Ein Nachruf für Mario Liebetrau

„Mit dem Leben ist es wie mit einem Theaterstück. Es kommt nicht darauf an, wie lang es war, sondern wie bunt.“

Völlig überraschend verstarb zum Beginn der neuen Spielzeit der langjährige Leiter der Requisite der Landesbühnen Sachsen, Mario Liebetrau, im Alter von nur 48 Jahren. Noch Anfang Juli erschien über seine 25jährige Zugehörigkeit und Verdienste am Radebeuler Haus eine ausführliche Würdigung in den Dresdner Neuesten Nachrichten. Der gelernte Werkzeugmacher hatte sein Theaterhandwerk von der Pike auf gelernt. Vom Arbeitertheater „Heiterer Blick“, über die Komparserie auf der Felsenbühne in Rathen führte ihn schließlich der Weg ins ortsansässige Theater.

Für unzählige Inszenierungen gestaltete er in all den Jahren das große und kleine Beiwerk. Auf der Felsenbühne traf man ihn stets in der Waffenkammer, seinem Refugium, beim Laden und Reparieren von Waffen, Nebelgeräten und Präparieren pyrotechnischer Effekte. Der erst im Februar umgezogene Fundus im neuen Gebäudetrakt am Radebeuler Stammhaus ist ein beredtes Zeugnis der Kreativität der Requisiteure. Als Chef und „alter Hase“ hat er mit Überblick, Ruhe und Gelassenheit seine Abteilung geführt. Für alle Mitarbeiter war der plötzliche Verlust des geschätzten Kollegen eine besondere Herausforderung. Denn ein eisernes Theatergesetz besagt: „Der Vorhang hat immer aufzugehen.“ Nicht einfach also, so schnell und mit aller emotionalen Betroffenheit, die große Lücke, zumindest nach außen, zu schließen.

Während Mario Liebetrau jährlich für über 550 Vorstellungen Verantwortung trug und sich nicht selten für seine Tüfteleien in die Waffenkammer zurückzog, suchten er und seine Familie in der Sommerpause oft das Weite. Albanien, Australien, Vietnam, Laos und schließlich Burma stillten das im Jahreskreis immer wieder aufkeimende Fernweh. Auch Zuhause war er für manche Exotik zu haben. So züchtete er im Keller etwa 100 Geckos, Agamen und nannte zwei Leguane sein eigen. Ein großes Interesse galt neben seinen Weltreisen auch verschiedenartigen Kulturen und deren Geschichte.

Für seine Kolleginnen, seine „Mädels“ wie er sie liebevoll nannte, ist nun ohne Übertreibung eine neue Ära angebrochen. So schwer der unerwartete Verlust ist, so bleibt doch die Gewissheit, dass er in all den Jahren und in all den Dingen vielen Theaterkollegen ein bleibendes Andenken geschaffen hat.

Sascha Graedtke

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