Radebeuler Ehrenbürger (Teil 8): Arthur Weiß

Die DDR verstand sich ja bekanntlich als Arbeiter- und Bauernstaat, und so ist es nicht verwunderlich, dass das Ehrenbürgerrecht, das – in der Lößnitz wie überall – traditionell meist an mehr oder weniger herausragende Persönlichkeiten bürgerlicher Provenienz verliehen wurde, zu DDR-Zeiten auch als besondere Auszeichnung für Arbeiter bzw. verdiente Veteranen der Arbeiterbewegung in Betracht kam. In diese Kategorie fällt auch der dritte Nachkriegs-Ehrenbürger Radebeuls Arthur Weiß.

Hermann Arthur Weiß wurde am 30. Dezember 1900 als Sohn eines Webermeisters geboren, und zwar in Kleinthiemig bei Großenhain, woher auch der erste Radebeuler Ehrenbürger Robert Werner stammte. Die Zeitumstände des Ersten Weltkriegs brachten es mit sich, dass Weiß nicht auch Weber, sondern Molkereigehilfe wurde. Seit 1921 lebte er in Zitzschewig, wo er sich unter anderem als Arbeitersportler hervortat und einen Arbeiter-Athleten-Club ins Leben rief. Politisch war Weiß als Mitglied der Kommunistischen Partei aktiv. 1929 wurde er als einer von zwei KPD-Vertretern in Kötzschenbroda zum Stadtverordneten gewählt und übernahm den Vorsitz des städtischen Erwerbslosenausschusses.

Dieses Engagement trug ihm nach der Machtübernahme der Nazis 1933 politische Verfolgung und viele Monate »Schutzhaft« ein, u.a. in den frühen Konzentrationslagern Hohnstein und Sachsenburg. Auch nach der Entlassung blieb Weiß im antifaschistischen Widerstand tätig, baute mit anderen in Radebeul eine illegale KPD-Gruppe auf, organisierte den Vertrieb verbotener Druckschriften und sammelte Spenden für politische Gefangene und deren Angehörige.

Arthur Weiß (Stadtarchiv Radebeul)

Nach dem Zweiten Weltkrieg, an dem der Familienvater als Soldat hatte teilnehmen müssen, wurde er 1946 als Betriebsleiter der Molkerei in Arnsdorf eingesetzt. 1949 kehrte er nach Radebeul zurück, wurde Sekretär der SED-Ortsleitung und ab 1952 erneut Stadtverordneter. Zu seinen zahlreichen politischen Ämtern zählte auch der Vorsitz der Kreis-Parteikontrollkommission Nord und die Funktion als Sekretär des Rates der Stadt, die er von 1957 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1961 bekleidete.

Weiß war Träger mehrerer Auszeichnungen, darunter der Vaterländischen Verdienstorden der DDR in Silber und die Verdienstmedaille der französischen Widerstandskämpfer 1964. Das Ehrenbürgerrecht der Stadt Radebeul wurde ihm aus Anlass seines 70. Geburtstages verliehen.

Arthur Weiß war verheiratet mit Dora geb. Böhme und hatte vier Kinder. Jahrzehntelang wohnte die Familie am Spitzgrundweg 8. Am 13. November 1981 starb Weiß in Radebeul, beigesetzt wurde er auf dem Dresdner Heidefriedhof. Nach seinem Tod wurde der Club der Volkssolidarität auf der Schilden-, Ecke Pestalozzistraße nach ihm benannt.

Stefanie Schiemichen, Stadtarchiv Radebeul

[V&R 11/2010, S. 10]

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