Wertschätzung oder heiße Luft

ein Kommentar zum Beitrag „Laudatio für Eckhard Kempin“ von Jürgen Stegmann in „Vorschau und Rückblick“, 09/2011

Dass der Maler und Galerist Eckhard Kempin in der Radebeuler Kunstszene ein Unbekannter wäre, ist eine Untertreibung. Dass es außer Eckhard Kempin noch andere Künstler gibt in Radebeul, ist eine Tatsache. Allein sechs Bildende Künstler (10% aller in Radebeul wirkenden Bildenden Künstler) feiern in diesem Jahr ein rundes Jubiläum. Wie sie dieses Jubiläum begehen, ob mit oder ohne Ausstellung ist zunächst eine private Entscheidung. Möglichkeiten auszustellen gibt es viele – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadt. Wer sich in der Radebeuler Stadtgalerie präsentieren möchte, meldet sich an, muss allerdings etwas Geduld aufbringen. Die Einrichtung bietet pro Jahr Raum für maximal 3 bis 4 Personalausstellungen. Hinzu kommen thematische Gemeinschaftsausstellungen, Ausstellungen mit Werken aus der Städtischen Kunstsammlung sowie die Sommerausstellung des Radebeuler Kunstvereins, zu der jeweils ein auswärtiger Gastkünstler eingeladen wird.

Erster Gedankensprung: Jede Generation hat eigene Probleme und jede Generation muss diese auf ihre Weise lösen. Nur dem Kulturlosen erscheint die heutige Zeit kulturlos. Nur dem Humorlosen erscheint die heutige Zeit humorlos. Nur dem Ignoranten scheint die heutige Zeit ignorant. Nur dem Eiligen, erscheint die heutige Zeit eilig.

Zweiter Gedankensprung: Miteinander reden kostet Zeit, die der Eilige nicht hat. Effektiver ist die Methode „Schnellschuss“. Man nehme also eine Schrotflinte, lade kräftig durch und drücke einfach ab. Sollte der Schütze auf einem Auge blind sein, hat das Zielobjekt Glück oder Pech. Auf alle Fälle macht es Krach.

Dritter Gedankensprung: Internationales Wandertheaterfestival, Kinder-Lese-Sommer, Grafikmarkt, Literaturkino, Kunstsammlung, Karl-May-Festtage, Familienweihnachtsmarkt, Künstlerfest, Kasperiade, Vereinsförderung, Ortsjubiläen, Einweihung

Zeiss-Planetariumsprojektor und Familienbibliothek … alles nur heiße Luft, der subventionierten städtischen Institutionen?

Also wofür sollen sich die Mitarbeiter des Kulturamtes schämen? Und wofür sollen sich die Bürger dieser Stadt schämen? Dafür, dass sie nicht wissen wer Eckhard Kempin ist? Aus der Laudatio von Jürgen Stegmann erfahren sie es leider nicht. Aber vielleicht sind sie durch die Polemik in „Vorschau und Rückblick“ neugierig geworden auf die Jubiläumsausstellung „Malerei aus vier Jahrzehnten“, welche aus Anlass des 70. Geburtstages von Eckhard Kempin vom 18. November bis 18. Dezember 2011 in der Radebeuler Stadtgalerie zu sehen sein wird. Die Mitarbeiter des Kulturamtes freuen sich jedenfalls schon auf die Zusammenarbeit mit Eckhard Kempin, den sie als Künstler und als Vermittler von Kunst sehr schätzen.

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