Wilhelm Kreis, der Architekt des Radebeuler Bismarckturmes, und sein Wirken

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Artikel in Vorschau & Rückblick über den Radebeuler Bismarckturm gab es schon einige (01/02, 02/02/,03/02,09/07). Der Fokus darin war hauptsächlich auf das markante Bauwerk, seine Geschichte, die Verdienste der Erbauer und auf Möglichkeiten, dem Turm in unserer heutigen Gedanken- und Erlebniswelt einen Platz zu geben, gerichtet. Dieser Artikel nun soll das Wirken des Mannes näher beleuchten, nach dessen Entwürfen u.a. der Radebeuler Bismarckturm erbaut wurde.
Wilhelm Kreis (1873-1955) studierte von 1892-1894 Architektur an der Technischen Hochschule in München, danach in Braunschweig, Berlin und Karlsruhe. Von 1902-1908 und 1926-1941 lehrte er in der Nachfolge von Heinrich Tessenow an der Dresdner Kunstakademie. Von Anfang grafik_w-kreiserhielt sein Schaffen Anerkennung. Schon während seiner Studienzeit 1896 siegte sein Entwurf im Wettbewerb um das Leipziger Völkerschlachtdenkmal, der aber nicht zur Ausführung kam. Die erste Periode seines Schaffens war stark durch auf seiner Verehrung für Bismarck und das Kaiserreich beruhenden Entwürfen von Nationaldenkmälern und die Entwicklung der Raumkunst geprägt. Vorbild seiner Bismarcktürme war für ihn u.a. das Grab des Theoderichs in Ravenna. Ab 1900 wurden solche Türme (u.a. auch auf der Räcknitzhöhe in Dresden) nach den Vorgaben von Kreis überall in Deutschland gebaut. Die Feuer auf den Turmspitzen sollten die innere Einheit des Reiches sichtbar demonstrieren.
Kreis erhielt den Auftrag zur Internationalen Kunstausstellung 1901 in Dresden die große Skulpturenhalle zu gestalten. Er schuf dabei monumentale Formen, im Streben aus nationaler Tradition Neues auch im Innenraum zu entwickeln.
1907-1910 wurde ihm die Aufgabe übertragen, die auf Pöppelmann zurückzuführende Dresdner Augustusbrücke auf moderne Erfordernisse, besonders des Schiffsverkehrs auszurichten. Komplett aus Stahlbeton gebaut und mit Sandstein verkleidet gelang ihm im Sinne der Reformarchitektur eine städtebauliche sensible Lösung. Später war er in neuer Formensprache einer der führenden Architekten der Weimarer Republik (Deutsches Hygienemuseum, Empfangsgebäude Bahnhof Meißen), lieferte viele qualitätvolle Pläne im Dritten Reich (u.a. Dresdner Luftgaukommando August-Bebel-Str.19) und arbeitete erfolgreich nach dem Krieg, nachdem es ihm gelungen war nachzuweisen, dass er im Dritten Reich eine unpolitische Haltung eingenommen hatte.
“So spiegelte das Schaffen von Kreis die breite Palette der Architektur aus vier verschiedenen politischen Systemen wider und beweist beispielhaft, wie weltanschaulich politische und künstlerische Ausdrucksformen voneinander abhängen. Er bewegte sich mit seinem Opportunismus immer im Bereich des anerkannten und geförderten Bauwesens und war in jedem dieser Systeme, vom Kaiserreich bis zur Demokratie, ein gefeierter Architekt”.1
Sollten Sie diese kurzen Schlaglichter auf Leben und Wirken dieses die Brüche eines bewegten Jahrhunderts widerspiegelnden Schaffens neugierig gemacht haben, würden wir uns freuen, Sie herzlich im Rahmen des Projektes “Vom Gestern zum Morgen – der Radebeuler Bismarckturm” am Freitag dem 26. April 2013, 19.30 Uhr in den Vortragsraum der Stadtbibliothek im Kulturbahnhof Radebeul-Ost zu einem Vortrag von Herrn Wolfgang Hähle, Hauptkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege a.D., über Wilhelm Kreis einladen zu dürfen.

(1) Ulrich Hübner “Das Bauschaffen des Architekten Wilhelm Kreis in Dresden, Jahrbuch Denkmalpflege in Sachsen 2009

Michael Mitzschke

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