Labylysium

Serkowitzer Gastspiel auf dem Leipziger Burgplatz

Wenn sich Bierschinken und Blutwurst vereinigen, entsteht ein völlig neues Bild der Erde. Niemand hat die Absicht, das zu bezweifeln.

Foto: R. Zabka

Ein „niederschwelliges partizipatives Kunst- und Kommunikationsangebot als alternatives Einheitsdenkmal“ – mit diesem Anspruch bespielte Reinhard Zabka mit seinem Künstlerteam zwischen dem 1. und 11. Oktober den Burgplatz in Leipzig mit einem begehbaren Skulpturengarten. So wie im Herbst `89 die Politik auf der Straße stattfand, sollte der öffentliche Raum geöffnet werden für aktives Erinnern unter Bürgerbeteiligung. Die damals geträumten hoffnungsvollen Träume vom Elysium (spätestens seit Schiller als Mutter der Freude bekannt) am Ende der Diktatur führten zu einem Erwachen im Labyrinth verfehlter Wünsche und enttäuschter Hoffnungen am Rande von Utopia. Labylysium suchte beides zu verbinden. Es erzählte von den Visionen und Hoffnungen der Akteure von `89, von den labyrinthischen Erlebnissen der Vereinigung, ohne bei den Verlusterfahrungen hängen zu bleiben.
Geschult an fünfundzwanzigjähriger Aufbauarbeit immer neuer Labyrinthe zum Radebeuler Herbst- und Weinfest auf den Elbwiesen, gestählt durch die Erlebnisse der WuKaMenta in Dresden wirkten die Künstler in den öffentlichen Raum hinein, zum Mittun und Mitlachen zu ermuntern. So traf zeithistorische Ausstellung auf zeitgenössische Kunst, deren Internationalität auf diese Weise unkonventionell vermittelt wurde. Leider gelang es nur bedingt, die Scheu der Neugierigen zu überwinden, auch der Aufruf, ein eigenes Einheitsdenkmal mitzubringen, fand (noch) keinen Widerhall – die höhere Freiheit der Kunst wird offenbar immer noch zu wenig geübt. Auch fehlt es wohl am Bewusstsein für Systemrelevanz …
Reinhard Zabkas Gastspiel in Leipzig kann nur ein Anfang gewesen sein.
Thomas Gerlach

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