Nach dem großen Erfolg von 2016 startete in Radebeul das 2. X-JAZZ Festival

Kristin Amparo und John Runefeld

Kristin Amparo und John Runefeld Foto: W. Zimmermann

Die Hoflößnitz in Radebeul ist seit langem schon ein Ort, an dem man gern verweilt. Wenn man dazu dort noch gute bzw. interessante Musik genießen kann, dann ist das ein doppeltes Plus. Das dachten sich auch die Macher des 1. X-Jazz Festes im Jahr 2016. Und wechselten daher auch nicht die Orte des Geschehens. In diesem Jahr fand der Auftakt im „Weingut Hoflößnitz“ statt.

Die Lutherkirche im Zentrum von Radebeul wurde zum 2. Spielort erwählt, das Weingut von Karl-Friedrich Aust buchte den 3. Tag, während der Kulturbahnhof in Radebeul-Ost zur Endstation erkoren wurde. Vier Konzerte, die sich dem Jazz auf ganz und gar unterschiedliche Art und Weise annähern wollen.

Texterin Nora Gomringer

Texterin Nora Gomringer Foto: W. Zimmermann

Das machte schon der Auftakt im wunderbar sanierten „Weingut Hoflößnitz“ deutlich. Der Ausnahmetrommler und Radebeuler Einwohner Günter „Baby“ Sommer hatte sich für die Startveranstaltung die Texterin Nora Gomringer mitgebracht. Diese Mixtur aus kraftvollen Trommelsoli und ganz wunderbaren – weil auch recht schonungslos offen – gelesenen Texten be- und verzauberte das Publikum.

Gunter »Baby« Sommer

Gunter »Baby« Sommer in Aktion Foto: W. Zimmermann

Gunter „Baby“ Sommer sieht sich selbst und seine Bühnenpartnerin „…im Ping Pong zwischen Texten und Leserei!“ Und doch lässt sich die Kraft seiner Trommelstöcke nicht verbergen. Sommer beginnt sehr sanft und hat aber schon nach drei Minuten zu seinem kraftvollen Spiel zurückgefunden. Und mitten in das Trommelkonzert mischt sich da die Stimme von Nora Gomringer, die verkündet: „Und ist man tot, dann muss man lang im Grabe liegen!“ Das ernüchtert und amüsiert gleichzeitig. Die beiden Akteure liefern sich im Verlaufe des Konzerts noch so manche Spitze. Wobei er die Kraft der Trommeln auf seiner Seite hat, sie sich aber mit der Kraft des Wortes vehement wehrt. Denn auf die Trommelei gemünzt pariert sie u.a. mit dem Satz „Trommel die Leute aus dem Schlaf, das ist die ganze Wissenschaft!“ Und beide schonen sich gegenseitig auch überhaupt nicht im weiteren Verlauf des Abends. Nora Gomringer hat zudem einige Sätze aus der Bibel parat und ganz ohne Schalk kritisiert sie diese. Mit dem wütenden Ausruf „Christus, hier hast Du’s!“ beendet sie schließlich diese Passage. Nora Gomringers Art zu lesen ist spannend und gefühlvoll zugleich. Und das Publikum glaubt ihr unbesehen, wenn sie bekennt „Aus meinem großen Herzen mach ich die kleinen Lieder!“ Glücklich will sei sein, aber ohne Lärm. Natürlich beantwortet Günter „Baby“ Sommer diese Bitte mit einem lautstarken Trommelwirbel.

Wolfgang Zimmermann

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