Die Unkersdorfer Kirche

Ruth Wagner. 2003

Ruth Wagner. 2003

Im 1999 nach Dresden eingemeindeten Unkersdorf gehören Schule, Kindergarten, Dorfkonsum, Poststelle, Telefonzelle und Tankstelle nun schon länger der Vergangenheit an. Unkersdorf kann aber eine Kirche und einen Gasthof aufweisen. Begibt man sich von diesem und der vor ihm stehenden Nagelschen Säule auf der durch das Dorf führenden Straße bergab, so gelangt man bald zum Mittelpunkt des Ortes. Diesen bildet die evangelische Dorfkirche. Sie ist der Stolz der Unkersdorfer. Umschlossen wird die Kirche vom Friedhof mit einer Friedhofsmauer aus heimischen Plänersteinen.
Schon Mitte des 14. Jahrhunderts besaß Unkersdorf eine Kirche. Im Chorbereich der kleinen Saalkirche sind noch romanisches Mauerwerk und Reste mittelalterlicher Wandbemalung vorhanden. Über die Jahrhunderte war Unkersdorf im Oberland ein relativ wohlhabendes Bauerndorf. Noch 1871 war es von der Einwohnerzahl (202) eines der größten Dörfer der Region. Wo sollte, wenn nicht hier, eine Kirche stehen?
Ursprünglich war Unkersdorf ein Bestandteil des Burgwardkirchsprengels von Briesnitz. Schon vor 1495 trennte sich Unkersdorf kirchlich von Briesnitz. Der Pfarrer hatte seinem Briesnitzer Amtsbruder als Entschädigung bis ins 17. Jahrhundert hinein 12 Scheffel Getreide abzugeben. Andererseits floss der Zehnte (Bischofszehnt) von Oberwartha, Rennersdorf, Cossebaude, Leuteritz, Merbitz und Mobschatz nach Unkersdorf.
Die Nachbardörfer Steinbach und Roitzsch wurden 1539 bzw. 1578 nach Unkersdorf eingepfarrt. Erster evangelischer Pfarrer wurde 27 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers in Wittenberg 1544 Johannes Underheil. Von ihm wissen wir, dass er als armer, ungelehrter Mann, der Latein weder reden noch schreiben könne, die Pfarrstelle erhielt. Inzwischen hat Unkersdorf seinen 25. Pfarrer. Letzterer betreut auch die Kirchgemeinden in Weistropp und in Constappel. Bereits 1931 wurde die Unkersdorfer Kirche eine Filialkirche von Weistropp.
Die Kirche befindet sich in einem guten baulichen Zustand und wurde kürzlich erst außen renoviert. Der Einsatz der Gemeindemitglieder für ihre kleine wohlgefällige Dorfkirche war zu allen Zeiten bemerkenswert.
Umbauten erfolgten 1586 und 1613 sowie 1697 mit Neubau des Saales und Umbau des Chores. Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde die Kirche 1766 wieder hergestellt und ausgeschmückt. Erneuerungen erfolgten in den Jahren 1774, 1797, 1894 und 1906. Wahrscheinlich wurde auch 1906 der Abriss der zweigeschossigen Empore und der Einbau einer eingeschossigen Empore vorgenommen. 1938 wurde das Kircheninnere umfassend renoviert. Der durch Beschuss 1945 schwer beschädigte Kirchturm war 1949 in etwas veränderter Form wieder aufgebaut worden. Erstaunlich, was damals möglich war und geleistet wurde.
1971 wurde eine Neueindeckung des Turmes mit Schiefer notwendig. Eine große Renovierung erfolgte von 1979 bis 1985. Dabei wurde ein Gemeinderaum eingebaut. Gleichzeitig erfolgte der Verkauf der Pfarre. In letzterer weilte im Siebenjährigen Krieg auch Friedrich der Große. Der Kirchraum ist ein saalartiger Bau mit flacher Decke, der gegen Osten im Achteck geschlossen ist und hier an den Ecken halbhohe Strebepfeiler hat. Das Dach ist über dem Chor abgewalmt, über dem Westgiebel befindet sich ein achteckiger verschieferter Dachreiter mit Haube und spitzem Helm. In der Wetterfahne ist die Jahreszahl 1586 erkennbar. An den Längsseiten hat die Kirche flachbogige Fenster und am Chor Rundbögen.
Das Eingangstor aus Sandstein befindet sich an der Südseite. Es stammt vermutlich aus dem Jahr 1586. Erst kürzlich wurde es erneuert. Ein weiteres Tor wurde 1906 an der Westseite eingebaut. Der Raum ist im Lichten 5,90 m hoch. An der Chorseite liegt die Sakristei, welche durch eine hölzerne Wand mit zwei Durchgängen verdeckt wird.

Ruth Wagner. 2003

Ruth Wagner. 2003

Zwischen diesen Durchgängen befindet sich der Altar. Auf dem Altarbild von um 1600 ist eine Abendmahlszene dargestellt. Über dem Altar ist die Kanzel angeordnet. Der prachtvolle Kanzelaltar mit seinen Rokoko-Formen stammt von 1766. Er ist ein besonderes Schmuckstück der Kirche.
An beiden Seitenwänden befindet sich eine einfache Empore. Die nach Westen liegende Orgelempore ist vorgezogen. Die Orgel von Bruno Kircheisen aus dem Jahr 1896 wurde nach einer umfassenden Restaurierung für ca. 60.000 DM im Mai 1999 wieder eingeweiht.
Die beiden farbigen Altarfenster schenkte 1904 seiner Heimatgemeinde der 1839 als Sohn des Unkersdorfer Schullehrers geborene Leberecht Hartwig. Zuvor hatte er bereits 1891 eine der drei Kirchenglocken gespendet. Als markante Persönlichkeit war er 20 Jahre Stadtverordneter in Dresden und 4 Jahre Mitglied des Reichstages.
Im Jahr 2003 gaben die Unkersdorfer zwei nach dem letzten Kriege von Weistropp erhaltene Glocken (die von 1521 und 1836) wieder zurück. Das Geläut wurde wieder vervollständigt durch eine frei verfügbare Weistropper Glocke und den Guss einer neuen Bronzeglocke in Lauchhammer. Pfingsten 2004 erfolgte die Glockenweihe.
Auf dem Friedhof wird an die einheimischen Gefallenen des 1. Weltkrieges erinnert. Ein Gemeinschaftsgrab für die im Mai 1945 um Unkersdorf gefallenen deutschen Soldaten mahnt.
In der Kirche haben die Unkersdorfer am 31. Dezember 2000 in einer Edelstahlschatulle eine Nachricht an ihre Nachkommen im Jahre 2100 hinterlegt. Diese werden dann hoffentlich die 750. Wiederkehr der urkundlichen Ersterwähnung Unkersdorfs begehen, wo heute ein so reges Gemeindeleben stattfindet.
Den Unkersdorfer Jazztagen bot die Unkersdorfer Kirche von 2001 bis 2005 eine Heimstatt mit besonderer Atmosphäre.
In der Regel ist die Kirche verschlossen. Eine Besichtigung des Innenraumes außerhalb von Gottesdiensten ist nur mit etwas Glück möglich. Dann muss man auf einen Einwohner treffen, welcher einen Kirchschlüssel besitzt.
Gegenwärtig gehört die Unkersdorfer Kirche, obwohl auf dem Territorium Dresdens liegend, noch zum Kirchenbezirk Meißen. Vielleicht führen die Strukturveränderungen in der evangelischen Landeskirche Sachsens zu einem Näherrücken der Unkersdorfer an ihre alte Mutterkirche in Briesnitz.

Harald Worms

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