Warum mir „Vorschau & Rückblick“ so viel bedeutet

Interessant wäre es schon, einmal zu wissen, wer unser kulturelles Monatsheft liest und warum, wie viele Komplettsätze noch in Bücherregalen oder auf Dachböden schlummern, wie viel Staub beim Suchen bestimmter Beiträge aufgewirbelt wird und wie oft das wiederum ein befreiendes Niesen provoziert?

Auch ich gehöre in mehrfacher Hinsicht zu denen, die gern Staub aufwirbeln, zum einen, weil ich in meinen Beiträgen hin und wieder etwas gegen den Strich zu bürsten pflege, zum anderen, weil ich mitunter auf den heimischen Dachboden steigen muss, um nach bestimmten Artikeln zu suchen, was mich immer viel Zeit kostet. Hilfreich fände ich deshalb eine thematisch geordnete Gesamtübersicht aller Beiträge, die in den letzten 25 Jahren veröffentlicht worden sind. Leider hat sich für diese zweifellos verdienstvolle Aufgabe noch niemand finden können, was wohl auch daran liegt, dass die ehrenamtlichen Redaktionsmitglieder auf mehreren Hochzeiten tanzen.

Die Tatsache, dass „Vorschau und Rückblick“ Monat für Monat immer wieder gut gefüllt und pünktlich erscheint, löst vor allem bei den Insidern große Verwunderung aus. Deshalb möchte ich mich in dieser Jubiläumsausgabe bei Sascha Graedtke, der für die Endredaktion des kulturellen Monatsheftes verantwortlich ist, und Antje Herrmann, die für die finanzielle Absicherung durch Anzeigenschaltungen sorgt, einmal in aller Öffentlichkeit ganz herzlich bedanken.

„Vorschau und Rückblick“ gehört zu den geburtenstarken Nachwende-Jahrgängen. Damals schossen die schrägen Ideen und kulturellen Projekte wie Pilze aus dem Boden. Und selbst nach 25 Jahren empfinde ich es immer wieder als ein großes Glück, ohne Zensur schreiben zu können, was mir wichtig und mitteilenswert erscheint. Ein wenig irritiert mich allerdings die geringe Resonanz in Form von Leserzuschriften, sogar bei kritischen Themen mit aktuellem Bezug. Seit Januar 2010 ist Vorschau und Rückblick auch im Internet präsent. Aber nur selten gibt es mal einen herzerfrischenden Kommentar zu den Beiträgen. Und ich frage mich, woran das liegen könnte. Denn was nutzt die viel beschworene Meinungsfreiheit, wenn sie kaum praktiziert wird? Schon aus diesem Grunde sollten wir uns die stürmische Wendezeit mit all den Auf- und Umbrüchen öfter ins Gedächtnis rufen.

Karin Baum
Gründungs- und Redaktionsmitglied

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