„Wein ist eingefangener Sonnenschein“

Ein cineastischer Rückblick auf die Winzerumzüge von 1965 und 1969

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Filmsequenzen von 1965/69              Foto: Stadtarchiv Radebeul

Hatte das Jahr 1965 keine sonderliche Bedeutung in der Historie des 40-jährigen Lebens der DDR, so geriet das Jahr 1969 gleich mehrfach in den Fokus der Geschichtsschreiber jener Zeit. Immerhin, im Oktober 1969 bestand die DDR als eigener Staat bereits 20 Jahre. Ausreichend Grund, diesen Tag mit einem pompösen Umzug und diversen anderen Festivitäten zu begehen. So stand dann auch der Winzerumzug 1969 ganz direkt im Zusammenhang mit dem Republikgeburtstag. Denn der manifestiert sich in den mit zahlreichen Losungen verzierten Festwagen, den vielen Transparenten und auch dem Aufmarsch der Kampfgruppen.
Beide Umzüge – der des Jahres 1965 und der von 1969 – sind zu sehen in zwei Filmen im schwarz/weiß Format, die im Radebeuler Stadtarchiv entdeckt wurden und aus denen der Radebeuler Musiker Manfred Kugler in einem langwierigen Prozess jene zwei Filme herausfilterte. Zum Einen war das der Winzerumzug im Jahre 1965, der nur am Rande politische Botschaften transportierte. Zum Anderen aber war das der Winzerumzug des Jahres 1969, der zeitgleich mit den Festlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der DDR stattfand. Der erste Film entstand im schwarz-weiß Format, der von 1969 bereits in Farbe. Jeder Film hat eine Länge von 16 Minuten. Und beide Filme sind natürlich in erster Linie dem hiesigen Wein gewidmet; denn der bestimmte die Umzüge in jeglicher Hinsicht. Nicht nur in dem einhelligen Lob „Wein ist eingefangener Sonnenschein!“

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Filmsequenzen von 1965/69 Foto: Stadtarchiv Radebeul

Darüber hinaus erzählen beide Filme viele kleine unterschiedliche Geschichten. „Nieder mit der faschistischen Diktatur in Griechenland!“ lautete bspw. der Text auf einem der im Umzug mitgetragenen Transparente. Die Älteren werden sich gewiss erinnern, die DDR nahm damals zahlreiche griechische Flüchtlinge auf, die sich über die nachfolgenden Jahrzehnte hier gut eingewöhnten und sich beruflich vor allem im gastronomischen Bereich engagierten. Auch in Radebeul landeten einige dieser Flüchtlinge, integrierten sich und und viele von ihnen leben auch heute noch unter uns.

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Filmsequenzen von 1965/69 Foto: Stadtarchiv Radebeul

Manfred Kugler hat den bewegten Bildern der beiden Umzüge Musik unterlegt. Und wer damals dabei war – egal ob als Mitwirkender oder als Zuschauer – könnte sich an irgendeiner Stelle dieser beiden Filme auf den Bildern durchaus wieder erkennen. Die Filme sind auf einer DVD gespeichert und wer sie käuflich erwerben möchte, der kann das über das Stadtarchiv Radebeul tun.

Wolfgang Zimmermann

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