren konnten.

Szenenfoto aus “Hair” 23. März 1997

Doch zurück zum Traum: Die emsige Musiklehrerin Katharina Kollar hatte ihn seit 1992 beständig geträumt und begann schließlich 1995, Schülern in Radebeul von der in der Tat mitreißenden Musik in „Hair“ vorzuschwärmen. Beflügelt durch große Triumphe mit der „Rocky Horror Show“, die sie ebenfalls initiiert hatte, gelang es ihr und ihrer Coswiger Kollegin Steffi Ellmer, nach und nach interessierte und vor allem in Probenarbeit ausdauernde Schüler von Radebeuler, Coswiger und Meißner Schulen für das anspruchsvolle Projekt zu gewinnen. Die Gerüchteküche unter musik- und kulturbesessenen Jugendlichen der Region arbeitete während des Jahres 1996 auf Hochtouren, weshalb auch einige Schüler aus Dresden, Studenten und Auszubildende in die umfangreichen Musik- und Tanzproben integriert wurden. Dies war u.a. auch deshalb nötig geworden, um abgesprungene Beteiligte zu ersetzen und das Projekt „Hair“ über Motivationskrisen hinweg lebensfähig zu erhalten. Rührige Bemühungen um professionelle künstlerische Betreuung und Unterstützung der engagierten Laienschar waren erfreulicherweise erfolgreich, was beispielsweise durch die Mitwirkung des Radebeuler Komponisten Wolfgang Meyer bei der musikalischen Erarbeitung und dem Arrangement der Instrumente dokumentiert wird. Fanden sich die etwa 30 Mitwirkenden in Musik, Gesang, Ballett und Schauspiel im Herbst/Winter 1996/97 zu den zahlreichen Proben bestenfalls als Interessengruppe zusammen, stellte dann der 5. Februar mit der Gründungsversammlung des „Jugendrocktheater e.V Radebeul“ den Beginn eines nun offiziell vertretenen Zieles der Vereinsarbeit dar: Weit über das Jahresende 1997 hinaus soll zunächst an Schulen, dann aber auch an Theatern und Kulturhäusern der Region die unbezweifelbare Faszination von „Hair“ und seinen Protagonisten – den „Hippies“ – spürbar gemacht und ein unübersehbarer Farbtupfer in der Amateurkunstszene gesetzt werden. In weiteren 4 Aufführungen im April und Mai (u.a. zum 5. Geburtstag des Jugendwerkes Dresden Land e.V. am 6. Mai in Boxdorf) konnten seit der Premiere neu erarbeitete Szenen erstmals aufgeführt und dem überwiegend begeisterten jüngeren Publikum vorgestellt werden. Überhaupt ist eine stetige Entwicklung der Aufführungs- und Organisationsstruktur sowie eine Verbesserung des durch eine leider sehr angespannte finanzielle Lage beeinträchtigten Vereinslebens eine wichtige Voraussetzung für langfristiges Überleben. Deshalb ergeht vom „Jugendrocktheater e. V. Radebeul“ an dieser Stelle eine freundliche Bitte an Gewerbetreibende aus Radebeul und dem Umland, eine mögliche Unterstützung des Vereins – in welcher Form auch immer, oft helfen auch 3 Kisten Getränke, ein für einen Tag ausborgbarer LKW, Verleih von Perücken etc. – zu bedenken! Jede(r) Interessent(in) ist, ebenso wie alle Leser von „Vorschau und Rückblick“, herzlich eingeladen, sich die nächsten Aufführungen (vermutlich 21./22. Juni) anzusehen und sich eventuell zwecks Zusammenarbeit mit dem Vorstand in Verbindung zu setzen. Es wäre doch zu schade, würde dem gerade erst verwirklichten Traum junger Menschen durch den Würgegriff des Geldes das Lebensblut stocken müssen.

Bertram Kazmirowski

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Ein Trackback

  1. […] Dran inszeniert und auf einer Tournee kreuz und quer durch Sachsen auf die Bühne gebracht hatte (vgl. auch V&R 6/97, S. 10). Wie würde nun, 50 Jahre nach der New Yorker Uraufführung und deutschen Erstaufführung, ein […]

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