Erinnerung an Walther Stechow und seine Verbindungen zum Hohenhaus

Noch vor fünfundzwanzig Jahren gehörten sie zu den alltäglichen Erscheinungen unserer Stadtlandschaften, gelbe Industrieschornsteine, die stark zerfeuert und meist schon etwas windschief Fabrikanlagen, Heizkammern oder Gewächshäuser überragten. Inzwischen aber ist der eine, 28 m hohe, aus gelbem Backstein errichtete Schornstein der ehemaligen Hohenhaus-Gärtnerei ein seltenes Unikat geworden. Sein etwa 4 m hoher quadratischer Unterbau trägt über einem sandsteingedeckten Gesims einen achteckigen, sich nach oben leicht verjüngenden Schaft, der von einem gegliederten, schwach auskragenden Kopf gekrönt ist. Wir verdanken dieses Denkmal, in dem sich auch der Geist seiner Zeit verkörpert hat, dem Wirken des Berliner Militärarztes Dr. Walther Stechow.

Stechow, am 25. Januar 1852 in Jarchlin, im ehemaligen Bezirk Stettin geboren, war Generaloberarzt in Berlin und zeitweilig wohl auch Kaiserlicher Leibarzt. Besonders verdient gemacht hat er sich um die Einführung des Röntgenverfahrens für das preußische Militär. 1903 veröffentlichte er das Buch „Das Röntgen-Verfahren mit besonderer Berücksichtigung der militärischen Verhältnisse“. Er unternahm größere wissenschaftliche Reisen nach England, Frankreich, Schweden, Norwegen, Italien, Spanien, Russland, Kleinasien, Marokko und Nordamerika, nahm an internationalen medizinischen Kongressen in Rom, Moskau, Madrid und Paris teil und veröffentlichte zahlreiche Aufsätze zum Thema Röntgenfotografie. Seine wissenschaftlichen Leistungen fanden in vielen Ländern Anerkennung. So war Stechow unter anderem Ritter der französischen Ehrenlegion, er erhielt das Ritterkreuz des sächsischen Albrechts-Ordens sowie den schwedischen Nordstern-Orden. Auch war er Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften.

Im Winter 1884/85 hatte er von Thienemanns Erben Hohenhaus erworben und sofort begonnen, Haus und Park nicht nur ästhetisch, sondern auch praktisch-wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Das Haus erhielt seine heutige Gestalt. Der Park erfuhr mannigfache Erweiterungen und Veränderungen, die vorrangig der besseren Bewirtschaftung dienten, nachdem Thienemann mit ästhetischem Gespür in fröhlicher Schönheit den unumstritten schönsten Park des Elbtales zwischen Dresden und Meißen kreiert hatte.

Besagter Schornstein war notwendiges Zubehör einer Dampfmaschine, deren Kraft Wasser aus einem Brunnen gehoben und in einen Hochbehälter gedrückt hatte, von wo es Leitungssysteme über den ganzen Park verteilten.

Die zur Inbetriebnahme erforderliche Erstrevision der Dampfmaschine wurde am 12. April 1886 bescheinigt. Nachweise jährlicher Revisionen belegen den Betrieb der Anlage über 22 Jahre bis 1908. Sie wurde überflüssig, nachdem Dr. Stechow durch weiteren Landzukauf in den Besitz eines höher gelegenen Quelltales gelangt war, das den Wasserbedarf in der Folgezeit auf natürliche Weise decken half.

Als die Arbeiten zur Umgestaltung von Hohenhaus einen gewissen Abschluss erreicht hatten, setzte Frau Dr. Marie Stechow, geb. von Janson, ihrem Gatten einen Erinnerungsstein, einen Obelisken mit der Aufschrift Gedenkstein Dr. Walther Stechow, der seit 1898 auf einem kleinen Vorsprung im Fichtenhain des Bellavistaberges steht. Hohenhaus war damit wieder zu einem idealen Sommersitz erwachsen: frohe Menschen gingen ein und aus, und in der Hut der Eltern wuchsen drei Kinder auf, die ihrerseits ihre schönsten Jugendjahre hier verlebten.

In den Jahren nach 1933 versuchten Prof. Dr. Eberhard Stechow einer der Söhne des Arztes, und dessen Frau Elsa an die Vorkriegssituation anzuknüpfen. Diese Phase hoffnungsvoller Neubelebung zeichnete sich vor allem durch die Neupflanzung hunderter Obstgehölze aus, doch wurden auch die beiden Pappeln am Eingang Mittlere Bergstraße gesetzt. Die Baulichkeiten wurden bestandssichernden Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten unterzogen, wobei auch das Maschinenhaus neu eingedeckt und verputzt worden war.

Der neuerliche Kriegsausbruch bedeutete das vorlaufige Ende aller Blütenträume.

Vor 85 Jahren, am 17. Dezember 1927 starb Dr. Walther Stechow in Frankfurt am Main. Zwei Achtungszeichen erinnern an ihn als zeitweiligen Hohenhausbesitzer: Der Schornstein symbolisiert seinen Glauben an die Kraft des Geistes und der Maschinen. Der Obelisk steht für seine Fähigkeit, ein vielversprechend begonnenes Werk fröhlicher Schönheit mit Herz und Verstand weiterzuführen.

Die heutigen Besitzer, Inge und Torsten Schmidt konnten Hohenhaus 2004 aus den Händen der Stechowschen Erben übernehmen und einen hoffnungsvollen Neuanfang wagen.

Thomas Gerlach

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